Apple ist ein eigener Wirtschaftssektor geworden, sagt JP Morgan

The Unofficial Apple Weblog:

Apple’s income and operations actually compete with whole industries, not just the rest of the PC market. This isn’t just the iPhone or the iPad being a new class of device, it’s Apple as a whole company creating a tech sector of its own. That’s pretty incredible, and if you haven’t yet realized how big Apple has gotten in the past few years (as if the $98 billion in cash wasn’t clear enough), maybe that’s your wakeup call.

Zu den bemerkenswerteren Aspekten des Erfolgs von Apple zählt, dass die anderen Unternehmen im Tech-Sektor davon überrascht wurden.

Der Grund dürfte darin liegen, dass viele in der Branche arbeitenden Nerds davon ausgehen, dass ‘Offenheit’ immer der ‘richtige’ Weg ist. Apple ist der Beweis, dass das zumindest aus wirtschaftlicher Einzelsicht nicht stimmt.

Das Problem mit dem Gegensatz ‘Offenheit’/'Geschlossenheit’ ist auch die bereits enthaltene Wertung: Es geht stattdessen um modulare Plattformen (offen) und vertikal integrierte Plattformen (geschlossen).

Vertikale Integration macht Innovation leichter.

Zusätzlich befinden wir uns in einer Zeit, in der Infrastrukturen (Plattformen) ausgelegt werden. Märkte entstehen und werden besetzt. Vertikale Integration ergibt auf Infrastrukturebene Sinn.

Apple war und ist bestens für diese Zeit aufgestellt.

Dass Google letztes Jahr Motorola Mobility übernommen hat und nun dieses oder nächstes Jahr eigene Tablets und Smartphones herausbringen wird, ist kein Zufall.

 

(Disclosure: Ich halte Appe-Aktien.)

Warum Dropbox disruptiv ist

Bill Gurley von Benchmark Capital beschreibt, warum sie bei der letzten Finanzierungsrunde in den Onlinespeicher und Dateisynchronisierungsdienst Dropbox ebenfalls investiert haben. Why Dropbox Is A Major Disruption:

Once you begin using Dropbox, you become more and more indifferent to the hardware you are using, as well as the operating system on that device. Dropbox commoditizes your devices and their OS, by being your “state” system in the sky. Storing credentials and configurations of devices, and even applications are natural next steps for this company. And the further they take it, the less dependent any user becomes of the physical machine (HW and SW) that is accessing that data (and state). Imagine the number of companies, as well as the previous paradigms, this threatens.

Das ist klassische Disruption dank Vereinfachung von Multihoming auf Nutzerseite.

Zynga war 2011 für 12 Prozent der Umsätze von Facebook verantwortlich

Der Social-Games-Anbieter Zynga war 2011 für 12 Prozent der Umsätze von Facebook verantwortlich. AllThingsD:

Facebook said today in its filing with the Securities & Exchange Commission that Zynga accounted for approximately 12 percent of the company’s revenue last year when Facebook’s revenues totaled $3.7 billion. The revenue came from both its 30 percent payments processing fee related to the sale of virtual goods from games, such as FarmVille and Words With Friends, but also from advertising purchased by Zynga. Additionally, Facebook said Zynga’s apps generate a large number of pages on which it displays ads from other advertisers.

Das ist aus mehrerlei Sicht interessant. Oft wird bei (Web-)Plattformen darauf verwiesen, wie abhängig die App-Anbieter von den Plattformen werden. Selten wird darauf eingegangen, dass auch die Plattformen in eine mehr oder weniger große Abhängigkeit zu den ihre Plattform nutzenden Anbietern gelangen.

Zyngas Einnahmen kommen ungefähr zu 93 Prozent von Facebook. Dass aber auf der anderen Seite Facebook auch von Zynga abhängt, was maximal in der Höhe überraschend ist, hat der öffentlichen Wahrnehmung von Zynga gut getan. Der Aktienkurs von Zynga ist gestiegen.

Zynga ist längst ein Anbieter, auf den Facebook nicht mehr verzichten kann. Jetzt gibt es auch die zugehörigen Zahlen. Die Beziehung der zwei Unternehmen bleibt interessant, denn sie bestimmt zu einem gewissen Grad, wie Facebooks Plattform von Entwicklern wahrgenommen wird.

Airbnb, das eBay der Reisebranche

Airbnb, bei dem just der Medienkonzern Axel Springer eingestiegen ist, habe ich auf Exciting Travel als das eBay der Reisebranche beschrieben:

Auf Airbnb und den deutschen Konkurrenten werden zwar keine Wohnungen versteigert (Das kommt vielleicht noch?), aber wie auch eBay leben diese Angebote davon, dass Privatpersonen, Amateur oder Nebenherunternehmer, als Anbieter auf Kunden treffen, auf die sie ohne die Plattform nie gestossen wären.

Wie eBay haben Airbnb und co. einen vorher nicht existenten Markt aufgemacht. Der Markt für Unterkünfte abseits des Hotelgeschäfts.

Wie eBay leben Airbnb und co. davon, dass das für die Transaktionen notwendige Vertrauen über die Bewertungen von Nutzern durch andere Nutzer aufgebaut wird. Zusätzlich helfen Anbindungen an Netzwerke wie Facebook, um etwa wenn möglich nur Unterkünfte bei Freunden von Freunden zu buchen.

Wie eBay sind Airbnb, Wimdu und 9flats Teil eines größeren Trends, der P2Pisierung der Wirtschaft, wie ich auf neunetz.com vor einigen Tagen geschrieben habe[..]

 

 

The Wire, Institutionen und das 21. Jahrhundert

We stole from the Greeks and made the gods into institutions.

- David Simon über The Wire

The Wire by JCapela

Die US-Serie The Wire wird von vielen (allen?) TV-Kritikern als die beste TV-Serie aller Zeiten bezeichnet:

Die Kritiker schwärmen: „Beste Serie seit Jahrzehnten“ („New York Times“); „beste Show in der Geschichte des amerikanischen TV“ („Philadelphia Inquirer“); „wird als das beste Drama, seit es Fernsehen gibt, erinnert werden“ („San Francisco Chronicle“); „HBOs Meisterwerk – eine TV-Revolution“ („Entertainment Weekly“).

[..]

„Time“ entschuldigte sich bei seinen Lesern dafür, nicht schon früher über „The Wire“ berichtet zu haben: „Wir haben versagt.“ Das Intellektuellenmagazin „Atlantic Monthly“ empfiehlt, die DVDs zwischen Dostojewskij, Dickens und Tolstoi einzusortieren, und der „New Yorker“ begleitete den Erfinder der Serie, David Simon, monatelang für einen elfseitigen Artikel, in dem selbst das Weihnachtsmahl seiner Eltern beschrieben wird.

Was ist das Besondere an The Wire? Neben dem kompromisslosen Format (die im Vergleich zu gewöhnlichen TV-Serien langsame Erzählweise erlaubt keine Spannungsbögen pro Episode und versteht die Serie mehr als Roman in TV-Form; Musik läuft nur, wenn ein Charakter Musik hört) hat The Wire etwas Bemerkenswertes geschafft:

Verkleidet als Copshow ist es eine Serie über den Verfall der amerikanischen Gesellschaft. Die Serie zeigt, wie etablierte, gealterte Institutionen in ihrem Selbsterhaltungstrieb destruktiv auf die Gesellschaft wirken. Sie zeigt auf, wie Informationsasymmetrie und falsche Anreize Menschen dazu bringen oder zwingen, nicht so zu handeln, wie sie unter anderen Umständen handeln würden.

Was in griechischen Tragödien die Götter als unaufhaltsame Naturgewalten waren, sind bei The Wire die Institutionen.

Politiker und ihre Mitarbeiter, die von Polizisten geschönte Statistiken erwarten, um Presse und Höhergestellten keine Chance für Angriffe zu geben.  Schulen, an denen Tests im Vorfeld auswendig gelernt werden, um gut im Ranking abzuschneiden. Journalisten, die nur an Preisen interessiert sind, und Redakteure, die sie dabei unterstützen, weil Prestige nützlich ist.

Wenn Vorgesetzte aufsteigen, weil sie Statistiken so aufbereiten, wie es Politiker brauchen, werden Polizeireviere nicht effizienter. Es glaubt nur jeder, der es nicht besser weiß. Wenn Journalisten Preisen hinterherjagen und Schulen Rankings, dann optimieren sie dementsprechend.

Das ist den Individuen noch nicht einmal immer vorzuwerfen: Wer in einem Bereich arbeitet, in dem die Arbeitsplätze immer knapper werden, der versucht natürlich den eigenen Lebenslauf auf eine möglichst gute Basis zu stellen. Und wer weiß, dass die zugeteilten Gelder in der nahen Zukunft, und gar der eigene Arbeitsplatz, davon abhängen, welche Zahlen man produziert, dann produziert man direkt auf die Zahlen zu, und nicht auf das, was die Zahlen eigentlich sichtbar machen sollen.

The Wire ist so faszinierend, weil es ein abstraktes Thema, institutionellen Verfall und organisationale Problematiken wie etwa Anreizsysteme, in eine fikitonale Narration verpackt, die nichts beschönt und vereinfacht, es aber trotzdem oder vielleicht gerade deswegen verständlich macht. Weil das eines der bestimmenden Problemfelder unserer Gesellschaft ist, ist das nicht nur ein Fest für Organisationstheoretiker. (In meinem BWL-Studium waren die Schwerpunkte Unternehmensrechnung und Organisation.)

The Wire ist ein Portrait der US-Stadt Baltimore, aber es ist gleichzeitig ein Portrait der US-Gesellschaft in ihrer heutigen Verfassung; und darüber hinaus auch von westlichen Gesellschaften allgemein. Denn überall lässt sich im kleinen wie im großen beobachten, was The Wire beschreibt.

The Wire ist nicht misanthropisch. Es erzählt seine Geschichte aus der Sicht der einfachen Arbeiter und des mittleren Managements. Der Schichten, die zerrieben werden.

David Simon, der Macher von The Wire, in einem langen, sehr lesenswerten Interview:

I think it’s a dark show. I think it has a great deal of sentiment to it. I just don’t think it’s sentimental. I think it’s intensely political. I think if you want to suggest that it’s cynical about institutions and their capacity to reform themselves or be reformed, I would have to plead guilty to that. The only thing I would cite is to say that, given where we’re at as a culture right now, cynicism therefore becomes another word for “pragmatically realistic.”I don’t think it’s cynical about human beings.

Immer wieder zeigt The Wire Menschen, die das Richtige machen wollen und entweder feststellen, dass sie damit gegen Wände laufen oder dass sie nur vorwärts kommen, wenn sie das Spiel mitspielen. Es geht nicht um gut und böse, sondern um Anreize und Anreizsysteme.

Simon und seine Mitstreiter zeigen in The Wire keine Lösungen, und auf keinen Fall einfache Lösungen, für die dargestellten Probleme auf.

David Simon hat Recht, wenn er ausführt und in der Serie aufzeigt, dass Institutionen, hier hierarchische Organisationen, schwer bis gar nicht reformierbar sind.

Wir haben als Gesellschaft ein enormes Problem,  das in seiner Tiefe kaum erkannt wird. Destruktive hierarchische Strukturen verstärken die Schäden, die sie verursachen, immer weiter. Gleichzeitig werden sie mit steigendem Alter immer unreformierbarer. Beides geht Hand in Hand dank sich tief verankernden, fehlgeleiteten Anreizsystemen. Während Unternehmen vielleicht noch untergehen und Platz machen können für Neues, gilt das Gleiche für Behörden und politische Ämter nicht.

Es kann sich kein ‘Held’ hinstellen, die Ärmel hochkrempeln und das Problem einfach lösen. Weil das Problem systemisch ist.

***

Eines der großen Themen unserer Epoche ist in meinen Augen eine Enthierarchisierung. Wir können an vielen Stellen die ersten Anfänge beobachten, wie aus Hierarchien Netzwerke werden.

Oder präziser: Wie Aufgaben, die früher nur von hierarchisch organisierten Institutionen erledigt werden konnten, von Netzwerken übernommen werden. Wikipedia ist das offensichtliche Beispiel. Clay Shirky hat es in “Here comes everybody” (Affiliate-Link) als ‘organizing without organizations’ bezeichnet.

Gleichzeitig entstehen neue Orte im Web, an denen Dinge in Marktform statt in hierarchischer Form organisiert werden. Plattformen, auf denen (mehrseitige) Märkte entstehen, die vorher nicht möglich waren. Diesen Trend habe ich als die P2Pisierung der Wirtschaft bezeichnet.

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Netzwerken und Märkten auf der einen Seite und Hierarchien auf der anderen?

Netzwerke und Märkte sind durchlässig. Sie sind sehr viel durchlässiger als Hierarchien. Filter, statt Gatekeeper. Transparenz, statt Informationsasymmetrien. Korrigierbare Anreizsysteme.

In seinem neuen Buch “The Penguin And The Leviathan” (Affiliate-Link) beschreibt Yochai Benkler anschaulich und ausführlich, warum unser, von der industriellen Gesellschaft mit ihren hierarchischen Institutionen geprägtes Menschenbild vom Egoisten nicht nur unvollständig ist (was jedem klar sein dürfte), sondern sehr viel weiter weg von der Realität ist, als die meisten glauben. Der Mensch an sich ist nicht nur weitaus weniger egoistisch als oft angenommern, er ist auch sehr viel kollaborativer. Etwas, das sich sogar evolutionstheoretisch begründen lässt: Der Kollaborierende stärkt die eigene Gruppe und sichert damit nebenbei auch besser das eigene Überleben.

Damit spannen wir wieder den Bogen zu The Wire, in der die Menschen durch die Anreize der Institutionen korrumpiert werden, nicht anders herum, und diejenigen, die an ihren Idealen so weit festhalten wie möglich, verzweifeln, weil sie im vorgegebenen Rahmen nichts erreichen können. Der Rahmen ist entscheidend.

Wir stehen noch immer am Anfang einer umwälzenden Veränderung, die unsere Gesellschaft erschüttern wird. Die ersten Umbrüche der letzten Jahre waren nur Vorboten.

Es ist vielleicht ein glücklicher Zufall, dass zur gleichen Zeit, in der die Finanzkrise die globale Wirtschaft erschüttert und nicht loslassen will, Amazon, Facebook, Wikipedia und Tausende andere große und kleine Unternehmen, Projekte und Netzwerke  Menschen zusammenbringen und die alten Wege hinterfragen, nach denen Gesellschaft und Wirtschaft organisiert waren.

Egal ob man The Wire oder der Wall Street zuschaut, die Erkenntnis dürfte ähnlich sein: Das Internet konnte nicht früh genug kommen.

Das 21. Jahrhundert wird die Epoche, in der sich entscheidet, ob wir das industrielle, im Nachhinein sicher als sehr unmenschlich wahrgenommene, Zeitalter hinter uns lassen und uns etwas besseres bauen können oder ob es uns geordnet in den zivilisatorischen Untergang führen wird.

***

Man kann The Wire unter anderem auf Amazon kaufen. (Affiliate-Link)

Siehe auch:

Das Verhältnis zwischen Appstores und App-Preisen

David Barnard, ein Entwickler mobiler Apps, über die Preisentwicklung im Appstore des iPhones:

In July 2009 the average price for games was $1.39 and all apps combined averaged $2.58. Today it’s $1.01 for games and $2.12 for all apps. Prices do tend to drop in a free market as competition, increased efficiency, economies of scale, and other factors come into play, but I still contend that Apple’s policies and the design of the App Store itself initiated and even accelerated the race to the bottom. It’s clear to me in hindsight that this was either Apple’s intent, or at least something they didn’t actively discourage. To Apple, apps are merely complements to their highly profitable hardware sales. And as Joel Spolsky posited, “All else being equal, demand for a product increases when the prices of its complements decrease.”

To the average consumer, the value proposition of buying an iPhone is amazing given the plethora of free and low-cost apps. After spending $200 on the iPhone 4S, it takes just a few bucks to load it up with Angry Birds, Facebook, Twitter, Instagram, Camera+, Yelp, Pandora, and a host of other great apps. If each of those apps were $10 and it took several hundred dollars to load an iPhone with great apps, the value proposition would be completely different.

Dass die Preise über die Zeit fallen, war vorhersehbar: Ein neuer Markt – eine zentrale Anlaufstelle für den Verkauf von Software, die direkt darüber zur Hardware vertrieben wird, weltweit im besten Fall – landet nicht sofort bei dem Preispunkt, bei dem er sich irgendwann einpendeln kann.

Zuerst kommen die Entwickler, also die Verkäufer. Und die machen in der Regel immer den Fehler, zu viel für ihre Angebote zu verlangen. Verständlich: Noch ist nicht klar, wie die Kaufwilligkeit der Käufer aussieht, und wie viele überhaupt Interesse an dieser Transaktionsform haben. (Wer keine Ahnung von Wirtschaft und auch keinen gesunden Menschenverstand hat, hat sich auch über die viel höheren anfänglichen App-Preise für iPad-Apps gefreut und geschlussfolgert, dass man auf dem iPad für die gleiche Leistung mehr Gewinn bekommt.)

Erst dann kommen die Käufer, die den Rest der Gleichung stellen. Und erst dann entwickelt sich der Markt in Richtung von Gleichgewichten. Der Preisabfall ist also gar nicht so abwegig. Besonders angesichts der dahinter stehenden Kostenstrukturen.

Barnard hat aber in einem anderen Punkt trotzdem teilweise recht:

1. Die Struktur der Appstores beeinflusst die Entwicklung der Marktpreise auf ihnen, weil sie die Informationsströme lenkt.

2. Apple und alle anderen Appplattform-Provider haben ein geringes Interesse daran, dass die App-Entwickler möglichst viel abschöpfen, weil die Apps Komplementärgüter zur Plattform sind. Je teurer die besten Apps, desto teurer der Gesamtnutzen der Plattform für Endanbieter.

Trotzdem haben die Plattformprovider, egal ob Apple, Microsoft, Google oder Amazon, kein Interesse daran, es den Entwicklern so schwer wie möglich zu machen, gut auf ihren Plattformen zu verdienen. Im Gegenteil. Erfolgsgeschichten von Appmillionären helfen den Plattformen, die die Apps genau so brauchen wie umgekehrt.

Immerhin konkurrieren die Plattformen auch untereinander. Und das nicht nur um Nutzer sondern auch um App-Entwickler.

Die P2Pisierung der Wirtschaft

Was haben die meisten erfolgreichen Webplattformen gemeinsam?

Sie ermöglichen unterschiedlichen Parteien, die früher nur über Mittelsmänner in Kontakt treten konnten, jetzt direkt miteinander zu interagieren. In manchen Fällen kommen sogar neue Parteien, neue Marktteilnehmer, dazu. Das senkt die Transaktionskosten und hebt somit die Gewinne für die Beteiligten und greift so die umgangenen Instanzen an. Zweiseitige Märkte statt Gatekeeper.

Das passiert aktuell in den verschiedensten Branchen auf unterschiedliche Arten. Ein paar Beispiele:

Das ist an sich erst einmal keine bahnbrechende oder überhaupt neue Erkenntnis. Aber es lohnt sich, dieses Grundprinzip vor Augen zu halten und als Gründer etwa zu fragen:

Welche Branchen könnten mit einer P2P-verstärkenden Plattform von der Seite angegriffen und damit kreativ zerstört/verändert werden?

Für ‘normale’, eventuell betroffene Unternehmen stellen sich andere Fragen:

  • Verfüge ich über die Kernkompetenzen und andere notwendige Faktoren (Ressourcen, Vertragsverpflichtungen), um eine eigene Plattform in meiner Branche zu etablieren?
  • Wenn nicht, welche Dienstleistungen werden rund um eine neue P2P- und plattformgetriebene Umgebung in meiner Branche wichtig? Was davon kann ich selbst anbieten und frühstmöglich Erfahrung (neben meinem regulären Geschäft) aufbauen?

Denn selbst wenn noch keine erfolgreiche Webplattform in der eigenen Branche angekommen ist, kann es bereits erste zaghafte, zerstreute P2P-Tendenzen auf Onlinemärkten, schwarzen Brettern im Netz und Plattformen oder kleinen Websites geben, die dafür eigentlich gar nicht primär ausgelegt sind.

Denn die dedizierten Plattformen erzeugen den P2P-Sog nicht, sie verstärken ihn ‘nur’.

Das bedeutet letztlich, dass die Frage nicht ist, ob dieser Trend in der eigenen Branche ankommt, sondern nur wann, wie heftig, und wer dabei verdrängt wird.

Google TV könnte das gleiche Schicksal wie Android bevorstehen

Also: Hoher Marktanteil im Markt und Fragmentierung.

Fragmentierung, die den hohen Marktanteil für alle Beteiligten (Endnutzer, App-Entwickler) abgesehen vom Plattformprovider (Google) wieder relativiert.

Janko Röttgers zählt auf GigaOm mehrere Gründe auf, warum Google TV im SmartTV-Markt ‘gewinnen’ (im Sinne von die Mehrheit des Marktanteils abfassen) wird und merkt als Grund dafür unter anderem Customization an:

But what this really points to is that Google TV can be customized easily, which should give CE makers and service operators a huge incentive to use the platform.

Vorinstallierbare Crapware auf dem Fernseher. Der Grund, warum Google TV von TV-Herstellern angenommen werden wird.

Facedroid: Facebook arbeitet mit HTC an eigenem Mobiltelefon auf Androidbasis

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Facebook wird laut AllThings D, der Techpublikation des Wall Street Journals, innerhalb der nächsten 12 bis möglicherweise 18 Monate ein eigenes Mobiltelefon herausbringen.

Leider heißt das Projekt nicht Facedroid sondern ‘Buffy’.

AllThingsD:

Code-named “Buffy,” after the television vampire slayer, the phone is planned to run on a modified version of Android that Facebook has tweaked heavily to deeply integrate its services, as well as to support HTML5 as a platform for applications, according to sources familiar with the project. Facebook only recently chose HTC, after also considering at least one other potential hardware partner — Korea’s Samsung. That means the products themselves are still a ways from hitting the market, potentially as long as 12 to 18 months.

Interessanterweise geht Facebook, das bereits 350 Millionen aktive mobile Nutzer verzeichnet, den gleichen Weg wie Amazon: Es benutzt ein modifiziertes Android. Das ist so naheliegend, wie es für Android naheliegend war, auf Linux aufzusetzen: Man muss nicht den ganzen Weg, den andere bereits gegangen sind, noch einmal beschreiten. Android ist Open Source und ist ein funktionierendes mobiles Betriebssystem mit Touch-Oberfläche.

Es stellt sich nun auch die Frage, ob die iOS-Integration von Twitter eine direkte Antwort von Apple auf dieses Vorhaben von Facebook war, von dem man bei Apple vielleicht erfahren hat. Auf jeden Fall ist es interessant, dass Apple das kleine, im Vergleich zu Facebook fast bedeutungslose Twitter auf Systemebene in iOS integriert hat. Das ist etwas, das Apple sonst nie macht. Dass Apple für diese außergewöhnlich tiefe Integration auch noch auf den Marktführer verzichtet hat, ist ziemlich kurios.

Das wirft auch eine weitere Frage auf: Wenn Facebook jetzt Mobiltelefonplattform-Anbieter wird, wie attraktiv ist dann für Apple noch die Integration von Facebook in die iOS-Plattform? War das vielleicht komplett vom Tisch, was Facebook erst zu diesem Schritt getrieben hat, bei dem sie weniger zu verlieren haben? Was ist mit Microsoft und Windows Phone?

Zurück zu Android: Was ist mit Google?

Google wird Facebook  nicht mit Fanfaren und Begrüßungsstrauß im Androidlager begrüßen. Genauso wenig wie es Amazon begrüßt hat. Und das obwohl Amazon, das angeblich ebenfalls ein eigenes Telefon zusätzlich zu seinen Tablets plant, und Facebook zu den wichtigsten Android-Playern neben Google werden können.

Ist Facebooks Schritt aber ein Schlag in’s Gesicht von Google?

Nur bedingt, auch wenn die schlechteren Technologiepublikationen das als Aufhänger benutzen werden. Natürlich ist es für Google zumindest eine eigenartige Situation, dass der Konkurrent auf der Social-Ebene der Wertschöpfung ihr Produkt auf der Mobil-OS-Ebene benutzen wird. Aber das ist gar nicht so verkehrt für Google, dessen größter Konkurrent im Mobil-Sektor Apple ist. Dort heißt es: Je mehr Androids umso besser, um es stark vereinfacht auszudrücken.

Interessant ist, dass hier Android auch wie bei Amazons Tablet Kindle Fire im Hintergrund laufen wird. Der Vordergrund aber von Facebook angepasst wird. Weitere Fragmentierung? Ja und nein. Zu Amazon und Androids Rolle im Hintergrund schrieb ich:

Und natürlich ist das genau das, was Amazon will: Eine eigene Plattform. Mit eigenen Netzwerkeffekten, eigenem Sog.
Das zugrunde liegende Android könnte dann eine immer unbedeutendere Rolle spielen. So wie die Tatsache für Enduser kaum eine Rolle spielt, dass Android wiederum selbst auf Linux basiert.
Niemand argumentiert, dass es schlecht für die Linux-Fragmentierung ist, dass Google Android (gekauft und) entwickelt hat. Ebenso findet es auch niemand schlimm, dass Linux auch die Grundlage für WebOS und Chrome OS ist.
Genau das Gleiche könnte Android selbst basieren: Die Basis für Tablets werden. Der kleinste gemeinsame Nenner. Mit immer weniger werdenden Kompatibilitäten unter den Android-Abwandlungen.

Anders ausgedrückt:

Fragmentierung für Android ist ein Problem auf Hardwareseite, wenn die Hersteller anfangen, über leichte Softwareanpassungen oder Hardwareunterschiede Differenzierungspunkte zu suchen, aber trotzdem noch Android sein wollen.

Auf Plattformebene, wie bei Facebook und Amazon, tritt Android in den Hintergrund so wie Linux hinter Android in den Hintergrund tritt. Facebooks und Amazons Android-Versuche sind Erweiterungen des Android-Kosmos, die nicht zwingend unter das Label Fragmentierung fallen.

Es ist ein Trend, der an Bedeutung zunehmen könnte: (Web-)Plattformanbieter bestimmen zunehmend den mobilen Sektor und seine Hardwareprodukte, die Hardwarehersteller werden zu besseren Zulieferern. (Oder es kommt alles wie bei Apple, Blackberry und webOS aus einer Hand.) HTC könnte nur der erste von weiteren Facebookphone-Herstellern sein. Ein weiterer Grund, um auf eine eigene Android-Version zu setzen: HTC, Samsung und co. haben bereits Erfahrungen mit Android auf ihrer Hardware. Android als Meta-Plattform für verschiedene mobile Betriebssysteme, so wie Linux die Basis für verschiedenste Distributionen ist? Möglich.

Die Implikationen können vor allem im Falle Facebooks vielfältig sein. Facebook hat bereits im Mai dieses Jahres unter dem Namen Facebook Zero Abkommen mit einigen Mobilfunkanbietern in verschiedenen Ländern abgeschlossen, um ein abgespecktes Facebook ohne Kosten für den Datenverkehr bereitzustellen und damit eine positive Netzneutralitätsverletzung verursacht, die bis dato erstaunlicherweise von praktisch keinem der Netzaktivisten öffentlich angeprangert wurde.

Als im September 2010 das erste Mal das Gerücht um ein Facebook-Mobiltelefon kursierte, schrieb ich:

Es wäre sehr clever, wenn Facebook einfach eine eigene Version von Android mit eigenem Appstore nutzt: Die unzähligen Android-Entwickler könnten ihre Apps einfach für das Facebook-Android nutzen.
Und wo läge der Vorteil?
Facebook könnte sich tief in das Betriebssystem integrieren und damit eine eigene zusätzliche API anbieten, die mobile Apps mit Facebook-Integration sehr viel einfacher machen. Android deluxe quasi für alle sozialen Belange. Man denke etwa an mobile Facebook-Spiele, denen Facebook ein eigenes Dashboard auf seinem mobilen OS spendieren könnte.

Anscheinend wird Facebook mehr auf HTML5 statt auf native Apps setzen, um so auch die mobilen Nutzer auf anderen Betriebssystemen wie iOS und Windows Phone mitnehmen zu können, ohne dass diese sich wie User zweiter Klasse fühlen. Man bedenke: Facebook kommt von einer anderen Ebene als Apple oder Microsoft und muss dementsprechend auch andere strategische Entscheidungen treffen. (Apple zum Beispiel setzt sehr stark auf native Apps.)

Facebook wird aber wohl trotzdem quasi einen AndroidMarket+ anbieten, der tiefe Facebook-Integration ermöglichen wird. (Da ein Android ohne Google keinen Zugang zum AppMarket erhält, bräuchte Facebook so oder so seinen eigenen Appstore.)

Bezahlungen könnten dort über Facebooks Webwährung Facebook Credits laufen. Facebook nimmt bereits heute von jeder Transaktion mit Facebook Credits 30 Prozent. Der gleiche Betrag, den App-Entwickler auch an Google und Apple abliefern, wenn sie ihre Apps in deren Appstores verkaufen.

Weiter schrieb ich im September letzten Jahres:

Braucht ein Social Network ein eigenes mobiles Betriebssystem? Vielleicht braucht es das so sehr, wie eine Suchmaschine ein mobiles OS benötigt.

Bald werden wir herausfinden, ob das stimmt.

Wie Square von der Softwareseite aus den Paymentsektor umkrempeln kann

Auf Exciting Commerce habe ich anlässlich des neuen Loyalty-Features des Krediktartenpayment-Dienstes Square darüber geschrieben, wie Square von der Softwareseite ausgehend, den Paymentsektor umkrempeln kann:

Dies weitergedacht sind viele weitere Verknüpfungen zwischen Offline und Online denkbar, die mit Square irgendwann einmal umgesetzt werden könnten:

  • Verknüpfung mit Twitter, Facebook oder gleich mit Klout: Multiplikatoren bekommen Sonderangebote
  • Identifizierung von Gruppen am Verkaufsschalter für Gruppenverkaufskonzepte
  • Verknüpfung mit Liveshoppinganbietern

Grundsätzlich könnte Square als eine der Schnittstellen zwischen Web und stationärem Handel agieren. Auch eine Verknüpfung von Groupon Now! und Square wäre zum Beispiel denkbar.

Es scheint mir nur eine Frage der Zeit, bis Square APIs anbieten wird. Und dann wird es spannend zu sehen, was beispielsweise mit der Verknüpfung von Foursquare und Square (huch!) möglich wird. Foursquare wird schließlich auch dank gutem Plattformansatz enorm erfolgreich werden.

Aus dem Stoff von starken Plattformen und ihren Verbindungen wird die Geschichte von Disruptionen gemacht.

Kindle Fire und die Zukunft von einem Android im Hintergrund

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Apple-CEO Tim Cook sieht im Kindle Fire eine zunehmende Android-Fragmentierung, was gut für Apple ist:

Barclays analyst Ben Reitzes just met with Apple CEO Tim Cook and CFO Peter Oppenheimer, and here’s what he heard about the Fire:

“While the pricing at $199 looks disruptive for what seems to be the iPad’s most important rising challenge, the Amazon Fire – it is important to note that it could fuel further fragmentation in the tablet market—given it represents yet another platform. While compatible with Android, the Apps work with Amazon products. The more fragmentation, the better, says Apple, since that could drive more consumers to the stable Apple platform. We believe that Apple will get more aggressive on price with the iPad eventually but not compromise the product quality and experience.”

Auf der einen Seite hat Tim Cook recht: Kindle Fire und sein fast schon sicherer Erfolg wird die Android-Plattform weiter fragmentieren. Immerhin sieht das OS des Kindle Fire vollkommen anders aus als die anderen Android-Versionen und die Apps werden über Amazons eigenen Appstore vertrieben.

Auf der anderen Seite übersieht er, glaube ich, etwas wichtiges: Das spielt keine so große Rolle. Der Kindle Fire mag zwar auf Android basieren, aber wenn er groß genug wird, wird er als eigene Plattform wahrgenommen. Android-Fragmentierung hin oder her.

Und natürlich ist das genau das, was Amazon will: Eine eigene Plattform. Mit eigenen Netzwerkeffekten, eigenem Sog.

Das zugrunde liegende Android könnte dann eine immer unbedeutendere Rolle spielen. So wie die Tatsache für Enduser kaum eine Rolle spielt, dass Android wiederum selbst auf Linux basiert.

Niemand argumentiert, dass es schlecht für die Linux-Fragmentierung ist, dass Google Android (gekauft und) entwickelt hat. Ebenso findet es auch niemand schlimm, dass Linux auch die Grundlage für WebOS und Chrome OS ist.

Genau das Gleiche könnte Android selbst basieren: Die Basis für Tablets werden. Der kleinste gemeinsame Nenner. Mit immer weniger werdenden Kompatibilitäten unter den Android-Abwandlungen.

Der Verlierer könnte dann aber je nach dem Google sein. Dass Google von Amazons Android-Vorstoss mit dem Kindle Fire nicht so begeistert ist, kann man daran sehen, dass sie den wichtigsten Android-Tablet-Einsteiger zu keinem Zeitpunkt öffentlich im Android-Lager begrüßt haben..

Shared Items im Feedreader: Es darf auch ein offener Link-Sharing-Standard sein

googlereaderlogo.jpg

In meiner Analyse über die bevorstehende Abschaffung der Shared-Items-Funktion schrieb ich über die daraus entstehende Chance für GoogleReader-Clients:

Es gibt jetzt für Reeder und andere Feedreader, die auf GoogleReader als Synchronisationsplattform setzen, die einmalige Chance sich abzusetzen und Nutzer an sich zu binden, in dem sie die alte Shared-Items-Funktion clientintern kopieren. Für mich als Nutzer würde der Nutzen eines Clients, der es schafft, das erfolgreich zu implementieren, so stark steigen, dass ich GoogleReader wohl fast ausschließlich nur noch über diesen Client benutzen würde.

Das müsste das Feature beinhalten:

-Follower-Prinzip für Nutzer des Clients
-Stream aller Shared Items der Followings, inklusive der Aggregation mehrfach geteilter Inhalte
-RSS-Feed für die eigenen Shared Items, um die so gesammelten Links auf anderen Diensten integrieren zu können

Das muss natürlich kein in sich geschlossenes System sein. Im Gegenteil: Es bietet sich an, einen relativ einfach gehaltenen Link-Sharing-Standard zu etablieren.

Das könnte zum Beispiel ein leicht modifiziertes RSS sein, in dem als zusätzliche Elemente lediglich die Identität des Teilenden (Name mit Link zum Linkblog, evtl. noch Avatar) und sein Kommentar integriert sind.

Dieser Standard wäre dann von allen Feedreadern relativ leicht lesbar und, besonders wichtig, weiterverwertbar, um zum Beispiel Aggregationen etc. anzubieten.

Zusätzlich zu diesem kleinsten gemeinsamen Nenner könnte jeder Client weitere spezielle Features einbauen, die auf das eigene Social Network setzen. (Möglicherweise auch mit Social-Graph-Anbindung an Facebook und Twitter.)

Die Initiative dafür muss auch nicht von einem Client-Anbieter kommen und könnte auch zum Beispiel von Status.net oder Diaspora kommen (wenn letztere irgendeine Ahnung von Lebenszyklen von Webdiensten hätten).

Eine solcher Standard könnte eine verteilte Basis für eine Funktion sein, die bei vielen RSS-Powerusern, also Menschen, die professionell mit Informationen arbeiten, offensichtlich sehr beliebt ist.

Ein Teil dieser Poweruser sind gut vernetzte Techblogger. Was für ein perfektes Sprungbrett für eine eigene Plattform..

Analyse: Google schafft Shared Items im Google Reader ab, eine Chance für Reeder und co.

Googlereaderlogo

Google wird im Laufe dieser Woche die Shared-Items-Funktion im GoogleReader zugunsten einer Google+-Verknüpfung abschalten:

Im Rahmen des Facelifts plant Google außerdem, sich von einigen sozialen Features des Readers zu trennen: Das Sharing gelesener Artikel und das Abonnieren der “Shared Items” anderer Nutzer innerhalb des Google Readers wird abgeschafft. Stattdessen verspricht Google eine engere Verbindung zwischen dem Reader und Google+ – für lesenswert befundene Artikel aus den eigenen RSS-Feeds sollen dann direkt ausgewählten Kreisen bei Google+ zugänglich gemacht werden können.

Inhalt:

Feedreader + Followerprinzip

Das ist insgesamt bedauerlich und besonders für Leute wie mich ausgesprochen desaströs. Eine kurze Erklärung: Für mich (und nicht nur für mich, wenn man die dazugehörigen Artikel von Techbloggern hierzulande und aus den USA liest), ist das im GoogleReader implementierte Followerprinzip eines der wichtigsten Tools für Informationsbeschaffung und Überblick über aktuelle Vorgänge in der jeweiligen eigenen Nische.

Die Erklärung dafür ist recht einfach:

  1. Das extrem mächtige Followerprinzip (ich folge, wen ich für interessant halte, der/diejenige muss mir nicht zurückfolgen) hat im Kontext mit dem populären Feedreader zur effizientesten ‘verteilten Redaktion’ geführt, die ich je gesehen habe: Die Leute, denen ich folge, agieren praktisch noch einmal als Filter zwischen mir als Leser und den Autoren, deren Artikel ich lese. Das funktioniert besser als vergleichbares Filtern/Aggregieren auf Facebook, Twitter, Digg oder Google+. Warum? Darum:
  2. Die Shared Items sind deshalb so effizient, weil sie direkt in dem Tool stattfinden, in dem der Konsum stattfindet. Wer auf Twitter, Facebook oder Google+ einen Link teilt, hat diesen nicht auf der Plattform gelesen. Wer einen Artikel im GoogleReader teilt, hat ihn in der Regel (dank Volltextfeeds) auch dort gelesen und nach dem Lesen lediglich auf ‘Share’ geklickt. Die Shared Items derer, denen ich folge, können direkt im Feedreader, dem effizientesten Konsumtool, gelesen und reorganisiert werden. Die Folge ist ein Ordner, “People you follow”, dessen Qualität unerreicht ist. Unter anderem ist das auch die Folge von zum Beispiel Aggregation, wenn mehr als eine meiner Verfolgten den gleichen Artikel im GoogleReader teilt.

Man kann das Ergebnis aus 1.) und 2.) am folgenden Screenshot schön sehen:

Greadershareditems

Je mehr Leute einen Artikel teilen, desto wichtiger scheint er zu sein. Ein Klick und ich kann (in der Regel) den kompletten Text sofort lesen und gegebenenfalls mit einem weiteren Klick weiter verteilen.

Ich folge im GoogleReader 371 Personen. Meine Shared Items wurden von 494 Nutzern abonniert.

Zusätzlich zu meinem Shared-Ordner habe ich einen High-Quality-Ordner angelegt, in dem ich nur die Shared Items von Leuten wie zum Beispiel Felix Schwenzel, Martin Weigert oder Carsten Pötter vorfinde. Dieser Ordner ist seit ungefähr einem Jahr die erste Anlaufstelle, um schnell die wichtigsten neuen Entwicklungen in meinem Interessensfeld zu erhalten.

Das ist das Ergebnis einer steten Verfeinerung meiner Nutzung der Shared Items, die ich nun seit Jahren täglich einsetze. Zum ersten Mal schrieb ich 2007 über Shared Items im GoogleReader. Zuletzt ausführlich habe ich 2008 darüber geschrieben. Damals gab es auch mit unter anderem Readburner und RSSMeme ein aktives Ökosystem rund um die Shared Items, das das Potential der Redistribution und Aggregation der Shared Items zeigte.  Beide Dienste existieren nicht mehr. Google selbst hat leider in diese Richtung nie etwas gemacht. (Dabei hätte es vor allem viel Potential in readerweitem Aggregieren von Themenclustern oder auch in der Verwendung von FOAF gegeben.)

Um das noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Die bevorstehende Abschaltung der Shared Items trifft mich in meinem Arbeitsfluss stärker, als würden zum Beispiel von heute auf morgen sowohl Twitter als auch Google+ verschwinden. Ein weiterer Grund neben den bereits benannten findet sich im nächsten Punkt:

RSS, Baby

Meine Shared Items sind dank dem WordPress-Plugin Postalicious die Grundlage für die quasi-werktäglichen Linkhinweise zu News und lesenswerten Analysen hier auf neunetz.com gewesen.

Da ich über das Plugin die Linkliste direkt aus GoogleReader heraus befüllen kann, waren die Übersichten quasi ein Nebenprodukt meines täglichen Feedkonsums. Der zusätzliche Aufwand war praktisch minimal. Mit dem Wegfall der Shared Items und des damit verbundenen Linkblogs werden auch die Linkübersichten vorerst ein Ende finden, da es keinen adäquaten Ersatz gibt. Die Verwendung eines zusätzlichen Tools kommt für mich aus Zeitgründen aktuell nicht in Frage.

Das Problem, das Google für Nutzer schafft, entsteht auch durch die Abschaffung der RSS-Feeds. Eine unnütze Featureverknappung, die lediglich Google/Google+ hilft – oder vielleicht nicht. Siehe dazu den Punkt “Reeder to the rescue”.

Der Google-Mitarbeiter Louis Gray schreibt auf Google+ zu den Veränderungen:

more details will come when the rollout occurs, but yes, sharing within Reader will be retired. The public shared items page will no longer have new entries.

Das bedeutet, dass es zwar weiterhin eine Sharing-Option geben wird, diese wird aber beschränkter sein als die bisherige:

  • Nur Google+
  • Kein RSS (weil Google+ noch kein RSS anbietet)
  • (Höchstwahrscheinlich) Keine Verknüpfung zwischen Sharingplattform (Google+) und Konsumtool (Reader)

Das Nützliche an der Tatsache, dass die Shared Items einen eigenen RSS-Feed besitzen, ist die einfache Integration in andere Dienste: Ich kann meine Shared Items leicht hier in WordPress reinlaufen lassen, in Pinboard mit all meinen anderen Lesezeichen archivieren und in unzählige Dienste, die RSS-Import erlauben, wie zum Beispiel Tumblr oder Twitter, über diverse Tools importieren.

Google+: Ersatz statt zusätzliches ‘Social Layer’?

Das Interessante und gleichzeitig Beunruhigende an Googles Vorgehen ist, wie Google mit dem bestehenden Featureset umgeht. Seit Google+ eingeführt wurde, hört man von Google-Managern und -Sprechern immer wieder, dass Google+ die zusätzliche soziale Schicht, das Social Layer, werden soll, dass alle Google-Dienste (und am besten noch den Rest des Webs) mit einander verbindet.

Google+ wurde als eine neue Ebene vorgestellt. Zumindest in diesem Fall ist Google+ allerdings ein minderwertiges Substitut für eine Funktion, die zu dessen Gunsten eingestellt werden soll.

Es ist offensichtlich, was Google damit erreichen will: Die Poweruser, die GoogleReader benutzen (und das sind sehr viele), sollen ihr Sharingverhalten Richtung Google+ verschieben. Das Erstaunliche ist, dass Google mit (seinem bald toten Google+-Vorläufer) Buzz wenig richtig gemacht hat, zu dem Wenigen aber die GoogleReader-Integration zählte:

Die unangetastete Sharing-Option lies such mittels Opt-in in Google Buzz integrieren. Neue Shared Items erschienen in Buzz. Kommentare in Buzz waren gleichzeitig Kommentare in GoogleReader. Der GoogleReader war sozusagen eine Art Buzz-Client für Poweruser. Genau das hätte Google auch im Zusammenspiel von GoogleReader und Google+ als Strategie umsetzen sollen:

Den Powerusern es so einfach wie möglich machen, mit GoogleReader glücklich zu werden und gleichzeitig ihr dortiges Sharing-Verhalten sanft (sprich ohne Einbußen) in Google+ hereinzuziehen. Gleichzeitig wäre es sinnvoll für Google, GoogleReader bewusst zu einem Tool auszubauen, dass nützlich für Poweruser ist.

Immerhin ist immer ungefähr ein Prozent der Nutzerschaft für die Inhalte auf einer Webplattform verantwortlich. Auch Google+  braucht dieses eine Prozent. Google+ selbst ist aber nicht der perfekte Ort für Poweruser, um zum Beispiel die Empfehlungen anderer Poweruser zu konsumieren.

Wir erinnern uns an den Tag, als wir vor einer Woche anfingen, diesen Text zu lesen: Shared Items im GoogleReader sind so perfekt, weil sie direkt im Konsumtool integriert sind. Zwischen den Linkempfehlungen gibt es keine Fotos von Katzen oder Hundewelpen, keine Diskussionen zum aktuellen Wetter.

Zusätzlich zu diesem Problem kommt die Tatsache, dass die Nutzung von Google+ und GoogleReader auch aus der Perspektive der Außendarstellung der Nutzer nicht identisch sein muss und oft nicht sein kann. Ich habe nichts davon, Mahendra Palsule, Techmeme-Redakteur und eine der interessantesten Shared-Items-Quellen in meinem Reader, jetzt in Google+ zu folgen. Ich bekomme mehr als die Links und gleichzeitig weniger, weil ich die Links nicht mehr auf der für mich als Poweruser bequemsten Plattform erhalte.

Was passiert, wenn Google dieses Vorgehen auch bei Blogger und YouTube an den Tag legt? Wenn es native Features dieser Dienste zugunsten minderwertiger Google+-Funktionen einfach abschaltet? Das kommt mir zumindest kurz- und mittelfristig nicht wie eine erfolgversprechende Strategie vor.

Im eigenen Interesse und nicht im Interesse der Nutzer zu handeln, ist natürlich das gute Recht von Google. Ein solches Verhalten kann aber leicht nach hinten losgehen:

Clients to the rescue

Mehr als alles andere war das oben beschriebene Followerprinzip, das in den GoogleReader integriert wurde, ein perfekter Lockin. Solang ich Personen im Reader folge, und diese mir folgen, und das im Interface gut integriert ist, gibt es für mich gute Gründe beim GoogleReader zu bleiben.

Indem nun dieser Lockin wegfällt, wird auch GoogleReader ersetzbarer. Das muss nicht zwangsläufig ein anderer webbasierter Feedreader werden. Das kann auch, um den Übergang weg vom GoogleReader möglichst smooth zu gestalten, über einen GoogleReader-Client geschehen.

Es gibt jetzt für Reeder und andere Feedreader, die auf GoogleReader als Synchronisationsplattform setzen, die einmalige Chance sich abzusetzen und Nutzer an sich zu binden, in dem sie die alte Shared-Items-Funktion clientintern kopieren. Für mich als Nutzer würde der Nutzen eines Clients, der es schafft, das erfolgreich zu implementieren, so stark steigen, dass ich GoogleReader wohl fast ausschließlich nur noch über diesen Client benutzen würde.

Das müsste das Feature beinhalten:

  • Follower-Prinzip für Nutzer des Clients
  • Stream aller Shared Items der Followings, inklusive der Aggregation mehrfach geteilter Inhalte
  • RSS-Feed für die eigenen Shared Items, um die so gesammelten Links auf anderen Diensten integrieren zu können

Der Desktop-Feedreader NetNewsWire hatte bereits einmal ein ähnliches Feature. Er verlor nur gegen das GoogleReader-System. Es wäre also nicht das erste Mal, das ein anderer Feedreader-Anbieter in diese Richtung geht. Es sind in diesem Zusammenhang auch gute Nachrichten, dass mit Reeder der beliebteste GoogleReader-Client für iOS und Mac seine Google-Abhängigkeit im nächsten Update verringern will:

Hierfür plane er eine völlig neue Synch-Engine, die nicht mehr ausschließlich auf den Google Reader aufsetzt. Sein Ziel ist es, in Zukunft andere Dienste unterstützen zu können – ganz einfach alles, was eine Entwicklerschnittstelle hat und als Bestandteil von Reeder sinnvoll ist. Als Beispiel hierfür nennt er den intelligenten RSS-Reader Fever sowie Twitter (das von manchen ohnehin als Dolchstoß für RSS betrachtet wird).Der Reeder-Macher unterstreicht, dass er noch nichts versprechen kann und momentan erst einmal eine Wunschliste für den nächsten Reeder zusammenstellt.

Tatsächlich scheint der Entwickler bereits an die Integration von sozialen Features gedacht zu haben. Lediglich Ressourcenknappheit scheint dem aktuell entgegen zu stehen.

Am Ende könnte die aktuelle Strategie von Google also nach hinten losgehen und statt die RSS-Poweruser auf Google+ zu holen, könnte Google sie (etwas weiter) weg vom GoogleReader treiben.

Ordr.in zeigt, wie eine Plattformstrategie für Essensbestellungen aussieht

Ordr.in, in das just Google Ventures investiert hat, fährt eine klassische Plattformstrategie für Online-Essensbestellungen über seine API (Programmierschnittstelle). TechCrunch:

Ordr.in’s solution has been to parter with 72 local food ordering sites (and counting) across the United States, which let users order from some 7,000 restaurants. It then normalizes all of that data, and gives other apps and services access to it via an API.

It’s this API that lets any app or service integrate food ordering. Say, for example, Netflix wanted to integrate an option to oder dinner alongside your evening streaming movie. With Ordr.in, they could do it. And they have a financial incentive to do so — they get a cut of each transaction (as does Ordr.in).

Wenn man sich den Konkurrenzkampf der deutschen Lieferdienste anschaut, dann ist es wirklich erstaunlich, dass den Gründern der deutschen Lieferdienste nur juristische Scharmützel einfallen, um sich gegen die Konkurrenz zu wehren.

Dabei zeigt Ordr.in, wie man sich potentiell im Markt verankern kann. Ganz ohne Justiz und Schlammschlacht und dafür mit einer API und einer Plattformstrategie.

Man muss nur einmal etwas größer denken und über den lokalen Markt hinausschauen.

X.Commerce und die Schwierigkeit, Plattformen aufzubauen

X.Commerce ist eine neue E-Commerce-Initiative von eBay, die auf das zugekaufte Shopsystem Magento aufsetzend, eine Plattform werden soll, die verschiedenste Systeme und Plattformen möglichst mühelos miteinander verbinden soll.

Jochen Krisch auf Exciting Commerce: Ist X.Commerce der Anfang oder das Ende von Magento?:

“Von ATG über Demandware, Hybris, Intershop bis Magento unterstützen 10 der wichtigsten Shopsysteme das neue X.Commerce” – so oder so ähnlich hätte die Ankündigung von X.Commerce auf der laufenden Entwicklerkonferenz lauten müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. So zumindest wären es Facebook & Co. angegangen, um maximale Aufmerksamkeit für eine Systemlösung zu erlangen, die im großen Stil gelauncht durchaus Sprengkraft gehabt hätte und das Zeug dazu, eine Art neuer Standard für den E-Commerce zu werden.

Doch genau das ist nicht passiert. Ebay glaubt mit einer (im konzeptionellen Sinne ja durchaus spannenden) E-Commerce-Lösung die Welt erobern zu können, die zwar als offen für andere Marktteilnehmer propagiert wird, aber letztlich nur die eigenen Zukäufe/Tochterunternehmen einbindet. Und wenn Ebay andere maßgebliche E-Commerce-Player schon zum Start nicht überzeugen konnte, bei X.Commerce mitzuziehen, wann soll das dann geschehen?

Man muss nicht soweit gehen und X.Commerce schon gleich vom Start weg zum Scheitern verurteilen. Denn im Ebay/Paypal/Magento-Umfeld mag X.Commerce durchaus Chancen haben. Aber eben eher als Insel- denn als Universallösung für den breiten Markt.

Wird X.Commerce ein Erfolg werden? Das ist nicht vorauszusehen zu diesem Zeitpunkt. Muss X.Commerce für einen Erfolg mehr als eine Insel-Lösung sein? Unbedingt. Entgegen der Facebook gegenüber oft gebrachten Kritik basiert Facebooks Erfolg darauf, immer weniger Insel zu sein. (Facebook war mal eine, wird aber immer weniger Insel.)

Facebook hat außerdem von Anfang begriffen, dass sie für den Erfolg der Plattform bei jeder neuen Initiative sofort mit Partnern zeigen müssen, dass Interesse da ist, dass die Implementierung für viele offensichtlich profitabel ist, damit die weitere Adoption der Technologie größtmöglich ist. Daraus entsteht dann ein sich selbst verstärkender Effekt dank gegenseitiger indirekter Netzwerkeffekte.

Plattformsteine ins Rollen bringen, ist nicht einfach. Wenn man es aber schafft, bekommt man eine lukrative Lawine. Es bleibt abzuwarten, ob eBay das mit X.Commerce gelingt. Wenn es ihnen gelingt, wäre das eine Sensation für den Onlinehandel.

Wenn ihnen das nicht gelingt, wäre das zumindest ein Ansporn für andere, es besser zu machen. Denn Bedarf wäre auf jeden Fall da: Die Zukunft im Netz liegt auch für den Onlinehandel in mehr Vernetzung.

Siehe auch webshopnews.net für eine deutsche Zusammenfassung von X.Commerce.

Amazon Kindle Fire und die Macht der Plattformen

Amazon kindle fire

Auf Exciting Commerce habe ich letzte über das vorgestellte Tablet Amazon Kindle Fire geschrieben und dort Vermutungen zur Preisstrategie von Amazon angestellt:

Der Preis dürfte neben der Verbindung mit Amazon und seinen Diensten dazu führen, dass das Kindle Fire das erste Tablet wird, das neben dem iPad erfolgreich sein wird. Das Kindle Fire ist so günstig, weil Amazon zum Teil den Hardware-Preis über zusätzliche Verkäufe von zum Beispiel Musik, Filmen und Büchern, alles in Form von Downloads, refinanzieren will. Zusätzlich ist es sehr wahrscheinlich, dass Amazon zur Etablierung des Kindle-Systems einen Verlust pro verkauften Geräts in Kauf nimmt. Eine Strategie, die man unter anderem von Spielekonsolenherstellern kennt. (Und die recht üblich für zweiseitige Märkte ist.)

Anscheinend verkaufen sie das Kindle Fire tatsächlich unter Kosten. isuppli:

A preliminary virtual estimate conducted by the IHS iSuppli Teardown Analysis Service places Kindle Fire’s bill of materials (BOM) cost at $191.65. With the addition of manufacturing expenses, the total cost to produce the Kindle Fire rises to $209.63.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass auf Amazon trotzdem die Top10-MP3s oft günstiger sind als in iTunes. Ich  schätze, dass es da zum einen um ausgewählte Inhalte geht und zum anderen Amazon nicht nur auf zusätzliche Einnahmen bei digitalen Gütern sondern auch bei physischen Gütern hofft.

Insgesamt scheint Amazon auf langfristigen Erfolg dank Aufbau von Marktanteilen zu setzen. Hoch sind die Margen auf jeden Fall nicht:

The margins for Kindle content are thin. Very thin. Apple runs its content business at break even though it transacts billions of items per month. The amount of content that needs to pass through the Kindle ecosystem (with lower prices than Apple charges) will need to be astronomical to make it profitable on the shortened cycle time the iPhone enjoys.

Man sollte aber nicht vergessen, dass das wohl der einzige zielführende Weg ist, sich erfolgreich Marktanteile zu sichern und eine Plattform aufzubauen, die in alle Richtungen profitabel sein kann. Amazon hat bereits geschafft, was kein anderer Hersteller von Android-Tablets vorher geschafft hat. Ein Tablet bauen, das die Leute auch wollen:

Das Potenzial dazu bestätigt nun ein Leak aus einer Datenbank von Amazon. Laut dem Leak wurden in den ersten 5 Tagen über 250.000 Exemplare des Kindle Fires verkauft.

Warum das weder Samsung noch Acer hinbekommen haben, ist relativ offensichtlich. Auf Exciting Commerce schrieb ich:

Bei Tablets geht es nicht (nur) um die Hardware, sondern auch um Plattformen. Es geht um das richtige Gesamtangebot aus Hardware und Zugängen zu Inhalten. Amazon ist das erste Unternehmen, das nach Apple hier alle Fäden in der Hand hält und sehr gekonnt nutzt.

Das wirft die Frage auf, was die Hardware-Hersteller dagegen unternehmen wollen. Und ob sie überhaupt etwas tun können. Und falls nicht, ob sie sich damit zufrieden geben werden, Zulieferer für Apple, Amazon und Co. zu sein.

Facebook ist nicht AOL 2.0, Facebook ist das Gegenteil

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Die unheilvolle Allianz von CCC und FAZ-Feuilleton, die Schnittmenge ist die gemeinsame Abscheu gegenüber erfolgreichen US-Webunternehmen, hat erneut einen Text von CCC-Sprecher Frank Rieger für die FAZ hervorgebracht.

Darin schreibt Rieger über Facebook:

Auf diese Bequemlichkeit setzt auch der Facebook-Konzern, der es sich zum Ziel gesetzt hat, dass seine Nutzer möglichst nirgendwo anders mehr hingehen sollen, weil es ja eigentlich alles, was man braucht, schon in Facebook gibt. Die Freunde sind dort, die Einladungen zu Veranstaltungen und Parties, die Bilder, der Chat, die E-Mail ersetzenden Nachrichten und nun bald auch alles andere. Und man braucht nichts dafür zu bezahlen, schließlich ist man selbst das Produkt. Das Konzept erinnert an die Stasizentrale in der DDR. Es gab alles im eigenen Haus: Friseur, Läden, Bank, Schuster, Schneider und Ärzte.

Das ist so falsch, dass es falscher nicht sein könnte.

Viele machen den Fehler und vergleichen Facebook mit einem zweiten AOL, einem in sich geschlossenen System, weil die Nachteiligkeit der unterlegenen Zentralisierung gegenüber dem dezentralen, reichhaltigeren Web so schön deutlich wird. Rieger macht das in seinem neuesten Text für die FAZ ebenfalls.

Und zeigt im obigen Zitat, wie fehlgeleitet dieser Vergleich von der Realität ist.

Facebook ist nicht so erfolgreich, weil es so zentral wie möglich ist, sondern weil es, ausgehend von seiner Angebotskategorie, so dezentral wie möglich ist.

Facebooks Erfolg liegt in der Plattform begründet, die es erlaubt, von Twitter über Tumblr und Youtube bis hin zum eigenen Blog alles Denkbare und Undenkbare mit Facebook zu verbinden.

Facebooks Attraktivität kommt aus den Verknüpfungen mit komplexen Diensten und einfachen Websites (Like-Button!) außerhalb von Facebook.

Nochmal CCC-Sprecher und FAZ-Netzexperte Frank Rieger:

der Facebook-Konzern, der es sich zum Ziel gesetzt hat, dass seine Nutzer möglichst nirgendwo anders mehr hingehen sollen, weil es ja eigentlich alles, was man braucht, schon in Facebook gibt.

Natürlich ist Facebook zentraler als, sagen wir, ein Haufen Blogs, der sich regelmäßig untereinander verlinkt, und deren Betreiber mit Email und Jabber privat untereinander kommunizieren.

Es ist die Plattform, stupid!

Aber Facebook hat gegen die anderen Social Networks von myspace bis VZ-Netzwerke gewonnen, weil es permanent Zusatznutzen hinzugefügt hat, der über die Verbindung zwischen Facebook und dem Rest des Webs möglich wurde.

Das Gleiche gilt für die aktuellen, letzte Woche bekanntgegebenen Neuerungen, die in Deutschland von vielen Beobachtern, nicht nur von Rieger, in die falsche Richtung gedeutet werden.

Facebook macht es nicht allein, Facebook bietet das alles nicht selbst an, Facebook bietet neue Verknüpfungsformen zwischen Facebook-Plattform und anderen Webdiensten an. Die Launchpartner:

Music partners for the roll-out include Spotify, MOG, Rdio, Rhapsody, Turntable, VEVO, Slacker, Songza, TuneIn, iheartradio, Deezer, Earbits, Jelli, mixcloud and others. On the video side, Facebook is integrating first with Hulu, Netflix, Blockbuster, IMDb, Dailymotion, Flixter and several others.

Facebook is also allowing for onsite consumption of news content and has established partnerships with large media partners for those features, as well.

Noch einmal die Schlussfolgerung von Frank Rieger:

der Facebook-Konzern, der es sich zum Ziel gesetzt hat, dass seine Nutzer möglichst nirgendwo anders mehr hingehen sollen, weil es ja eigentlich alles, was man braucht, schon in Facebook gibt.

Facebook wird attraktiver durch das automatische Sharing, gleichzeitig werden aber auch die Angebote von Spotify bis Hulu dadurch attraktiver; sonst würden sie nicht mitmachen. Und natürlich bleiben die Angebote von Spotify bis Netflix eigenständige Produkte.

Hinzugekommen ist eine Vernetzungsmöglichkeit mit dem größten Social Network der Welt, das das größte Social Network der Welt wurde, weil es früh (2007, als erster) angefangen hat, eine Plattform aufzubauen.

Nico Lumma hat die Unterscheidung zwischen den tatsächlich entstehenden Plattformen und ihren Ökosystemen und dem falschen, aber immer wieder verbreiteten Bild eines zweiten AOLs oder eines All-in-one-Portals in einer Replik zu einem Facebook-Artikel auf sueddeutsche.de zusammengefasst:

Ultimativ sieht er [der SZ-Autor] Facebook in seinen Bestrebungen, global alle Nutzer und ihre sozialen Interaktionen einfachen zu wollen, zum Scheitern verdammt. Das kann man so sehen, oder einfach den Ökosystem-Gedanken verfolgen und sehen, daß Facebook und Google mit den geschaffenen Strukturen sehr viele Möglichkeiten zur Entfaltung bieten können. Ich tue mich auf schwer damit, von Monokulturen zu sprechen, eher von konkurrierenden Ökosystemen, die ihrerseits unterschiedliche Ausprägungen von Vielfalt zulassen, aber eben keine Monokultur darstellen.

Noch einmal Frank Rieger zum Abschluss:

Für diese aggressiv vorangetriebene Strategie, die Nutzer zum längeren Verweilen zu bewegen, gibt es handfeste wirtschaftliche Gründe. Facebook ist mitnichten ein „soziales Netzwerk“. Es ist ein Unternehmen, das eine Dienstleistung verkauft: gezielte, perfekt zugeschnittene Werbung. Der Börsenwert des Unternehmens wird folglich anhand der Anzahl, Verweildauer und Nutzungsintensität seiner Mitglieder errechnet. Jede Minute, die ein Nutzer nicht auf Facebook ist, wird als Verlust angesehen.

Natürlich ist Facebook ein Social Network. Und natürlich verdient Facebook mit Werbung (und Facebook Credits) sein Geld.

Und natürlich schrieb Frank Rieger, Sprecher des latent wirtschaftsfeindlichen CCC, seinen Text nicht für eine “Pressepublikation” sondern für die FAZ,  ein Unternehmen, das eine Dienstleistung verkauft: gezielte, perfekt zugeschnittene Werbung.

Nischenangebote werden zu Plattformen. Heute: Kik und RunKeeper

Egal in welcher Nische ein Startup aktiv ist: Wenn es erfolgreich ist, ist ab einem gewissen Punkt der nächste logische Schritt der zur Plattform. Mit einer Programmierschnittstelle (API)  lässt sich im Idealfall der Marktanteil weiter ausbauen und verfestigen, weil so eine Andockstelle für Randangebote von Drittanbietern entsteht, die insgesamt den Markt besser abdecken können als es der eigentliche Anbieter jemals könnte.

Diese Entwicklung kann man vielerorts mittlerweile auch abseits der bekannten Beispiele (Facebook, Twitter etc.) beobachten. Der ortsbasierte Dienst Foursquare etwa war von Anfang an darauf ausgelegt, eine mobile Plattform zu werden. (Die Berichterstattung über Foursquare a la “Checkins und Badges? Was wollen die denn damit erreichen?” deutet darauf hin, dass die wenigsten Beobachter Produktlebenszyklen bei Webstartups einbeziehen oder überhaupt verstehen. Am Anfang steht in der Regel erst einmal die Anreizschaffung für die Endnutzer.)

Zwei jüngere Beispiele zeigen recht schön, dass sich diese Entwicklung mehr oder weniger auch in kleineren (RunKeeper) wie potentiell größeren (Kik) Nischen vollzieht.

1. Beispiel: Die auf mehreren Plattformen vertretene mobile Messaging-App Kik hat ein SDK (Software Development Kit) herausgebracht, mit dem das Andocken für andere mobile Apps möglich wird.

ReadWriteWeb über Kiks SDK:

The SDK, available for both iOS and Android, is simple to use, says the company. It can be integrated into your app in just 10 minutes, they claim. All you have to do is drop in the library and paste in some code. The rest is handled by the Kik API.

When users share something from the app with a friend not using Kik, it offers to take them directly to a download page for the application. So yes, this is sort of back-handed way for Kik to boost its own app installs. Still, if you have an app that could benefit from this type of sharing mechanism, it may be worth a look.

2. Beispiel: RunKeeper ist eine mobile App, mit der man seine Joggingtouren tracken kann. Vor einem Monat hat RunKeeper mit der Veröffentlichung einer API sich für Entwickler geöffnet.

GigaOm über die Health Graph API:

RunKeeper, which began as a way to track runs for users, is now poised to become a full-fledged fitness network with the release of a Health Graph API that lets developers and device makers tap into its growing data set and community. The API opens up the RunKeeper experience enabling a host of apps and devices to publish to RunKeeper’s FitnessFeed and contribute to its Health Graph.

Die Ergebnisse:

Kik: Aus einer einfachen Messaging-App wird eine Plattform für das schnelle mobile Austauschen von Inhalten jeglicher Art.

RunKeeper: Aus einer nützlichen mobilen Fitness-App wird eine Community und Plattform für Fitnessaktivitäten und deren Abbildung in mobilen Apps.

Wann Entwickler Plattformen annehmen

Marco Arment (Ex-Tumblr, Instapaper) über verschiedene Aspekte, die Plattformen für Entwickler attraktiv machen:

Developers come, generally, when at least two of these three criteria are met:

  1. Developers themselves use and love the platform’s products.
  2. The platform has a large installed base.
  3. Developers can make decent money on the platform.

Different types of developers, and therefore different types of apps, show up depending on which criteria are met.

Und wie ältere und neuere Plattformen aktuell dastehen:

Windows has lost a lot of ground on the first for quite some time. Mac OS struggled with the second for most of its history. Android phones have had a lot of trouble achieving the third. And, to date, Android tablets have failed to meet any of them.

Plattformprovider können das Henne-Ei-Problem unter anderem lösen, indem das Grundangebot auch ohne Drittanbieter attraktiv genug ist. Das iPhone etwa war auch ohne AppStore ein extrem gutes Smartphone. Deswegen war zur Einführung des Appstores die Verbreitung der Hardware groß genug, so dass es sofort attraktiv war, für das iPhone zu entwickeln.

iPad-Konkurrenten, von WebOS’ Touchpad bis Android-Tablets, sollten also gut genug sein, so dass sie auch ohne reiche Auswahl an Apps gegen das iPad bestehen können. Erst dann werden sie verkauft und erst dann kommen auch die App-Entwickler. (Es gibt noch andere Wege. Zum Beispiel kann der Plattformprovider auch die Entwickler direkt für die Nutzung der Plattform bezahlen.)

HP hat mit dem Touchpad hier meines Erachtens mehr Chancen als Android aktuell. Vorausgesetzt HP macht mit Hardware und Preissetzung alles richtig. Mit WebOS haben sie bereits das bessere OS, das von Haus aus einige gute Alleinstellungsmerkmale mitbringt.

Android: Kontodaten und Fragmentierung könnten Amazon zum Majorplayer machen

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Seit einigen Tagen geht das Gerücht um, dass Amazon an einem eigenen Android-Tablet arbeitet. Das neueste Gerücht besagt sogar, dass Amazon gleich an einer ganzen Palette von Android-Geräten arbeitet. Gestern wurde es auch vom sonst immer recht gut informierten BGR bestätigt.

Normalerweise berichte ich hier nicht über Gerüchte und gehe nur in Ausnahmefällen auf diese ein.  Aber Amazon-CEO Jeff Bezos antwortete kürzlich auf die Frage nach einem Amazon-Tablet abseits des Kindle mit “stay tuned”. Damit ist klar, dass ein Amazon-Tablet kommen wird:

That’s about as clear of a confirmation as you can get from a company that doesn’t preannounce products.

Was ist jetzt das Interessanteste daran? Amazon könnte tatsächlich zum Majorplayer im Android-Ökosystem werden:

if there is any company that can compete with Apple’s vertical iOS ecosystem head-to-head outside of Google and Microsoft, it is Amazon. The company can afford to sell product cheap while looking to make money through its retail store and Kindle publications.

Warum kann Amazon mit Apples iOS konkurrieren und sein eigenes konkurrenzfähiges System aufbauen? Apples Vorteil bei iOS war unter anderem, dass sie aus Jahren von itunes-Geschäften eine Menge an Kontozugangsdaten (Kreditkarten in den USA) anhäufen konnten. Der Appstore konnte sofort mit einem Minimum an Aufwand auf Kundenseite loslegen.

Steve Jobs verweist immer bei seinen Keynotes auf die Anzahl an Kontodaten, die Apple mittlerweile zur Verfügung hat. Warum? Das ist ein Zeichen an Entwickler, dass sie gute Chancen haben, viele zahlungsbereite Kunden erreichen zu können.

Schauen wir uns Android an. Google, das von Grund auf ein Werbeunternehmen ist, hatte einen einfachen Zahlungsmechanismus nicht weit oben auf der Prioritätenliste. Für lange Zeit war es überhaupt nicht möglich, Apps im Android AppMarket zu verkaufen. Hinzu kommt ein fehlender Zeitvorteil a la itunes. Google hat kein weitverbreitetes Zahlungssystem, das es nur mit Android verbinden musste.

Und jetzt kommt Amazon. Amazon, das so viele Kontodaten hat, dass es mit einem eigenen PayPal-Konkurrenten dem etablierten Bezahldienst sofort Angst machen sollte.

Amazon ist eines der wenigen Technologie-Unternehmen, das Kontozugangsdaten von Kunden in der gleichen Größenordnung von Apple vorweisen kann.

Im März startete Amazon seinen eigenen Appstore für Android-Apps. Das Problem dabei nur: Um den Amazon-Appstore nutzen zu können, müssen Android-Nutzer diesen erst installieren. Das ist alles recht umständlich und dürfte nur zu einem geringen Erfolg für Amazon führen.

Es sei denn, der Amazon Appstore ist vorinstalliert auf Android-Geräten. Auf Amazon-Android-Geräten. Der Amazon Appstore wird damit sowohl für Entwickler als auch für Nutzer interessanter.

Das könnt mittelfristig weitreichende Auswirkungen auf das Android-Ökosystem haben. Bekanntlich ist Android von Fragmentierung geplagt. Die Entwickler müssen ihre Apps an viele verschiedene Gerätschaften und Versionen der Android-Firmware anpassen, wenn sie maximale Reichweite wollen; etwas, das mit der Ausweitung von Android auf TV-Geräte noch zunehmen wird. Aber wollen die Entwickler überhaupt maximale Reichweite? Die Reichweite ist nicht das Ziel, sondern der Zweck zur Erreichung des Ziels: Profit.

Angenommen, jetzt kommt ein Unternehmen, das einen Appstore bietet, der automatisch mit vielen zahlungswilligen Kunden verbunden ist. Die App-Entwickler würden sicherstellen, dass ihre Apps zum einen in diesem Appstore vertreten sind und dass ihre Apps auf Geräten mit diesem Appstore laufen. Amazons Tablets könnten innerhalb kurzer Zeit den Ruf bekommen, dass auf ihnen die meisten Android-Apps laufen bzw. jede App auf jeden Fall auch auf Amazons Tablets läuft.

Innerhalb der Android-Palette wären Amazons Tablets dann die attraktivsten zumindest auf Appseite (eine nicht zu unterschätzende Seite). Natürlich können andere Hersteller ihre Tablets dann Amazon-konform machen und den Amazon Appstore ebenfalls integrieren.

Google würde dabei aber langsam die Kontrolle über wichtige Teile von Android entgleisen.

Amazon könnte mit seinen Tablets von allen Android-Anbietern Apple am nähesten kommen und genau deswegen zum Majorplayer werden.

Bleibt die Frage, ob Google damit ein Problem hätte.