Wall Street Journal: Facebook arbeitet an eigenem Flipboard

Das Wall Street Journal über die News/RSS-Ambitionen von Facebook:

The social network has been quietly working on a service, internally called Reader, that displays content from Facebook users and publishers in a new visual format tailored for mobile devices, people with knowledge of the matter said.

The project, which the company has been developing for more than a year, is designed to showcase news content in particular. Recent versions of Reader resemble Flipboard Inc., a smartphone and tablet app that aggregates stories from multiple sources and lets users swipe to flip through articles, said the people with knowledge of the project.

While it’s unclear when Facebook will be ready to unveil the product, if it ever is, the Reader project is a sign the company is trying to get users to spend more time with it on mobile devices—and to see more ads.

Sollte das Wall Street Journal mit seinen Informationen recht haben, stellt sich die Frage wie sich der mobile Facebook-Reader von Flipboard unterscheiden wird und worin er besser sein wird (und kann). Denn all das, Smartphone-/Tabletgerecht aufbereitete Neuigkeiten von Facebook-Freunden und Nachrichten aus den Medien, kann Flipboard bereits sehr gut.

Im schlimmsten Fall kommt für Facebook ein zweites Facebook Camera heraus und der Social-Network-Riese ist, wie bei Instagram, gezwungen das Vorbild zu übernehmen, wenn das Segment intern als so wichtig angesehen wird. (Ich kann die Überlegung bezüglich des Segments nachvollziehen, bin aber nicht sicher, ob eine dedizierte Anwendung der richtige Weg für Facebook ist. Vielleicht ist aber gerade das notwendig, weil die Stammapp andere Aufgaben erfüllt und sie nicht weiter mit Optionen aufgebläht werden kann.)

Flipboard hat 50 Millionen Nutzer, 3 Millionen allein kamen in den Tagen nach der Einführung nutzergenerierter Magazine hinzu.

Als die ersten Hinweise im Code von Facebook auf eine Integration von RSS aufkamen, hatte ich darüber spekuliert, was Facebook vorhaben könnte.

Hinweis im Code: Arbeitet Facebook an einer Integration von RSS-Feeds in den Stream?

allfacebook.de berichtet über einen interessanten Fund im Code von Facebook, der auf eine künftige Integration von RSS-Feeds in den Stream hindeutet. Die Deutung von allfacebook.de geht eher in Richtung eines Ersatzes von GoogleReader, was ich für relativ unwahrscheinlich halte:

Heute nun hat Tom die nächste große Überraschung auf Lager. Facebook könnte mit einem eigenen RSS Reader an den Start gehen. Nur zwei Wochen bevor Google den mehr als beliebten Google Reader komplett einstellt, wäre diese Entwicklung wirklich brisant. Denn mit einem brauchbaren Ersatz für den Google-Reader könnte Fcebook sich auch im beruflichen Umfeld einen Platz sichern. Der Besuch auf Facebook ließe sich damit als Arbeitsplattform legitimieren. Die Verweildauer auf Facebook würde weiter steigen.

Natürlich hat Tom für diese Annahme wie immer auch eine konkrete Vermutung. So findet sich neuerdings im Open Graph ein Schema, das für jeden Nutzer eine Anzahl von RSS-Feeds speichern kann. Und der Name, sowie die Felder des Schemas, sagen schon aus: Hier geht es explizit um RSS-Feeds, nicht um Facebook-Listen oder Abonnenten.

Sehr viel wahrscheinlicher als ein vollwertiger Readerersatz von Facebook ist die Möglichkeit für Nutzer, neben den Updates von Facebookfansites auch Updates von Websites zu abonnieren, die ihre Neuigkeiten nicht auf Facebook abonnierbar machen. Diese Updates würden dann ähnlich in Streamform integriert wie man das vom Newsfeed von Facebook kennt.

Facebook könnte die RSS-Feeds crawlen und ein Verzeichnis anlegen, so dass man nur die Lieblingswebsites eingibt und die Facebookabomöglichkeiten zu sehen bekommt. Zusätzlich könnte Facebook ein Bookmarklet anbieten, das ähnliches macht (Mit einem Klick Feeds identifizieren und die ausgewählten Feeds im Facebook des Nutzers abonnieren).

So oder so, eine RSS-Integration bei Facebook wäre eine extrem spannende Entwicklung, die RSS mainstreamfähig machen könnte. Natürlich würden die Nutzer dabei die Abkürzung RSS nie zu sehen bekommen.

Man bedenke in diesem Zusammenhang auch, dass Facebook begonnen hat verschiedene, angepasste Streams für unterschiedliche Updatearten anzubieten. RSS-Abos würden wohl einen eigenen Stream bekommen müssen oder mindestens mit den Updates von Facebookfanpages in einen Streamtopf fallen, weniger mit denen von Freunden.

Vielleicht hat Facebook auch etwas ganz anderes mit RSS vor. Dass Facebook aber überhaupt mit RSS experimentiert, während Google dem offenen XML-Standard den Rücken zukehrt, sagt viel über den aktuellen Stand im Web aus.

(via Rivva)

Disqus AudienceSync macht Daten von 100 Millionen Kommentatoren importierbar für 2,5 Millionen Publisher

Disqus, das Kommentarsystem, das auch auf neunetz.com seit einigen Jahren zum Einsatz kommt, hat heute mit AudienceSync die Attraktivität der Kommentarplattform für Publisher enorm erweitert. Mit der neuen Funktion können Publisher Informationen von Disqus-Nutzern in ihre eigenen Contentmanagementsysteme importieren. Das gibt Disqus auch einen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie den Kommentarangeboten von Facebook oder Google. Diese wollen die Nutzerdaten möglichst nicht weggeben, was wiederum zu einem Kontrollverlust für Publisher führt, wenn diese doch diese Kommentarsysteme einsetzen. Nun lassen sich die Disqus-Daten einfacher in spezielle Anwendungsfälle integrieren oder etwa auch für Naheliegendes wie Email-Newsletter verwenden.

TechCrunch:

If a site uses AudienceSync to request access to your information, you’ll be presented with an authorization request similar to the ones displayed when third-party applications want access to your Facebook account.

“It’s an extension of how already Disqus works,” said CEO and co-founder Daniel Ha (no relation to me).

He added that the shared information can include a user’s name, context, and basic biographical information. The company says users have created more than 100 million profiles.

Die 100 Millionen registrierten Nutzer kommentieren auf 2,5 Millionen Sites, auf denen Disqus installiert ist.

Disqus hat weitere beeindruckende Zahlen veröffentlicht:

7 billion monthly pageviews
100 million user profiles
2.5 million site installs
1 million WordPress plug-in downloads

Ebenfalls spannend: Disqus verschickt seit geraumer Zeit täglich eine Email mit einer Übersicht über Kommentare von Personen, denen man auf Disqus folgt. Auf diesen Weg stoße ich regelmäßig auf interessante Diskussionen in Blogkommentaren, die mir sonst entgehen würden.

Der Einsatz von Disqus zum Beispiel auf einem WordPress-Blog ist ein schönes Beispiel dafür, wie dezentrale Systeme und zentrale Angebote Hand in Hand zusammenarbeiten und etwas schaffen können, dass weder der eine noch der andere Ansatz allein bewältigen könnte.

Kann man heute schon bei Facebook Home von einem Flop sprechen? Nein.

Carsten Pötter hat eine gute Erklärung für die schlechten Bewertungen und Download-Zahlen der Facebook Home App im Android Play Store:

Die Frage ist allerdings, ob das an der App Facebook Home liegt oder evtl. eher daran, dass Nutzer verwirrt sein könnten. Die meisten Facebook Nutzer dieser Welt waren nicht zum Launch der App eingeladen und haben nicht die Berichte in den Tech Blogs darüber gelesen. Die meisten wissen schlicht nichts über die App.

Wer Facebook auf seinem Android Gerät haben möchte, sucht nach einer App im Play Store.

[..]

Die Beschreibung zu Facebook Home erklärt den meisten Nutzern nicht viel. Was ist ein Launcher? Das sagt dem Durchschnittsnutzer nichts. Die schlechte Bewertung und die im Vergleich zur bekannten Facebook App geringe Download Zahl animieren ebenfalls nicht zur Installation.

Für normale Facebooknutzer ist der Unterschied zwischen Facebook Home und klassischer Android-App von Facebook anhand der Darstellung im Play Store nicht offensichtlich. Wer nur die klassische App will und stattdessen Home herunterlädt und installiert, das mal eben das komplette Smartphone übernimmt, dürfte nicht nur verwirrt sondern auch verärgert reagieren. Dass Facebook Home von iPhone-Nutzern umgesetzt wurde, die die Eigenheiten von Android nicht angemessen beachtet haben, tut sein Übriges.

Das alles sagt aber wenig über die Zukunft von Facebook Home aus. Wer heute vom Flop redet, fällt ein voreiliges Urteil. Etwas, das leider in der Branche der Techjournalisten und Blogger weit verbreitet ist. Die Aussichten für Facebook Home lassen sich frühestens in einem Jahr beurteilen.

Facebook hat die Ressourcen und die Kompetenzen (sie haben in den letzten Jahren sehr viele gute Designer übernommen), um Facebook Home auf den richtigen Pfad zu bringen. Ich würde nicht gegen Facebook wetten. Facebook hat mit seinen Apps auf Android jetzt auch ein Brandingproblem, aber auch das ist lösbar und könnte auch ohne aktive Einflussnahme temporär sein. Zusätzlich dürfte Facebook Home strategisch vor allem auch auf Vorinstallation ausgelegt sein. Die Artikel, die heute vom großen Flop sprechen, kommen von Autoren, die auf die schnellen Pageviews schauen, nicht darauf, was tatsächlich passiert. 

Instagram beliebt bei Modebloggern

Jochen Krisch auf Exciting Commerce:

Die Facebook-Tochter Instagram scheint sich für die Modebranche – jenseits von Pinterest & Co. – zu einer der wichtigsten Plattformen zu etablieren.

Das ist unter anderem auch von Stylight zu hören, die am Wochenende wieder jede Menge Modeblogger(innen) zu Gast hatten, die zum Teil nur bei Instagram aktiv sind.

Das ist wenig überraschend, zeigt aber auch erneut, wie strategisch klug die Übernahme von Instagram durch Facebook war. Instagram wird mehr und mehr als das Facebooks YouTube sichtbar.

Erste Version von Facebook Home enttäuscht in Reviews

David Pogue auf NYTimes.com über Facebook Home:

The Facebook apps for both iPhone and Android are outstanding. They’re full-featured, beautifully designed, extremely popular. What does Home add, really? Yes, the ability to see incoming posts on your Home screen; you save one tap. But is it worth losing widgets, wallpaper, app folders and the Android status bar in the process?

Die negativen Punkte im Review von Om Malik:

For a service that is supposed to bring us updates in real time, this isn’t close enough and it is clearly working on Facebook Time. Facebook hasn’t been able to fine tune its algorithm and as a result it shows only a very specific kind of update — big bold pictures — from your newsfeed. You can actually feel the slow speed (and infrequency of updates) of the feed when you compare it with the desktop feed which moves at a faster pace.
It is still hard to do many of the basic Facebook tasks on Facebook Home.
While I appreciate the unified messaging option of Facebook Home, the new “Chat Heads” feature is not as easy to use. For example, If you hit five (or more conversations) it takes over the entire screen. It is quite intrusive and really hard to get rid of the chat screen.
I found navigating between Facebook Home and the Android environment a little confusing and jarring — enough to feel the difference.

Das ist nicht sonderlich überraschend, auch wenn ein Home Run mit der ersten Version eine erfreuliche, aber vor allem mögliche Überraschung gewesen wäre.

Für Endnutzer gilt: Im Zweifel auf Version 1.0 verzichten.

Für Analysten gilt: Im Zweifel die Mängel der Version 1.0 nicht mit der strategischen Ausrichtung und ihren Potentialen gleichsetzen.

Facebook hat monatliche Updates angekündigt. Facebook braucht eine starke Präsenz im mobilen Web. Facebook hat sehr viel Talent in den letzten Jahren eingekauft oder angezogen. Das sind gemeinsam die besten Voraussetzungen für ein Facebook Home in einigen Monaten oder spätestens in einem Jahr, das keine Wünsche offen lässt.

Wie werden Apple und Google auf Facebook Home antworten?

Zu den spannenden Folgen von Facebook Home zählen neben der Tatsache, dass Facebook endlich eine Antwort auf das mobile Web gefunden hat, vor allem die Fragen, wie Google und Apple auf ein erfolgreiches Facebook Home reagieren werden.
Apple Outsider fasst die Situation gut zusammen:

At the least, I expect an increased emphasis from Google on the virtues of “stock” Android, and an increased push to make that consistent for consumers. This is already underway on both OEM and developer fronts, but Facebook’s lurking presence will force the issue that much harder.

Home’s to-be-determined success could also force Apple’s hand. Such a product is neither technically nor legally feasible on iOS at the moment, and Facebook’s integration into iOS 6, while powerful, is much less than Facebook Home provides on Android, and thus presumably much less than Facebook wants on iOS. As I said last week, if too many consumers start considering Facebook Home a deal breaker, Apple may need to make some moves of its own. How many consumers that is, and whether they’ll in fact get on board, remains to be seen. All of this just underscores what’s at stake for everyone — Facebook most of all. With just one announcement, Facebook has made itself a strategic stakeholder in the mobile landscape. It’s no longer just a website and an app.

Google knew what it was doing when it made and marketed Android as an “open” system. It surely anticipated forks by handset makers as a manageable risk as long as Google kept advancing the system. But I wonder if it expected something like Facebook Home: an inside-out heist, made by a company after the same exact user data and advertisers Google is after. How it chooses to respond in the near future should give us an answer.

Durchschnittsnutzer auf Facebook ist Fan von 40 Seiten

Jens Wiese auf allfacebook.de über eine Analyse von Socialbakers über die Entwicklung von Facebook und Facebook Pages:

Demnach war der durchschnittliche Nutzer im Jahr 2009 Fan von 4,5 Facebook Pages. Jede dieser Pages postete im Schnitt 5 Mal pro Monat. Der Nutzer sah sich also mit gerade einmal 22,5 Page Posts pro Monat konfrontiert.

Ganz anders in 2013. Der Durchschnittsnutzer ist Fan von 40 Seiten, welche wiederum 36 Mal pro Monat ein Statusupdate absetzen. Macht in der Summe 1440 Statusupdates, die ein Facebook Nutzer im ungefilterten Newsfeed sehen würde. Wohlgemerkt im ungefilterten Newsfeed. Die Realität sieht zum Glück etwas anders aus. Denn der Newsfeed Algorithmus ermittelt für jeden Nutzer individuell, ob ein Beitrag für ihn interessant sein könnte.

Gleichzeitig gibt es heute sehr viel mehr Nutzer auf Facebook und der Konsum von Inhalten über Facebook hat sich zum Teil tief in das Alltagsverhalten normaler Nutzer etabliert. Das sind auch und besonders Nutzer, die man nur über Facebook und maximal außerdem noch über Email erreichen kann.

Das alles ist auch eine Folge des Erfolgs der Plattform, die mittlerweile erwachsen geworden ist. Auf der einen Seite enorm viele Endnutzer, auf der anderen Seite auch professionelle Werkzeuge, die die Administration von Facebook Pages vereinfachen. Zunehmende Konkurrenz auf der Plattform und eine damit einhergehende Veränderung der Dynamik auf Facebook selbst ist eine logische Konsequenz, der man sich bewusst sein sollte.

Diese Entwicklung wird eher noch weiter gehen als zu stagnieren oder gar rückläufig zu sein.

Facebooks mobile Werbegrenzen

Facebooks Grenzen beim Erreichen von Zuckerbergs Mission (Man lese David Kirkpatricks Buch “The Facebook Effect”) liegen im gewählten Geschäftsmodell.

Alexis C. Madrigal in The Atlantic über Facebook Home:

Facebook Home is not a story about “making the world more open and connected,” in general. This a story about Facebook “making the world more open and connected,” with all the specific definitions the company brings to those ideas.

It’s in that context, that you see industry watchers like Om Malik of GigaOm tweeting things like, “I am seriously concerned about Facebook Home and privacy challenges. They will know when we are sleeping. Where we live. Be careful,” and Kashmir Hill, Forbes’ privacy reporter, tweeting things like, “Facebook has come up with an excellent way to get people to have Facebook running on their phones all the time, collecting lots of GPS info.”

Facebook does allow people to do things that they love to do. And that’s what’s great about the product. But it tries to hide the tradeoffs. 

Ab einem bestimmten Punkt wird es jedem unangenehm, wie viel ein Unternehmen über einen weiß, um damit wiederum Werbung anzuzeigen. 

Auf der anderen Seite wäre ein Dienst, der sich nicht über Werbung finanziert, niemals so schnell so groß geworden.

Der Punkt ist: Wenn Facebook auch im mobilen Web das Synonym für ‘social’ sein will, müssen sie zumindest ein Stück weit weg vom Werbemodell. Sie brauchen einen starken, weiteren Erlöststrom abseits von Werbung. Mit Facebook Credits, das zwischenzeitlich bereits 15 Prozent des Umsatzes von Facebook ausmachte, hatten sie diesen bereits. Es ist noch offen, ob sie mit dem Ende von Facebook Credits und dem Einsatz von lokalen Währungen diesen Erlösstrom stärken oder schwächen.

Auf dem Launchevent hat Mark Zuckerberg angekündigt, dass Coverfeed, die Feedansicht bei Facebook Home, in Bälde auch Werbung anzeigen wird.

Facebook hat im alten Deutschland kein Überalterungsproblem

Michael Praetorius schreibt, was ich zu den jüngsten Abgesängen auf Facebook von den deutschen Medien auch schreiben wollte, kam mir aber zuvor:

Etwa 30 Prozent der Deutschen haben einen Account bei Facebook und sind im Schnitt mit 125 Freunden vernetzt. Tendenz steigend. Deutschland ist kein junges Land. Das Durchshnittsalter in Deutschland liegt bei 45 Jahren. Entsprechend gibt es in Deutschland mehr Internetnutzer über 50 Jahren als unter 20 Jahren. Die größte Chance für das Netzwerk liegt längst nicht mehr bei den Jugendlichen, sondern wie im gesamten Internetmarkt in Deutschland vor allem auch bei den Silversurfern, oder sogar Silvernerds, wie ich neulich lesen durfte.

Man muss die Entwicklungen der relativen Zahlen immer auch in den Kontext der absoluten Zahlen setzen. Und das bedeutet bei Facebook eben ein hohes Niveau, bei dem Wachstum dank Sättigung nicht mehr gleich stark aus allen Bevölkerungsschichten kommen kann.

Das muss man natürlich nur machen, wenn man an so etwas wie einer wahrheitsgetreuen Berichterstattung interessiert wäre.

“Facebook Home” ist eine tiefe Integration in Android und damit eine Art “Facebook Inside”

“Today we are going to talk about how to turn your Android phone into a great social device.” – Mark Zuckerberg

Facebooks mobile Strategie ist passgenau auf die Ausgangssituation von Facebook als weltweit größtes Social Network ausgelegt und damit, im Rückblick, geradezu offensichtlich. Facebook ist die soziale Schicht und legt sich mit “Facebook Home” als soziale Schicht, als der Klebstoff, der OS, Apps und Inhalte zusammenhält, tief in das Android-OS. Facebook will tief integriert sein.

“We are not building a phone, we are not building an operating system.” – Mark Zuckerberg

“Facebook Home” ist Facebooks Integration in den Lockscreen und Homescreen des Android-Geräts. Besonders Facebooks Messaging wird mit ”Facebook Home” tief in das OS integriert.

Facebooks mobile Strategie ist genial. Android muss für diese tiefe Integration nicht geforkt werden. Das stellt sicher, dass “Facebook Home”, nicht zuletzt dank der schieren Größe von Facebook, von nahezu allen Android-Hardwareherstellern bald von Haus aus integriert werden wird oder zumindest als einfach aktivierbare Alternative für User bereit liegen wird. Zuckerberg hat bereits auf dem Launch-Event bekanntgegeben, wie ihnen Hardwarehersteller die Bude einrennen. Auch das nicht überraschend.

Selbst wenn das nicht passieren wird: “Facebook Home” wird über Google Play wie jede andere Android-App verfügbar sein. (Natürlich nicht gleich für alle Geräte, sondern zunächst nur für eine Handvoll Smartphones verfügbar.)

Das erste Facebookphone ist das auf dem Launch-Event vorgestellte HTC First. Es hat Facebook Home bereits vorinstalliert und ist dafür ‘optimiert’. Wir werden künftig sehr viel mehr in dieser Richtung sehen.

Facebooks Strategie dürfte damit künftig stark in Richtung dessen gehen, was Intel seinerzeit mit ”Intel Inside” erfolgreich etabliert hat. Schaut man sich die herstelleragnostische Position im Stack bei beiden Unternehmen an, sieht man leicht die Analogien. (Horace Dediu hatte diesen Vergleich vor ein paar Tagen im Critical-Path-Podcast gemacht und der Vergleich passt recht gut.)

Facebook will nicht mit Smartphoneherstellern konkurrieren, sondern auf allen mobilen Plattformen vertreten sein und alle Aufgaben übernehmen, die ‘social’ sind. Mit Smartphoneherstellern oder OS-Anbietern direkt zu konkurrieren, würde dieser mobilen Omnipräsenz entgegenwirken. Stattdessen bekommt Facebook mit “Facebook Home” zumindest theoretisch alles, was es mobil will, ohne aktuelle (Hallo, Apple) und künftige Partner vor den Kopf zu stoßen. (Oder sich zu verheben.)

“Facebook Home” wird damit also aller Voraussicht auch, sobald es auf Tablets verfügbar ist, auch im Appstore von Amazon auftauchen. (Wenn Amazon nichts dagegen haben sollte. Aber ich sehe aktuell nicht, wie Amazon sich dem entgegen stellen könnte, ohne das Kindle Fire gegenüber anderen Android-Tablets schlechter zu stellen. Nochmal: Facebooks Größe sorgt für einen Nachfragesog für “Facebook Home”.)

“Facebook Home” ist außerdem ausgesprochen hübsch geraten. Das  hilft “Facebook Home”, das auch eine Art Android-Skin komplett mit Applauncher ist, enorm im nicht gerade für Schönheit bekannten Androidland.

Facebook dürfte damit nebenbei auch den Messaging-Markt auf Android zu einem Großteil abtöten. The Verge über die Messaging-Integration:

You have a Chat head listed horizontally for each notification. It switches between SMS and Facebook Messenger fairly seamlessly, like iMessage.

In einigen Monaten soll “Facebook Home” auch für (Android-)Tablets kommen.

Bisherige Artikel über ein Facebook-Phone:

Spielemarkt auf Facebook ist 2 Milliarden US-Dollar groß

TechCrunch:

Facebook stood loud and tall at today’s Gaming Developers Conference, revealing that around 200 games on Facebook.com boast more than 1 million active users. Plus, more than $2 billion was paid out to game developers over the course of 2012. That’s an increase of 30% over 2011 levels.

The number of Facebook gamers has steadily risen over the last two years, from 205 million in August of 2011 to 235 million in August 2012. Now, Facebook has surpassed the 250 million mark.

Auf der einen Seite Abhängigkeit von Facebook, auf der anderen Seite ein 2 Milliarden US-Dollar großer Markt.

Facebook dominiert in Deutschland, Twitter hechelt hinterher

Jens Schröder im Blog von 10.000 Flies:

Schaut man nun auf die drei sozialen Netzwerke, so ergeben sich große Unterschiede: 6,1 der 7,5 Mio. Flies gehen nämlich auf das Konto von Facebook, 1,2 Mio. auf das von Twitter und Google+ erreicht nur 240.000 der 7,5 Mio. Flies. In Prozentanteile umgerechnet, waren also 81,4% der Februar-Flies Likes, Shares und Kommentare bei Facebook, 15,4% waren Links innerhalb von Tweets und 3,2% Klicks auf den +1-Button von Google.

Interessante Zahlen, die untermauern, was die meisten bereits vermuten dürften. Facebook dominiert, Twitter hechelt hinterher, Google+ ist abgeschlagener Dritter.
Bessere Zahlen zur Nutzung von Social Networks wird man in Deutschland nicht bekommen.

Formspring hat keine Fragen mehr

Formspring stellt den Dienst ein. Das Q&A-Tool war für kurze Zeit in (Twitter-)Deutschland recht beliebt. Ich habe Formspring allerdings von Anfang an so geringe langfristige Chancen eingeräumt, dass ich nicht einmal einen Account angelegt hatte.

Manchen Diensten kann man auf Hundert Meter Entfernung zum nächsten Monitor ansehen, dass sie Feature und kein Produkt sind. Formspring war ein Überraschungshit und hatte anscheinend nie das Team, das mehr (etwa neue Dialogformen) daraus machen konnte. Das Q&A-Feature selbst war und ist bei anderen Angeboten wie etwa Tumblr sehr viel besser aufgehoben als als Stand-Alone-Angebot.

Mein Setup zum Verteilen von Nachrichten für alle Social Networks von Twitter bis Facebook

Vor einigen Tagen wurde ich auf Tumblr gefragt, mit welchem Setup ich meine Einträge in die verschiedenen Social Networks verteile, da ich sehr viele Dienste gleichzeitig benutze. Die Aufzählung könnte für viele interessant sein. 

Um es kurz zu machen: Für Links ist der Bookmarkingdienst Pinboard die Zentrale, für Statusupdates Buffer, weil beide über IFTTT von überall befüllt und entweder selbst oder über IFTTT fast überallhin senden können. IFTTT ist der Klebstoff, der alles zusammenhält.

Ausführlicher:

Ich packe alle Links zu Pinboard. Die laufen via IFTTT bei Tumblr rein. Ich habe zusätzlich ein Tag bei Pinboard, um einzelne Links zu Buffer zu schicken. Von dort werden diese ausgewählten Links an Twitter, Facebook, App.net (ADN) und LinkedIn geschickt. (Zumindest war das bis zur zweiten Version von Buffer so. Seit der neuen Version werden importierte Links irgendwie nur an Twitter geschickt und müssen dann noch intern kopiert werden, obwohl mein Default anders aussieht. Keine Ahnung, was da falsch läuft.)

Aus den Pinboard-Links erstelle ich auch automatisch die (semi-)täglichen Linkübersichten auf neunetz.com mit dem WordPress-Plugin Postalicious. Mittels Pinboard-Tag erstelle ich auch die Newsübersichten auf neumusik.com.

Bei Tumblr laufen auch die Posts von App.net und die Einträge von neunetz.com über IFTTT rein. Tumblr ist sozusagen das Sammelbecken für alles Interessante, was ich in das Netz kippe.

Die offiziellen Blog-Accounts laufen mit den üblichen Verdächtigen: Twitteraccount von neunetz.com und neumusik.com mit dlvr.it, Google+ von neunetz.com mit Hootsuite über den dortigen RSS-Import, und die Facebook-Accounts (neunetz.com, neumusik.com) mit RSS Graffiti.

Wenn ich nicht gerade auf einem Event bin, auf dem man an Twitter nicht vorbeikommt, microblogge ich, wenn es nicht um Replies geht, nur noch über Buffer, weil ich darüber leicht steuern kann, wo meine Updates veröffentlicht werden sollen. In der Regel veröffentliche ich gleichzeitig zu ADN, Twitter, Facebook und LinkedIn. Wenn’s persönlich ist, lasse ich LinkedIn weg. Und immer öfter auch mal Twitter, weil mir dort einige Businessleute und Politiker folgen und mir das Persönliche auf Twitter nicht mehr so wichtig ist, wie es noch vor drei Jahren war.

Es gibt keine Duplikatfilter in meinem Setup. Deshalb läuft auf Tumblr manchmal etwas zweimal rein. In der Regel achte ich beim Veröffentlichen darauf, bzw. habe beim Setup darauf geachtet, das zu minimieren.

Facebook: Neues Newsfeed-Design unterscheidet zwischen Arten von Einträgen

“We see the stream as a medium.”

- Ein Facebook-Manager auf der Pressekonferenz zum neuen Newsfeed

Facebook hat den Newsfeed einer Rundumerneuerung unterzogen. Der neue Newsfeed wird in den nächsten Wochen an alle Mitglieder ausgerollt. Hier kann man bereits sehen, was kommt und sich auf die Warteliste setzen lassen:

2013 03 07 um 19 46 11

Das neue Design ist, wie die Manager von Facebook auf der Pressekonferenz mehrfach betonten, massgeblich von den mobilen Versionen beeinflusst. Weniger Drumherum, mehr Fokus auf die Inhalte der User: Zum Beispiel größere Fotos, ein etwas responsiveres Design (passt sich an die Screengröße an) und künftige Konsistenz über alle Geräte hinweg.

Das war alles überfällig und sieht auf den ersten Blick wie eine große Verbesserung gegenüber der alten Desktopversion aus.

Spannender aber ist die neue Architektur des Newsfeeds, die auf unterschiedliche Arten von Einträgen mit unterschiedlich gestalteten Streams antwortet. Nutzer können sich künftig also etwa nur die Fotos der Freunde oder nur die Musikeinträge von Spotify bis Simfy anschauen, die nun auch entsprechend aufbereitet werden.

Auch die Daten sollen künftig stärker ausgewertet werden und in den Newsfeed einfließen. The Verge:

Besides the visual redesign, Facebook is also trying to take advantage of its “Like” system and multiple streams of information from apps or different groups of friends. Along with user’s friends’ stories, it will begin including recommended articles or other content from people or pages that they’re interested in — the example given was seeing articles about Taylor Swift if you’ve liked her on Facebook.

Das ist aber eher ein eher gewagtes Unterfangen.

Mit spezifischen Newsfeeds erschafft sich Facebook nun die Möglichkeit, Inhalte unterschiedlich anzusprechen. TechCrunch über Checkins und andere Posting-Arten im Facebookfeed:

Some other news feed design changes include that checkins to places now have a larger map to show people exactly where you are. Pinterest posts to Facebook are now more vivid, so what you see on Facebook “better reflects what you see on Pinterest”. Videos appear larger too. If multiple friends share the same post, you’ll see their faces to the left of the post.

 Die neuen Standard-Feedarten zur Auswahl sind:

All Friends: shows only posts from your friends in reverse chronological order
Music: Shows what friends are listening to, new albums being released, and recommendations of artists you might like.
Photos: Just photos, including those uploaded straight to Facebook, but also photos share there from Instagram or other photo apps
Following: A revamp of the Pages feed that shows every post by Pages you Like
Games
Close Friends
Any of your Interest Lists or Friend Lists

Das Interessante an diesem Ansatz ist, dass Facebook diese Feedarten natürlich in der Zukunft leicht um weitere ergänzen kann. Je nachdem, was das Web künftig noch so hervorbringt und populär macht.

Alles in allem eine logische Weiterentwicklung des von Facebook 2006 im Social-Network-Bereich eingeführten Streamansatzes.

Google, Facebook, Twitter und LinkedIn setzen bei Werbegeschäft auf APIs

TechCrunch:

What Google and Facebook found, and Twitter and LinkedIn are now exploring, is that by offering programmatic access to their ads inventory, third parties solve the problems for them.

In exchange, the platforms allow providers of full-service advertising or ad tool licenses to earn a margin. Typically that comes in the form of a 10 percent to 20 percent cut of total spend by clients that typically goes down the more they spend. Otherwise the margin comes by charging a "cost per action" where clients pay a certain amount per click, download, or certain level of downstream engagement, and the provider keeps the difference between what they paid and what they charged. Sometimes there’s a monthly fee, too. Twitter refused to specify whether there were any restrictions for businesses built on its new ads API, saying "We’re not commenting on partnership terms."

Regardless, the idea is for the platforms to share the wealth, and thereby align their goals with the ad tool and service providers. This way they both can make a fortune when the third parties evangelize the channel. And my oh my can ads APIs bring in the dough.

APIs sind eine skalierende, und deswegen im Zweifel vorzuziehende Form der Geschäftsentwicklung.

Mit der damit verbundenen Aufgabe von Kontrolle haben sich deutsche Webdienste traditionell immer schwer getan, was zu weniger APIs und zu weniger damit verbundenen (Plattform-)Erfolgen geführt hat.

Massenabmahnungen wegen fehlendem Impressum auf Facebook-Fanseiten

allfacebook.de:

Falls Sie immer noch kein Impressum auf Ihrer Facebookseite haben, dann wird es jetzt höchste Zeit. Denn das Landgericht Regensburg hat mit Urteil vom 31. Januar 2013, Az. 1 HK O 1884/12 bestätigt, dass

  • Eine Facebookseite ein Impressum haben muss und
  • es nicht missbräuchlich ist, innerhalb einer Woche über 180 Facebookseiten wegen Impressumsfehlern abzumahnen.

Lesen Sie warum das Gericht so entschieden hat und warum die Impressumspflicht selbst nicht mehr in Frage gestellt wird.

Deutschland, das Land, in dem im Internet vor allem abgemahnt wird.

Facebook ermöglicht Werbekunden, ‘ähnliches Zielpublikum’ auf Facebook zu finden

Inside Facebook:

Advertisers in the beta have seen lower costs per action than with traditional targeting options.

Lookalike Audiences can be created after an advertiser has uploaded a list of first-party data, such as customer email addresses, phone numbers or user IDs to make a Custom Audience. Facebook’s algorithms analyze the Custom Audience and produce another audience segment that is likely to have a similar customer profile. The advertiser can then create any Facebook ad type and target it to the Lookalike Audience. No personally identifiable information is shared back with advertisers and Lookalike Audiences can only be used within Facebook, not exported for email marketing or other ad targeting.

Werkzeuge wie dieses könnten Facebook zu einer Goldmine ähnlich Googles AdSense machen.

Nicht zuletzt auch, weil ebenso wie Google mit AdWords und AdSense Facebook aktuell der einzige Anbieter für so etwas im großen Stil sein kann. (Und erst im großen Stil wird ein solches Matching überhaupt interessant.)

Copycat no more: Keine Käufer für Wimdu und 9flats?

Holger Schmidt auf Focus Online:

Obwohl [die Samwers] nach Angaben aus Branchenkreisen schon rund 70 bis 80 Millionen Euro in den Aufbau [von Wimdu] investiert haben, werden die Chancen gegen den Weltmarktführer Airbnb als sehr gering eingestuft. Weil Airbnb in immer mehr Ländern reüssiert, sinken die Chancen für Wimdu auf einen erfolgreichen Exit weiter. Schon im vergangenen September musste Wimdu seine Auslandsexpansion zurechtstutzen.

Auch Konkurrent 9flats soll schon seit längerer Zeit verkauft werden, aber bisher ebenfalls ohne Erfolg, obwohl deutlich weniger Geld in das Unternehmen investiert wurde. 9flats hat ebenfalls schon Mitarbeiter entlassen müssen, um die Kosten zu senken.

Nicht nur allein der Erfolg von AirBnB dürfte eine Rolle spielen. Die potentiellen Investoren schauen sicher auch auf die Entwicklungen früherer Klone wie etwa studiVZ, das seinem Käufer Holtzbrinck nicht viel Freude bereitet hat.

studiVZ als das prominenteste Beispiel hat auch den entsprechenden Entscheidern in den oberen Etagen von Medienkonzernen gezeigt, das lokale Dominanz in einem globalen Winner-takes-it-all-Markt nicht einmal mittelfristig einen Wettbewerbsvorteil darstellt, wenn das dahinterstehende Team keine konzeptionelle Vorreiterrolle übernehmen kann. (Lokale Dominanz kann auf Netzwerkmärkten in der Regel immer “nur” ein Sprungbrett sein.)

Weder Wimdu noch 9flats sind mit Eigenentwicklungen aufgefallen, die ihnen einen signifikanten Wachstumsschub gegenüber AirBnB hätten bringen können. Der US-Marktfüher und Vorbild dagegen glänzt konstant mit sinnvollen Weiterentwicklungen.

Ich kenne die konkreten Kennzahlen der deutschen Anbieter nicht, was die folgende Aussage sehr relativiert, aber von der Außensicht betrachtet würde ich als Investor oder potentieller Käufer auch eher tendenziell die Finger von Wimdu und 9flats lassen.