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StudiVZ-CEO Riecke schickt seine Kreuvzritter in die Schlacht

Ja, ganz richtig gelesen, es ist ein Kreuvzzug.

Nachdem man bei StudiVZ nun so aggressiv gegen Seiten mit VZ im Namen (mittlerweile 3 an der Zahl) vorgeht, kann das nur eins bedeuten: Auch das neue UberVZ, auch so schon eine konzeptionelle Gurke sondersgleichen , wird mit der unsäglichen Zweibuchstabenkombination daherkommen.

Im Magix Blog will man mittels Domainschnippseljagd herausgefunden haben, dass die geplante neue Netzwerkseite meinVZ heißen wird . Ob das nun so sein wird oder nicht, mit ziemlicher Sicherheit steht wie gesagt fest, dass der Name der neuen Seite mit VZ endet..

Das Lustige daran: Bei StudiVZ hat man aus dem Desaster der damaligen Namensfindung nichts gelernt. Man denkt einfach nicht an die Zukunft. Oder kann sich jemand eine internationale Seite mit dem Ende VZ vorstellen? PeopleVZ? Please.

Nein, StudiVZ blendet einfach die gesamte Welt außerhalb des deutschsprachigen Raumes aus. Dabei müsste man doch bei Holtzbrinck schonmal von so etwas wie Globalisierung gehört haben. Die kommt nicht nur in Form von billigen Chinaprodukten und Verlagerungen von Mobiltelefonwerken daher. Gerne nochmal nachschlagen, was die ersten beiden ‘w’s in www bedeuten.

StudiVZ und seine Schwesterseite SchuelerVZ sind die größten Seiten in Deutschland, zumindest was User Generated Content angeht. Auf ihnen rumzureiten, ist einfach, und Kritik lässt sich notfalls mit dem Neidargument wegreden. Was man bei StudiVZ sicher seit einem anderthalben Jahr auch permanent macht.

Aber trotzdem: StudiVZ muss sich fragen lassen, ob alle Entscheidungen dort mit Dartpfeilen entschieden werden.

Nextgen Social Networks haben noch einen weiten Weg vor sich

Andreas Göldi schreibt bei sich über ClaimID (Carsten hatte sich auf neunetz.com im April letzten Jahres ClaimID im Rahmen einer Betrachtung von OpenID-Providern und deren Datenschutzbestimmungen angeschaut). ClaimID ist eine Seite, auf der man in seinem Profil angeben kann, welche Seiten Mosaiksteine der eigenen digitalen Identität sind. Seiten, über die man die Kontrolle hat, kann man auch verifizieren.

Dazu gibt es noch einiges mehr auf ClaimID. Andreas sieht in den ersten Networkingansätzen Ansätze für das mögliche Social Network von Morgen:

Ausserdem bietet claimID auch so etwas wie eine Networking-Funktion an: Andere Besitzer einer OpenID — egal, ob von claimID oder irgendeiner anderen Quelle — kann man per E-Mail einladen, sich ein seiner Kontaktliste einzuschreiben. Die Art der Beziehung wird auf Wunsch über den offenen XFN-Standard beschrieben. Diese Funktion ist im Moment noch ziemlich rudimentär gelöst, aber man sieht das Potential: Man kann damit Personen als Kontakte erfassen, die ihre eigene Identität auf irgendeiner anderen OpenID-fähigen Website pflegen. So entsteht potentiell ein Social Network, das über Site-Grenzen hinausreicht.

Das Problem von ClaimID und anderen neuen Ansätzen wie Noserub oder Ansätze über XFN ist, dass da aktuell nur erfasst und gebündelt werden kann, was _öffentlich_ im Netz steht. Es gibt -noch- keine Möglichkeit zu ausdifferenzierten Einstellungen zur Privatsphäre. Oder überhaupt irgendwelche Einstellungen in der Richtung wenn es um Beziehungen zwischen Seiten geht. Das ist ein riesiges Problem. Außerdem macht man bei der Aggregation da ja auch zum Teil nur händisch, was Seiten wie Spock algorithmisch und unabhängig vom Nutzer erreichen wollen.

Zu einer Konkurrenz für Facebook und Co. könnten diese offeneren bzw. vernetzteren Ansätze erst werden, wenn die Dataportabilitygroup oder eine andere Gruppierung es schafft, API-Standards zum (verifizierbaren) Datenaustausch zwischen den Diensten zu etablieren.

Wie lang das dauern wird, ist noch nicht abzuschätzen. Mainstreamkompatible Versionen sollte man diese Dekade aber nicht mehr erwarten.

StudiVZ has lost the plot

gapingvoid-markets

Es folgt eine lange Analyse über die eben bekanntgewordenen Pläne von StudiVZ (neue ÜberVZ-Seite, proprietäre Schnittstelle mit Zugangsbeschränkungen) mit Begründungen, warum es eine Reihe von Fehlentscheidungen ist.

Okay, ganz so schlimm wie in der bildesken Überschrift ist es nicht, aber Hut ab in Richtung StudiVZ für das konsequente Verfolgen der unsinnigsten Netzwerkstrategie seit AOL versuchte, seine Kunden einzuschließen ever:

Wir werden unmittelbar nach dem Übergang auf die neue Softwarearchitektur unsere VZ-Markenfamilie in dem Segment oberhalb von StudiVZ erweitern. Die neue Marke richtet sich an alle Freunde unserer StudiVZ-Nutzer, die nicht mehr studieren oder gar nicht studiert haben.

so StudiVZ-CEO Marcus Riecke im Interview mit Holger Schmidt von der FAZ

Das Geräusch, das Sie eben vernahmen, war mein Kopf, der dezent auf der Tischkante aufschlug. Als Holtzbrinck bei bookya einstieg, wunderte ich mich noch, warum man eine solche Funktion -eine Onlinebücherbörse- nicht bei StudiVZ selbst einbaute, und ich schrieb am Ende halb im Scherz:

Stattdessen erwartet man, dass der Student, der bereits auf Studivz angemeldet ist, sich auch noch bei bookya anmeldet. Der Student, der als Schüler bei schuelervz angemeldet war. Und sich irgendwann nach dem Abschluss dann bei Alumnivz und in ein paar Dekaden bei rentnervz anmeldet? Ich bin dann mal auf facebook.

‘Halb’ im Scherz weil ich ahnte, dass man soetwas Ähnliches tatsächlich plant.

Wie meschugge muss man sein, um mehrere parallele Netzwerke aufbauen zu wollen wenn man alles unter einem Dach machen könnte? Hat man bei StudiVZ/Holtzbrinck Angst vor dem Netzwerkeffekt? Warum beginnt man immer wieder nahe bei Null? Lust an der Herausforderung? Masochismus?

Zumindest plant man diesmal eine Durchlässigkeit zwischen den Seiten. StudiVZ-CEO Riecke:

Es wird eine große Durchlässigkeit zwischen StudiVZ und der neuen Marke geben. Wir wollen den Nutzern keineswegs vorschreiben, ob sie bei StudiVZ bleiben oder zur neuen Marke wechseln. Wir erwarten, dass viele ehemalige Studenten die neue Marke bevorzugen. Auf der neuen Plattform können die Nutzer auch ihre Arbeitgeber-Kontaktdaten sehr viel ausführlicher angeben.

Das Auslandsengagement von StudiVZ ging zum Großteil in die Hose weil es keine Verbindungen der Seiten untereinander gab -im Gegensatz zu wahrlich globalen Seiten wie Myspace und Facebook ein nicht unerheblicher Nachteil. Der so selbstgeschaffene Mehraufwand, wenn man in jedem Land komplett bei Null beginnt, war wohl doch größer als vermutet.

Jetzt macht StudiVZ aber wieder einen ähnlichen Fehler . Die Leute bauen sich ihr Netzwerk in StudiVZ auf und sollen nach Studienabschluss das Gleiche an anderer Stelle nochmal machen. Selbst wenn man soziale Verbindungen und vielleicht andere Daten (archivierte Privatkorrespondenz? Gruppenzugehörigkeiten? Bilder und dort Verlinkte?) übernehmen kann, ist diese Vorgehensweise, gelinde ausgedrückt, abstrus.

Was man stattdessen hätte machen sollen

Das Gleiche, was das andere große dt. Social Network (OpenBC->Xing) gemacht hat: Goodbye zum Namen sagen und die Community auf einen passenderen Namen umziehen. Und dort unter einem Dach das gesamte Netzwerk zusammenführen. Denn Studenten haben auch *gasp* Nichtstudenten als Freunde. Warum an dieser unnützen Trennung festhalten? Oder umgedreht gefragt: Warum nicht gleich richtig machen und eine eigene Seite für jedes Bundesland oder gar jede Universität? Eben, es ist kontraproduktiv.

Die Trennung von SchuelerVZ und den anderen Seiten ist richtig aufgrund des nötigen Jugendschutzes (jetzt mal abgesehen davon ob das und inviteonly für den Schutz ausreichen). Aber alles andere, selbst wenn die
Seiten irgendwann untereinander kommunizieren können sollten, macht es für die Nutzer komplizierter als nötig.

Möchte man den Leuten ermöglichen, sich verschiedenen Personenkreisen unterschiedlich zu präsentieren, kann man das auch über granulare Privacyeinstellungen und verschiedene Versionen von Userprofilen in Verbindung mit Freundeslisten realisieren. Dazu muss man keine zusätzliche Seite aufsetzen.

Vor allem: Welche der beiden Vorgehensweisen kann man seinen Nutzern wohl eher vermitteln? (Und außerdem: Werden Leute die vom StudiVZ ins ÜberVZ ziehen, dann doppelt gezählt? Wäre eine schöne Inflation der VZ-Gesamtzahlen.)

Weitere Punkte des Gesprächs:

  • “gesamte Softwarearchitektur komplett umgeschrieben”
  • Man konzentriert sich jetzt ganz auf das deutsche Geschäft.
  • Keine öffentlichen, indizierbaren Profile.
  • Break Even ist bei StudiVZ 2007 erreicht worden.
  • Mitglieder StudiVZ und SchülerVZ zusammen 7,5 Millionen
  • Umsatz StudiVZ 2007: “einstelliger Millionenbetrag”
  • Ein eigener Newsfeed wird “geprüft”
  • Einen Beitritt zu OpenSocial hält man nun für wahrscheinlich. (Vor wenigen Wochen wurde das noch kategorisch abgelehnt.)

Außerdem:

Eine proprietäre Schnittstelle mit Zugangsbeschränkungen..

StudiVZ-CEO Riecke hierzu und zum eventuellen Einstieg bei OpenSocial:

Es kann durchaus sein, dass wir Applikationen, die wir mit einem externen Entwickler erarbeiten, für uns behalten wollen. Wenn wir eine tolle Idee haben, macht es Sinn, wenn diese Idee in einem anderen Netzwerk nicht funktioniert. Die Applikationen sind ein Weg zur Differenzierung im Wettbewerb. Das Vorgehen hält uns alle Möglichkeiten offen: Wir können Anwendungen komplett allein entwicklen, wir können Anwendungen über die proprietäre Schnittstelle mit einem ausgewählten Entwickler erarbeiten oder wie bieten eine offene Schnittstelle an.

Eher heute hatte ich einen Artikel zu den aktuellen Facebooknews angefangen, den ich jetzt nicht mehr bringen werde (Am besten dem Link folgen, dort steht alles Wichtige). Ich schrub unter Anderem:

Facebook ist der Early Mover, der seinen Vorsprung immer weiter ausbaut.

Der Early Mover auf einem Markt, von dem man im Holtzbrinck/Studivz-Lager noch gar nicht zu wissen scheint, dass er überhaupt existiert.

Das muss ich nun korrigieren: StudiVZ hat diesen Markt mittlerweile gesehen. Ihn aber leider völlig falsch eingeschätzt.

Denn StudiVZ-CEO Riecke weiter:

Dann sollen alle Entwickler mal programmieren und die beste Anwendung soll sich auf der Plattform durchsetzen. Dieser letzte Punkt war der ursprüngliche Facebook-Weg. Das hat zu einer Vielzahl von Applikationen geführt. Wir sind nicht überzeugt, dass die Nutzer sie alle haben wollen.

Riecke liest scheinbar zu viele schlechte deutsche Blogs (schlechte deutsche Blogs? Ein Pleonasmus ?).

..ist der falsche Weg

Ich bringe den Vergleich aus meinem Artikel über die strategische Relevanz von (offenen) Plattformen gern nochmal:

Man muss Facebook, um das Konzept dahinter zu begreifen, mit einem Betriebssystem wie Windows und dessen Programmvielfalt vergleichen. Man kann natürlich argumentieren, dass 95% der Windowsprogramme kein oder kaum ein Windowsnutzer braucht. Stimmt. Ist dann aber die daraus gezogene logische Schlussfolgerung, dass ein Windows die optimale Lösung ist, bei dem Microsoft bestimmt, welche Programme darauf laufen dürfen?

Oder hat der Markt vielleicht für eine bessere Gesamtlösung gesorgt?

Hätte man ein Betriebssystem mit Zugangsbeschränkungen und eins ohne: Welches wäre nützlicher?

DAS ist der Punkt. DAS muss man verstehen als (Big) Player im SocialNetwork-Segment.

Auf bubblegeneration würde man jetzt davon lesen, dass StudiVZ/Holtzbrinck, die bei jeder Weggabelung traumwandlerisch die falsche Entscheidung zu treffen scheinen, schlicht die falsche DNA für diesen Markt mitbringen. Sie scheinen unfähig, das Internet zu verinnerlichen und seine Eigenschaften für sich nutzen zu können. (Lustigerweise das genaue Gegenteil zu Facebook)

Ja, sie haben noch nicht einmal begriffen, was ihre künftige Rolle ist. (Hint: Infrastrukturanbieter)

Mit Müh und Not hat man bei StudiVZ jetzt bekanntgegeben, dahin zu gehen, wo Facebook im Mai letzten Jahres ankam und der Rest der SocialNetwork-Welt im Herbst letzten Jahres entschied, ebenfalls hinzugehen.

Da will man also bei StudiVZ jetzt plötzlich auch hin, aber nur so halb. Irgendwie. Den Kuchen behalten und ihn essen:

StudiVZ setzt auf offenen Protektionismus und will versuchen, so Alleinstellungsmerkmale aufzubauen. Es könnte lustig werden zu beobachten, ob(!) man tatsächlich Entwickler überzeugen kann, die Überapp, statt für Zig Millionen von Facebookern oder per OpenSocial erreichbaren Nutzern, exclusiv für das im Vergleich dazu mickrige VZ-Netzwerk zu bauen. Und dann der nette indische Student von nebenan in Windeseile das Gleiche für Facebook umsetzt- nachdem es 5 andere vor ihm in verschiedenen Varianten für jeden Geschmack umgesetzt haben. Ob man dann als ehemaliger Facebook-Clon versuchen wird, Facebookapp-Entwickler abzumahnen? Oder wie auch immer man in anderen Ländern dann vorgehen müsste.

Selbst wenn man die Vormachtstellung in Deutschland für spezielle regionale Apps exclusiv für StudiVZ ausnützen wöllte, bezweifle ich, dass das klappen würde. StudiVZ kommt dafür etwas spät. Facebook hat eine ausgewachsene Plattform und einen baldigen Deutschlandstart. Ob der Vorsprung der Größe von StudiVZ ausreichen wird eine Gängelung bezüglich Exklusivität zu rechtfertigen? Nun, das wird sich zeigen. Dafür steht aber mal besser eine funktionierende Plattform parat. Etwas, an dem man bei der Vergangenheit von StudiVZ, was die technischen Belange angeht, wohl zweifeln darf. Angesichts der Probleme von OpenSocial scheint das Umsetzen einer Plattform wie F8 nicht so trivial wie man vielleicht vermuten könnte. Eine funktionierende StudiVZ-Applikation, die mehr als ein Widget ist, sehen wir sicher frühestens Ende ‘08 -wenn überhaupt.

Abgesehen davon wird StudiVZ/Holtzbrinck sowieso mit traumwandlerischer Sicherheit genau die Applikation(en) ablehnen, die auf Facebok zu Killerapplikation(en) werden wird..

 

Es fällt immer wieder darauf zurück: Es ist keine taktische sondern eine strategische Entscheidung, die langfristig(!) über Gedeih und Verderb von Plattformen bzw. WebOS -und die sind die nächste Stufe in der Evolution von Social Networks- entscheiden wird: Markt oder Hierarchie. Was hat mehr Potential Nutzen zu stiften und damit Nutzer zu binden und selbst weiter zu wachsen?

Meine Meinung dazu ist hinlänglich bekannt.

 

(pic by gapingvoid )

Deutsches Facebook “in wenigen Wochen”

Robert Scoble hat in Davos mit Facebook-CEO Mark Zuckerberg über Gott Facebook und die Welt gesprochen. Das Wichtigste:

They are within weeks of shipping translated versions of Facebook.

Interessant auch:

They are working on a major overhaul of the application platform. Both to make apps less spammy and also to deliver much more functionality so more apps move beyond the viral, but pretty low feature, styles of apps.

und

I told him that Facebook’s messaging capabilities was both cool but also very limiting. Cool because, unlike my email, there isn’t spam. Limiting because I can’t join more people into a conversation thread after it starts. He told me that Facebook will see major changes in its architecture that would allow outside developers to build new capabilities in major parts of its service, which will help Facebook to see the features that I want to have.

Alles in Allem interessante Einsichten, die mich in meiner Wahrnehmung bezüglich Facebooks Plattform bestätigen: Wir sind immernoch am Anfang.

Pownce jetzt in der Public Beta

pownceDas von Veronica Mars* programmierte Pownce ist jetzt in der Public Beta und damit frei zugänglich.

Pownce ist am ehesten noch vergleichbar mit Twitter, also eine Art Microblogging-Dienst. Die Unterschiede zwischen beiden Diensten hatte ich im Artikel Twitter vs. Pownce im August letzten Jahres näher beleuchtet.

Mittlerweile hat sich aber einiges getan. Unter anderem hat Pownce seit geraumer Zeit jetzt auch eine API.

Über andere neue Features zum Start der Public Beta mehr:

* nur Spass!

Samwer-Brüder kaufen Anteile von Facebook

Der Netzökonom schreibt:

Die Internet-Investoren Alexander, Marc und Oliver Samwer steigen beim sozialen Netzwerk Facebook ein. Die drei Brüder haben einen kleinen Anteil an Facebook erworben. “Wir haben dafür einen sehr signifikanten Betrag gezahlt”, sagte Alexander Samwer.

 

Das kommt unerwartet. Besonders da die Samwers vor dem Verkauf an Holtzbrinck am deutschen Facebook-Klon Studivz beteiligt waren. Wie viele andere scheinen auch die Samwers im kommenden Zweikampf auf deutschen Boden zwischen Facebook und Studivz auf ersteres zu setzen.

Interessant auch folgendes Detail:

Die Samwer-Brüder, die schon das Online-Auktionshaus Alando und den Klingeltonanbieter Jamba gegründet und erfolgreich verkauft haben, weiten mit dem Facebook-Engagement ihre Konkurrenz zu Holtzbrinck aus. Denn bereits Ende September haben die Brüder 20 Prozent der Anteile der polnischen Studentengemeinschaft Nasza Klasa erworben. Polen ist der einzige Auslandsmarkt, auf dem StudiVZ bisher Mitglieder in großen Stil gewonnen hat.

 

Ich schätze, der Deutschlandstart Facebooks kommt noch im ersten Quartal 2008. Dann wird sich zeigen, ob Facebooks haushoch überlegene Technologie gegen den Netzwerkeffekt des Platzhirschen Studivz bestehen kann. Interessant wird es allemal.

Zweinull.cc möchte User auf kleinen Social Networks einschließen

Gestern hatte ich darüber berichtet, dass Google, Facebook und Plaxo der DataportabilityGroup beigetreten sind. Ich war und bin begeistert. Es ist zwar erst ein kleiner Schritt, aber ein Anfang. In eine sehr wichtige Richtung. Soweit ich das sehen kann, stimmen mir da die meisten Techblogger zu.

Hatte ich auch nicht anders erwartet. Nun ist Martin von zweinull.cc allerdings der entgegengesetzten Meinung und hält Datenportatibilität für zum einen irrelevant und zum anderen für gar schädlich.

Diese Punkte, die ich für ausgemachten Unsinn halte, nehme ich jetzt mal auseinander. Man kann den folgenden Text auch als ein Plädoyer für Dataportability lesen:

1. Irrelevanz - Dataportability interessiert doch nur Nerds

Yeah? O Rly?

Die Realität sind hunderte Millionen Social-Network-User, die sich mit der Mitgliedschaft in einem, maximal zwei Netzwerken begnügen und niemals einen Gedanken daran verschwenden würden, dass die Möglichkeit, ihre Profildaten zu zahlreichen anderen Diensten transferieren zu können, etwas Erstrebenswertes wäre. Nur weil Obernerd Robert Scoble und sein Gefolge DataPortability als DAS große Ding verkaufen, bedeutet dies nicht, dass dies außerhalb der US-amerikanischen Tech-Zentren (und außerhalb der Wohn- und Arbeitszimmer deren internationalen Anhangs) auch so gesehen wird.

Aha. Das stimmt. Jetzt. Was aber nicht bedeutet, das keiner dieser Leute nicht gern die Möglichkeit wahrnehmen möchte, irgendwann mal eine andere Seite zu nutzen. Sagen wir in 10 oder 20 Jahren? Wenn doch mal was besseres kommt oder man nicht mehr mit der Ausrichtung der Seite klarkommt. Oder die Seite einfach mal Geld für vorher Kostenloses verlangen will und mit ihrem Vorgehen am Rande der Legalität arbeitet? Huh? Egal, ist eben alles weg? Interessiert niemanden? Frag Deine Millionen SN-Nutzer nach so einem Fall noch mal nach Datenportabilität.

Denn wie wär’s damit, dass solche Dinge auch Nichtnerds auf einmal interessieren wenn sie konkret selbst betroffen sind. Dass das uns Technikgeeks auffällt noch bevor wir in der Scheisse hocken, damit aber die einzigen sind, bedeutet nicht, dass das automatisch für Andere nicht relevant ist. Sie wissen es nur noch nicht.

Oder: Mit geringeren Barrieren zum Beitritt von Communities, nämlich wenn ich nicht immer wieder bei null anfangen muss, werden auch mehr Seiten genutzt bzw. ausprobiert (Dynamik, Wettbewerb belebt das Geschäft usw.). Auch von Nichtnerds, eben weil die technischen Barrieren sinken.

Abgesehen davon: Nutzt Du ein Onlinebookmarkingdienst, bei dem Du Deine Lesezeichen nicht exportieren kannst? Ein Onlinefotodienst, bei dem Du Deine Fotos zwar hoch- aber nichtrunterladen kannst? Nein? Warum sollte das dann bei Social Networks so sein?

 

2. Welpenschutz für kleine Netzwerke

Are you kidding me?

Der 2. Punkt in Martins Argumentation:

Meiner Ansicht nach würde Interoperativität am Ende die Starken begünstigen und die Schwachen benachteiligen. Dass Facebook, das derzeit angesagteste aller Social Networks, und Google[..] die Initiative unterstützten, erscheint logisch, müsste man sich jetzt und in naher Zukunft kaum sorgen machen, dass Nutzer ihr Sack und Pack nehmen und zu einem Konkurrenten gehen – ihr wisst schon, Netzwerkeffekte und so. Anders sieht das aber für all die kleineren Fische aus, die ihren Mitgliedern häufig nicht mal einen Link zum Löschen der Mitgliedschaft anbieten. Wie würde es denen wohl ergehen, wenn sie ihren Usern ermöglichten, persönliche Daten samt Kontakten problemlos zu einem anderen, möglicherweise viel besseren Dienst zu verfrachten?! Genau, sehr schlecht.

So fucking what?

Warum sollen die Nutzer Nachteile in Kauf nehmen, nur weil neue Startups es nicht schaffen, sticky zu werden? Was ist es mein Problem als Nutzer? Habe ich eine Verantwortung gegenüber den Startups? Ich bin hier auf der Seite der User (wie eigentlich immer). Gebt ihnen die Macht, nicht den Unternehmen.

Nebenbei: Wer seine Community nur halten kann, weil es ihr zu aufwendig ist zu wechseln, hat ganz andere Probleme, die durch das Fehlen von Datenportabilität nicht weggehen.

Noch was: Wann hast Du das letzte Mal ein neues Social Network gesehen, dass Dich nicht dazu auffordert, Deine Freunde einzuladen oder zu adden indem Du das Passwort deines Email-Accounts eingibst? Warum gibt es dieses gefährliche, äußerst dreiste Vorgehen und warum wird es das auch noch eine Weile geben? Weil Leute wie Du, Martin, gegen Dataportability und Lösungen wie OAuth polemisieren.

Überhaupt: Was erwartest Du? Artenschutz für Social Networks, die nicht den maximalen Nutzen ihren Usern bieten können? Perlease. Wer User/Nutzer/Kunden will, soll ihnen den maximalen Nutzengewinn bieten können, nicht die größten Barrieren für einen Wechsel zum Konkurrenten. Das ist Marktwirtschaft, Baby.

Ich sag es nochmal ganz klar: Es ist mir völlig egal, ob Unternehmen eingehen, weil sie nicht gut genug sind, that’s life. Aber wenn man hier schon die Möglichkeiten und Gefahren des Netzwerkeffekts erwähnt (die natürlich real sind, besonders für SNs): Nur eine webweit umgesetzte Datenportabiliät schafft genügend Nutzerdurchlässigkeit um Netzwerkeffekte abzuschwächen und qualitativ hochwertigen neuen(!) Seiten eine Chance zu geben. Und zwar auch in der Zukunft wenn bei den größten SocialNetworks jedes für sich Hunderte Millionen von Nutzern haben wird.

Und ernsthaft, Protektionismus braucht keine Sau.

 

Sorry Martin, aber so falsch hast Du noch nie gelegen.

Zuckerberg: Jetzt globaler Opt-Out für Beacon möglich

Der Vollständigkeit halber: Facebook-CEO Zuckerberg reagierte endlich auf die massive Kritik bezüglich Beacon und entschuldigt sich:

 

We’ve made a lot of mistakes building this feature, but we’ve made even more with how we’ve handled them. We simply did a bad job with this release, and I apologize for it.

und

Last week we changed Beacon to be an opt-in system, and today we’re releasing a privacy control to turn off Beacon completely. You can find it here.

Kudos an Zuckerberg für die ehrlichen Worte und für das Eingehen auf die Beschwerden (nun endlich). Allerdings:

If you select that you don’t want to share some Beacon actions or if you turn off Beacon, then Facebook won’t store those actions even when partners send them to Facebook.

 

Das heißt, man kann machen, was man will. Es werden immer erstmal Daten an Facebook geschickt.

Ich halte es mit Om Malik:

Frankly, I am myself getting sick and tired of repeating myself about the all-important “information transmission from partner sites” aspect of Beacon.

Es bleibt weiter die Voraussetzung, dass man wenn man auf einer der Partnerseiten etwas macht und auf Facebook ist, das man Facebook vertrauen muss, dass diese Daten dort nicht gespeichert oder sonstwie ausgewertet werden. Mein Vertrauen ist in dieser Hinsicht aber eher gering. Facebook versuchte die Grenzen zu verschieben, zugunsten der Werbeindustrie nicht der Nutzer. Malik weiter:

If they were making massive changes, one would have seen options like “Don’t allow any web sites to send stories to Facebook” or “Don’t track my actions outside of Facebook”

Spot on. Aber nein, die Datenübertragung bleibt erhalten (zur Verifizierung der Einstellungen des jeweiligen Nutzers).

Beacon: Facebook rudert zurück

Nächster Akt in der Beacon-Tragödie:

Facebook ändert das Vorgehen bei Beacon ein wenig. Respekt zur Geschwindigkeit, andere Unternehmen hätten versucht, dass noch ein paar Wochen auszusitzen. Allerdings reichen die Änderungen noch immer nicht. Bei weitem nicht. Eher erscheinen sie wie Augenwischerei.

Die Änderungen

Users must click on “OK” in a new initial notification on their Facebook home page before the first Beacon story is published to their friends from each participating site. We recognize that users need to clearly understand Beacon before they first have a story published, and we will continue to refine this approach to give users choice.

If a user does nothing with the initial notification on Facebook, it will hide after some duration without a story being published.

Das Tracking ist aber hiermit immer noch aktiv. Heißt, die Daten werden erstmal an Facebook gesendet. Ob man das will oder nicht. Ein generelles OptOut gibt es nachwievor nicht. Es wird aber noch besser.

Weiterhin Kritik an Beacon:

Dare Obasanjo aka Carnage4Life - Facebook Beacon is Unfixable:

Which is worse, your friends knowing that you rented Prison Girls or Facebook finding that out without your permission and sharing that with their business partners, without your permission? Aren’t there laws against this kind of invasion of privacy?

schlimmer noch:

Facebook isn’t simply learning about every action taken by Facebook users on affiliate sites, it is learning about every action taken by every user of these affiliate sites regardless of whether they are Facebook users or not.

At first I assumed that the affiliates sites would call some sort of IsFacebookUser() API and then decide whether to send the action or not. Of course, this is still broken since the affiliate site has told Facebook that you are a user of the site, and depending on the return value of the hypothetical function the affiliate in turn learns that you are a Facebook user.

But no, it is actually worse than that. The affiliate sites are pretty much dumping their entire customer database into Facebook’s lap, FOR FREE and without their customers permission. What. The. Fuck.

(Hervorhebungen von mir)

Oh my.

 

Man behauptet zwar, dass die Daten wieder gelöscht werden, wenn man sich gegen die Veröffentlichung im Newsfeed entscheidet. Aber so richtig überzeugt mich das nicht.

 

Umair auf Bubblegeneration bringt einen guten Vergleich:

The easiest way to understand what good is, and why it’s powerful, is through the counterfactual.

Why didn’t Google launch a Google Beacon? After all, it has vastly more data than Facebook, and, because it’s Google every retailer, publisher, advertiser etc under the sun would scramble desperately to join.

A Google beacon might transmit details of your searches to your friends, when you click on an ad, for example. The details aren’t the point - the economics are: Google could make a near-term killing via a (bigger, more valuable) Beacon style service.

So why didn’t/doesn’t Google do it? Simple: because, though it makes Google better off in the short run, it makes people worse off in the long run.

 

Wenn Facebook-CEO Zuckerberg gleichzeitig wegen Verletzung seiner Privatsphäre gerichtlich gegen ein Magazin vorgeht, dann bettelt er schon ein wenig um Spott und Häme.

Facebook Beacon: Probleme und mögliche Lösung für Facebook

Noch ein Wort zum umstrittenen Facebook-Beacon-Adsystem :

  1. Es muss per default ausgeschalten sein. Alles andere ist schlicht evil.
  2. Wo ist der Nutzen für den User?

 

Etwas ausführlicher:

In den USA nimmt der Widerstand gegen Beacon ja zu (ich spare mir mal die Links, it’s all over the place). Ich finde, zu recht.

 

Zu 1. Vielerorts wird der Aufruhr bezüglich Beacon mit dem Widerstand zum Newsfeed (der jetzt von Myspace nachgeahmt wird, kluge, vorhersehbare Reaktion, der Newsfeed ist sehr groß) verglichen. Das ist aber etwas oberflächlich: Der Newsfeed erfasst Aktivitäten von Facebook auf Facebook auf einer aggregierten Seite. Der Las-Vegas-Spruch stimmte damals noch: Was auf Facebook passierte, blieb auf Facebook.

Und jetzt? Wenn aus der abstrakten Gefahr etwas Handfestes wird, sagen wir, ein User kauft oder leiht Porno eigenwillige DVDs auf einer Facebookpartnerseite aus und übersieht das kleine Popup unten rechts, das besagt, dass diese Aktion auf Facebook verbreitet wird und stellt dann wenig später fest, dass sein gesamter auf Facebook vorhandener Bekanntenkreis davon erfahren hat, nun, dann ist Rom offen. Es kann schlicht nicht sein, dass per default etwas so Weitreichendes wie Facebook Beacon eingeschaltet ist.

Noch etwas. Was, wenn man auf den Partnerseiten gar nicht erfährt, dass die Aktion auf Facebook verbreitet wird? Man lese diesen Artikel :

Charlene Li, a Principal Analyst at Forrester Research who specializing in social software trends and marketing, writes in her blog post Close encounter with Facebook Beacon :

I put a lot of trust in sites like Facebook to do the right thing when it comes to privacy. After all, the only stuff that gets out into the public is the stuff that I actually put in. Until now.

Earlier this week, I bought a coffee table on Overstock.com. When I next logged into Facebook and saw this at the top of my newsfeed:

I was pretty surprised to see this, because I received no notification while I was on Overstock.com that they had the Facebook Beacon installed on the site. If they had, I would have turned it off.

I used my personal email address to buy the coffee table, so I was puzzled why and how this “personal” activity was being associated with my “public” Facebook profile.

und

David Treadwell, a corporate vice president of Windows Live, writes in his blog post entitled Blockbuster, you’re fired:

[..]

I am not normally uptight about privacy issues, but you guys really crossed the line on this one:

* I had never told either Blockbuster or Facebook that you should share my movie selections with friends.
* Neither of you asked me if you could take this action. You just went ahead and did it, assuming that I would not mind.
* This sharing of information about me without my informed consent about the mechanism of sharing is absolutely unacceptable to me.

 

Muss ich nun als Facebook-Nutzer permanent fürchten, dass meine Surf-Aktionen im Facebookfeed auftauchen, wenn ich nicht im Browser Vorkehrungen treffe ? Oder wird nicht einmal das helfen, wenn eine Identifizierung per Email stattfindet?

Bitte, das kann es doch nicht sein. Beacon ist ein so weitreichender Eingriff in die Privatsphäre, dass es schlicht per default ausgeschaltet sein muss. Und zwar komplett. Nur wer weiß, was er da tut und was das bedeutet, soll sich darauf einlassen können.

 

Zu 2. Was uns zu Punkt Zwei bringt: Was hat der User davon? Nochmal zurück zum Newsfeed: Die höhere Sichtbarkeit von Aktivitäten war neu, aber man gewöhnte sich daran. Und schließlich hat der Newsfeed für Facebook und User einen hohen Nutzen. Erstere erhöhen ihre Stickyness und zweitere sind sehr viel mehr in the loop mit ihren Freunden.

Beacon hat nur einen Nutzen für Facebook und seine Werbepartner, nicht aber für die Nutzer. Es gibt also keinen Grund, hier auf Opt-In zu gehen.

Ich fasse das mal in andere Worte: Etwas, dass auch viele deutsche Dienste, die auf User Generated Content setzen, nicht zu verstehen scheinen, ist Folgendes: User Generated Content funktioniert nur wenn er auf Mikro- und Makroebene Nutzen stiftet .

Beispiel Onlinebookmarkingdienst del.icio.us’ Tagging: Ich tagge meine gespeicherten Seiten, so dass ich sie wiederfinde. Ich könnte natürlich irgendwelche Spasstags verwenden, aber nach 1000 oder 2000 gespeicherten Bookmarks würde ich nix mehr wiederfinden, wenn ich nicht vollkommen durchgeknallt bin. Also verwende ich möglichst deskriptive Tags (Mikroebene). Da Andere zu den gleichen Schlüssen kommen und ebenfalls deskriptiv taggen, entsteht, ohne dass der Einzelne das beabsichtigte, eine Ordnung, da die passendsten deskriptiven Tags von Vielen verwendet werden. Eine Ordnung, die die Seite auch für Aussenstehende nutzbar macht (Makroebene).

Was das mit Beacon zu tun hat: Meine an den Feed übertragenen Aktionen sind UGC. Was aber hab ich als Nutzer davon? Facebook-Freunde, die genervt sind oder sich über mich amüsieren weil sie etwas erfahren, dass nicht für ihre Augen bestimmt war. Ich hab nicht nur keine Vorteile davon, sondern auch noch Nachteile.

 

Eine mögliche Lösung

Facebook gibt den Nutzern die Möglichkeit des OptIn in Beacon, wenn sie das möchten. Dafür erhalten sie eine wie auch immer geartete Gegenleistung. Denkbar wäre eine komplett werbefreie Facebookseite. Oder eine Provision für über den Feed zustande gekommene Transaktionen. Ein Facebookaffiliateprogramm quasi.

Eine andere Idee: Das Protokollieren von Tätigkeiten ist vielleicht nicht die beste Idee. Interessanter wäre die Richtung umzudrehen: Gib mir die Möglichkeit, ausgewählte Aktivitäten mit meinen Freunden zu teilen .

 

Wie auch immer: So wie es jetzt ist, ist Facebooks Beacon schlicht broken und grenzt an eine Frechheit. Das Facebook-Team scheint vergessen zu haben, dass seine Kunden nicht die Werbenden sondern die Nutzer sind. Bleibt Beacon wie es ist, laufen die bald hordenweise weg (und deshalb wird es nicht so bleiben).

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