Besser als „Deutsches Google” wäre ein Europäischer Crawler, der seinen Index offen allen Anbietern bereitstellt

Server

 

Angenommen, man wolle ergebnisorientiert auf Deutscher Ebene, oder besser auf Europäischer Ebene, tatsächlich die Dominanz von Google im hiesigen Suchmaschinenmarkt senken; angesichts des 90+%-Marktanteils von Google etwa in Deutschland nicht zwingend verkehrt. Wie müsste man vorgehen? Eine staatliche Suchmaschine, wie das leicht zu vergessende Millionengrab „Deutsches Google”, ist sicher nicht die zielführendste Antwort.

Zunächst müsste man sich fragen, wo die Markteintrittsbarrieren im Suchmaschinenmarkt liegen und wie man diese mit staatlicher Hilfe senken könnte, um so das Ziel größeren Wettbewerbs zu erreichen.

Neben den Erfahrungswerten in der Gewichtung der Ergebnisse (Semantik, Rankingalgorithmen und Spambekämpfung) liegt die größte Markteintrittsbarriere bei Suchmaschinen vor allem in der aufwendigen Indizierung des Webs. Google indiziert mittlerweile neue Webseiten von bekannten Webpräsenzen innerhalb von Minuten(!). Das ist auch dank dem jahrelangen Aufbau von effizienten Serverparks in der ganzen Welt möglich. Das kann kein Startup mal eben nachmachen, weshalb es weitaus mehr Suchmaschinen als Crawler gibt.

Um der Konzentration auf dem Suchmaschinenmarkt staatlich entgegen zu wirken, ist es sinnvoll, eine oder mehrere dieser Hürden zum Markteintritt zu senken. Statt eine komplette gleichwertige Suchmaschine aufzusetzen, was eine zu hoch gesteckte Aufgabe ist, sollte die EU hier sich stattdessen auf die mit hohen Investitionen verbundene Infrastruktur konzentrieren. Diese wäre in diesem Fall der Webindex. Ein EU-Projekt könnte das öffentliche Web indizieren, umfänglich und schnell, und sich einzig darauf konzentrieren. Keine Bewertung, kein staatlicher Suchschlitz, nur der Index. Dieser könnte dann via Programmierschnittstelle kostendeckend anderen Institutionen, also Startups, NGOs und anderen Regierungsstellen, angeboten werden. Jetzt kommt die Arbeitsteilung ins Spiel: Diese könnten nun bei der Wertung und Verknüpfung innovativ tätig werden. (Natürlich könnte man auch zusätzlich ein Ranking anbieten und andere Aufgliederungsfaktoren, wie Themencluster, Sprachen etc. Wichtig ist die Konzentration auf die Vorstufe, also die Lieferung des ‘Rohmaterials’ sozusagen.)

Entscheidend ist die Beschränkung auf eine Ebene der Wertschöpfung, die investitionsintensiv ist und deshalb zu einer Markteintrittsbarriere für Suchmaschinen wird. Auf der Ebene, auf der Innovation gefragt ist, ist der Markt die bessere Lösung.

Das alles bedeutet nicht im Ansatz, dass Google Marktanteile und damit seine Marktmacht in Europa mittelfristig einbüßen würde. Es kommt nicht von ungefähr, dass Microsoft seit Jahren unzählige Millionen US-Dollar in seiner Suchmaschine versenkt ohne Google merklich weh zu tun.

Aber im Gegensatz zu einem staatlich finanzierten Suchmaschinenprojekt, das dank eines Alles-oder-Nichts-Ansatzes mit großer Wahrscheinlichkeit immer ein Millionengrab sein wird, könnte die Bereitstellung der Infrastruktur Innovationen im europäischen Digitalmarkt befördern. Für den Standortvorteil könnte man europäischen Unternehmen den Zugang zum Index und weiteren Daten auch unter Kosten anbieten. Subvention eben.

Sicher gebe es noch weitere Überlegungen, die man in dieser Richtung anstellen könnte. Entscheidend ist lediglich, zu wissen, wo die Hürden liegen und wo entsprechend staatliche Organisation und wo der Markt zum Einsatz kommen sollte, um ein bestmögliches Ergebnis zu bekommen. Und welches Ergebnis man möchte.

Wir wollen schließlich nicht, dass deutsche Innenpolitiker in einem Jahr ein “deutsches Facebook” fordern.

(Foto: Torkildr, CC-BY)

Mögliche Suchen mit Facebook Graph Search

Ein Tumblr mit interessanten Ideen für Facebooksuchen: Actual Facebook Graph Searches:

“Current employers of people who like Racism”

Kai Biermann bezeichnete die neue Facebooksuche zum Launch in den USA auf Zeit Online als “Rasterfahndung für alle”. Das ist recht treffend und ich würde das nicht ausschließlich negativ lesen. Der entscheidende Teil ist “für alle”. Das verändert das Wesen der Datenauswertung ganz wesentlich.

Wie dem auch sei: Sollte die Facebook Graph Search in den nächsten sechs Monaten in Deutschland starten, kenne ich jetzt schon das Aufregerthema für das Sommerloch 2013.

Vielleicht schafft Deutschland noch einmal, was es mit Google Street View geschafft hat, dessen Verpixelung viele damalige Verpixelungsbefürworter mittlerweile nicht mehr so gern sehen dürften.

(via Nerdcore)

Facebook Suche ist abhängig von Likes und co.

Facebooks neue Suche, Graph Search, ist abhängig von den Daten, die Facebook zur Verfügung stehen. Likes, Verbindungen, Angaben zur Person. Das hat Vorteile (zum ersten Mal überhaupt ist so eine Suche im großen Stil dank Facebook möglich) und Nachteile (die Suche ist nur so gut, wie man selbst Informationen in das System gesteckt hat).
Der Suchmaschinenexperte Danny Sullivan:

Consider me. Not only have I not liked my electrician, my plumber, my dentist, my doctor or my tax person on Facebook but I don’t even know if they have Facebook pages. I have nothing to offer to my Facebook friends in this regard.
Similarly, despite the huge number of books I read through my Kindle, I never go to like those books on Facebook, so books I love are more or less invisible on Facebook.
Facebook itself understands this challenge, but it’s hoping the promise of what search can provide will help encourage people to build the connections they may lack now.
“There are now new reasons to make these connections. We’re hoping the existence of that will encourage it,” said Tom Stocky, director of product management at Facebook, who has worked closely on the Facebook search product. “But absolutely, early on, that [your degree of connectedness] will make the experience you have with this vary.”

Ich würde bezweifeln, dass die User über mehrere Ecken an den Suchnutzen denkend mehr Informationen in Facebook stecken. Das ist aber wahrscheinlich auch egal. Denn es kann auf absehbare Zeit keine vergleichbare Suchmaschine geben.

Die neue Suche ist auch unabhängig davon eine bessere Suche für Facebook:

If the utility to use Facebook as a type of super-Yelp or super-LinkedIn doesn’t prove itself at first, at the very least, Facebook Graph Search will allow people to search within Facebook itself in a better way than they can now. For example, people will be able to find all the photos they’ve liked on Facebook.
“This is one of the best queries in the system,” Lars Rasmussen told me, the former Googler that Facebook lured away to be director of engineering, and who’s overseen the Facebook search project. “You probably like a couple of photos a day, but you’ve never been able to see a collection of them before.”

Da Graph Search als eingeschränkter Betatest zunächst nur im englischsprachigen Raum eingeführt wird, dauert es wohl noch eine Weile, bis die neue Facebooksuche hierzulande ankommen wird.

Graph Search: Facebook stellt eine neue Art Suchmaschine vor

The Next Web:

With people, Zuckerberg says that when he wanted to look for friends who would be interested in watching “Game of Thrones” with him. He did a search of friends who lived in Palo Alto and enjoyed the show. The result were 17 of his friends, including his sister Donna Zuckeberg. With photos, it displays the photos of Zuckeberg and his wife, Priscilla Chan. At the top are those images that received the most engagements: Likes and comments. In terms of places, Zuckerberg put in the query of mexican restaurants in Palo Alto, California and where friends have been. Facebook displays the places nearby and friends recommendations.

Nur Facebook kann eine solche Suchmaschine anbieten.

Alles abschalten!

Google, Frau Wulff, und die Autovervollständigenfunktion. Ein klassisches deutsches Drama.

Am Sonntag habe ich in den Sat.1-Nachrichten anderthalb Sätze zum Fall Wulff gesagt.* Ich glaube, aktuell möchte niemand in der Haut von Frau Wulff stecken. Ein unangenehmes Gerücht verbreitet und verfestigt sich, und zum ersten Mal ist man als deutsche Prominente auch außerhalb der Bild-Seiten hilflos.

Das Verständnis von Meinungsfreiheit im deutschen Recht kennt enge Grenzen. Verleumdung, Rufmord, Behauptung falscher oder zumindest nicht beweisbarer Tatsachen, dagegen kann man gerichtlich vorgehen. Man kann sogar nach einer Verjährungfrist jede noch öffentlich erreichbare Berichterstattung über längere Zeit zurückliegende Verurteilungen und damit auch über die dort verurteilten Verbrechen entfernen lassen. Resozialisierung. Die Würde des einzelnen wiegt(e) in Deutschland immer um ein Vielfaches schwerer als die Meinungsfreiheit. Besonders wenn man sich gute Anwälte leisten kann.

Ich habe dieses Jahr Post von einer Kanzlei bekommen für einen Blogartikel, in dem ich auf einen  Zeitungsartikel verwies, der ebenso wie mein Blogartikel entfernt werden musste, weil das darin erwähnte Verbrechen nicht mehr öffentlich mit dem Namen der Person in Verbindung gebracht werden darf. Und das obwohl meines Erachtens in diesem Fall erhebliches öffentliches Interesse besteht.**

Von wegen das Internet vergisst nichts.

Aber was ist, wenn sich die Verbreitung einer Information dann doch überhaupt nicht mehr aufhalten lässt? Was wenn ein Gerücht nicht nur in Zeitungsartikeln, Blogs und Foren kursiert, sondern auch auf Twitter, Facebook und in den Buchschlagwörtern von Amazon, und, selbstverstärkend, danach gesucht, gegooglet, wird? Was wenn user content generieren und Algorithmen das dann auswerten?

Natürlich ist es ein Streisandeffekt, wenn man mit einer Klage, diesem in Deutschland bewährten Eindämmungswerkzeug öffentlicher Kommunikation, die Verbreitung der aufzuhaltenden Information nur noch befeuert. Es spielt dabei leider keine große Rolle, ob die Information selbst tatsächlich stimmt oder nicht.

Und natürlich ist es ärgerlich, das für die Verbreitung von Gerüchten im Internet der Wahrheitsgehalt die gleiche Rolle spielt wie bei der Berichterstattung in der Bild: Oft eine zu kleine. Im Zweifel entscheiden die eigenen Bauchgefühle und die vermuteten der anderen.

Was also tun? Klar, Google verklagen. Weil dieses die Verbreitung von Wortclustern algorithmisch in der Autovervollständigenfunktion der eigenen Suchmaschine abbildet.

Und dann natürlich die Frage: Sollte Google eingreifen? Sollten sie Verantwortung übernehmen? Ethik! Moral! Die großen Geschütze.

Wolfgang Michal, wer sonst***, impliziert auf Carta am 9.9., dass Google die eigenen Funktionen redaktionell begleiten müsse:

Das Recht zwingt die „neutralen“ Plattformen dazu, redaktionelle und verlegerische Aufgaben wahrzunehmen, also auszuwählen, zu filtern, zu ordnen, zu hierarchisieren und zu bewerten. Manche nennen das Zensur, andere sehen darin die Notwendigkeit zur Verantwortung.

Sascha Lobo fasst den Kern der Debatte auf Spiegel Online so zusammen:

Der Zorn, den Google auf sich zieht, wenn es Gerüchte über Gattinnen oder Meinungen über Mohammed verbreitet, entspricht einem bisher ungelösten moralischen Konflikt über die Auffindbarkeit: Ist der Überbringer einer Botschaft für den Inhalt verantwortlich? Eine grundsätzliche Diskussion wird notwendig; sie beginnt mit der schmerzhaften Feststellung, dass die Rolle des Botschafters in der digitalen Sphäre unklar geworden ist. Das liegt auch daran, dass die scheinbar neutrale Rolle des Überbringers, so selbstverständlich sie sich für Netzbewohner anfühlen mag, auch nur eine Hilfsmetapher ist. Und zwar eine, die dem Vermittler sämtlicher Inhalte eine grundsätzliche Neutralität zuschreibt.

Spielen wir das einmal durch:

Was, wenn Google verantwortlich ist, wenn es zur Verantwortung gesetzlich verpflichtet wird? Der reiche US-Konzern kann doch ein paar Leute einstellen, die sich darum kümmern könnten! Oder nicht?

Dann fragen wir doch einmal: Warum gibt es keine Autovervollständigenfunktion bei den internen Suchen von FAZ.net über sueddeutsche.de bis Spiegel Online? Die Inhalte und potentiellen Suchkombinationen umfassen im Vergleich nur einen Bruchteil der Suchen über das gesamte Internet bei Google. Und die jeweiligen Redaktionen sind nicht klein. Warum also nicht? Vielleicht, weil es nicht praktikabel ist, so etwas redaktionell zu lösen, selbst wenn die potentiell zu überblickende Menge vergleichsweise gering ist?

Viel wird bei dieser Debatte von Neutralität gesprochen. Das ist aber eine Nebelkerze. Google ist nicht neutral und kann es nicht sein. Google ist wie jede Suchmaschine eine einordnende Instanz. Aufgrund der algorithmischen Vorgehensweise sind die Möglichkeiten (Skalierbarkeit) auch unmittelbar mit den Grenzen (Unmöglichkeit der Einzefallabwägung) verbunden.

Will man Googles Rolle in diesem Schlamassel verstehen, muss man sich die Position in der Wertschöpfung, also die Stelle, an der Google etwas hinzufügt, veranschaulichen:

Google ist wie der Kioskbesitzer, der (selbstverständlicherweise) nicht für falsche Behauptungen in der Bild-Zeitung verantwortlich gemacht wird, nur weil er sie in seinem Laden verkauft; und übrigens auch nicht, wenn er diese Bild-Zeitung für alle sichtbar in’s Schaufenster legt.

Der Kioskbesitzer ist auch nicht neutral: Er nimmt seinen Kiosk bevorzugt dort in Betrieb, wo viele Leute vorbeikommen. Er platziert die Bestseller für alle Kunden gut sichtbar. Und zwar auch dann, wenn die Bestseller nachweislich permanent falsche Informationen verbreiten.

Und doch: Er hat zu keinem Zeitpunkt einen direkten Einfluss auf die Inhalte in den Publikationen, die er verkauft.

Dass Google nun punktuell Einfluss auf die Ergebnisse der Autovervollständigenfunktion nimmt und etwa filesharingrelevante Anfragen nicht vervollständigt, ändert daran nichts. Google ist nicht gut darin beraten, das zu tun und macht es, weil der Konzern gerade eine fundamentale Veränderung erlebt: Von einem vom Web lebenden Konzern (weil primär Suchmaschine) emuliert Google zunehmend Apples vertikale Integration und benötigt etwa für Google Play (Googles Äquivalent zu iTunes) Verträge von Filmstudios und Musiklabels. Um diese zu bekommen, springt Google auch bei der Suchmaschine durch Hulahoopreifen:

Punktuelle Beschneidung der Vervollständigenfunktion, Adminrechte für Entertainmentkonzerne bei Youtube, Rankingverluste für Websites, die viele DMCA-Takedowns erhalten. Das alles macht Google, weil sie, entgegen ihres Images in Deutschland, überhaupt kein Problem damit haben, großen Rechteinhabern entgegenzukommen. Und es zeigt nicht die Lösung sondern das Problem auf:

Mit jeder dieser Massnahme wird die Googlesuche ein kleines Stück schlechter.

Google kann Themen wie Filesharing oder Pornographie von der Autovervollständigenfunktion ausnehmen. Aber es kann nicht jede Form von Verleumdung vorhersehen. Es kann nicht entscheiden, was “gute” und was “schlechte” Wortkombinationen sind. Es ist eine Funktion, die entweder algorithmisch erzeugt angeboten wird oder gar nicht.

Übrigens: Auch Bing, Microsofts Suchmaschine, bietet als Ergänzungen zu den Wörtern “Bettina” und “Wulff” unter anderem “Rotlicht” und “Prostitution” an.

Letztlich hat das Fazit nur wenig mit dem Internet zu tun: Entweder wir lernen als Gesellschaft unser Verständnis von Meinungsfreiheit liberaler zu fassen, so etwa wie man es aus den USA kennt, also auch mit all den von da bekannten Vor- und Nachteilen, oder uns bleibt nur die gleiche deutsche Lösung wie bei Street View (verkrüppeln; hier aber bis zur Unkenntlichkeit, sprich die Funktion wird auf die handhabbaren ein Prozent der meistvorkommenden Suchen beschränkt) oder dem Like-Button:

Alles abschalten!

-

*Nicht online abrufbar, wenn ich das richtig sehe. Ich bin aber auch nicht in der Lage, die Website von Sat.1 länger als zwei Minuten zu benutzen, ohne ein Gehirnaneurysma zu bekommen.

**Aus nachvollziehbaren Gründen wird jede Vermutung in den Kommentaren, egal ob richtig oder falsch, unverzüglich gelöscht. Wer nicht gesperrt werden möchte, lässt das bitte gleich bleiben.

***Wolfgang Michal hatte vor Jahren einmal angeregt, Google könne doch seinen kompletten Index händisch auf Urheberrechtsverletzungen überprüfen.

Spracheinstellungen bei Bing, Blekko und Duck Duck Go

Mein Artikel über meine Erfahrungen mit drei alternativen Suchmaschinen ist in leicht angepasster Form auf Golem erschienen, aufgeteilt auf sensationelle vier Seiten.

Was ich in meinem ursprünglichen Artikel vergessen hatte, waren Aussagen zu den Spracheinstellungen bei den Suchmaschinen. Das sei hiermit nachgeholt:

In der Sidebar von Bing lässt sich leicht die Sprache der Ergebnisse einstellen. [..]

[Duck Duck Go:] Die Spracheinstellungen können über ein Drop-Down-Menü in die Einstellungen vorgenommen werden. Dort kann unter anderem die Region geändert werden. Anschließend erhält man zwar deutsche Sites in den normalen Ergebnissen, aber die Box mit den allgemeinen strukturierten Daten bezieht ihre Informationen weiterhin aus englischsprachigen Quellen. [..]

Ein großer Nachteil von Blekko ist die fehlende Option, die Sprache der Ergebnisse einzustellen. Die Einführung dieser Funktion ist von Blekko zwar geplant, aber ein Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest. Blekko durchsucht zwar auch deutsche Websites, eine Beschränkung auf diese ist derzeit aber nicht möglich. Und so dominieren englischsprachige Websites die Ergebisse.

Wenn Werbung auf Facebook effektiver ist als auf Google

uploadsfacebook-logo.jpg

Buchautor Jeff Matthews kommt zu dem Schluss, dass Werbung auf Facebook effektiver sein kann als auf Google:

So, while Google is a company I’ve admired from Day One for many of the reasons Wall Street distained it early on (including a management team totally focused on the long run, paying almost no attention to quarterly earnings), Facebook will, absolutely, hurt Google.  
In fact, it already has, if my own experience advertising a similar product using both Google AdWords and Facebook is any indication.
The product advertised is “Secrets in Plain Sight: Business and Investing Secrets of Warren Buffett” (eBooks on Investing, 2011).  My publisher advertised the earlier, print version on Google, and the more recent e-book on Facebook.  
And while both Google’s and Facebook’s platforms are similar in form, ease of use and detailed statistical reports, Facebook created demand I could monitor on Amazon.com in near-real-time, while Google’s impact was hard to see and impossible to value.  In short, Facebook worked far better than Google AdWords.

Facebook ist in Matthews’ Augen effektiver, weil es dem Werbekunden erlaubt, genau die Person herauszusuchen, die man bewerben will:

But the magic of Facebook’s targeting doesn’t stop with countries or education.  If I wanted to, I could advertise to all 10,141,480 Facebook users with birthdays that happen in a week or less.

Think about that.

And if you really want your head to spin, think about this: according to a friend in retailing, the average Facebook woman updates her relationship status to “Engaged” within two hours of the guy actually proposing…so Facebook sells that relationship status information to retailers who have bridal registries.

As my pal told me, “We’ve been looking for this for fifty years.”

Das ist insofern interessant, als dass üblicherweise vermutet wird, dass Facebooks Werbemittel denen von Google unterlegen sind. Das stimmt auch in einigen Bereichen. Wenn ich zum Beispiel einen Kauf plane und Informationen auf Google zu möglichen Produkten suche, dann ist Googles AdWords genau der Weg, um mich zu erreichen. (Google verdient sein Geld nicht mit Suchen nach Nachrichtenartikeln, wie mancher Presseverleger glaubt, sondern mit transaktionalen Suchen.)

Aber in vielen Bereichen ist wiederrum Facebook Google überlegen, weil es auf andere Informationen zurückgreifen kann. Beide dürften sich recht gut ergänzen.

Interessant ist das auch vor dem Hintergrund des anstehenden Börsengangs von Facebook und der bevorstehenden Diskussion, ob wir jetzt nicht doch endlich in einer Blase sind. Der Facebook-IPO wird die üblichen Untergangspropheten noch sehr viel stärker beschäftigen als der Groupon-IPO letztes Jahr.

Degoogleification

Markus Spath über die jüngsten Entwicklungen bei Google:

Im Gegensatz zu Facebook oder Twitter, besteht der eigentliche Wert von Google im Glauben der Welt an die Genialität von Google. Wir gehen zu Facebook oder Twitter, weil dort unsere Freunde Dinge posten. Aber wir gehen zu Google, weil wir glauben, dass sie wissen. Google war das paradigmatische lacansche subject supposed to know. Es war eine Black Box, die man Beliebiges fragen konnte, und die ohne grössere Umwege die richtigen Antwort lieferte. Auch wenn nicht immer alle Ergebnisse ‘richtig’ waren, sie waren noch immer richtiger als bei allen Anderen, und ein, zwei Verfeinerungen weiter hat man das Gewünschte gefunden.

[..]

Mit Google+ und der Sozialisierung der Suchergebnisse macht sich Google nun nicht nur angreifbar, sie zersetzen die Ordnung des Imaginären selbst. Wenn sie neben dem Suchergebnis anmerken ‘weil der Autor 15.000 Follower auf G+ hat’ oder ‘weil das der und der Kontakt geshared haben’ schreiben, ich aber weiß, dass derjenige vom jeweiligen Thema keine Ahnung hat und besser nicht als Hauptreferenz zitiert werden sollte, und wenn das Ergebnis dann auch noch nicht gut ist, oder wenn Google Vermutungen über das, was ich wohl meine, in die Suchergebnisse hineinfakturiert und mir deshalb falsche Antworten auf Fragen liefert, die ich gar nicht hatte, dann bringen sie das Konzept ihrer eigenen Dummheit selbst auf den Tisch.

[..]

Nur am Rande gesagt: das Kultivieren von Features, die Geeks mögen, macht auch – gerade für Google – geschäftlichen Sinn, weil die dortigen Aktivitäten oft erst durchsickern, nachdem sie eine Zeit lang gegärt haben, die später aber das Salz in der Suppe werden, die Gesamtqualität erhöhen, die ein Indikator für Trends sind, der dann ein paar Jahre später der Mainstream wird, etc., aber das wäre Thema für einen eigenen Rant.

Er identifiziert 7 Problemfelder/Gründe für Googles jüngstes Verhalten:

  • Selbstüberschätzung
  • Lack of Leadership
  • Mangel an Geschmack
  • Trägheit
  • Neid und Gier
  • Infantilität
  • Degeekification

Sehr lesenswerte lange Analyse des Gesamtbilds des noch immer wichtigsten Internetunterehmens.

Interessanterweise hat er die letztjährige Übernahme von Motorola Mobility durch Google, das zum Übernahmezeitpunkt weniger Mitarbeiter als die übernommene Unternehmensparte hatte, gar nicht erwähnt. Dort droht mir organsiatorisch sehr viel Ungemach für Google.

Und auch Android wird in der Analyse nicht angesprochen. Schade: Android ist enorm wichtig für Googles Post-PC-Strategien und ist gleichzeitig auf dem Weg in seine eigene Katastrophe. (Mehr dazu in einem späteren Artikel.)

Erfahrungsbericht: Anderthalb Jahre mit 3 Suchmaschinen, die nicht Google sind

Juli 2010 habe ich ein Experiment gestartet. Auf meinem Notizblog schrieb ich damals:

Kleiner Selbsttest: Ich habe in meinem Standard-Browser Google Chrome jetzt mal die Standardsuche von Google auf Bing umgestellt. Mal sehen, ob das funktioniert.
Ich benutze Google für Websuchen praktisch ausschließlich seit 1999.

Ich bin selbst überrascht, dass der Start meines Selbsttests nun schon 18 Monate zurückliegt. Angesichts der Debatte rund um die Veränderung der Google-Suche versuchen jetzt einige von Google loszukommen. Felix Schwenzel versucht es mit Duck Duck Go. Auf Gizmodo berichtet einer der Schreiber, dass er zu Bing gewechselt ist. Und auch Dave Winder denkt darüber nach, ob Bing dem komplexer werdenden Google gefährlich werden kann.

Grund genug also, über meine Erfahrungen zu berichten.

bing

Wie bereits im obigen Zitat geschrieben, habe ich mit Microsofts Bing begonnen. Das Erste, das mir auffiel, war, dass Bing, zumindest 2010 und zumindest für meine damalige Verbindung (Berlin, Alice DSL), sich oft sogar einen Zacken schneller anfühlte als das bereits schnelle Google.

Die zweite Erkenntnis sollte sich wie ein roter Faden durch die letzten anderthalb Jahre ziehen: Bing ist ein guter Ersatz für Google, so lang es um Standardsuchen geht. So bald es komplexer wird, fällt schnell auf, dass Google im Hintergrund sehr viel mehr macht als Links zählen. Google kann oft komplexe Suchen besser interpretieren als Bing oder die anderen Konkurrenten.

Ich habe Bing zufriedenstellend für das tagtägliche Suchen benutzt. Habe ich nicht gefunden, was ich gesucht habe, habe ich Google benutzt.

Mir scheint auch der Index von Bing noch nicht an den von Google heranzureichen.

Bing ist vom Aussehen sehr nah am klassischen Google. Das geht bis hin zur Farbe der Links und der Anzeige von direkten On-Site-Links bei populäreren komplexen Websites. Der Wechsel zu Bing dürfte vielen am leichtesten fallen.

Positiv an Bing hervorzuheben ist die Bildersuche. Sie scheint mir nicht nur besser zu sein als Google. Ich habe sogar bis dato keine allgemeine Bildersuche gesehen, die besser ist als Bing. Allein für das Suchen von Bildern lohnt sich Bing also.

duck duck go

Nachdem ich Bing einordnen konnte, habe ich als zweite Suchmaschine Duck Duck Go ausprobiert. Das immer noch kleine, aber auch sehr schnell wachsende Duck Duck Go besticht auf den ersten Blick durch ein unfassbar hässliches Logo. Man sollte sich davon aber nicht beirren lassen.

Duck Duck Go bietet einige innovative Features an: Zum Beispiel werden Daten von Wikipedia und anderen vertrauenswerten Sites ausgewertet, um strukturierte Ergebnisse anzuzeigen. Als Beispiel kann die Suche nach Union Square Ventures dienen: Kurze Erklärung der Firma, Wikipedialink, Link zu offizieller Site, und ein Link zu einem Verzeichnis von VC-Firmen auf Duck Duck Go. In der rechten Sidebar werden Vorschläge gemacht, welche Suchbegriffe man hinzufügen kann, um die Suchergebnisse zu verbessern.

Das besondere an Duck Duck Go sind die sogenannten !Bangs. Mit denen ist es möglich, direkt in Duck Duck Go interne Suchen von Sites oder andere Suchmaschinen zu benutzen:

We call these commands !bangs, and this syntax works for 100s of sites:
Most big sites work, e.g. !youtube (see full list below)
Most generic keywords work too, e.g. !images
There are also shorter versions, e.g. !g (google) !i (images) !yt (youtube)
!ducky or ‘! ‘ or ‘\’ will take you to the first result.
!safeoff will run a search with safe search off.

Sucht man zum Beispiel mit !g etwas auf Duck Duck Go, wird man auf die Google-Suche mit den Suchergebnissen umgeleitet. Eine eigene Bildersuche hat Duck Duck Go nicht. !images leitet auf die Bildersuchergebnisse von Google um.

Wie auch Bing versagt Duck Duck Go oft, wenn es komplexer wird. !g ist also recht praktisch, um einfach Google zu Rate zu ziehen wenn nötig.

Im Oktober 2011 hat unter anderem Union Square Ventures (Twitter, Tumblr, Etsy und weitere) in Duck Duck Go investiert.

Duck Duck Go wirbt seit Sommer letzten Jahres damit, keine Personalisierung seiner Suchergebnisse zu betreiben.

blekko

Nach Duck Duck Go benutze ich nun Blekko als Standardsuche. Blekko hat letztes Jahr für Aufsehen gesorgt, weil sie publicityträchtig ‘Spam’ aus ihren Suchergebnissen entfernt haben. Noch vor Googles Herunterranken von Contentfarmen hat Blekko diese aus seinem Index ausgeschlossen.

Das macht Blekko besonders für auf Google spamverseuchte Suchen nützlich. Zusätzlich bietet Blekko sogenannte Slashtags an, mit denen man die Suche auf eine Kategorie von händisch oder automatisch gesammelten Sites beschränken kann.

Michael Arrington schrieb 2011 darüber, wie beides zusammen wirkt:

The company has also increased search relevance substantially by auto-including some 1,000 slash tags, up from just a handful previously. That means that for many results you are looking at hand picked sites that are known to have high quality content. Content farms just can’t get through slashtags.
Search for “pregnancy tips” and you’ll see to slash tags, for /pregnancy and /health, and quite good results compared to Google. But on Blekko you’re not done. Click on one of those slash tags to drill down into results relevant to that tag. Answer relevance goes even higher.

Blekko ist tatsächlich relativ mächtig.

Aber auch für Blekko gilt noch das Gleiche wie für Bing und Duck Duck Go. Für den Alltag ist Blekko ein mehr als ausreichender Ersatz für Google, aber je abwegiger eine Suche wird, desto wahrscheinicher ist es, dass Google das bessere Ergebnis liefert.

Die Slashtags sind allerdings ein sehr mächtiges Instrument für alle, die oft speziellere Suchen im Web ausführen (Journalisten, Blogger). Man kann so leicht die Suche vom Web auf spezielle Sites einschränken und wieder ausweiten. Mit /date kann man auch die, sofern mit Datum versehen, letzten statt die relevantesten Ergebnisse mit den Suchbegriffen anzeigen lassen. Wer einen Account bei Blekko anlegt, kann mit dem Import einer OPML-Datei einfach eigene Slashtags anlegen. Auch aus den Suchergebnissen heraus lassen sich leicht Websites zu bestehenden Hashtags hinzufügen.

Blekko bietet mit den Slashtags ein weitaus mächtigeres Werkzeug als die CSEs von Google, wenn es um das Durchsuchen von bestimmten Sites für den eigenen Workflow geht.

Die Bildersuche von Blekko ist keine Erwähnung wert.

Blekko bietet auch interessante Fakten und Zahlen an, wie etwa diese Gegenüberstellung von integrierten Facebook-Like-Buttons und Google-+1-Buttons.

Fazit

Jede der getesteten Suchmaschinen liefert ausreichend gute Ergebnisse, um im Alltag auf Google verzichten können. Je spezieller allerdings die Suchen sind, die man durchführt, desto stärker fällt auf, dass zum einen die Konkurrenten noch nicht so große Indizes wie Google besitzen und zum anderen, dass Google im Hintergrund sehr erfolgreich im Verbinden und Auswerten der Datenmassen war und ist. Google ist oft schlicht relevanter.

Faustregel: Je mehr Suchwörter benötigt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eher mit Google das findet, was man sucht.

Über die letzten anderthalb Jahre ist mir noch etwas bewusst geworden, dass man leicht übersieht: Google ist praktisch überall default, abgesehen von IE. Egal welchen Browser man auf dem Desktop installiert (abgesehen von IE), egal ob iPhone oder iPad: Überall ist Google voreingestellt. Die Wechselkosten weg von Google sind zwar minimal. Aber sie sind vorhanden.

Ich glaube nicht nur, dass diese Defaulteinstellungen Google sehr viel stärker helfen, als vielen bewusst ist. Ich glaube auch, dass die Tatsache, dass wir immer mehr Geräte mit Internetzugang benutzen, Google an der Default-Front angreifbar wird: Google mag mit Google Chrome stark auf dem Desktop sein und Firefox weitere drei Jahre verpflichtet haben. Aber Google kann weder beeinflussen, welche Suche Apple bei seinen mobilen Geräten voreinstellt, noch was zum Beispiel Amazon auf dem Kindle Fire macht.

Wer bereit ist, mehrere Suchmaschinen nebeneinander zu verwenden, dem würde ich folgendes Setup empfehlen:

  • Duck Duck Go oder Blekko für alltägliche Suchen
  • Blekko für das Durchsuchen einer festen Zahl an Websites aus der eigenen Branche oder andere Aufgaben, die man vorher einer CSE von Google anvertraut hat.
  • Bing für die Bildersuche
  • Google für alle Suchanfragen, die auf den anderen keine zufriedenstellenden Ergebnisse brachten

Letztlich muss man allerdings festhalten, dass unter dem Strich Google nach wie vor die beste allgemeine Suchmaschine ist.

Implikationen von Googles neuem “Search Plus Your World”

Google vereint mit “Search Plus Your World” in seiner Suche künftig neben öffentlich auffindbaren Resultaten auch private Inhalte, wie etwa Fotos auf Picasa oder auf Google+ geteilte Inhalte.

Suchmaschinenexperte Danny Sullivan zu den Implikationen für die Branche:

Perhaps Search Plus Your World will prove the carrot or stick that Google’s been after for years to get Facebook to share its data with Google. If the new feature takes off, searchers may wonder why they can’t find privately shared information from their Facebook friends as easily on Google.

Then again, Facebook could decide to push back by beefing up its own search features. Currently, Facebook partners with Bing, both to allow Bing to help personalize its search results to people based on what their Facebook friends like.

However, only publicly shared content gets personalized like this. Potentially, Facebook and Bing could work more closely to come up with their own version of Search Plus Your World. That could happen on Bing, or it could happen within Facebook itself.

Beobachtbar ist auf jeden Fall eine klare Zentralisierungstendenz bei Google. (Jene braucht Google auch, um gegen Facebook und co. bestehen zu können, wie auch Sullivan anschneidet.)

Die Integration von Google-Suche und Google+ wurde zusätzlich stark ausgeweitet: Google+-Profile werden prominent in der Google-Suche dargestellt. Auch hier fehlen wieder das viel größere Facebook und auch  Twitter. Die Neuerung dürfte Google+ sehr viel sichtbarer und damit attraktiver machen, verändert aber auch immer stärker, wie Menschen die Suchmaschine Google wahrnehmen:

Immer mehr Google, immer weniger Websuche.

 

Google, das neue Microsoft

Google plus logo

Als ich die Entscheidungen von Google rund um GoogleReader und Google+ analysierte und die grundsätzliche Entwicklung von Google unter die Lupe nahm, kam ich zu folgendem Schluss:

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber Google scheint tatsächlich das neue Microsoft zu sein.

Ich glaube, dass sollte man noch etwas weiter ausführen, weil ich sehr stark vermute, dass der Internetkonzern sich gerade dank Facebook und darauf antwortender Google+-Strategie stark verändert und die Auswirkungen auf das Web enorm sein können. (Und zwar sowohl positiv als auch negativ.)

Auch Marco Arment (Ex-Tumblr, jetzt Instapaper) vergleicht Googles Strategie, alles auf ein Produkt zu setzen,  mit Microsoft und ihrem überhasteten Versuch, Windows und Web enger zusammenzubringen:

Google’s current “bet everything on social now because we missed the boat” movement feels a lot like Microsoft’s “bet everything on the internet because we missed the boat” movement in 1997. Remember how they wedged all sorts of internet-like functions into Windows 98, like Channels and Active Desktop? Those worked well and made Windows better, right?

(crickets)

It turns out that Microsoft has always been a money-losing also-ran at best with web services, but it doesn’t really matter, since their core business (Windows, Office, Exchange) has done well the entire time and will probably do well for the foreseeable future.

Google’s leadership seems to be paranoid about its continued relevance if it doesn’t make it big in social networking. But they’re showing that they’re willing to harm their other products to boost their social product.

Die Paranoia des Topmanagements von Google im Social-Bereich, der ersten wahren Disruption von Google, unaufholbar zurückzufallen, hat zu Google+ und Veränderungen in vielen Produkten des Suchriesen geführt. Diese Neuerungen sind oft nicht nur konzeptionell fragwürdig sondern oft auch wie ich hier und Felix Schwenzel auf wirres.net ausgeführt hat, zusätzlich stümperhaft umgesetzt.

Was zeichnete Microsoft seit den frühen Neunziger Jahren aus? Nicht nur oft im direkten Vergleich minderwertige Produkte, deren Konzepte Microsoft oft von anderen kopiert hatte, sondern auch noch etwas anderes: Das Erfolgsrezept von Microsoft war das Bundling der Software mit Windows. Die Marktmacht von Windows gab Microsoft einen uneinholbaren Vorteil gegenüber unabhängigen Softwareentwicklern.

Woran erinnert uns das?

Machen wir einen Lackmustest: Wir stellen uns vor, dass Google+ nicht von Google sondern von einem neuen Startup erdacht worden sei. Stellen wir uns vor, das Startup hätte genügend Risikokapital bekommen, um kostenlose Video-Hangouts und alle anderen Google+-Features anbieten zu können.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses StreamsundCircles+ innerhalb so kurzer Zeit so viele Nutzer angezogen hätte wie es Google+ geschafft hat?

Google+ ist noch heute relativ rudimentär und in vielen Belangen dem alten FriendFeed zwar ähnlich, aber unterlegen. Obwohl die Entwicklung von FriendFeed 2009 eingestellt wurde. (FriendFeed wurde gleichzeitig auch nie so groß wie Google+ heute schon ist.)

Wieso hat Google+ also bereits 40 Millionen Nutzer, wenn es ein rudimentärer Dienst ist, der kaum ein Problem löst?

Die Antwort ist einfach: Weil es von Google kommt. Weil es Google+ heißt. Weil Google gesagt hat, dass Google+ die Weiterentwicklung des gesamten Google-Portfolios ist. Ohne ‘Made by Google’ wäre Google+ so ein Niemandsland wie Diaspora oder andere Dienste, die kein Problem lösen und deshalb keine Nutzer finden.

‘Von Google’: Deshalb haben viele Leute Google+ ausprobiert, deshalb haben Unternehmen sofort Google+-Pages angelegt.

Die Motivationen gehen von ‘Ich benutz nur Facebook und GMail. Huch, dieses neue Google+, das mir Google empfiehlt, schau ich mir mal an!’ bis hin zu ‘Das hier kann wichtig werden, ich bin besser sofort dabei.’.

Albert Wenger, Partner von Union Square Ventures, hatte Bundling im Zusammenhang mit Google+ bereits im Juli dieses Jahres angesprochen:

Google’s efforts here are reminiscent of Microsoft’s push into the application space.  Even the motives are similar. For Microsoft: if people care about applications and those applications run equally well on different Operating Systems, then the OS (eventually) doesn’t matter. For Google: if people spend all their time in social services, then (eventually) search will be a feature of those services (because they will have all the relevant information about the searcher).  In other words, in both cases the push is motivated by a desire to protect an existing hugely profitable business.

The strategy for doing so is bundling the new offering with the existing market dominant one.  In the era of Microsoft the main advantages of bundling were physical distribution and access to proprietary APIs.  The latter allowed Microsoft to deliver a better product experience and the former let them reach customers more cheaply.  The combination was a potent one and allowed Microsoft to wipe out their application competitors.  Anyone remember Wordperfect? Or Visicalc? Or Lotus 1-2-3?  They all became historical footnotes.

Google fährt mit Google+ eine klassische Bundling-Strategie:

Jetzt muss man natürlich anmerken, dass das Bundling heutzutage, selbst wenn es vom größten Internet-Konzern kommt, nicht die gleiche Macht hat, die Microsoft auf dem Desktop hatte. Das musste auch Google spüren, als man dort dachte, den Google+-Vorgänger GoogleBuzz einfach in GMail zu integrieren, wäre ein Erfolgsrezept. War es bekanntlich nicht.

Dass viele Leute heute Google+ benutzen, liegt auch daran, dass es benutzbar ist. Da es von Google kommt, reicht das. Es muss nicht gut oder gar außergewöhnlich sein. Nur benutzbar.

Google+ wird aufgrund der Verzahnung mit Google selbst nicht untergehen. Da ist es relativ egal, ob Google jetzt dies oder jenes nicht gleich richtig macht. Google+ ist nicht dem Tode geweiht, wie es etwa im Slate Magazine heißt:

Because there’s no way to correct Google’s central failure. Back when companies were clamoring to create brand pages on the network—or users were looking to create profiles with pseudonyms, another phenomenon that Google shut down—the company ought to have acceded to its users’ wishes and accommodated them. If Google wasn’t ready for brand pages in the summer, it shouldn’t have launched Google+ until it was. And this advice goes more generally—by failing to offer people a reason to keep coming back to the site every day, Google+ made a bad first impression. And in the social-networking business, a bad first impression spells death.

Die einzige Konsequenz dieser Versäumnisse von Google ist das Verfestigen von Facebook und anderen Tools. Aber sobald Google+ mit relativ wenig Aufwand betrieben werden kann (Read/Write-API muss dafür kommen), kommt auch der Rest der Nutzer. Oder zumindest ein genügend großer Teil des Restes, um Google+ in die selbe Liga zu setzen, in der sich aktuell Facebook, Tumblr und Twitter bewegen.

Nick Bilton von der New York Times schreibt:

Google hopes to build a social network that competes with Facebook, Twitter and other social services, but that is not the main reason the company has put so many resources behind Google+. Instead, Google+ is a social layer that has always been intended to sit on top of the company’s flagship product: search.

Proclaiming that Google+ won’t survive is like saying that the Apple mobile iOS operating system will die, but the iPhone and iPad will live on. They are one and the same, just as Google and Google+ will be.

Google+ ist hier, und wird hier bleiben. Es wird groß werden, weil es benutzbar ist und weil es direkt mit Google und seinen vielen Produkten verwoben wird. Wird es Facebook Konkurrenz machen? Wird es andere Tools verdrängen können?

Ich glaube, dass Google mit seinem Hauruck-Verfahren, das dem späten Einstieg in den Markt geschuldet ist, sich keinen Gefallen tut. Mit dem Voranbringen von Google+ zerstört oder sabotiert Google andere Produkte. Ich hatte ausführlich über GReader geschrieben. Der Punkt darin war nicht, dass ich als User enttäuscht bin, sondern dass Google sich selbst keinen Gefallen damit gemacht hat:

Ich sehe den Verlust für die User eher kurzfristig. Mittel- bis langfristig werden sich Alternativen herausschälen, die höchstwahrscheinlich auch besser sein werden als ein GReader, der nicht mehr weiterentwickelt wird. (Mein Sharing, das früher über GoogleReader lief, ist mit Pinboard und diversen anderen Tools jetzt schon effizienter, nur die Konsumseite fehlt noch.)
Der große Verlust liegt auf Seiten von Googles: Sie haben die wertvollsten Infoströme der bestvernetztesten Infoarbeiter auf ihrer Plattform gehabt und hatten sie dank Followerprinzip im Lockin. Und dann haben sie das einfach alternativlos gelöscht.

Meine Prognose:

Google+ wird zu einer der wichtigsten und größten Social-Plattformen, wird dabei aber immer weit abgefallen hinter Facebook bleiben.

Die entscheidende Frage ist, ob es für Google reichen wird, dass Google+ zwar in die selbe Liga wie Facebook, Twitter und Tumblr vorstossen, diese aber niemals anführen wird.

Die Gründe dafür sehe ich im Fehlen einer Vision und dem notwendigen KnowHow bei Google und einem späten Markteintritt. Allein Bundling und die Größe der Googlesuche reichen nicht mehr aus, um Facebooks 800 Millionen aktive Nutzer (und steigend) einzuholen. Ganz davon abgesehen, dass Facebook Social in der DNA hat. Google hat das definitiv nicht. So wie Microsoft das Web nicht in der DNA hat.

Microsofts Bing gehört zu den größten Suchmaschinen weltweit, wenn auch weit abgefallen hinter Google. Ist es eine Gefahr für den Microsoft-Disruptor Google? Und, noch viel wichtiger, ist es ein gutes Geschäft für Microsoft? Spoiler: Nein.

Flugsuche Hipmunk gleicht Termine mit Google Kalender ab

Hipmunk

Ein weiteres Beispiel für eine sinnvolle Datenverknüpfung zeigt die Flugsuchmaschine Hipmunk auf.

Man kann die Suchmaschine jetzt mit Google Kalender verbinden und automatisch anzeigen lassen, wenn Flüge mit eingetragenen Terminen kollidieren:

Now, Hipmunk will automatically display information from your calendars when you run searches—something no other travel site can do. 
[..]
If you can’t afford to skip any of your events, click the “No Conflicts” button to instantly hide all conflicting flights.
[..]
Finally, if you want to find hotels closest to one of your events—say, your first or last event of the day—click to sort by distance.
When you click the text field, you can select one of your events, and all of the hotels will instantly re-sort by proximity to your event.

 

Google+-Kontakte führen zu besseren Suchrankings (für Kontakte)

Das wird Google+ für alle möglichen und unmöglichen im Web aktiven Unternehmen sehr schnell sehr attraktiv machen, sobald Google die Unternehmensprofile einführt:

Wenn ich etwas auf Google+ teile, finden meine Google+Follower, sofern sie eingeloggt sind, diese geteilten Links weiter oben in den relevanten Suchergebnissen.

Search Engine Land:

That’s what’s happening here. I “know” Ford, which is why Ford’s page is showing up in the top results. When I’m logged out, and Google can’t tell that I know Ford, the page doesn’t appear in the first 50 search results that I reviewed, which means it’s effectively invisible.
[...]
Bottom line: being a brand on Google+ will mean people can make a direct connection to you, and that’s going to result in an increased chance that you’ll rank better for those people, when they’re logged in.

Heißt also: Google+ wird eine SEO-Experten-Schwemme erleben, die anstrengend werden könnte.

+1: Googles eigenem Like-Button fehlen noch die Anreize

plus-1-imageGoogle startet mit +1 in den nächsten Wochen seine eigene Ein-Klick-Geste für die Suchergebnisse und in wenigen Monaten für das ganze Web, so wie es Facebook mit dem Like-Button vor einem Jahr getan hat; was für Facebook zu immensem Erfolg geführt hat.

Inhalt:

Wofür: Die Suche, Anti-Spam, AdWords, Websites

+1-Klicks zählen in die eigenen Suchergebnisse und die von Freunden mit hinein. Hier ein Beispiel von Searchengineland:

plus-one-result

In the example above, you can see how one of the results coming up in a search for “nintendo” has two names attached to it. Those are two people in the searcher’s network who have liked this particular listing, plus the searcher is told there are 16 others in their network who like it.

In addition, if a search result has gained a lot of +1s but not from people in your network, you’ll still be told the total without anyone being named. That way, you can get a sense of how popular the page might be generally with +1 users.

Die Angabe von totalen Zahlen der +1-Klicks kann mittel- bis langfristig gegen SEO-Spam helfen.

Was mir nicht ganz einleuchtet ist +1 für AdWords. Warum sollte irgendjemand bei Ads auf +1 klicken? Danny Sullivan:

As with regular search results, any +1 favoring you do will show next to those ads, if others in your social network see them. And any +1s that they do on ads will be displayed for you.

Der Button wird zunächst nur für die Suchergebnisse gestartet. In wenigen Monaten soll ein Button für das Einfügen in Websites folgen:

Google wouldn’t say much about how +1 buttons will work on web sites. For instance, if you come to a web site while logged in at Google, will you see if others in your network have +1′d a page you’re on, in the way Facebook Like buttons work?

No answer. Google is, I was told, is more focused on how +1 integrates with search right now.

Die Inhalte, die man mit ‘+1′ versehen hat, werden in einem gesonderten Tab im Google-Profil gelistet.

Die Freunde, also das +1-Netzwerk, setzen sich aus Gmail-& GoogleTalk-Kontakten, Personen in Google Contacts und den Leuten zusammen, denen man im GoogleReader und auf Google Buzz folgt.

Geplant ist außerdem eine Integration in andere Social-Web-Dienste:

What’s missing are people you are connected to via non-Google services, such as Twitter, Flickr or Quora. That’s something that will come in the future, Google says.

Indeed, we know that there are some “hidden” options that were added to Google Profiles recently, allowing you to connect those profiles to other social networking accounts. It could be that these will be enabled soon, as part of the +1 rollout.

Erst dann wird es richtig interessant.

Der Name

Der Name der neuen Ein-Klick-Geste von Google ist zwar nachvollziehbar:

  • Man will nicht auf Facebooks Like-Zug aufspringen
  • Man wählt etwas, das im Web bereits als Bekunden von Zuspruch bekannt ist, nutzen
  • Es ist unverfänglicher als Like, weil +1 auch als Verbreitung verstanden werden kann

Trotzdem glaube ich, dass der Name nicht sehr klug gewählt ist. ‘Like’ oder ‘Gefällt mir’ erzeugt eine, wenn auch extrem schwache, emotionale Reaktion. Man will zeigen, dass man etwas mag. ‘+1′ ist relativ losgelöst von derlei Reaktionen. Dazu kommt das Problem der Aussprache: ‘Hast du das geliket?’ vs. ‘Hast du das gepluseinst?`’. ‘+1′ scheint mir weitaus schwieriger im Mainstream (und da will und muss Google hin) verbreitbar, weil es kaum in den Sprachgebrauch übertragbar ist. Zusätzlich kann sich jeder etwas unter Like vorstellen.

Facebooks Like-Button wird mittlerweile von den 600 Millionen aktiven Usern benutzt. Das sind Größenordnungen, bei denen ein nerdiger Name wie ‘+1′ bereits die erste Hürde sein kann.

Amazon dagegen etwa hat seine eigene Ein-Klick-Geste so weit an Facebook angelehnt wie es nur ging. Google hätte über den eigenen Schatten springen und es ähnlich machen sollen:

amazon-gefälltmir

Erfolg im aktuellen Stadium eher ungewiss

Der Name mag etwas sein, das sich mit der Zeit als mögliche Hürde geben kann. Ist der Button, bzw. der Mechanismus dahinter, erfolgreich, werden sich von ganz allein sozial etablierte Bezeichnungen herausschälen.

Und Google ist Google. Ein Button, der die Sichtbarkeit in den Suchergebnissen von Google verbessert, wird auf jeden Fall auf viel Gegenliebe bei Seitenbetreibern stossen. Einmal verfügbar, wird der +1-Button auf vielen Websites auftauchen.

Aber.

Aber es gibt für den Endnutzer aktuell keinen direkten sofortigen Nutzen für das Klicken auf den Button. Es fehlt der kurzfristige Anreiz, der für die Ein-Klick-Geste enorm wichtig ist.

Bei Facebook etwa ist der sofortige Anreiz für den Endnutzer klar: Ein Klick auf Like packt den Link in den Newsfeed, so dass die Freunde ihn sehen können. Dass damit auch langfristige Vorteile einhergehen können, also etwa Empfehlungen auf Film-Websites anhand der Facebook-Likes von Filmen, spielt für die meisten User erstmal keine Rolle. Lediglich für den Erfolg des Gesamtsystems Facebook spielt all das eine Rolle, weil aus dem kurzfristigen Nutzen etwas entsteht, das langfristig Nutzen für den Enduser und alle anderen Parteien erzeugt. Dieser virtuose Kreislauf fehlt Google für +1 noch.

Aktuell bedeutet ein +1-Klick nur, dass die eigenen Suchergebnisse und eventuell die von Kontakten, die eventuell das Gleiche suchen, verbessert werden können; und die Links landen in einem Tab im Google-Profil, wo sich wahrscheinlich nie jemand hinverirrt. Das reicht nicht aus.

Google fängt aber mit +1 erst an und alles ist noch offen.

Die Möglichkeiten, die sich aus den Daten von Ein-Klick-Gesten ergeben sind ausgesprochen vielfältig. Ich hatte letztes Jahr im Sommer ausführlich darüber geschrieben.

Google plant zunächst, +1 als Aggregation für die Verbesserung der Suchergebnisse zu nutzen. Das ist potentiell spannend und bietet etwa neue Möglichkeiten für soziale vertikale Suchen. Aber wie bereits angemerkt fehlt Google noch der entsprechende Anreizhebel, um überhaupt Klicks in einem Ausmaß hervorzurufen, dass sie sinnvoll auswertbar werden.

~

Wer einen Google-Account hat, kann den +1-Button über Google.com/Experimental freischalten. Bei mir ging es allerdings bis dato nicht.

Weitere Beiträge zu ähnlichen Buttons bei Facebook und anderen Websites:

Financial Times Deutschland fordert Enteignung Googles

Die Financial Times Deutschland (FTD) ist eine Wirtschaftspublikation. Ein Fakt, den man leicht vergisst, wenn man den dort erschienen Artikel mit der reißerischen Überschrift “Enteignet Google!”liest.

Der Autor Peter Ehrlich leitet das FTD-Büro in Brüssel. Bemerkenswert ist, wie er in seinem Artikel keine kohärente Argumentation auf die Beine bekommt.

Die Merkwürdigkeiten beginnen bereits im Lead des Textes:

Die Suchmaschine ist angetreten, das Wissen der Welt allgemein zugänglich zu machen. Doch der Konzern gefährdet das Projekt und stellt den Kommerz an erste Stelle.

Ein Konzern, der Kommerz an erste Stelle stellt? Man ist bei einer Wirtschaftspublikation darüber verwundert? Ernsthaft? Und das widerspricht der im ersten Satz formulierten Aufgabe des Konzerns?

Was ist mit Presseverlagen, Buchverlagen und Nachrichtensendern? Gefährden diese ihr Projekte nicht auch, indem sie den Kommerz an erste Stelle stellen?

Interessant ist auch folgender Satz:

Das Problem ist nur, dass Google nicht in die Regeln der modernen Marktwirtschaft passt.

Das Interessante daran: Es ist eine Aussage, die, würde sie stimmen, viele Implikationen nach sich ziehen würde. Es wäre also gut, wenn der Autor die postulierte Ausnahmestellung begründen würde. Das macht er aber leider nicht.

Neben unerklärten Aussagen finden sich im Text auch schlichte sachliche Fehler:

Wer in Hongkong einen jungen Franzosen einstellen will, kann anhand von dessen Postadresse erfahren, wie das Quartier aussieht (Street View) und was dort so eingekauft und diskutiert wird (Analytics), also den sozialen Hintergrund jenseits der Zeugnisse ermitteln.

Google Analytics analysiert die Besucherströme auf Websites. Diese Daten stehen nur den Betreibern der Websites zur Verfügung, solang diese die Daten nicht an andere weitergeben. Inwiefern Analytics helfen kann, herauszufinden, was an einem beliebigen Ort eingekauft und diskutiert wird, ist unklar.

Neben diesen sachlichen Fehlern, finden sich auch falsche Rückschlüsse und Strohmannargumente im FTD-Artikel:

In der idealen Google-Welt gebe ich das Wort “Rückenschmerzen” ein, und kurze Zeit später klingelt der Physiotherapeut an meiner Tür. Was im ersten Moment gut klingt, führt auf Dauer zu weniger Auswahl und Konkurrenz.

Das ergibt schlicht keinen Sinn. Ökonomisches Grundwissen kann von Vorteil sein, aber bereits gesunder Menschenverstand reicht dafür aus, um die ideale Google-Welt zu deuten: Google verringert für die betroffenen Transaktionen die Transaktionskosten (konkret: die Informationsbeschaffungskosten). Google spuckt nicht Black-Box-ähnlich ein Ergebnis aus, sondern stellt verschiedenste Informationen bereit bzw. macht diese leichter auffindbar.

Die Folge davon: ein effizienterer Markt. Die Folge davon: Ja, Anbieter minderwertiger Produkte und Dienstleistungen werden tendenziell weniger Absatz verzeichnen können. Ist das schlecht im Sinne eines Wohlfahrtsverlusts? Nein, im Gegenteil.

Wirr geht es weiter beim Begriff des Marktführers, der hier, ich weiß nicht, vielleicht mit einem natürlichen Monopol gleichgesetzt wird? Es ergibt auf jeden Fall weiterhin wenig Sinn, was in der FTD steht:

Wer Marktführer ist, muss nicht mehr das beste Produkt herstellen. Erfolg gebiert Erfolg, und Berühmtheit gebiert Berühmtheit. In seinem Buch “Mentaler Kapitalismus” hat Georg Franck als “Ökonomie der Aufmerksamkeit” beschrieben, wie in der akademischen Welt zunehmend die Zahl der Zitate wichtiger ist für eine wissenschaftliche Karriere als der Inhalt der Arbeiten.

weissgarnix zur angeblich leicht zu haltenden Marktführerschaft:

die Marktführerschaft [ist ]unter Wettbewerbsbedingungen eine saumäßig teure Angelegenheit[..]. Aus einem leicht nachvollziehbaren Grund: Man ist es nämlich schon bald nicht mehr, wenn man nicht wie blöd in Innovation, Werbung und – last but not least – juristische Power investiert. Der Marktführer ist nämlich dummerweise für alle sichtbar, auf ihn machen alle Jagd, auch mittels unlauterer Methoden wie Patentklau und Reverse Engineering.

In der FTD heißt es weiter zum Gewichtungsverfahren von Google:

Die “richtige” Antwort bei Google ist die, die am häufigsten gegeben wurde. In 80 Prozent aller Fälle dürfte das kein Problem sein, weil sich in den ersten zehn Suchergebnissen eine eindeutige Antwort findet. Aber in den weniger eindeutigen Fällen kann die Mehrheitsmeinung gegenüber der Minderheitenposition bevorzugt und so gefestigt werden. So verstärkt Google den Trend zu einer Welt, die immer einförmiger wird, je mehr sie zusammenwächst.

Abgesehen davon, dass die Ergebnisse von Google und ihre Reichweite überschätzt werden (Social Media relativiert gerade massiv die Bedeutung von Google und co. Ein Trend der die nächsten fünf Jahre sehr stark sichtbar wird): Was ist die Alternative? Man kann leicht auf Nachteile des Vorgehens XY hinweisen. Das einzige, was man damit aber aufzeigt ist, dass Vorgehen XY nicht perfekt ist. Dass Google und seine Gewichtung nicht perfekt sind, dürfte jedem klar sein.

Sehen wir auch hier davon ab, dass eine perfekte Gewichtung nicht möglich ist, weil das letztliche Urteil zum Einen subjektiven Kriterien unterworfen ist (Anbieter A findet, dass seine Site oben stehen sollte, während Konkurrent B der Meinung ist, seine Site müsste ganz oben stehen) und zum Anderen in nicht wenigen Fällen die Quantität der Nennung/Verlinkung das einzige Kriterium zur Gewichtung ist. Sehen wir also von all diesen Umständen ab:

Was wäre eine Alternative zu Googles Vorgehen?

Die Antwort des FTD-Autors dürfte wohl in etwa wie folgt lauten: Statt dem Algorithmus, der die Quantität zählt, lassen wir Experten die Qualität bestimmen. Genau dieser Ansatz ist aufgrund der Masse des Webs gescheitert. (Yahoos von Menschen befülltes Verzeichnis war Googles Algorithmus-Ansatz hoffnungslos unterlegen.) Er würde aber wahrscheinlich auch nicht zwangsläufig zu ‘besserer’ Qualität führen: Immerhin haben Wirtschaftsexperten einer Wirtschaftspublikation den hier behandelten FTD-Artikel erscheinen lassen. Ein gutes Beispiel, das gegen von Experten besetzte hierarchische Institutionen spricht.

Peter Ehrlich meint weiter zu der von ihm diagnostizierten Tendenz zur Einförmigkeit:

Weil Google von Werbung lebt, darf die Firma diese Entwicklung nicht infrage stellen, sie wird sie im Rennen mit Facebook eher forcieren. Deshalb wäre es besser, die Suchmaschine würde in einen Verein oder eine Stiftung überführt, deren Ziel es ist, die auf der Welt vorhandenen Informationen zu organisieren und zugänglich zu machen.

Ich fasse die Argumentation von Ehrlich zusammen: Google führt also zu weniger Konkurrenz. Das wiederrum führt zu Einförmigkeit. Weil Google von Werbung lebt, muss es diesen Weg zur Einförmigkeit aufrechterhalten.

Ich gestehe: Ich kann es nicht nachvollziehen. Ebenso wenig kann ich nachvollziehen, wie die Umwandlung der dahinterstehenden Organisation von einem profitorientierten Unternehmen in einen Verein etwas an dieser angeblichen Entwicklung ändern soll. (Wahrscheinlich musste die Werbung als Auslöser für das Festhalten von Google herangezogen werden, um das Argument des Google-Vereins überhaupt erst zu ermöglichen. Wir erinnern uns: Googles Fehler ist, den Kommerz an erste Stelle zu stellen.)

Der sich ebenfalls mit dem Text beschäftigende und lesenswerte Kommentar auf weissgarnix.de schließt mit folgenden Worten in Bezug auf den Ruf nach Umwandlung von Google in einen Verein:

Dass mag zwar der Seele des mit der Welt hadernden Kolumnisten schmeicheln, aber wie sich dadurch an der Selbstreferentialität der gesellschaftlichen Kommunikation, am Wirken von “Power-Laws” oder an “Winner takes it all”-Erscheinungen etwas ändern wird: die Antwort bleibt er schuldig.

Die Financial Times Deutschland reiht sich also neben dem Handelsblatt ein in die Reihe deutscher Wirtschaftspublikationen, in denen abstruse Artikel zur Internetwirtschaft erscheinen können, die völlig frei von Informationsgehalt sind.

Google Instant bringt Google bereits zusätzliche 5 Mio. $ pro Woche

Google Instant scheint sich für Google bereits gelohnt zu haben. Search Engine Land:

Marin Software, a company whose search marketing products are used to manage more than $1.3 billion in annual search spending, studied the impact of Google Instant on “a few hundred” of its clients, tracking statistics for the two weeks before and after Instant’s September 8th launch.

The results? Marin says ad impressions increased more than 9%, clicks increased more than 5%, and advertisers spent almost 2% more post-Instant.

Google Instant Search Has Already Made Millions: Report.

Laut Search Engine Land lässt sich das ungefähr in zusätzliche 5 Millionen Dollar pro Woche übersetzen.

Das ist bemerkenswert, aber nicht viel im Vergleich zu den Beträgen, die Google insgesamt umsetzt. Search Engine Land merkt noch an:

And keep in mind that this is US revenue only, which, in Q3, was less than 50% of Google’s overall revenue.

Likes und Personen: Microsoft integriert Facebook in Bing

Facebook und Microsoft haben heute ein interessante Kooperation bekanntgegeben. Facebooks “instant personalization” kommt zu Microsofts Websuche Bing.

Inside Facebook:

With the new integration of Facebook data, Facebook users searching for people on Bing will now be able to see friends or friends of friends who match their query in search results. In addition, Bing’s web search results will now also display friends’ Likes.

Previously, Facebook helped Bing Social to index public updates from Pages and personal profiles.

Über die Integration in weitere Suchmaschinen:

Regarding expansion of instant personalization to other search engines, Zuckerberg said “We’re trying to build a platform. It’s not about working with a single company. Over the long term we’d love to work with everyone, but the reason Microsoft is such a good partner is fundamentally tied to their innovation, market position and what they’re trying to accomplish.” This likely refers to the fact that since Bing is looking to gain market share from Google, they’re willing to try new approaches.

Suchmaschinenexperte Danny Sullivan:

Potentially, Google should be able to get all the same information that Bing gets. After all, Facebook’s Open Graph, launched earlier this year, would seem to place information such as Likes out in the public domain for use by anyone.

In reality, Google has suggested that Facebook is placing restrictions on its use, though despite these, Google will find “other ways” to get the information, if necessary.

Wie auch die anderen instant personalizations von Facebook scheint auch die Kooperation mit Bing vorerst auf die USA beschränkt. Bei mir zumindest wird die Facebook-Integration auf Bing nicht angezeigt.

Ich habe zu dieser unmenschlichen Zeit noch keine Rückmeldungen aus den PR-Abteilungen erhalten.

Update: Die PR-Agentur, die Facebook in Deutschland vertritt, teilte mir mit, dass die Bing-Integration und die Instant Personalization nach und nach auch international ausgeweitet werden. Termine dafür sind noch nicht bekannt. /Update

Ein Screenshot von Danny Sullivan:

bing-rally-500x478

Google Instant verringert den Einfluss von SEO

Heute hat Google eine weitreichende Änderung bei seiner Suchanzeige eingeführt: Ab sofort werden Suchergebnisse automatisch sofort angezeigt und angepasst nach dem, was man in das Suchfeld eingibt. Das heißt, Google zeigt bereits Ergebnisse an, bevor die Suchphrase fertiggetippt ist. Das offizielle Blogposting: Official Google Blog: Search: now faster than the speed of type

Was bedeutet das nun? Steve Rubel weist auf einen Aspekt hin, den man dabei leicht übersehen könnte. Google hat damit mal eben nebenbei den SEO-Sektor umgekrempelt:

Once a single search would do the trick – and everyone saw the same results. That’s what made search engine optimization work. Now, with this, everyone is going to start tweaking their searches in real-time. The reason this is a game changer is feedback. When you get feedback, you change your behaviors.

[..]

Google Instant means no one will see the same web anymore, making optimizing it virtually impossible. Real-time feedback will change and personalize people’s search behaviors.

Boom.

Facebook-Patent für Suchergebnisse basierend auf Klicks von Freunden

Das könnte die Grundlage für eine Suchmaschine auf Facebook-Basis werden. Der Klick als der neue Link, der Social Graph als der neue Pagerank:

Today Facebook won a patent filed in 2004 for a search engine which ranks results or online ads based on the frequency of clicks by those connected to a user on a social network. Results would be accompanied by an image or text denoting how many people connected to the user clicked that link, similar to Facebook’s Like button/counter. The patent could, in theory, be used to create a search engine based on the clicks of one’s friends and friends of friends, or stifle a similar product of Google’s forthcoming social network Google Me.

InsideFacebook: Facebook Wins Patent For Search Results Based On Clicks of Friends and Other Users.

Siehe zu dem Thema auch: 500 Millionen: Nach dem Google-Jahrzehnt kommt jetzt das Facebook-Jahrzehnt

News-Suchmaschine Trendiction ist gestartet

trendiction-logo

Trendiction, die Suchmaschine und Memetracker mit APIs für den deutschsprachigen Raum, die ich gestern vorgestellt habe, ist heute gelauncht. Auf netzwertig.com gibt es heute ebenfalls ein Review der Site:

Das größte Alleinstellungsmerkmal von Trendiction sind verschiedene offene Schnittstellen, die Websites und Applikationen Zugriff auf die Funktionalität und Daten von Trendiction erlauben.

Verfügbar sind derzeit fünf Schnittstellen: Eine Such API, eine Bilder Such API, eine Web Data Service API, eine Keyword API und eine Statistik API.

Die kommerzielle API-Nutzung schlägt mit 0,1 Cent pro Abfrage zu Buche.