Rechteinhaber wollen keine urheberrechtliche Ausnahmeregelung für Blinde

Das heutige Urheberrecht wird offen von Maximalisten bestimmt, welche jede Form von Kollateralschäden in Kauf nehmen, um ein maximal restriktives Urheberrechtskonstrukt auszubauen und zu erhalten.

Wie unverhohlen einseitig und ohne Rücksicht auf gesamtgesellschaftliche Interessen die Debatte über Urheberrecht, und damit darüber, wie wir unsere Kultur und unser Wissen organisieren, zugunsten von Konzernen geführt wird, kann man sehr schön daran sehen, wie schwierig es ist, eine globale Ausnahmeregelung im Urheberrecht für Blinde durchzusetzen. Eigentlich ein no-brainer: Die Ausnahmeregelung soll Behindertenverbänden eine rechtsverbindliche Urheberrechtsausnahme geben, um etwa Bücher in Blindenschrift zugänglich zu machen.

Wer aber Urheberrechtsmaximalist ist, will keine Ausnahmeregelung, für nichts und niemand, unter keinen Umständen. Und so wird über diese “Blindenschranke” seit vier Jahren diskutiert, weil sich die Verbände der Rechteinhaber mit Händen und Füßen wehren, und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass die Ausnahmeregelung aufgrund des Widerstands nicht zustande kommt. (Es stellt sich natürlich die Frage, warum die Konzernverbände bei diesem Thema überhaupt ein Mitspracherecht haben.)

Monika Ermert fasst den aktuellen Stand auf Carta lesenswert zusammen:

Ganz offen haben mittlerweile eine Reihe von Verbänden auf Seiten der Rechteinhaber ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass eine erste globale Ausnahme für das Urheberrecht – die zugunsten von Blinden – zum Präzedenzfall für andere Bereiche, von der Weltgesundheitsorganisation bis zur UN-Organisation für Klimaänderungen (UNFCCC), werden könne.

Business Europe warnte Mitte Mai in einem Brandbrief (veröffentlicht von der Aktivistenorganisation Knowledge Ecology International hier) den zuständigen EU-Binnenmarktskommissar Michel Barnier, es gehe einer bestimmten Gruppe von Nicht-Regierungsorganisationen und Schwellenländern letztlich darum, den Schutz des geistigen Eigentums zu schwächen. Der Brüsseler Verband geht sogar so weit, eine Vertagung der Verhandlungen in Marrakesch zu empfehlen.

Auch US-Verbände wie die Motion Picture Association of America gehören nach wie vor zu den Gegnern des Entwurfs, obwohl Videoinhalte und Filme längst aus dem geplanten Völkerrechtsvertrag ausgeschlossen wurden.

Wie immer in diesen Fällen steht Deutschland auf der falschen Seite:

Mitglieder des Europäischen Parlaments, die parteiübergreifend immer wieder die Forderungen der Blindenverbände unterstützt haben, nennen Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich als Bremser.

Creative Commons will Plattformeinbindungen stärker forcieren

Leonhard Dobusch berichtet auf netzpolitik.org über fünf strategische Ziele, die Creative Commons, die Organisation hinter dem gleichnamigen modularen und leicht verständlichen Lizenzmodell, vorgestellt hat. Besonders die Forcierung von Plattformintegrationen halte ich für wichtig:

Increase Platform Use: Als besondere Zielgruppe für eine stärkere Verbreitung von Creative Commons werden Plattformanbieter ausgemacht. Während Dienste wie YouTube oder Flickr beim Upload die Möglichkeit einräumen, Inhalte unter (zumindest: ausgewählte) Creative-Commons-Lizenzen zu stellen, fehlt eine solche Option bislang auf Plattformen wie Facebook und dessen Fotodienst Instagram (Für letzteres gibt es aber zumindest einen Workaround: i-am-cc.org). Wie das Beispiel des YouTube-Editors zeigt, wo über 4 Millionen Creative-Commons-lizenzierte Videos als Remix-Material zur Verfügung stehen, kann gerade auf Plattformen die Verwendung freier Lizenzen zu einem Feature werden.

Normale Nutzer werden Creative Commons (CC) nur einsetzen, wenn die Kosten zur Einrichtung möglichst gering sind. Dass die Flickr-Plattform eine der größten Ansammlungen von mit CC lizenzierten Werken darstellt, liegt schlicht an der frühen Integration von CC in das Angebot.

Für Plattformprovider ist die Unterstützung von CC mehrfach sinnvoll:

  • Wie Leonhard Dobusch schreibt, können daraus auf der Plattform selbst Mehrwerte entstehen, weil zum Beispiel Remixe bestehender Inhalte auf rechtlich sicheren Boden gestellt werden können. Bereits übliche Praktiken auf den Plattformen werden also legalisiert und damit im Bestfall sogar einfacher monetarisierbar.
  • Gleichzeitig befreien sich die Plattformprovider zumindest in Teilen vom restriktiven Copyright/Urheberrecht, dass sie zu absurden AGBs zwingt. 

Eigentlich sollten Facebook und Co. Creative Commons 24/7 pushen. Es wäre in ihrem eigenen Interesse.

Wer bezahlt die Kampagne der VG Wort gegen eine Modernisierung des Urheberrechts?

Stefan Niggemeier über die VG-Wort-Kampagne gegen eine Modernisierung des Urheberrechts, die ich hier bereits erwähnt hatte:

Es han­delt sich um eine Art Remake der orga­ni­sier­ten Auf­schreie »Mein Kopf gehört mir« und »Wir sind die Urhe­ber« aus dem ver­gan­ge­nen Jahr und doku­men­tiert in ähn­li­cher Weise den Wil­len, kom­ple­xen Pro­ble­men durch Pau­schal­ur­teile und Pla­ti­tü­den zu begegnen.

[..]

Die VG-Wort-Kampagne ist des­halb ärger­lich, und für mich ganz beson­ders, weil ich einer der »mehr als 400.000 Auto­ren« bin, deren Rechte und Ansprü­che die VG Wort ver­wal­tet und in deren Namen sie schein­bar spricht. Meine Frage, wel­che VG-Wort-Gremien kon­kret die Kam­pa­gne »bera­ten und beschlos­sen« haben, hat die Pres­se­spre­che­rin bis­lang nicht beant­wor­ten wollen.

[..]

Bleibt noch die Frage, wer diese ver­gurkte Kam­pa­gne bezahlt. Ich habe die VG Wort vor drei Wochen gefragt, wie­viel die Aktion kos­tet, aus wel­chen Mit­teln sie finan­ziert wird und ob sie die Aus­schüt­tun­gen an die Wahr­neh­mungs­be­rech­tig­ten (wie mich) min­dert. Frau Schin­del hat die Frage nicht beant­wor­tet; nicht ein­mal die Nach­frage, ob sie mir die Fra­gen nicht beantwortet.

Wer sich weigert, sich mit komplexen Problemen auseinanderzusetzen, kommt vielleicht auch zu dem Schluss, dass das alles doch so offensichtlich sei, da gibt es doch gar keine Diskussion, dass ohne Frage  alle 400.000 Autoren der VG Wort die gleiche Position haben müssen wie die Prominenten, die für die VG Wort groben Kampagnenunsinn von sich geben. Die Pressesprecherin und die Initiatoren scheinen nicht einmal darauf vorbereitet gewesen zu sein, dass ein Autor konkret nachfragt, weil er die Kampagne nicht so gut findet, und die Informationen auch veröffentlichen will. Undenkbar, alles undenkbar.

Aufschreie, offene Briefe und Kampagnen. Kann es sein, dass die deutsche Kulturelite diskursunfähig ist?

The Sky is Rising 2: Studie zur Entwicklung der Unterhaltungsindustrie

Nachdem sich die erste “The Sky is Rising“-Studie von Techdirt mit dem US-Markt beschäftigte, und dort bei allen entscheidenden Kennzahlen die Tendenz nach oben ausmachen konnte, haben sich die Techdirtmacher bei der zweiten Studie nun verschiedene Länder angeschaut: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, UK und Russland.

Nicolas Fennen hat ein paar Erkenntnisse aus der Studie auf netzpolitik.org zusammengefasst:

Es ist dabei bemerkenswert festzustellen, wie von Jahr zu Jahr in nahezu jedem Segment die Anzahl an Veröffentlichen steigen würden. An vorderster Front befinde sich hier die Bücherindustrie mit einer Steigerung an Veröffentlichungen von 29% in Deutschland bis hin zu 266% in Russland, jeweils im Vergleich von 2011 und 1995. Doch auch die Videospiele-Branche lege kräftig zu mit einer Steigerung von 138% bei den regelmäßigen Spieler im Jahr 2010 im Vergleich zu 2008. Und auch eine Steigerung des Umsatzes von 65% wie in Großbritannien kann sich sehen lassen.

Auch die Musikindustrie hat laut Masnick und Ho positive Zahlen zu vermelden. Diese seien einerseits in den Umsätzen zu finden – ausgenommen Russland mit einem Minus von 41% – andererseits aber auch in der Anzahl der produzierten Lieder, welche von Jahr zu Jahr weiter wachsen würden. Also Grund hierfür nennen Masnick und Ho die große Anzahl neuer digitaler Vermarktungsstrategien für Musik, seien es Marktplätze wie iTunes oder Streamingangebote wie Spotify.

Und auch in der Filmindustrie sei ein ähnliches Bild erkennbar. Immer mehr Filme werden pro Jahr hergestellt – die Ausnahme in diesem Fall ist Frankreich mit einem Minus von 4% – und auch die Einnahmen würden steigen – trotz weniger produzierter Filme habe Frankreich hier ein Plus von 4,7% vorzuweisen.

Vor 20 Jahren wurde das WWW Gemeingut

Rene Walter auf Nerdcore:

Vor zwanzig Jahren gaben das CERN und Sir Tim Berners-Lee bekannt, dass sie ihre neue Technologie des World Wide Webs als Gemeingut kostenfrei zur Verfügung stellen. Ohne diese weise Entscheidung gäb’s das Netz in seiner heutigen Form nicht oder wäre lediglich ein trauriges Abbild davon.

Kostenloskultur.

Kulturmonopolisierung wird ausgeweitet: Bundestag verlängert Schutzfrist für Tonaufnahmen

Stefan Krempl und Andreas Wilkens auf heise online:

Mit den Stimmen von Schwarz-Gelb und der Grünen hat der Bundestag Donnerstagnacht den umstrittenen Regierungsentwurf zur Änderung des Urheberrechts verabschiedet, mit der die Schutzdauer für ausübende Künstler und Tonträgerhersteller von 50 auf 70 Jahre erweitert werden soll. Diese Regelung wird etwa für jene gelten, die beim einspielen eines Albums beteiligt sind. Genauso lang soll künftig aber auch der Schutz der Urheberrechte von Komponisten und Textern währen. Die SPD enthielt sich bei der Abstimmung, die Linke votierte dagegen.

[..]Eine Aussprache im Plenum fand angesichts der vorgerückten Stunde kurz vor Mitternacht nicht mehr statt, die vorgesehenen Reden gingen nur zu Protokoll.

Interessant, dass die Grünen dafür gestimmt haben.

John Weitzmann schrieb seinerzeit bei iRights.info über den EU-Beschluss, der hier umgesetzt wurde:

Unter Mitwirkung der Bundesregierung wurde 2011 auf EU-Ebene gegen den Rat unabhängiger Experten, im Schnellverfahren und diktiert durch Lobbyisten der Musikindustrie, ein Beschluss zur Verlängerung der Schutzdauer der Leistungsschutzrechte an Tonaufnahmen gefasst. Er bewirkt eine Umverteilung zulasten der Bürger Europas, zum Nutzen von genau drei internationalen Im Konzernen.

Im August 2012 schrieb ich über die rückwirkende Verlängerung:

Falls sich jemand fragt, was das bedeutet: Unter anderem wird auf diese Weise verhindert, dass zum Beispiel die ersten populären Klassikaufnahmen, also Tonaufnahmen bereits gemeinfreier Werke, ebenfalls gemeinfrei werden.

[..]

Diese Entwicklung zeigt auch noch einmal sehr deutlich, wie unfähig die hiesige kreative Elite ist, auch nur im Ansatz zu erfassen, was im Bereich des Urheberrechts und der verwandten Rechte geschieht.

Und im Oktober 2012 schrieb ich unter der Überschrift “Der Kulturskandal der rückwirkenden Verlängerungen von Schutzfristen“:

Als 1998 in den USA der Disney-Konzern den Copyright Term Extension Act mit Lobbymuskeln durchboxte, um nicht die Rechte an Mickey Mouse und co. zu verlieren, veröffentlichten 16 renommierte Ökonomen ein Schreiben, in dem sie sich gegen die rückwirkende Verlängerung der Schutzfristen aussprachen, weil diese ökonomisch überhaupt keinen Sinn ergibt.

Der berühmte Ökonom Milton Friedman, Verfechter eines freien Marktes und Nobelpreisträger in Ökonomie, unterschrieb das Schreiben nur unter der Bedingung, dass das Wort “no-brainer” darin vorkommt.

Dass man überhaupt erklären muss, warum die Ablehnung einer rückwirkenden Schutzfristverlängerung ein no-brainer ist, zeigt, wie stark radikalisiert unsere Gesellschaft in Urheberrechtsthemen mittlerweile ist.

[..]

Die rückwirkende Verlängerung führt lediglich dazu, dass der Schutz von Tonaufnahmen nicht ausläuft. Sie hält die Zugangsbeschränkung aufrecht. Ohne Grund.

Leistungsschutzrechte sind wie das Urheberrecht gesellschaftliche Kompromisse. Mehr Schutz für den einen bedeutet weniger Freiheit für den anderen.

Uns wird gerade als Gesellschaft Kultur weggenommen, ohne dass wir etwas im Gegenzug dafür erhalten.

Zu dieser schleichenden Privatisierung und Monopolisierung der Kultur, für die es keinerlei Rechtfertigungsgründe gibt, hat es im Plenum nicht einmal eine Diskussion gegeben. (Natürlich, auf EU-Ebene war es bereits abgeschlossen. Wer aber glaubt, Deutschland habe bei diesem Thema auf EU-Ebene keine gewichtige Stimme, ist schief gewickelt.)

Gleichzeitig entblöden sich deutsche Kreativschaffende nicht, immer wieder für Kampagnen ihr Unwissen zu Urheberrechtsthemen der Öffentlichkeit zur Schau zu stellen.

 

VG Wort gibt 8 gegen jede Modernisierung des Urheberrechts

Bruno Kramm (Piraten) über die neue Urheberrechtskampagne “Wir geben 8″ der VG Wort:

Die 8 Thesen, die von mitunter polemischen Entgleisungen bekannter Urheber flankiert werden, lehnen jegliche Reform des Urheberrechts von Verkürzung der Schutzfristen bis “Fair Use” kategorisch ab. Als hätte die zuletzt sehr sachlich geführte Debatte, wachsende Umsatzzahlen neuer digitaler Angebote und eine Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Urheberrecht nie stattgefunden, spielt die VG Wort das Lied vom schleichenden Tod durch Piraten, Filesharing und Urheberrechtsreform.

Urheberrechtsmaximalisten bei einer Verwertungsgesellschaft. Wer hätte das gedacht.

TRIPS, ACTA, TAFTA: Internationale Handelsabkommen als trojanische Pferde

Einer der fiesesten Lobbyistentricks ist das Andocken an internationale Handelsabkommen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt werden.

  1. Lobbyisten treffen sich mit den Vertretern der verschiedenen Länder und handeln mit diesen die Aspekte aus, die sie gern in nationale Gesetze gegossen sehen würden.
  2. Diese Vereinbarungen landen dann in den bindenden transnationalen Verträgen. Diese Verträge umfassen meist unzählige Aspekte, um dank Salami-Armada Einsprüche möglichst schwer zu machen und, vor allem, einen einmal verabschiedeten und unterschriebenen Vertrag praktisch in Stein zu meißeln.
  3. Anschließend müssen die Nationen, die die Verträge unterschrieben haben, diese in bindende nationale Gesetze gießen.
  4. Einsprüche aus der Öffentlichkeit, die möglichst erst nach Abschluss der Verträge von den Inhalten erfahren soll, werden nun abgebügelt, weil das jeweilige  Land sich schließlich bereits mit der Unterschrift unter den internationalen Vertrag verpflichtet hat, dieses und jenes umzusetzen. Da können wir jetzt nix mehr machen.
  5. Das heißt, nur wer international agieren kann und Zugang zu den höchsten Stellen der teilnehmenden Regierungen hat, kann Einfluss nehmen. Alle anderen bleiben außen vor und können sich, im ‘Idealfall’, nicht einmal öffentlich zu den Vorgängen äußern, weil sie gar nicht wissen können, was gerade über ihren Kopf hinweg beschlossen wird.

Es ist ein effektiver Kurzschluss des demokratischen Gesetzgebungsverfahrens.

Effektiv ist das, weil es zum Beispiel Bürgerrechtsorganisationen auf dieser Ebene schwer haben, Gehör zu finden und nur über Bande vorankommen können. Jede Form öffentlicher Anhörung und Debatte, die bewusst in die Verfassungen demokratischer Länder geschrieben wurde, kann auf diese Weise umgangen werden.

ACTA war zum Beispiel ein solches Abkommen, das über die Hintertür eine Verschärfung von Urheberrecht und Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen festschreiben sollte. Es ist auch das erste, das von einer wütenden Öffentlichkeit aufgehalten werden konnte.

TRIPS ist ein erfolgreich in den Neunzigern verabschiedetes Abkommen. Eine Folge dessen ist unter anderem, dass die unterschreibenden Länder heute nicht mehr die Fristen für Urheberrechte auf ein sinnvolles Maß senken können, ohne aus einem Vertrag auszusteigen, der gefühlt 1.538 verschiedene Beziehungsarten zwischen den TRIPS-Ländern regelt.

TRIPS legt die Mindestdauer für die Schutzfristen urheberrechtlich geschützter Werke auf 50 Jahre nach dem Tod des Autors fest. Eine Fristdauer, die weit von der ökonomisch und damit wohlfahrtssteigernd sinnvollen Dauer entfernt ist.

Das geplante Transatlantische Freihandelsabkommen, kurz TAFTA, ist ein weiteres.

Techdirt:

As we’ve discussed before, one of the sneakier moves of the content industry and, later, the pharmaceutical industry was to jump into the international trade process, to circumvent national governments and to effectively force them into passing laws that they liked. We’ve been raising concerns about this whole process, and it appears that many public interest/civil service groups agree. With the US and Europe getting ready to start negotiations on a “trans-atlantic free trade agreement” TAFTA, a large group of public interest/civil service groups have teamed up to issue a declaration that “intellectual property” has no place in free trade agreements. It also demands much more transparency in any negotiation.

Dieses Vorgehen, über die Hintertür Gesetze zu erzwingen, muss viel stärker öffentlich kritisiert werden. Es ist zutiefst undemokratisch.

Siehe auch:

In USA interessieren sich auch zunehmend Konservative für ein lockereres Copyright

PaidContent.org:

Now, though, the case for copyright reform is being made by figures on the right as well. Last fall, the famous judge and law-and-economics scholar Richard Posner declared copyright terms to be too long and warned that poorly defined fair-use rules can have “very damaging effects on creativity.”

This conservative critique heated up significantly in January when a Republican memo in the House attacked over-reaching copyright laws as an assault on laissez-faire capitalism. The entertainment industry soon stepped in to smother the memo and get its author fired but the memo’s contents are still resonating.

In late January, the American Conservative published a lengthy feature on “crony copyright” that repeated the memo’s economic arguments and also reported that the Tea Party and the Heritage Foundation are taking a growing interest in IP reform. Since then, the right-wing Washington Times printed an op-ed criticizing the White House for trying to use copyright to control public domain photographs.

So what does all this mean? The significance is that copyright reformers have powerful new allies and fresh intellectual ammunition. While the left has relied on cultural arguments to attack the copyright system, the right makes a compelling case based on economics.

Es kommt langsam Bewegung ins Spiel.

Ansätze für Urheberrechtrechtsreformen zwischen ACTA-Zombie und Crowdsourcing

Leonhard Dobusch auf netzpolitik.org über das Transatlantische Freihandelsabkommen (TAFTA):

Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz wurde bekannt, dass im Zuge der Verhandlungen rund um ein transatlantisches Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU auch Änderungen an Urheberrecht bzw. Copyright behandelt werden sollen. Über den konkreten Verhandlungsstand ist in bester ACTA-Tradition jedoch nichts bekannt.

Es gibt erstmals auch andere Ansätze. Dobusch:

In Finnland gibt es die Möglichkeit via Crowdsourcing im Rahmen des sogenannten “Open Ministry” kollaborativ an Gesetzesvorschlägen zu arbeiten. Erhält ein derartiger Vorschlag binnen 6 Monaten 50.000 Stimmen muss es zu einer Abstimmung über den Vorschlag kommen. Unter dem Titel “Common Sense in Copyright” hat nun die Initiative “49.999 Group” einen Crowdsourcing-Anlauf zur Reform des finnischen Urheberrechts und hier insbesondere der strafbewehrten Sanktionen gestartet.

Man kann sich darauf einstellen, dass jedes System, das  andere Entscheidungsprozesse als Hinterzimmergespräche nutzt, in der öffentlichen Debatte harsch angegriffen werden wird; sozusagen ein bereits absehbarer Gegenangriff der Hinterzimmer.

Neoliberales Teilen mit Creative Commons und Fair Use

Die ersten Artikel zur Urheberrechtsdebatte in der 2013er Edition sind erschienen.

Beide Texte beziehen sich auf einen nicht lesenswerten Gastbeitrag der Grünen EU-Abgeordneten und Vizepräsidentin des Kulturausschusses Helga Trüpel in der sterbenskranken Frankfurter Rundschau.

Leonhard Dobusch auf netzpolitik.orge:

Aber nicht nur (File-)Sharing ist Trüpel ein Dorn im Auge. In ihrem Beitrag wendet sie sich auch gegen jede Reform urheberrechtlicher Schrankenregelungen und kritisiert explizit die Idee einer Fair-Use-Regelung nach US-Vorbild, weil diese “das im Urheberrecht verankerte Selbstbestimmungsrecht der Urheber” missachte. Dieses Selbstbestimmungsrecht galt und gilt aber keineswegs uneingeschränkt. Schon immer kannte das Urheberrecht Ausnahmen – Schranken – um kreative Entfaltungsmöglichkeiten (z.B. von nachfolgenden Künstlern) und öffentliche Interessen (z.B. in Wissenschaft und Lehre) zu fördern. Fair Use würde hier vor allem Probleme mit Urheberrechtsverletzungen im Bagatellbereich (z.B. Hintergrundmusik in Handy-Videos) entschärfen und für mehr Flexibilität sorgen; neue Nutzungsweisen wären erlaubt, solange sie herkömmliche Verwertungsketten nicht untergraben.

Tobias Schwarz:

Der von Trüpel (und Agnes Krumwiede) diffamierte Harvard-Professor Lawrence Lessig zeigte erst in einem heute erschienenen Artikel im Wall Street Journal die Bedeutung von Creative Commons auf. In Südamerika zum Beispiel werden freie Lizenzen als Möglichkeit gesehen, sich gegen den Westen mit seinem restriktiven und oft als Waffe benutzten Immaterialgüterrecht zu wehren und der brasilianische Musiker und Kulturminister Gilberto Gil sieht in Creative Commons ein Symbol für die Flexibilität, die ein modernes Urheberrecht eigentlich haben sollte. Im Nahen Osten ist Creative Commons ein wichtiger Bestandteil der Freiheitsbewegungen geworden, dass den Menschen einen freien Zugang zu ihrer eigenen Kultur ermöglicht.

 

Änderungen der ToS von Instagram sind halb so wild

Jürgen Kuri auf Google+ über die aktuelle Aufregung zu den Änderungen der Terms of Service (ToS) bei Instagram:

Wenn ich das richtig verstehe, hat Instagram aber an den Rechten der User an ihren Bildern gar nix geändert. Es geht lediglich um einen Absatz: http://instagram.com/about/legal/terms/updated/

“Some or all of the Service may be supported by advertising revenue. To help us deliver interesting paid or sponsored content or promotions, you agree that a business or other entity may pay us to display your username, likeness, photos (along with any associated metadata), and/or actions you take, in connection with paid or sponsored content or promotions, without any compensation to you.”

Da geht es, wenn ich das richtig verstehe, doch lediglich darum, dass Instagram personalisierte Werbung verkaufen will, bei der Anzeigenschalter auf Instagram oder anderen Facebook-Firmen die Daten der Instagram-User benutzen. Davon kann man halten, was man will – aber von “Bilder verkaufen” oder gar “Bilderdienst, der Getty Konkurrenz macht”, wie heute befürchtet, ist da keine Rede…

Die Änderungen betreffen ‘lediglich’ die Möglichkeit für Instagram, die Fotos für personalisierte Werbung innerhalb des Dienstes zu verwenden. Also genau das, was wir mit Likes in gesponserten Feedeinträgen beim Instagrambesitzer Facebook bereits kennen.

 Das muss man nicht mögen. Man kann deswegen aufhören, Instagram zu benutzen.

Aber es gibt darüber hinaus keine finsteren Pläne bei Instagram, mehr mit den Fotos der Nutzer zu machen.

Die aktuelle, hysterisch geführte Debatte ist nicht neu. Immer wenn ein Dienst seine ToS/AGB ändert, führen wir die gleiche Diskussion. Im Mai 2011 war es TwitPic, das seine AGB änderte. Damals schrieb ich:

Ein Dienst, der Usern das Hochladen eigener Inhalte ermöglicht, kann in der Regel auf verschiedensten Geräten abgerufen werden, vielleicht bietet er auch zusätzlich noch eine API (Programmierschnittstelle), die das Verbreiten der Inhalte an andere Dienste erlaubt. Aber auch ohne die API sieht sich der Dienst einem Problem gegenüber: Er muss in einem rechtlichen Rahmen agieren, der immer noch darauf setzt, dass Kopieren teuer ist (und das Kopieren ist streng genommen jeder Abruf der Inhalte auf der Plattform) und die Urheber geschützt werden müssen.

Wir alle sind Urheber und müssen vor jedem Kopiervorgang unserer Werke, den wir nicht genehmigt haben, geschützt werden.

Damit unter diesen archaischen Bedingungen ein Dienst wie TwitPic agieren kann, benötigt er weitreichende Befugnisse.

Damit ein Dienst wie Instagram oder TwitPic seiner Arbeit nachgehen kann, muss er von seinen Nutzern, den Urhebern, alle Rechte einholen, um die hochgeladenen Werke zu verarbeiten. Man muss die ToS immer vor diesem Hintergrund lesen.

Macht man das nicht, sehen die ToS bei Diensten mit User Generated Content immer so aus, als würde zum Beispiel morgen Facebook mit unseren Urlaubsfotos Plakate in den deutschen Großstädten bestücken lassen oder Instagram die klischeehaftesten Sonnenuntergänge an RTL2 verkaufen.

Nichts ist weiter weg von der Wahrheit. Im Mai 2011 schrieb ich:

Ein bisschen gesunder Menschenverstand und die Frage, was ein Unternehmen für sein langfristiges Überleben machen kann und was nicht, reichen in der Regel aus, um AGB-Hysterien zu begegnen.

Lawrence Lessig über “nichtkommerziell” bei Creative Commons

Lawrence Lessig im Interview auf netzpolitik.org:

Meiner Ansicht nach war „nichtkommerziell“ (weniger im geschriebenen Sinn der Lizenz als im umgangssprachlichen Verständnis) ein Platzhalter für eine bestimmte kulturelle Übereinkunft, die besagt: Ich stelle dir etwas zur Verfügung und es ist völlig okay, wenn du dich daran bedienst. Aber es ist absolut nicht okay, wenn du die Früchte meiner Arbeit nimmst, um sie sonst jemandem zu verkaufen. Okay, so würde das niemand ausdrücken; es gibt einfach kein simples Wort dafür, um diese Grenzlinie zu beschreiben, zumal die Linie je nach Kontext ja auch immer anders verlaufen kann. Jedenfalls finde ich es völlig nachvollziehbar, dass du zum Beispiel eine CD mit einer Menge frei lizenzierter Musik unter nichtkommerzieller Lizenz und mit Weitergabe unter gleichen Bedingungen (Anm. CC-Lizenzelemente NC, SA) rausbringen würdest. Denn die Idee, dass Sony daraus einen Filmsoundtrack machen und damit Geld scheffeln könnte – klar, ich verstehe vollkommen, wenn jemand sagt, er will das nicht.

Ich selbst lizenziere meine Arbeiten ja komplett frei; ich wäre happy, wenn jemand meinen Kram nehmen und daraus einen Film machen würde (lacht). Aber ich denke nicht, dass jemand die schlechtere Kreative ist oder weniger der Idee Freier Kultur verpflichtet, wenn sie sagt, „wenn jemand von meiner Arbeit profitieren will, sollte er zuerst mit mir darüber reden“. Ich wünschte, wir könnten die Grenze zwischen dieser kulturellen Übereinkunft und der jeweils angemessenen kommerziellen Interaktion klarer bestimmen. Und wir grübeln ja immer noch über Methoden, wie wir die Grenzbestimmung vereinfachen können. Aber ich bleibe bei meiner Überzeugung, dass es diese Trennung gibt und dass sich Menschen ausgenutzt fühlen würden, wenn sie ihre Arbeit verfügbar machen und daraus Dritten die Möglichkeit erwächst, Geld zu verdienen, ohne dass davon etwas beim ursprünglichen Urheber ankommt.

Die Abgrenzungsprobleme bei “nichtkommerziell” (NC) gehören auch weiterhin zu den größten Herausforderungen von Creative Commons.

“Happy Birthday”: Cash Cow dank Copyright seit 1935

Daniel A.J. Sokolov und Ingo T. Storm auf heise online über eine besonders extreme Folge des pervertierten Copyrightsystems:

Die Melodie von “Happy Birthday” soll 1893 von den Kindergärtnerinnen Patty und Mildred Hill als morgentliches Begrüßungslied zu einem Text “Good Morning to All” komponiert worden sein. Noch im selben Jahr erschien das Lied in einem Kindergartenliederbuch. Wer den geläufigeren Geburtstagstext schrieb und wann dies geschah, ist bis heute nicht sicher geklärt. Dennoch wurde die Kombination aus Melodie und Happy-Birthday-Text 1935 für Copyright registriert und sollte 1991 gemeinfrei werden. Neue Gesetze verlängerten die Schutzfrist in den USA zweimal, und so hält Warner Music das Copyright an der Kombination von Musik und Text zumindest bis 2030. In der EU soll das Urheberrecht Ende 2016 ablaufen, sofern keine weitere Fristverlängerung erfolgt.

Kein vernünftiger Mensch kann behaupten, das Recht wäre hier noch zum Wohl der Gesellschaft. Niemand kann behaupten, “Happy Birthday” wäre nicht entstanden, wenn es nicht bis 2030 nur kostenpflichtig benutzbar bleibt.

Das Free Music Archiv ruft nun zu einem Wettbewerb für ein freies Geburtstagslied auf.

Das Copyright auf “Happy Birthday” ist übrigens höchstwahrscheinlich nicht gültig. heise:

Dass der bayerische Mathematiker, Musiker und Kabarettist Dieter Paul schon 1980 nachwies, dass Happy Birthday das schamlose Plagiat eines bayerischen Volkstanzes ist, verhallte weitgehend ungehört. Doch nun hat der Rechtsprofessor Robert Brauneis die Geschichte des Liedes erforscht. Zwar hält er die Originalität für ausreichend, sieht aber das Copyright nach US-Recht als ungültig an. Es sei nicht erwiesen, wer den Text geschrieben habe, die ursprüngliche Registrierung sei ungültig, und es seien keine ordentlichen Verlängerungsanträge gestellt worden.

Das ficht Warner Music aber nicht an, für öffentliche Aufführungen Geld zu fordern.

Wer kann es Warner Music bei Einnahmen in Millionenhöhe allein in den USA verübeln?

Das ist das Problem mit exklusiven Rechten, egal ob Copyright oder Leistungsschutzrechte. Im Zweifel werden sie wahrgenommen und es wird unrechtmäßig Geld eingezogen. Ein Konzern hat eine Rechtsabteilung, die Public Domain nicht. Letztere ist systemisch so lang im Nachteil, bis die Gesetzgebung geändert wird.

Und diese müsste grundlegend geändert werden, um solche Unverschämtheiten zu beenden oder zumindest einzudämmen.

 

Psy nimmt 8,1 Millionen US-Dollar mit Gangnam Style ein, auch weil er Copyrightverletzungen ignoriert hat

Techdirt über Gangnam Style und die Entscheidung der Macher, Mashups, Parodien und offensichtliche Copyrightverletzungen nicht zu verfolgen:

A couple of months back, Mike wrote about how Psy’s relaxed attitude to people infringing on his copyright helped turn Gangnam Style into one of the most successful cultural phenomena in recent years, and that includes becoming the most-viewed video on YouTube ever.

Ah yes, the maximalists will retort, this free-and-easy, laid-back approach is all very nice, but it doesn’t put food on his table, does it? If you want to make a living from this stuff, you’ve got to enforce copyright to stop all those freeloaders ruining your business.

AP über die wirtschaftlichen Konsequenzen dieses Ansatzes:

With one song, 34-year-old Park Jae-sang — better known as PSY — is set to become a millionaire from YouTube ads and iTunes downloads, underlining a shift in how money is being made in the music business. An even bigger dollop of cash will come from TV commercials.

From just those sources, PSY and his camp will rake in at least $8.1 million this year, according to an analysis by The Associated Press of publicly available information and industry estimates.

Die enorme Bekanntheit hat der Rapper nutzen können, um nicht wenig Geld einnehmen zu können. AP über die Hauptquelle:

It is television commercials that are the big money spinner for the most successful of South Korea’s K-pop stars. PSY has been popping up in TV commercials in South Korea for top brands such as Samsung Electronics and mobile carrier LG Uplus.

Chung Yu-seok, an analyst at Kyobo Securities, estimates PSY’s commercial deals would amount to 5 billion won ($4.6 million) this year.

Gangnam Style ist meines Erachtens nach auch das erste globale Pop-Phänomen nach der Musik-TV-Ära, das nicht zuletzt YouTube und Social Networks seinen Aufstieg verdankt.

An alle Fragmentierung-der-Öffentlichkeit-Unker: Wann hat es das letzte Mal ein südkoreanischer Rapper zu Weltruhm geschafft?

Siehe auch Leonhard Dobusch zu Gangnam Style auf netzpolitik.org.

Urheberrecht als Zensurwerkzeug

Matthias Spielkamp auf Google+ über Tillack/STERN vs. FDP:

Das Urheberrecht ist geschaffen worden, um Autoren, Musikern und anderen zu ermöglichen, ihre Werke (!) zu schützen. Und jetzt nimmt es jeder offenbar völlig selbstverständlich dazu her, um seinen noch so unbedeutenden Mist zu schützen (nein, mit Mist meine ich nicht Tillacks Recherchen, die ich sehr schätze — ich meine damit die Idee, seine /journalistischen Fragen/ als urheberrechtlich geschütztes Werk darzustellen).

Noch dazu sind die Fragen des Sterns überhaupt nicht urheberrechtlich geschützt. Nicht, weil es sich um »Fakten« handelt, die nicht geschützt sein können, sondern weil sie keinen Werkcharakter haben, weil die Schöpfungshöhe überhaupt nicht da ist.

Ich frage mich, ob Tillack Fälle kennt wie den von Scientology, die das US-Copyright in Anschlag brachte, um Kritik zu unterdrücken? (Falls nicht: http://www.wired.com/culture/c.….gy_sidebar) Sicherlich kennt er aber den Versuch des Duisburger Oberbürgermeisters Sauerland, die Veröffentlichung interner Dokumente über das Urheberrecht zu verhindern (http://www.augsburger-allgemei.….33066.html).

Und jetzt versucht er / der STERN, das Urheberrecht zu nutzen, um der FDP zu untersagen, Fragen (!) zu veröffentlichen? Merken die überhaupt, welchen Bärendienst sie dem Journalismus damit erweisen?

Die Kosten des Urheberrechts nehmen absurde Ausmaße an, aber so viele scheinen blind dafür zu sein.

(Die unnutzbaren URLs im Zitat waren so auf Google+.)

SCHULBUCH-O-MAT: Freies Lehrbuch soll über Crowdfunding finanziert werden

Auf der deutschen Crowdfunding-Plattform startnext.de soll ein unter Creative Commons stehendes Lehrbuch finanziert werden:

Wir wollen das erste offene und freie elektronische Schulbuch Deutschlands publizieren – ohne Verlage, ohne Urheberrecht, alles frei zu verwenden und zu kopieren (unter der Creative Commons-Lizenz CC BY). Als Pilotprojekt ist ein Biologiebuch für die Klassenstufe 7/8 geplant, das im Schuljahr 2013/2014 vorliegen soll. Die meisten Inhalte werden bundesweit im Biologieunterricht der Sekundarstufe I verwendet werden können.

Ich hatte bereits mehrfach darüber geschrieben, dass Crowdfunding eine optimale Finanzierungsart für urheberrechtsfreie Werke darstellt, weil es dort ansetzt, wo die Kosten entstehen.

Schön zu sehen, dass nun endlich die ersten Projekte dieser Art auch in Deutschland angeschoben werden.

Es sollte natürlich auch zu denken geben, dass nicht der Staat, sondern Privatpersonen freie Lehrinhalte finanzieren wollen und hier die Initiative ergreifen.

Hier ein weiterer Auszug aus der Projektbeschreibung:

1) Alle Inhalte sind unkompliziert verwendbar, können von LehrerInnen, Eltern und Verlagen bearbeitet und in beliebiger Form veröffentlicht werden. Dies erleichtert die pädagogische Arbeit, da es keine juristischen Fallstricke gibt (Urheberrecht).

2) Ein freies Schul-E-Book, das von Vielen erstellt wird, kann jederzeit ohne größeren Aufwand und ohne Kosten von der Community auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Unsere Vision vom Schul-E-Book: Es ist modular aufgebaut, enthält verschiedene Aufgaben für verschiedene Lernniveaus, Tests, multimediale Grafiken und Filme.

Zehntausende freie Schulmaterialien stehen auf Hunderten Webseiten verstreut im Netz. Diese Materialien möchten wir nutzen. Zusätzlich hoffen wir auf die Mithilfe zahlreicher LehrerInnen und Fachleute, um das E-Book kollaborativ zu publizieren. An diesem Prozess können sich alle Interessierten beteiligen, auch durch Bewertungen und Kommentare. Alle, Lehrer, Schüler, Eltern, partizipieren bei der Entstehung und Weiterentwicklung des Buches und bestimmen somit letztlich auch über die Art, wie sie lernen wollen.

Zu Beginn des Herstellungsprozesses entwickeln wir eine Plattform namens SCHULBUCH-O-MAT, wo die Inhalte gesammelt und der Publikationsprozess koordiniert wird. Drei Systemansätze stehen zur Diskussion, bis 15. Dezember 2012 wird auf Basis von Evaluierungen die Auswahl getroffen und das Ergebnis als Projekt-Update den UnterstützerInnen bekanntgemacht.

Die Projektmacher wollen 10.000 Euro einsammeln.

Siehe auch zum Thema Bildung und Urheberrecht:

(via Mathias Schindler)

MEP arbeitete an Deal mit Sony Music, während er im EU-Parlament über Urheberrechte mit entschied

Martin Reyher auf abgeordnetenwatch.de über die lukrativen Nebenjobs von Abgeordneten:

Der CDU-Abgeordnete Klaus-Heiner Lehne ist Vorsitzender des einflussreichen Rechtsausschuss und arbeitet nebenher für die internationale Großkanzlei “TaylorWessing”. Mindestens 120.000 Euro jährlich kassiert Lehne für seine Anwaltstätigkeit, doch wofür genau ist nicht bekannt. Dass Interessenkonflikte kaum zu vermeiden sind, zeigen abgeordnetenwatch.de-Recherchen aus dem Mai: Danach fädelte Lehnes Kanzlei 2010 einen Deal für den Plattenmulti Sony Music ein, während Lehne im EU-Parlament über die Durchsetzung von Urheberrechten mit entschied.

 Es könnte sein, dass dank solcher Sachverhalte Bezeichnungen wie ‘Contentmafia’ entstanden sind.

(via Rivva)

Till Kreutzer über ein Urheberrecht für das 21. Jahrhundert

Till Kreutzer, Anwalt und Urheberrechtsexperte, unter anderem bekannt von irights.info, hat einen guten Artikel über das Urheberrecht für den Wirtschaftsdienst geschrieben: Auf dem Weg zu einem Urheberrecht für das 21. Jahrhundert.

Warum das Urheberrecht früher ein Orchideenfach war und heute Mainstreamthema ist:

Diese Beschreibung ist etwa bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zutreffend. Bis dahin waren Privatpersonen schon rein faktisch nicht in der Lage, urheberrechtlich geschützte Werke im urheberrechtlichen Sinn zu nutzen, da es an Reproduktions- oder gar Verbreitungstechnologien in den Haushalten fehlte. Die Bürger konnten lediglich Bücher und Zeitungen lesen, Musik hören oder Filme anschauen. All dies sind Handlungen, die das Urheberrecht nicht erfasst, da der eigentliche “Werkgenuss” keine urheberrechtlich relevante Nutzung darstellt.

Erst mit dem Aufkommen erster Vervielfältigungstechnologien wie zunächst der Tonbandgeräte kamen Privatpersonen in Berührung mit dem Urheberrecht.

vs.

Der Dateiaustausch über Filesharing-Netze entspricht – auch wenn die Auswirkungen für die Rechteinhaber sehr viel schwerwiegender sein mögen – als Verhaltensschema dem “sharing” von selbst aufgenommenen Musiksamplern auf Leerkassetten, die auf dem Schulhof getauscht wurden. Anders als dort muss jedoch beim Online-Teilen und -Kommunizieren das Urheberrecht beachtet werden.

Für ein zeitgemäßes Urheberrecht müssen vielfältige Interessen berücksichtigt werden:

Es muss ebenso die Interessen derjenigen berücksichtigen, die mit ihren geistigen Schöpfungen oder Produktionen Geld verdienen und Investitionen amortisieren wollen, wie die Interessen der Allgemeinheit. Gerade letztere sind äußerst vielfältig und diffizil, werden hiermit doch so unterschiedliche Aspekte wie die Informations- und Kommunikationsfreiheit oder der Schutz der Privatsphäre, das Interesse an Bildung und Forschung, der Vermittlung von Kunst und Kultur, einer florierenden Kreativwirtschaft, Arbeitsplätzen und vielem mehr adressiert. 

[..]

Auch grundlegende Änderungen des Urheberrechts werden nicht dazu führen, dass die Veränderungen der Märkte und Nutzungsgewohnheiten aufgehalten oder gar zurückgedreht werden. Der Ruf nach besseren Gesetzen lenkt in vielen Fällen allenfalls vom eigentlichen Problem ab. Die Antworten zu den eigentlichen Fragen, wie etwa, wie mit journalistischen Inhalten zukünftig Geld verdient werden kann oder es gelingen kann, den Musikmarkt wieder auf Erfolgskurs zu bringen, wird man hier jedoch nicht finden. Das Urheberrecht gibt zwar wichtige Rahmenbedingungen für den Markt vor. Es führt aber für sich genommen nicht dazu, dass auch nur ein Musikstück oder Buch mehr verkauft wird oder eine Person mehr ins Kino geht. Das wird auf dem Markt und über den Wettbewerb entschieden.

Kreutzer empfiehlt als kurzfristige Feinjustierungen mehr Nutzungsfreiheiten für Kulturinstitutionen, so dass diese ihrem öffentlichen Auftrag besser nachkommen können (Die Archivregelungen des Urheberrechts stammen von 1965!) und Maßnahmen gegen den Abmahnwahn.

Mittelfristig fordert er eine Vereinfachung des Urheberrechts, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass heute nicht nur Rechtsexperten und Unternehmen mit dem Recht in Berührung kommen. Noch besser wäre, da stimme ich mit ihm überein, wenn Privatpersonen mit dem Urheberrecht gar nicht in Kontakt kämen:

Interessanter sind daher solche Konzepte, die letztlich dazu führen, dass Privatpersonen gar nicht mehr gegen das Recht verstoßen können. Sie basieren auf der (alten) Grundidee, dass Handlungen von Privatpersonen generell gestattet sind und hierfür mittelbar pauschale Vergütungen entrichtet werden, die nicht umgangen werden können. Vorbild für solche Regelungssysteme ist das Modell der Privatkopie und der Geräte- und Leermedienabgaben. 

Langfristig fordert Till Kreutzer eine Umkehr der Zweckentfremdung des Urheberrechts:

Das moderne Urheberrecht wurde seit jeher mit dem Schutzbedürfnis des Urhebers begründet. [..]

Bei genauerem Hinsehen entspricht das heutige Urheberrecht diesen Grundgedanken nicht mehr. Bei noch genauerem Hinsehen war das nie der Fall. Indes: Der Gedanke ist eigentlich sehr gerechtfertigt und sollte (wieder) fruchtbar gemacht werden. Man könnte überspitzt sagen, dass das Urheberrecht heute vor allem ein industriepolitisches Instrument ist, um Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Gegen den Schutz wirtschaftlicher Interessen über Immaterialgüterrechte spricht nichts, gegen die manipulative Verwendung von Argumenten und Begründungsschemata schon. Diese führen zu politischen Fehlentscheidungen und einer Verklärung der Sachlage.

[..]

Die im Urheberrecht angelegte – vermeintliche – Schicksalsgemeinschaft zwischen Urheber und Verwerter ist ein Geniestreich der Kreativwirtschaft und wohl einer der größten Lobbyerfolge aller Zeiten. Sie ist der Grund dafür, dass in Urheberrechtsdebatten sehr erfolgreich kulturelle, romantische und moralische Aspekte vorgeschoben werden (können), obwohl es fast ausschließlich um reine Wirtschaftsinteressen, genauer darum geht, den Verlagen, Musik- oder Filmunternehmen weitergehende Monopole zur Gewinnmaximierung zu bescheren. 

Seine Lösung

Eine konzeptionelle Lösung läge darin, die Interessen von Urhebern und Verwertern regelungssystematisch zu trennen. Man könnte in diesem Zuge ein “richtiges” Urheberrecht schaffen, das den Interessen der Kreativschaffenden tatsächlich gerecht wird (das z.B. als wesentliches Element neben den Persönlichkeitsrechten ein starkes Urhebervertragsrecht aufweist). Neben das Urheberrecht wären spezielle Wirtschaftsrechte zu stellen, die gleichermaßen die wirtschaftlichen Interessen der Verwerter (Werkmittler) als auch einen funktionierenden Wettbewerb sichern. Anders als die heutigen Leistungsschutzrechte (die als “verwandte Schutzrechte” stark an das Urheberrecht angelehnt sind, ohne dass eine Begründung hierfür ersichtlich wäre) wären Urheber- und Verwerterrechte grundlegend unterschiedlich auszugestalten; die hieraus fließenden Rechtspositionen müssten stark auf die Bedürfnisse des jeweiligen Rechteinhabers zugeschnitten sein. 

Ich bin nicht sicher, wie nicht abtretbare Rechte, wie sie Till Kreutzer vorschlägt, in einer Welt der Arbeitsteilung sinnvoll anwendbar gemacht werden können, ich bin dem Vorschlag also eher skeptisch gegenüber eingestellt, aber es ist zumindest eine diskutable Position.

Till Kreutzer zur Begründung unter anderem:

Ein anderes Beispiel, an dem sich zeigt, wie sinnvoll eine systematische Trennung von Urheber- und Verwerterrechten wäre, ist die Schutzdauer. Die geltende Schutzdauer für Urheberrecht beträgt für alle Werke 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers (was häufig auf einen Schutz von über 100 Jahren hinausläuft). Begründet werden können derart lange Schutzfristen letztlich nur mit den Interessen des Urhebers an einer Alimentation seiner Erben oder mit persönlichkeitsrechtlichen Belangen. Aus ökonomischer Sicht sind sie viel zu lang und führen – in Händen der Verwerter – zu Ineffizienzen, nicht zu rechtfertigenden Wettbewerbsbeschränkungen und Wohlfahrtsverlusten.

Lesenswerter, langer Text, der die Problematik gut kondensiert.

Siehe zum Thema Urheberrecht auch die Übersichtsseite auf neunetz.com.

Altersvorsorge?

Der Leser Ulrich Nehls in einem Kommentar auf Zeit Online zu Kai Biermanns Artikel “Leistungsschutzrecht: Regierung will Musik 70 Jahre lang sperren“:

Das Argument, dass es bei dieser Verlängerung um die “Altersvorsorge” von Künstlern gehe, ist schon irgendwie lustig.

Die Beatles waren Anfang Zwanzig, als sie anfingen gut zu verdienen. Sie hatten ein halbes Jahrhundert Zeit Hits zu produzieren und wurden jeder für sich reiche Männer. So wie die Rolling Stones und all die anderen.

Nun kommt die Zeit, in der – tatsächlich – Stücke wie “Love you yeah yeah yeah” kostenlos im Kaufhaus abgedudelt werden dürfen. Und zufällig soll es genau jetzt für die in Ehren ergrauten Multimillionäre und ihre Plattenfirmen Verlängerung geben.

Dies erinnert an den Versuch der Nachkommen George Gershwins, die US-Urheberrechtsfristen verlängern zu lassen, weil man weiter bequem abkassieren wollte – ohne selbst auch nur den Hauch einer künstlerischen Leistung erbringen zu müssen (wie sie zumindest in einer professionellen Verlagsausgabe gedruckter Noten o.ä. besteht.)

Bitte – es MUSS doch einmal eine Regierung geben, die diesen Unverschämtheiten einen Riegel vorschiebt! Sind Regierungen denn nicht der Allgemeinheit verpflichtet?

Das Argument der Altersvorsorge ist ein klassischer emotionaler Strohmann, der von der Tatsache ablenken soll, dass rückwirkend vertragliche Rahmenbedingungen geändert werden.

Die rückwirkende Verlängerung der Schutzfristen bleibt ein unfassbarer Kulturskandal, der nur deshalb keinen immensen öffentlichen Aufschrei produziert, weil wir als Gesellschaft gar nicht mehr wissen, was uns die Gemeinfreiheit von Werken bringen kann. Wir können uns gar nicht vorstellen, was uns weggenommen wird.