Ohne Netflix wäre “Breaking Bad” nicht erfolgreich gewesen

Vince Gilligan, Schaffer der Serie "Breaking Bad", berichtet im Interview mit Vulture über die Bedeutung von Netflix:

I’ll tell you, I am grateful as hell for binge-watching. I am grateful that AMC and Sony took a gamble on us in the first place to put us on the air. But I’m just as grateful for an entirely different company that I have no stake in whatsoever: Netflix. I don’t think you’d be sitting here interviewing me if it weren’t for Netflix. In its third season, Breaking Bad got this amazing nitrous-oxide boost of energy and general public awareness because of Netflix. Before binge-watching, someone who identified him- or herself as a fan of a show probably only saw 25 percent of the episodes. X-Files fans would say to me, “I love that show. I’m a big fan.” I’d say, “Well, did you see this episode?” “No. I didn’t see that one. Which ones did you write?” And every episode they’d mention would be one I didn’t write. But it’s a different world now.

Kurzfristig dürfte ein solches Verhältnis direkte Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen kleinen TV-Sendern wie AMC und Netflix haben, da bei letzterem klar Reichweite und damit auch nicht zu verachtende Lizenzgelder liegen, die schnell eine feste Stelle in den Spreadsheets finden. Mittelfristig dürfte das enorme Auswirkungen auf die Kreativen der Branche und ihre Entscheidungen haben, für wen sie Serien entwickeln.

Sowohl Netflix produziert mit House of Cards, Hemlock Grove und einer neuen Staffel von Arrested Development eigene Inhalte, als auch Amazon, das gleich mit mehreren Serien dieses Jahr eine Offensive für seinen Streaming-Dienst gestartet hat. Besonders der aggressive Einstieg von Amazon in diesen Markt könnte ihn schnell verändern.

Die Disruption des TV-Marktes, YouTube und BitTorrent sollte man nicht vergessen, kommt von allen Seiten und hat erheblich an Fahrt aufgenommen. (Der große Knall dürfte kommen, wenn AppleTV aufhört, ein ‘Hobby’ für das Unternehmen zu sein. Dieser Knall wird aber nur möglich, weil die Verschiebungen längst im Gang sind.)

(Disclosure: Ich besitze Netflix-Aktien.)

On-Demand-Videostreaming: Vivendi-Tochter Watchever drängt auf den deutschen Markt

Wer diese Tage auf Facebook oder in einer deutschen Innenstadt vorbeischaut,2013 05 14 um 18 26 18 kommt an etwas nicht vorbei: Werbung für Watchever. Watchever ist ein On-Demand-Videodienst, über den von Laptop über Tablet bis AppleTV für 8,99€ pro Monat Serien und Filme geschaut werden können. Vergleichbar ist der monatlich kündbare Dienst mit Netflix, dem Marktführer in den USA, oder Lovefilm, dem Amazon-Angebot in Deutschland. Während Netflix noch nicht auf den deutschen Markt gekommen ist und Lovefilm von Amazon nach der Übernahme nicht die angemessene Beachtung zu erhalten scheint, liegt der deutsche Webvideomarkt, gequält mit Maxdome und co., noch mehr oder weniger brach.

Darauf scheint Watchever zu setzen und macht neben der Werbung mit den klassisch inkrementellen Neuerungen konstante Presse: Watchever auf XBox 360, auf Smartphones, mit exklusiven Lizenzen und gegen Telekom.

Über Watchever selbst ist wenig bekannt, außer dass das Angebot zum Unterhaltungskonzern Vivendi (u.a. Universal Music Group) gehört. Aus dem spartanischen Eintrag in der Gründerszene-Datenbank:

Die Titel der umfangreichen Filmbibliothek mit deutschen, europäischen und US-amerikanischen Produktionen stehen in deutscher Sprache und der Originalversion zur Verfügung. Mit dem intelligenten Watchever-Profil können die Inhalte bewertet, Lieblingsfilme gemerkt und Empfehlungen gegeben werden. Diese Funktionen lassen sich auch mit Facebook verknüpfen, um sie mit Freunden zu teilen. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit, FSK-Inhalte je nach Bedarf durch eine Kindersicherung zu schützen. Der Service kann kostenlos getestet werden und ist monatlich kündbar. Watchever wird von der Watchever GmbH betrieben, einem Unternehmen von Vivendi.

Vivendi hat bereits vor einigen Jahren mit ZaOza einen Entertainmentversuch für Musik und Video gestartet, der mit seinem ‘redaktionellen’ Ansatz von Anfang an zum Flop verurteilt war.  (Wer nicht auf Long Tail und Plattform setzen kann oder will, euphemisiert mit Redaktionen.) Watchever scheint in seiner starken Anlehnung an das erfolgreiche Netflix sehr viel besser aufgestellt zu sein.

Ein ausführliches Review von Watchever gibt es bei Bitpage.de:

Es sind viele Alte und nur ausgesuchte neue Titel in der Online-Videothek von Watchever und aus technischer Sicht scheint Watchever noch ein wenig in den Kinderschuhen zu stecken. [..]

Die Technik funktioniert im Großen und Ganzen. Damit meine ich das Streamen der Videos zu mir nach Hause auf allen Plattformen, die Watchever unterstützt. 

Es bleibt eine Frage bestehen: Warum macht Vivendi jetzt Druck? Watchever wurde im Januar 2012 gestartet. War man erst ein Jahr später technisch und lizenzrechtlich gut genug aufgestellt, so dass eine auf maximale Reichweite ausgelegte Werbekampagne Sinn ergibt? Oder weiß Vivendi, immerhin einer der größten Entertainment-Konzerne der Welt, dank Einsichten in Lizenzverhandlungen, dass der US-Marktführer Netflix nicht mehr weit vom Sprung auf den deutschen Markt entfernt ist?

Netflix ist an normalen Abenden für ein Drittel des Internettraffics in Nordamerika verantwortlich

Netflix, Marktführer in den USA im On-Demand-Streaming-Markt für Filme und Serien, ist mittlerweile nicht nur groß genug, um für Film- und Fernsehstudios einen neuen lukrativen Lizenzmarkt geschaffen zu haben, sondern ist sogar beim gesamten Internettraffic, HD-Video sei dank, spürbar. Businessweek:

On a normal weeknight, Netflix (NFLX) accounts for almost a third of all Internet traffic entering North American homes. That’s more than YouTube, Hulu, Amazon.com (AMZN), HBO Go, iTunes, and BitTorrent combined. [..]

Netflix has more than 36 million subscribers.

Die Größe und die damit einhergehende Marktmacht (Verhandlungsmacht) von Netflix dürfte vielen in Deutschland noch nicht bewusst sein. Spannend wird es hierzulande, wenn RTL und co. mit Netflix konkurrieren werden müssen. Mit Amazons Lovefilm und Watchever drängen auch andere Anbieter dieser Art bereits auf den Markt. Ein deutsches Netflix ist nur eine Frage der Zeit.

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(Disclosure: Ich besitze Netflix-Aktien.)

YouTube is das größte Social Network in Deutschland und weltweit die zweitgrößte Suchmaschine

2013 05 13 um 14 55 43

Sehr sehenswert ist der Vortrag von Bertram Gugel und Markus Hündgen auf der re:publica 2013 zum Thema YouTube, dem ich die zwei Aussagen in der Überschrift entlehnt habe:

 

 Die Größenordnung, in der sich YouTube in Deutschland bewegt, reicht mittlerweile an die von TV heran:

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Und mit der Reichweite kommt auch langsam das Geld:

2013 05 13 um 15 07 08

Siehe beziehungsweise höre zu dem Thema auch die neunetzcast-Ausgabe mit Bertram Gugel zu YouTube und anderen Webvideothemen wie etwa Netflix:

In einer der nächsten neunetzcast-Ausgaben werde ich mich mit Bertram Gugel über die Zukunft des deutschen TV-Marktes unterhalten.

RTL sperrt RTLnow und VOXnow für Google TV

RTL sperrt seine Websites für den Zugriff über Google TV.

Google Watch Blog:

In erster Linie geht es um die Webseiten RTLnow und VOXnow in denen große Teile des TV-Programms teils kostenfrei angesehen werden können.

Die Webseite kann von jedem PC und von mobilen Apps aufgerufen werden, wird aber auf einem Google TV ausgesperrt (s. Screenshot). Derzeit ist RTL auch nicht an einer etwaigen Partnerschaft interessiert, sondern setzt lediglich seine Interessen durch, dass kein Drittanbieter mit dem “aufwendig erstellten TV-Programm” Geld verdienen könne.

Das ist das gute Recht von RTL.

Aber mittelfristig werden Entscheidungen wie diese wie immer nach hinten losgehen. Wer als Inhalteanbieter nicht überall seine Inhalte anbietet, öffnet die Tür für neue Konkurrenten.

Amazons On-Demand-Streaming-Dienst Lovefilm etwa. Oder Netflix, das nach Großbritannien als nächsten europäischen Markt Deutschland anvisieren könnte.

Plattformen wie Apple TV, Google TV, Boxxee und Roku und Anbieter wie Netflix im Schlepptau dieser Plattformen werden die große Herausforderung für das lineare TV, an der es zerbrechen wird.

Auch Unternehmen wie RTL sollten frühzeitig Erfahrungen auf neuen Märkten sammeln.

‘Xbox TV’

The Verge über die Pläne von Microsoft:

Microsoft is building an Xbox set-top box. Multiple sources familiar with Redmond’s plans have confirmed to The Verge that the company plans to introduce a low-cost alternative to its Xbox console, designed to provide access to core entertainment services.

Der Kampf um das Wohnzimmer, und damit um den größten Monitor in der Wohnung, geht langsam aber sicher richtig los.

Konsolenhersteller, wie etwa auch Nintendo, haben einen, wenn auch kleinen, Vorsprung bei der Gerätebasis, denn sie auch nutzen. The Next Web:
Following Netflix and Hulu, Amazon brings over 140,000 movies and TV episodes to the Nintendo Wii U

Top1000-Channels auf YouTube machen im Schnitt 23.000$ pro Monat

ReadWriteWeb über die YouTube-Ökonomie:

OpenSlate, which describes its services as delivering “actionable information about the value of online video to advertisers,” recently put together an infographic analyzing the top 1,000 YouTube channels.

Some of the findings are mind-blowing, like the fact that over one million YouTubers run ads on their content. To put it another way, YouTube writes checks to more than one million people monthly. That’s more than the U.S. television industry employs.

The highest-performing 1,000 make an cool six figures a year. According to OpenSlate, the average net profit for the top 1,000 channels is $23,000 a month for an average annual payout of $276,000.

Laut OpenSlate haben die Top1000 YouTube-Channels in den letzten 30 Tagen 87 Millionen Interaktionen (Kommentare, Ratings, etc.) hervorgerufen.

Siehe auch:

Jerry Seinfelds “Comedians In Cars Getting Coffee”

Jerry Seinfelds Webserie Comedians In Cars Getting Coffee ist nicht nur erwartungsgemäß sehr lustig und manchmal auch herzerwärmend, sondern auch aus Branchensicht interessant:

Seinfeld hat in den 1990er Jahren die erfolgreichste Sitcom aller Zeiten kreiert und war ihr Hauptdarsteller. Er kann noch heute zu jedem TV-Sender in den USA gehen und praktisch jedes Projekt umsetzen, das er gern machen möchte. Trotzdem wählt jemand wie er, der so viele Freiheiten im US-TV-Business bekommt wie wohl kaum ein anderer, die von den Restriktionen des TV-Geschäfts freie Welt der Webserien. Die Frage, die sich jeder, der im TV-Business arbeitet, stellen sollte lautet: Warum?

Hangout-Talkshows

Vera Bunse auf Carta über Videostreams als neue Talkshowformate dank Google Hangout:

Mein Favorit ist das Quartett, weil eine Dreiviertel- bis eine Stunde ein überschaubarer Zeitrahmen ist, und der Sendetermin nach dem Tatort ist einfach großartig.

[..]

Das Format erlaubt spontane Diskussionen, Live-Übertragungen oder Interviews, es eignet sich aber noch zu viel mehr, wenn die Kinderkrankheiten erst überwunden sind (in einem der Talks wurde das “50er-Jahre-Fernsehen” genannt). Die Talkrunden sind völlig ungezwungen und decken viele Themen ab, naturgemäß auch netzbezogene, die im Mainstream gar nicht vorkommen oder erst umständlich von Erklärbären für die C-Welt übersetzt werden. Das größte Plus sind jedoch die Gäste, die nicht nach Schema F ausgewählt werden und, statt Sprechblasen abzusondern, wirklich etwas zu sagen haben. 

Kinect-ähnliches Interface für Mac: So könnte das iTV-Interface aussehen

Auf Cult of The Mac wird ein USB-Dongle in iPod-Größe vorgestellt, der ein dem Kinect von Microsoft ähnliches Interface für den Mac möglich macht. Das Leap genannte Gerät ist allerdings sehr viel präziser:

 

Das Gerät soll 70 US-Dollar kosten. Noch ist es nicht auf dem Markt.

Angesichts der technischen Machbarkeit kam mir bei dem Video sofort ein Gedanke: Etwas vergleichbares könnte in Verbindung mit Spracherkennung das TV-Interface sein, von dem Steve Jobs kurz vor seinem Tod gegenüber Walter Isaacson gesprochen hat.

(via Holger Schmidt)

Jede Minute werden 72 Stunden Video auf YouTube hochgeladen

Die Google-Tochter YouTube hat am Sonntag anlässlich ihres siebten Geburtstags einen neuen Rekord bekanntgegeben: Mittlerweile werden jede Minute von Usern 72 Stunden Video auf YouTube hochgeladen. 

Janko Roettgers für GigaOm über die Entwicklung der letzten Jahre:

The amount of video uploaded to YouTube has increased steadily over the last few years. In early 2007, users were uploading six hours of video every minute to the site. By January of 2009, that number had grown to 15 hours. By March of 2010, the total reached 24 hours, only to go up to 35 hours by November of that year.

Was ich im Januar 2012 angesichts von damals noch nur 60 Stunden hochgeladenen Materials pro Minute schrieb:

Sechzig Stunden pro Minute: Das sind die einzigen vier Wörter, die man auf die irregeleitete Forderung nach umfassender Plattformproviderhaftung zu antworten braucht.

Ein Plattformanbieter, der die auf seiner Plattform hochgeladenen Inhalte im Vorfeld prüfen muss, kann kein Angebot betreiben, auf dem jede Minute weitere 72 Stunden Videomaterial hinzukommen.

TV-Apps und die Disruption der Fernsehbranche

Die New York Times berichtet über die voranschreitenden Entwicklungen im TV-Sektor. Dass Apps massgeblich für die Disruption der TV-Branche verantwortlich sein werden, scheint auf dem Weg, common sense zu werden.

Developers Are Working on Television Apps, but TV Industry Is Wary – NYTimes.com:

“The question that hasn’t yet been answered is whether television viewing will consist of a single app that mimics the pay TV bundle or a series of different apps that together form a content experience,” said Jon Miller, the chief digital officer at News Corporation, which owns Fox Broadcasting and cable channels like Fox News and FX.

Tatsächlich stellt sich vor allem ‘nur noch’ die Frage, wie das App-TV-Interface letztlich aussehen soll. Steve Jobs hat bekanntermaßen gegenüber Walter Isaacson gesagt, dass er die Lösung gefunden hat.

Die Lösung wird sicher kein Grid sein, wie man es von Tablets und Smartphones kennt. Ein Raster, auf dem die Apps angeordnet sind, ist sinnvoll für einen Touchscreen. Der Fernseher ist kein Touchscreen.

Die Frage lautet also: Wie bringt man Apps und ihre Inhalte, und vielleicht sogar deren VÖ-Fenster, in einem Interface zusammen? In diesem Interface müssen die Apps als Sendernachfolger (als Inhaltebündel) und ihre Inhalte sinnvoll dargestellt werden.

Wie dem auch sei. Die TV-Branche wird mit der Disruption ihrer Geschäftsgrundlage das gleiche durchleben, wie andere Branchen vor ihr. Einen ersten Geschmack bekommt man jetzt schon, wenn man Aussagen hierzulande und in Übersee beobachtet:

The so-called bundle setup helps little-watched channels bring in revenue from monthly cable fees and allows the most popular channels to get high fees from every subscriber, even the ones who don’t watch them.

The idea of undermining this model is so sensitive that media executives who think that apps are the future of television would not discuss the subject publicly, for fear of disturbing their cable and satellite partners.

Das ist das klassiche Dilemma von etablierten Unternehmen, wenn sie sich einer Disruption gegenüber sehen: Sie sind so stark in ihre Wertschöpfungsnetzwerke eingebunden, dass ihre Handlungsspielräume stark eingeschränkt sind. So stark, dass sie in der Regel gar nicht angemessen auf die Herausforderungen reagieren können.

Denn wenn man sich nicht einmal traut, die Veränderungen öffentlich anzusprechen, wie soll man dann auf sie reagieren können?

Für Deutschland sieht die Situation ein bisschen anders aus, weil wir hier keinen starken Paid-Kabel-Markt mit starren Bündeln haben. Aber für die deutschen TV-Sender wird es nicht minder bitter: Die privaten Sender sind oft Verwerter von US-Material. Die US-Studios könnten irgendwann an ihnen vorbei Inhalte über Apps distribuieren.

Neue Mittelsmänner: Netflix, von dem ich Aktien halte, und andere Angebote werden mit einem Eintritt auf dem deutschen Markt die größten Konkurrenten der deutschen Sender. Angebote wie Netflix sind heute schon auf allen relevanten TV-App-Plattformen von Apple TV über Roku bis Boxee vertreten.

Die deutschen TV-Sender werden zwar mit Lizenzvereinbarungen ein paar Entwicklungen verzögern, sie aber nicht aufhalten können. Ihr Problem ist das gleiche, wie das der US-Sender: Ihr Erlösmodell der Werbeunterbrechungen wird nicht ohne weiteres auf die App-Welt übertragbar sein, die andere Marktdynamiken als das lineare Fernsehen mitbringt.

Siehe auch:

Weniger als 1 Million GoogleTV-Geräte in Gebrauch

Janko Röttgers errechnet die GoogleTV-Zahlen anhand der Downloadzahlen vorinstallierter Apps für NewTeeVee:

But how many of Logitech’s Revue boxes and Sony’s Google TV devices are actually being used by consumers? The answer is less than a million, according information hidden in Google’s own data. Also interesting: Logitech’s Revue set-top box makes up more than half of those devices.

Im Vergleich dazu Apples ‘Hobby’ und das WebTV-Startup Roku:

Apple has sold 4.2 million Apple TV units, and Roku — despite missing its own sales goals — was able to sell 2.5 million boxes by the end of last year.

Man kann also ruhigen Gewissens bei GoogleTV bisher von einem sagenhaften Flop reden.

Die 10 populärsten YouTube-Kanäle

Markus Hündgen stellt auf dem ZDF-Blog Hyperland die weltweit 10 populärsten YouTube-Kanäle vor:

Platz 1: Er ist “Mr. Billion” – der erste Mensch im Internet, der es auf eine Milliarde Videoabrufe geschafft hat. Das war bereits im Mai 2011. Mittlerweile hat Ray William Johnson 1,62 Mill. Abrufe und 5,24 Mio. Abonnenten. Was auch daran liegen mag, dass er – wie viele seiner Kollegen – zweisprachig sendet und senden lässt – neben englisch gibt es seine Show “=3″ nun auch auf Spanisch. Das Konzept ist geblieben: Die verrücktesten Videos der letzten Tage nimmt Ray William Johnson erneut auf den Arm – und schafft so für viele virale Videos erst die Grundlage, dass sie irgendwann den Weg von deutschen Blogs ins Fernsehen schaffen. Der Ruhm macht ihn reich. Auch wenn es keine offiziellen Zahlen gibt: RWJ soll mehr als eine Million Dollar im Jahr mit seinen Videos verdienen.

(Hervorhebung von mir.)

Wenn ich das richtig sehe, kommt keiner der 10 Kanäle von einem traditionellen Medienhaus.

Apple und BitTorrent greifen TV-Branche an

Apple airplay

Zumindest für die TV-Branche dürfte AirPlay-Mirroring das wichtigste Feature des im Sommer kommenden neuen Mac OS X sein. iPhoneBlog.de:

AirPlay-Mirroring gibt den vollständigen Desktop-Bildschirm drahtlos an einen Apple TV und den daran angeschlossenen Fernseher weiter.

Das heißt, alles was man auf dem Rechner anschaut, ob von Festplatte oder gestreamt (YouTube, etc.) kann leicht auf den großen Bildschirm gebracht werden.

Es wird schon länger gemutmaßt, wie ein künftiges, ernstes, AppleTV aussehen könnte. Tatsächlich dürfte das bestehende AppleTV, das noch nur ein Nebengeschäft für Apple ist, die erste Komponente des künftigen TV-Geschäfts von Apple sein.

Denn dieses wird eine Plattform sein. Mit Apps und allem Drumherum.

Und dafür braucht man mehr als einen Fernseher, den sich die Endkunden nur alle paar Jahre neu kaufen. Um die Reichweite der kommenden Plattform zu maximieren,  braucht Apple damit auch eine an vorhandene Fernseher anschließbare Box. Und das ist das bereits bestehende AppleTV, das kontinuierlich verbessert wird.

BusinessInsider spricht deutlich aus, was die Neuerung bedeutet:

If this is accurate, and you really can send webpages to your TV, it should scare the crap out of media companies who are doing everything they can to prevent themselves from being disrupted by TV on the internet.If you can easily beam Safari to your TV, it makes pirated video streams that much more attractive. You can watch them on the big screen with ease.

Zugegeben, es ist aufwendiger als GoogleTV oder Boxee, aber der Vorteil liegt auf der Hand: Offizielle Angebote von TV-Sendern wie Hulu, die TV-Plattformen blocken, um die Kannibalisierung des linearen TVs aufzuhalten, können AirPlay nicht aufhalten. Sie glauben, sie werden auf herrkömmlichen Rechnern angeschaut.

Allein mit diesem kleinen Feature könnte Apple also einen Nachfragesog für AppleTV erzeugen.

***

Bram Cohen, der Erfinder von BitTorrent, dem populärsten weil effizientesten Filesharing-Protokoll, hat vor wenigen Tagen eine Lösung vorgestellt, die Streaming und P2P zusammenbringt:

The ultimate winners of a P2P-based solution could be consumers, he argued, because it would enable publishers to put much more content online at a fraction of the cost of traditional CDNs. “Most of the video that people consume today is still not on the Internet,” said Cohen, adding that existing protocols aren’t set up to support big live events.

Das macht nicht nur Streaming günstiger sondern bringt mit dieser Vergünstigung auch die gleichen Herausforderungen für Rechteinhaber mit wie auf permanenten Downloads basiertes P2P.

Cohen selbst dürften die Implikationen bewusst sein:

Cohen said that the protocol could potentially be used for video conferencing, live streams of video game tournaments or even live sports events. “My goal here is to kill off television,” he joked.

***

Ist 2012 das Jahr, in dem das Internet dem Fernsehen endgültig auf den Leib rückt?

Sieht ganz danach aus.

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(Disclosure: Ich besitze Apple-Aktien.)

Jede Minute werden 60 Stunden Video auf YouTube hochgeladen

Sechzig Stunden pro Minute: Das sind die einzigen vier Wörter, die man auf die irregeleitete Forderung nach umfassender Plattformproviderhaftung zu antworten braucht.

Reuters:

YouTube, Google Inc’s video website, is streaming 4 billion online videos every day, a 25 percent increase in the past eight months, according to the company.

[..]

According to the company, roughly 60 hours of video is now uploaded to YouTube every minute, compared with the 48 hours of video uploaded per minute in May.

Das Bemerkenswerte Wachstum von YouTube kommt wohl auch von zunehmendem Konsum digitaler Inhalte über andere Geräte als herkömmliche Computer: Also Smartphones, iPads und Fernseher mit Internetzugang.

Google TV könnte das gleiche Schicksal wie Android bevorstehen

Also: Hoher Marktanteil im Markt und Fragmentierung.

Fragmentierung, die den hohen Marktanteil für alle Beteiligten (Endnutzer, App-Entwickler) abgesehen vom Plattformprovider (Google) wieder relativiert.

Janko Röttgers zählt auf GigaOm mehrere Gründe auf, warum Google TV im SmartTV-Markt ‘gewinnen’ (im Sinne von die Mehrheit des Marktanteils abfassen) wird und merkt als Grund dafür unter anderem Customization an:

But what this really points to is that Google TV can be customized easily, which should give CE makers and service operators a huge incentive to use the platform.

Vorinstallierbare Crapware auf dem Fernseher. Der Grund, warum Google TV von TV-Herstellern angenommen werden wird.

Haushalte mit TV in den USA erstmals rückläufig

TV, das Massenmedium schlechthin, scheint in seiner traditionellen Form nun ebenfalls auf dem Rückmarsch, zumindest in den USA.

Aaron Barnhart fasst auf KansasCity.com Zahlen von Nielsen, welche unter anderem Einschaltquoten in den USA messen, zusammen:

The total number of U.S. households with TV sets declined year to year for the first time since Nielsen started counting TV ownership.

• The number of households with no TV at all is at its highest level since 1975. Three percent of homes are TV-free.

The decline was not trivial, either — from 115.9 million TV households in 2011, Nielsen estimates that only 114.7 million homes in the U.S. will have a TV set in 2012. That’s a decline of almost 1 percent at a time when the total number of U.S. households continues to grow.

Viele werden ihren veringerten TV-Konsum, oder Konsum von fiktionalen Inhalten wie Serien und Filmen, auf Laptops und Desktops umgelagert haben.

Wenn TV und Internet konvergieren, was sie dank schlechter Interfaces bisher noch nicht wirklich tun, wird der Fernseher zum größten Bildschirm unter vielen degradiert. Der Auslöser dieser Entwicklung ist die Abkehr der Konsumenten vom linearen TV.

In den USA scheint sie begonnen zu haben.

(Dabei ist gar nicht so wichtig, dass die Haushalte mit TV einen höheren durchschnittlichen Konsum aufweisen. Entscheidend ist, dass der Wandel in der Konsumart begonnen hat. Einige gehen vor, der Rest wird folgen. Es fehlen natürlich noch die überzeugenden Devices/Plattformen/GUIs für die Konvergenz.)

siehe auch:

Der trojanische TV-Krieg

Wieder einmal hervorragende Analyse zur Entwicklung des TV-Marktes von Bertram Gugel. Deutsche TV Sender gegen den Rest der Welt | Digitaler Film:

Die Sender lassen zur Zeit ein enormes Potential ungenutzt indem sie darauf bestehen, dass die Nutzer Inhalte nur auf ihren Seiten konsumieren können. Obwohl 80% der Internetnutzer Videoportale besuchen und somit bereit sind Videos im Netz zu konsumieren, sehen nur 43% Programme auf den Senderseiten. Es verwundert also nicht weiter, dass Hulu mal wieder den Deutschen Markt sondiert und versucht einen Partner zu finden.

ZDF-Intendant Schächter hat in einem Punkt Recht, die Sender müssen zusammen arbeiten um nicht überrollt zu werden. Aber die Gefahr liegt nicht bei Apple und Google, diese Unternehmen könnten sich viel mehr als wertvolle Partner erweisen. Die Gefahr liegt viel mehr darin, dass sich die Sender zu sehr abkoppeln und die Entwicklung im Internet anderen überlassen. Indem sie ihre Inhalte wegschließen und jegliche Kooperation untereinander und mit Internetunternehmen vermeiden sorgen sie dafür, dass jeder nach Wegen um die Sender herum sucht. Sie sorgen dafür, dass sie den Wandel nicht gestalten sondern von ihm übergangen werden.

Zur Analogie des trojanischen Kriegs und dem TV-Markt unbedingt den Text auf Gugels Blog lesen.

Das Vorgehen der TV-Sender erinnert an die Tonträgerindustrie und die Buchbranche. Grundsätzlich stelle ich mir mittlerweile die Frage, ob die meisten von der Digitalisierung getroffenen Branchen aufgrund ihrer Strukturen überhaupt in der Lage wären, auf eine Weise zu reagieren, bei der nicht ein Großteil der Unternehmen untergehen.

Siehe zum Thema auch: Apps werden die neuen TV-Sender

Apps werden die neuen TV-Sender

Ich glaube, das ist das sinnvollste und deswegen wahrscheinlichste Setup für die kommende Heirat von TV und Internet:

  • Der Fernseher ist ‘lediglich’ der größte Bildschirm im Haushalt, wie alle anderen hängt auch er am Internet
  • Wie alle Post-PC-Geräte basiert auch der Fernseher hauptsächlich auf Apps, die native Umgebungen mit Contentbezug über das Internet verbinden
  • Eine gesonderte Ebene im OS auf der die Apps der klassischen TV-Sender gelistet werden.

Das dürfte ein Hauptteil des “I’ve cracked it”-Interface des irgendwann kommenden AppleTVs/iTVs ausmachen, über das Jobs kurz vor seinem Tod redete.

Ein Beispiel für die gesonderte App-Ebene sehen wir gerade auf dem iPad in Form des Newsstands für Magazin-Apps.

Daring Fireball:

Whether Newsstand was Apple’s strategy all along, I don’t know, but I think it might have been. The app is the unit of distribution for newspapers and magazines, not the “issue” or the “article”. This puts more work on the publishers’ shoulders — they need to design, create, and maintain software, not merely publish content — but it gives them more control over the reader experience and more potential for creativity and differentiation.

Why not the same thing for TV channels? We’re seeing the beginnings of this, with iPhone and iPad apps like HBO Go, Watch ESPN, and the aforementioned Bloomberg TV+. Letting each TV network do their own app allows them the flexibility that writing software provides. News networks can combine their written and video news into an integrated layout. Networks with contractual obligations to cable operators, like HBO and ESPN, can write code that requires users to log in to verify their status as an eligible subscriber.

Why not the same thing for TV sized displays? Imagine watching a baseball game on a TV where ESPN is a smart app, not a dumb channel. When you’re watching a game, you could tell the TV to show you the career statistics for the current batter. You could ask the HBO app which other movies this actress has been in. Point is: it’d be better for both viewers and the networks1 if a TV “channel” were an interactive app rather than a mere single stream of video.

Collect them in a Newsstand-like folder on iPhones and iPads, and make them the “home screen” of a future Apple TV.

Bingo indeed.

Ein Apple TV sollte nicht an die Kabelbetreiber gebunden sein (die in den USA sehr viel mehr Marktmacht haben als hierzulande, wo PayTV nie Fuß fassen konnte). Gleichzeitig ergibt es wenig Sinn am linearen TV länger festzuhalten als nötig.

Die TV-Sender und Networks kann man aber gleichzeitig damit abholen, dass man ihre Apps auf OS-Ebene gesondert behandelt. Sie hätten einen speziellen Platz auf dem Homescreen, wären nicht auf einer Ebene mit den übrigen Apps. Was sie dann mit ihren neuen App-Sendern machen, wäre ihre Sache: Entweder lediglich das lineare TV reinlaufen lassen oder experimentieren, neue Wege gehen.

Aber vor allem: Sie hätten einen Anreiz mehr, vertreten zu sein. Was der erste Schritt weg vom dummen TV-Sender und hin zur intelligenten TV-App wäre.