SDK für Wearables: Android sichert Googles Zukunft

Googlewatchblog: Sundar Pichai kündigt Android SDK für Wearables an:

Um diesen wichtigen Markt nicht zu verpassen, wird Google in etwa 2 Wochen das Android SDK für Wearables veröffentlichen und damit für all diese Geräte eine völlig neue Grundlage zu schaffen. Weitere Details hat Google bzw. Sundar Pichai noch nicht genannt, die Geräte sollen aber problemlos untereinander Daten austauschen und miteinander arbeiten können. Aufgebaut werden soll das gesamte System in einen Oberflächen- und einen Daten-Layer.

Das ist quasi ein direkter Blick auf die strategische Bedeutung eines erfolgreichen Androids für Google. Egal was kommt, Google hat mit Android ‘leicht’ und schnell den OS-Fuß in der Tür. Und aktuell sind sie damit die einzigen.

41 Prozent aller Android-Geräte im letzten Quartal wurden in China verkauft

China, das schwarze Android-Loch. Engadget:

Before we call off the smartphone battle and declare Google the winner (an 81.9 percent share is huge in any market), Gartner’s report does point to the key factors behind Android’s growth. China accounted for a massive 41 percent of all Android sales in the last quarter, up seven percent from a year ago, helped by sales of Coolpad and Xiaomi smartphones. Unfortunately for Google, the majority of Chinese Android devices do not utilize the Play Store and run customized builds of its open-source operating system. In October, analyst Benedict Evans suggested just 6 percent of Chinese app installs were made via Google’s app marketplace, helping add some balance to Google’s mobile dominance.

Dass sich Android auch in China ausbreiten kann, ist dank des Open-Source-Ansatzes möglich. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass Google, dessen Apps in China nicht erlaubt sind, nicht direkt von dieser Verbreitung profitiert.

Google profitiert natürlich indirekt davon. Denn die Verbreitung billigster Smartphones mit googlefreiem Android stellt sicher, dass sich im großen chinesischen Markt kein anderes mobiles Betriebssystem ausbreiten und von da die mobile Welt erobern kann.

Kein Gewinn für Google also, aber ein Burggraben. Strategisch ist das sehr viel wert.

Project Ara: Motorola plant modulare Smartphones

Motorola hat ein spannendes neues Projekt vorgestellt, das modulare Smartphones erlauben soll.

The Verge:

Motorola has unveiled Project Ara, an open-source initiative for modular smartphones with the goal to "do for hardware what the Android platform has done for software." The company plans to create an ecosystem that can support third-party hardware development for individual phone components — in other words, you could upgrade your phone’s processor, display, and more by shopping at different vendors.
[..]
The modules "can be anything," says Motorola, giving examples ranging from a new keyboard or battery to more unusual components such as a pulse oximeter.

to "do for hardware what the Android platform has done for software." – Also mit Open Source die Hersteller zur eigenen Plattform locken und dann, wenn die Netzwerkeffekte wirken, mit Zusatzfeatures und Verträgen knebeln und knechten?

Etwas ernster: Der Plan der Google-Tochter Motorola erinnert natürlich an PCs und den IBM-Standard. Ich bezweifle, dass dieses modulare System jemals die Mehrheit des Marktes einnehmen wird. Zu groß sind die Vorteile einer geschlosssenen Hardware, die nicht auf Standards und Schnittstellen achten muss, wenn Leichtigkeit, Leistung, Größe und Laufzeit gleichzeitig so wichtig sind wie bei Smartphones.

Aber dieses Projekt könnte (Android-)Smartphones in interessante neue Bereiche bringen. Besonders im B2B-Bereich, wo spezielle Komponenten die Nutzungspotentiale erweitern können, stecken einige Chancen für ein solches Vorhaben.

Wichtiger als jemals zuvor ist es besonders hier, Smartphones nicht als Telefone sondern als Taschencomputer wahrzunehmen.

Das unter anderem von Union Square Ventures finanzierte Startup Bug Labs hat einige Jahre vor dem Wechsel der Strategie ebenfalls versucht, eine Plattform modularer Hardware zu etablieren. Erfolglos. Allerdings hat sich das Umfeld in den letzten Jahren stark gewandelt und besonders Android als Softwarebasis ist recht vielversprechend für einen erneuten Anlauf. Außerdem bringt Motorola als Google-Tochter nicht nur Ressourcen sondern auch Knowhow als Hardwarehersteller mit.

Ebenfalls interessant: Die Google-Tochter positioniert sich auf diesen Weg möglicherweise so, dass sie nicht direkt mit Herstellern herrkömmlicher Android-Smartphones konkurriert. Das ist nicht zu unterschätzen, wenn man bedenkt, dass die Hardwarehersteller angesichts eines Plattformproviders mit eigener Hardwaresparte zur recht nervös werden können. Rundum also spannende News für die Android-Plattform.

Man sollte Project Ara im Auge behalten.

Die offizielle Ankündigung von Project Ara findet man hier.

Globaler Tabletmarkt: iPads und Android-Tablets erledigen unterschiedliche Aufgaben

Der Analyst Benedict Evans hat den globalen Tablet-Markt seinen Berechnungen folgend aufgeschlüsselt:

Tabletmarktaufteilung

Wie immer fehlen naturgemäß die Zahlen von Amazons Kindle Fire.

Aber drei Aspekte sind trotzdem interessant:

1. Der sinkende Anteil des iPads bei den Neuverkäufen.

2. Die steigenden Verkaufszahlen der ‚nicht aktivierten‘ Android-Geräte, also extrem günstige Android-Tablets, die ohne Google-Apps kommen. (Sprich: China.)

3. Die marginalen Verkaufszahlen des Nexus.

Vor allem (3) ist interessant, weil Google mit dem Nexus 7 und 10 gut verbaute Tablets zu sehr niedrigen Preisen verkauft. Im Gegensatz zu den anderen Android-Geräten bringt das Nexus auch ein reines, nicht mit Hersteller-Apps und eigenen Oberflächen verstopftes Android mit.

Aber anscheinend interessiert das die potenziellen Käufer nicht. Warum? Und, daran anschließend, warum verkaufen sich extrem billige Android-Tablets so gut?

Zum einen sind die Nutzungsszenarien bei iPads weitreichender als bei Android-Tablets. Dank der vielzahligen Apps stellt sich für jeden, der sich auf die ‚Post-PC-Ära‘ einlassen möchte, gar nicht die Frage ob es ein iPad werden soll oder nicht. Das heißt außerdem, dass ein leicht besseres Android-Tablet wie die Nexus-Reihe keinen ausreichenden Mehrwert für eventuelle Käufer bietet. (Das erklärt auch die große Preisdifferenz zwischen iPad Mini und Nexus 7. Sie konkurrieren dank der unterschiedlichen Ökosysteme nur bedingt miteinander.)

Zum anderen werden die extrem günstigen Tablets für wenige Aufgaben genutzt: Web, Video. Benedict Evans Vermutungen:

But there’s also another proposition, a $75-$150 black generic Chinese Android tablet, half the price of a Nexus 7. That proposition is also selling in huge numbers, but it appears to come with a very different type of use. 

Why are people buying these? What are they being used for? They’re mostly in China (that’s the pink bar above) and emerging markets and in lower income groups in the west. And it seems that they’re being used for a little bit of web, and a  bit of free gaming. Perhaps some book reading. And a LOT of video consumption. In fact, one might argue that for many buyers, these compete with TVs, not iPads, Nexuses and Tabs. But regardless of what they’re being used for, they’re not being used the way iPads are used. In effect, they are the featurephones of tablets. 

If this theory is correct, it suggests that Apple’s $300 Mini really isn’t a competitive problem, because the iPad doesn’t yet face a strong competitive threat (quite unlike the iPhone). Rather, there are actually two quite different markets: the post-PC vision, where Apple is dominant, and a ultra-low margin product that’s also called a tablet but which is really a totally different product. 

(Hervorhebung von mir.)

Evans’ Fazit: Diese Tablets sind praktisch die Featurephones unter den Tablets.

Die entscheidende Schlussfolgerung in meinen Augen, die Evans nicht zieht oder zumindest nicht ausspricht: Das bedeutet am Ende, dass diejenigen, die heute Android-Tablets kaufen kaum eine Bindung an die Plattform entwickeln. Vor allem ganz im Gegensatz zu den Nutzern von iPads.

Das ist zwar ein gutes Zeichen für Apple. Aber es ist vor allem ein sehr gutes Zeichen für andere Plattformprovider. Es bedeutet nämlich, dass die Felle auf dem Tablet-Markt noch nicht einmal bei den heutigen Käufern, also denen, die sich schon mit dem Formfaktor angefreundet haben, verteilt sind.

Gute Nachrichten für Windows, Firefox OS, Ubuntu Touch, Kindle Fire und wer noch alles kommen mag.

Wie Google Android verschließt und Hersteller knebelt

Wir wissen seit mindestens 2010, dass Google bei Android mit den eigenen Apps (GMail, Maps) und dem Zugang zum eigenen Appstore die Kontrolle über Android sicherstellt. Google geht aber mittlerweile sehr viel weiter. Die Frage, die sich Google stellt, nachdem Android Marktführer bei Smartphones geworden ist, lautet: Wie kann man bei einem Open-Source-Projekt die Kontrolle (zurück) erhalten?

Die Antwort liefert dieser aufschlussreiche Artikel auf Ars Technica. Ein paar Auszüge:

1. Google macht immer mehr Teile von Android Closed Source:

Less open source code means more work for Google’s competitors. While you can’t kill an open source app, you can turn it into abandonware by moving all continuing development to a closed source model. Just about any time Google rebrands an app or releases a new piece of Android onto the Play Store, it’s a sign that the source has been closed and the AOSP version is dead.

Zu diesen Apps zählen mittlerweile Search, Music, Calendar, Keyboard und Camera.

Jedes Unternehmen, das wie Amazon, Android forken will, wird es damit zunehmend schwer gemacht.

2. Google verbietet Mitgliedern der Open Handset Alliance (OHA), Android zu forken oder für andere Unternehmen Geräte mit geforktem Android zu bauen.

Gmail, Maps, Google Now, Hangouts, YouTube, and the Play Store. These are Android’s killer apps, and the big (and small) manufacturers want these apps on their phones. Since these apps are not open source, they need to be licensed from Google. It is at this point that you start picturing a scene out of The Godfather, because these apps aren’t going to come without some requirements attached.

While it might not be an official requirement, being granted a Google apps license will go a whole lot easier if you join the Open Handset Alliance. The OHA is a group of companies committed to Android—Google’s Android—and members are contractually prohibited from building non-Google approved devices. That’s right, joining the OHA requires a company to sign its life away and promise to not build a device that runs a competing Android fork.

Acer, das Geräte mit Alibaba’s Aliyun OS bauen wollte, wurde von Google zurückgepfiffen.

Das dürfte erklären, warum das Kindle Fire von Amazon nicht die beste Hardware hat. Amazon ist schlicht extrem eingeschränkt bei der Auswahl der Hersteller, mit denen es zusammenarbeiten kann:

Since the Kindle OS counts as an incompatible version of Android, no major OEM is allowed to produce the Kindle Fire for Amazon. So when Amazon goes shopping for a manufacturer for its next tablet, it has to immediately cross Acer, Asus, Dell, Foxconn, Fujitsu, HTC, Huawei, Kyocera, Lenovo, LG, Motorola, NEC, Samsung, Sharp, Sony, Toshiba, and ZTE off the list. Currently, Amazon contracts Kindle manufacturing out to Quanta Computer, a company primarily known for making laptops. Amazon probably doesn’t have many other choices.

3. Friss oder stirb. Hersteller müssen alle Google Apps aufnehmen und können nicht einzelne auslassen. Das ist besonders wichtig, weil Google die Daten der Android-Nutzer zur Auswertung benötigt.

Another point of control is that the Google apps are all licensed as a single bundle. So if you want Gmail and Maps, you also need to take Google Play Services, Google+, and whatever else Google feels like adding to the package. A company called Skyhook found this out the hard way when it tried to develop a competing location service for Android. Switching to Skyhook’s service meant Google would not be able to collect location data from users. This was bad for Google, so Skyhook was declared “incompatible.” OEMs that wanted the Google Apps were not allowed to use them. Skyhook sued, and the lawsuit is still pending.

4. Google stellt den Android-APIs bessere Google-Play-APIs gegenüber, um so Android-Entwickler abhängig von Google zu machen. Die gewünschte Folge: Inkompatibilität von Apps über potenzielle Android-Forks hinweg.

Taking the Android app ecosystem from Google seems easy: just get your own app store up and running, convince developers to upload their apps to it, and you’re on your way. But the Google APIs that ship with Play Services are out to stop this by convincing developers to weave dependence on Google into their apps. Google’s strategy with Google Play Services is to turn the “Android App Ecosystem” into the “Google Play Ecosystem” by making a developer’s life as easy as possible on a Google-approved device—and as difficult as possible on a non-Google-approved device.

Hinzu kommt, dass Applikationen in Android auf die Maps-API zugreifen können. Ein Fork wie das von Amazon braucht nicht nur eigene Maps sondern auch eine kompatible Maps-API, um es den Entwicklern der Apps so einfach wie möglich zu machen. (Oder anders: Um Kompatibilität so weit wie möglich aufrecht zu erhalten.)

Der Artikel auf Ars Technica zählt weitere Aspekte des Abschottens auf.

Besonders perfide-genial ist auch die Unterstützung der Google-APIs für iOS-Apps. App-Entwickler erlangen so die maximale Reichweite der zwei größten mobilen Betriebsysteme. Attraktiver könnte es nicht sein:

The borderline-evil-genius part of Google’s strategy is that 90 percent of the Google APIs are also supported on iOS. Now, put yourself in the shoes of a developer deciding whether or not to use Google’s APIs: many of Google’s solutions offer best-in-class usability, functionality, and ease-of-implementation. Google supports both major mobile platforms, so it will cover a very high percentage of your potential user base. The only bad part is that it won’t work with an Android fork, but any AOSP fork is going to be a tiny sliver of your possible target devices.

Fazit

Android ist nicht offen.

Zumindest nicht so, wie man sich das landläufig vorstellt.

Die Abhängigkeit der Hersteller gegenüber Google könnte größer nicht sein.

Das heißt natürlich, dass Alternativen wie Windows Phone, Firefox OS und Ubuntu Touch attraktiv werden. Und das schlicht weil Android-Forks nicht parallel zum Android-Tagesgeschäft etabliert werden dürfen. Denn in dem Moment, in dem ein Hersteller beginnt, mit einem Fork auf dem Markt zu experimentieren, fliegt er aus dem Androidlager heraus. Das ist auch der Grund, warum Samsung neben seinem Android-Portfolio an dem mobilen OS Tizen arbeitet und nicht an einem Android-Fork. Und deshalb glaube ich auch, dass wir neben Amazons Kindle Fire wohl kaum weitere Forks von Android sehen werden. (Was gute Nachrichten für Amazon sind.)

Diese schrittweise Entwicklung ist eine bemerkenswerte strategische Leistung von Google, das auf diesen Weg den mobilen Sektor, eine komplette Industrie, fest kontrolliert.

Es ist aber auch ein Spiel mit dem Feuer. Denn wenn mit Android-Hardware Geld zu verdienen wäre, wäre das alles kein so großes Problem für die Hersteller. But alas, mit Android macht von den Smartphoneherstellern allein Samsung Profit..

“Facebook Home” ist eine tiefe Integration in Android und damit eine Art “Facebook Inside”

“Today we are going to talk about how to turn your Android phone into a great social device.” – Mark Zuckerberg

Facebooks mobile Strategie ist passgenau auf die Ausgangssituation von Facebook als weltweit größtes Social Network ausgelegt und damit, im Rückblick, geradezu offensichtlich. Facebook ist die soziale Schicht und legt sich mit “Facebook Home” als soziale Schicht, als der Klebstoff, der OS, Apps und Inhalte zusammenhält, tief in das Android-OS. Facebook will tief integriert sein.

“We are not building a phone, we are not building an operating system.” – Mark Zuckerberg

“Facebook Home” ist Facebooks Integration in den Lockscreen und Homescreen des Android-Geräts. Besonders Facebooks Messaging wird mit ”Facebook Home” tief in das OS integriert.

Facebooks mobile Strategie ist genial. Android muss für diese tiefe Integration nicht geforkt werden. Das stellt sicher, dass “Facebook Home”, nicht zuletzt dank der schieren Größe von Facebook, von nahezu allen Android-Hardwareherstellern bald von Haus aus integriert werden wird oder zumindest als einfach aktivierbare Alternative für User bereit liegen wird. Zuckerberg hat bereits auf dem Launch-Event bekanntgegeben, wie ihnen Hardwarehersteller die Bude einrennen. Auch das nicht überraschend.

Selbst wenn das nicht passieren wird: “Facebook Home” wird über Google Play wie jede andere Android-App verfügbar sein. (Natürlich nicht gleich für alle Geräte, sondern zunächst nur für eine Handvoll Smartphones verfügbar.)

Das erste Facebookphone ist das auf dem Launch-Event vorgestellte HTC First. Es hat Facebook Home bereits vorinstalliert und ist dafür ‘optimiert’. Wir werden künftig sehr viel mehr in dieser Richtung sehen.

Facebooks Strategie dürfte damit künftig stark in Richtung dessen gehen, was Intel seinerzeit mit ”Intel Inside” erfolgreich etabliert hat. Schaut man sich die herstelleragnostische Position im Stack bei beiden Unternehmen an, sieht man leicht die Analogien. (Horace Dediu hatte diesen Vergleich vor ein paar Tagen im Critical-Path-Podcast gemacht und der Vergleich passt recht gut.)

Facebook will nicht mit Smartphoneherstellern konkurrieren, sondern auf allen mobilen Plattformen vertreten sein und alle Aufgaben übernehmen, die ‘social’ sind. Mit Smartphoneherstellern oder OS-Anbietern direkt zu konkurrieren, würde dieser mobilen Omnipräsenz entgegenwirken. Stattdessen bekommt Facebook mit “Facebook Home” zumindest theoretisch alles, was es mobil will, ohne aktuelle (Hallo, Apple) und künftige Partner vor den Kopf zu stoßen. (Oder sich zu verheben.)

“Facebook Home” wird damit also aller Voraussicht auch, sobald es auf Tablets verfügbar ist, auch im Appstore von Amazon auftauchen. (Wenn Amazon nichts dagegen haben sollte. Aber ich sehe aktuell nicht, wie Amazon sich dem entgegen stellen könnte, ohne das Kindle Fire gegenüber anderen Android-Tablets schlechter zu stellen. Nochmal: Facebooks Größe sorgt für einen Nachfragesog für “Facebook Home”.)

“Facebook Home” ist außerdem ausgesprochen hübsch geraten. Das  hilft “Facebook Home”, das auch eine Art Android-Skin komplett mit Applauncher ist, enorm im nicht gerade für Schönheit bekannten Androidland.

Facebook dürfte damit nebenbei auch den Messaging-Markt auf Android zu einem Großteil abtöten. The Verge über die Messaging-Integration:

You have a Chat head listed horizontally for each notification. It switches between SMS and Facebook Messenger fairly seamlessly, like iMessage.

In einigen Monaten soll “Facebook Home” auch für (Android-)Tablets kommen.

Bisherige Artikel über ein Facebook-Phone:

Amazon Kindle Fire ist aktuell das populärste Android-Tablet

TechCrunch über eine Studie von der Appanalytics-Firma Localytics:

The U.S. is Amazon’s first and main market for the Kindle Fire, with Amazon only starting to roll out the tablets to other markets towards the end of 2012 (first in the UK market), around a year after launching in the U.S.

That means that some 89% of Amazon’s tablets “live in America, with most of the rest in Great Britain,” writes Localytics’ Daniel Ruby. “After those two, no other country has even one percent of worldwide Kindle Fires.”

In the rest of the world, however, the Android tablet game is Samsung’s to lose. Ruby tells me that the Korean device maker’s Galaxy line accounts for 76% of all Android tablet usage across non-U.S. markets. Nexus 7 came in second at 15%, and Kindle Fire’s global share is just 9%.

Localytics notes that if Amazon manages to work out its international distribution, then “their U.S. success suggests they could quickly dominate the Android tablet market worldwide.”

Da das Kindle Fire mit einem geforkten Android läuft, fehlt nicht nur Google Play, Googles Äquivalent zu Apples iTunes, auf den Geräten. Die Amazontablets zählen auch nicht in die offiziellen Zahlen von Google hinein. Das ist insofern wichtig, als dass Amazon nur das erste Unternehmen auf diesem Weg war, dem weitere (Facebook?) folgen werden.

Mit dem (vorhersehbar gewesenen) zumindest anfänglichen Erfolg des Kindle Fire könnte vielen Beobachtern im Laufe des Jahres dämmern, dass Android kein herkömmliches Betriebssystem, sondern eine andere Art Plattform ist.

Etwas, das ich Ende 2011 beschrieben hatte:

Das zugrunde liegende Android könnte dann eine immer unbedeutendere Rolle spielen. So wie die Tatsache für Enduser kaum eine Rolle spielt, dass Android wiederum selbst auf Linux basiert.

Niemand argumentiert, dass es schlecht für die Linux-Fragmentierung ist, dass Google Android (gekauft und) entwickelt hat. Ebenso findet es auch niemand schlimm, dass Linux auch die Grundlage für WebOS und Chrome OS ist.

Genau das Gleiche könnte Android selbst basieren: Die Basis für Tablets werden. Der kleinste gemeinsame Nenner. Mit immer weniger werdenden Kompatibilitäten unter den Android-Abwandlungen.

 

Wenn Google nicht aufpasst, wird Android Samsung oder Samsung Android

Roger McNamee, VC bei Elevation Partners, via AllThingsD, legt den Finger in die Google-Wunde:

“I watch what they have done with Android and I’m flabbergasted because their market share in units is so high but look at the profit share,” McNamee said. “Apple’s profit share is 75 or 80 percent because Android has been managed essentially to make it a profitless prosperity. Right now, if Google is not careful, Android will be Samsung or Samsung will be Android.”

Samsung ist neben Apple das einzige Unternehmen, das aktuell am Smartphonemarkt nennenswerte Profite vorweisen kann. Google macht nur sehr geringe Einnahmen mit Android. (Das ist einer der Gründe, warum trotz der wachsenden Marktanteile von Android der Aktienpreis von Google sehr viel geringer gewachsen ist als der Preis der Apple-Aktie zur gleichen Zeit.)

Sehr wahrscheinlich macht Google sogar mehr Geld mit mobilen Anzeigen, die auf iOS ausgeliefert werden, als mit mobilen Anzeigen über Android, weil letzteres sehr viel weniger zur Webnutzung herangezogen wird als iOS.

Toys ‘R’ Us bringt eigenes Android-Tablet heraus

Toys ‘R’ Us bringt ein eigenes, auf Android basierendes Tablet für Kinder heraus.

Dem Spielehändler geht es nicht sonderlich gut. WSJ.com:

The business has been under stress in recent years. U.S. toy sales fell 2% last year to $21.2 billion, a decline that the industry attributed to the weak economic recovery, a dearth of “must have” toys and children’s increasing preference for digital playthings.

Toys “R” Us has struggled with price competition that has contributed to two years of profit declines while its annual sales of roughly $14 billion have remained relatively flat. Last week, the company said second-quarter sales at U.S. stores open at least a year dropped 3.4% and its loss for the quarter widened to $36 million from $34 million a year earlier.

‘Auf Android basierend’ heißt auch in diesem Fall mehr Kindle Fire als Galaxy. Also kein offizielles Google-Android sondern eine angepasste Version. Sollte Toys ‘R’ Us also mit dem Tablet erfolgreich sein, wird es trotzdem nicht bei den offiziellen Androidbekanntgaben von Google erscheinen.

Interessant ist natürlich, dass immer mehr Unternehmen, denen eigentlich die Kompetenzen in diesem Feld fehlen, in das Hardwaregeschäft eintreten. Amazon fällt einem hier etwa auch ein. Vielleicht sind die Markteintrittshürden dank (relativ) lizenzfreiem Betriebssystem und geringer Hardwareanforderungen plus bestehender Produktionszulieferer (Foxconn etc.) niedrig genug, um mehr und mehr in dieser Richtung zu sehen. Zumindest Amazon scheint seine Bemühungen zu verstärken, wenn man sich die Jobausschreibungen anschaut.

Der Vorteil von Toys ‘R’ Us auf dem Tabletmarkt ist natürlich ein ähnlicher wie bei Amazon: Im Gegensatz zu ihren Android-Konkurrenten haben sie bereits einen Absatzkanal im Haus.

Das ist kein Erfolgsgarant. Aber gerade für den heutigen Tabletmarkt ist das ein kaum zu unterschätzender Vorteil.

Verbreitung von iOS and Android drei mal schneller als jene von Social Networks

Der Appanalytics-Anbieter Flurry: iOS and Android Adoption Explodes Internationally:

The rate of iOS and Android device adoption has surpassed that of any consumer technology in history.  Compared to recent technologies, smart device adoption is being adopted 10X faster than that of the 80s PC revolution, 2X faster than that of 90s Internet Boom and 3X faster than that of recent social network adoption.  Five years into the smart device growth curve, expansion of this new technology is rapidly expanding beyond early adopter markets such as such as North America and Western Europe, creating a true worldwide addressable market.  Overall, Flurry estimates that there were over 640 million iOS and Android devices in use during the month of July 2012.

Drei mal schnellere Adoption als bei Social Networks. Das dürfte die kommende Bedeutung der Taschencomputer deutlich machen.

In Deutschland existieren aktuell 19 Millionen aktive iOS- und Android-Geräte laut Flurry.

(Vorausgesetzt natürlich, dass die Zahlen von Flurry korrekt sind. Ein Dienstleister für App-Anbieter hat ein natürliches Interesse daran, die Welt der Apps so gut wie möglich aussehen zu lassen.)

Samsung praktisch einziger Profiteur von Android

Horace Dediu auf asymco:

Also noteworthy is that almost all the value from the Android ecosystem is concentrated in Samsung. I did not include Google in this analysis since its mobile is so small as to be not visible in its accounting. A separate analysis of Android economics shows that Google’s benefit from the platform is modest. In contrast, Samsung, and Samsung alone, is benefitting greatly. It could even be said that today Samsung is the only Android profit engine.

Android bleibt ein eigenartiges Biest, dessen Zukunft mehr als ungewiss ist. (Eine Analyse folgt, sobald ich die Zeit und Muße dafür aufbringen kann.)

Die Mobilbranche wird währenddessen dominiert von zwei Riesen. Dediu:

In absolute terms the iPhone franchise created $244 billion in value while Samsung created $83 billion. The others destroyed $37 billion.

 

Google Nexus 7 wird so günstig sein, weil Google damit keinen Gewinn macht

Das Google Nexus 7, Googles eigenes, diese Woche auf der Google I/O vorgestellte, von Asus produzierte Android-Tablet, wird über Google Play, dem Onlinestore des Suchgiganten, zum Break Even Point verkauft. Also noch einmal im Klartext: Zumindest Google wird keinen Gewinn mit dem Verkauf des Tablets machen.

AllThingsD:

One way the companies managed that is through razor-thin margins. Google is selling the device through its Google Play store, essentially at cost, and also absorbing the marketing costs associated with the device.

“When it gets sold through the Play store, there’s no margin,” Rubin said. “It just basically gets (sold) through.”

Klassische Catch-up-Strategie, die üblich für zweiseitige Märkte ist. Da der Tabletmarkt essentiell ein Plattformmarkt ist, ist er auch ein zweiseitiger Markt.

Google geht mit dem Nexus 7 also den Weg, den man etwa schon von Spielkonsolen kennt. Microsoft verkaufte sein Xbox jahrelang gar unter Kosten also verlustbringend, um Marktanteile aufzubauen. Konsolenhersteller verdienen ihr Geld anschließend mit selbst produzierten Spielen und mit den Lizenzzahlungen von Spieleherstellern.

Die Frage ist, ob für Google über Google Play und mobile Werbung genügend Spielraum vorhanden ist, um ähnlich gut über die dann auf der Plattform verkauften Güter zu verdienen. Die aktuelle Entwicklung spricht eher dagegen.

John Gruber über die Hardwarpartner von Google:

That must be music to the ears of Sony, Samsung, Acer, HTC, and anyone else trying to sell Android tablets for, you know, a profit. Where by “music to the ears” I mean “a shit sandwich”.

Google hatte keine andere Wahl, um gegen Apple Land auf dem Tabletmarkt zu gewinnen. Aber Google vergrault damit natürlich die Hardwarpartner, für die der Androidtabletmarkt bereits vorher nicht sehr attraktiv war.

In einer Plattformwelt bist du besser ein Plattformprovider.

Smartphone von Facebook soll 2013 kommen

Das Gerücht eines kommenden Smartphones von Facebook hat sich weiter verdichtet. Die New York Times berichtet, dass laut Aussagen von Facebook-Mitarbeitern und Personen, welche für das Projekt von Facebook angeworben werden sollten, Facebook 2013 ein eigenes Smartphone herausbringen will.

Nick Bilton für New York Times:

Employees of Facebook and several engineers who have been sought out by recruiters there, as well as people briefed on Facebook’s plans, say the company hopes to release its own smartphone by next year. These people spoke only on the condition of anonymity for fear of jeopardizing their employment or relationships with Facebook.

The company has already hired more than half a dozen former Apple software and hardware engineers who worked on the iPhone, and one who worked on the iPad, the employees and those briefed on the plans said.

Fraglich bleibt, wie tief Facebook in die Hardware einsteigen wird. Laut New York Times scheint Facebook auch auf der Hardwareseite mitmischen zu wollen:

Now, the company has been going deeper into the process, by expanding the group working on Buffy, and exploring other smartphone projects too, creating a team of seasoned hardware engineers who have built the devices before.

One engineer who formerly worked at Apple and worked on the iPhone said he had met with Mark Zuckerberg, Facebook’s chief executive, who then peppered him with questions about the inner workings of smartphones. It did not sound like idle intellectual curiosity, the engineer said; Mr. Zuckerberg asked about intricate details, including the types of chips used, he said. Another former Apple hardware engineer was recruited by a Facebook executive and was told about the company’s hardware explorations.

Man sollte das allerdings nicht überbewerten. Facebook ist kein Hardwarehersteller und sie werden mit ihrer Firmenkultur und ihren Kernkompetenzen nicht von heute auf morgen eine vertikale Integration a la Apple ausführen können. Egal, wie viele Ingeneure eingestellt werden.

Und diese Integration ist auch nicht zwingend nötig. Realistischer erscheint dagegen, dass Facebook eng mit Partnern auf der Hardwareseite zusammenarbeiten will. Die Partner würden dann zwar den Hauptteil auf Hardwareseite stemmen, aber Facebook selbst will ebenfalls mit einem Hands-on-Ansatz mitreden können. Das deutet auf eine, wenn auch nur zeitlich beschränkte, exklusive Partnerschaft hin.

Ein komplett eigenes Hardwareprojekt erscheint dagegen vollkommen unrealistisch.

Damit fällt dann auch ein Großteil der Gründe für die Skepsis vieler, wie etwa Henry Blodget von Business Insider, wieder weg.

Wenn Facebook die Sache richtig angeht, arbeiten sie mit nach Distinktion und damit hoffentlich kommenden Profiten dürstenden, von Android ausgezerrten Herstellern wie HTC zusammen. Diese dürften für Facebook einige Hebel in Bewegung setzen. Eine Partnerschaft zwischen HTC und Facebook wird bereits nachgesagt.

Zusätzlich wird Facebook aller Voraussicht nach wie Amazon beim Kindle Fire auf einen Android-Fork setzen. Wie Amazon hätte auch Facebook gute Gründe dafür: Android ist bereits ein ausgewachsenes, modernes mobiles Betriebssystem. Es ist Open Source. Es entwickeln bereits viele Anbieter Apps für die Plattform.

Egal wie tief Facebook sich in das OS integriert, die Android-Apps werden ohne große Probleme auf dem Smartphone laufen. Gleichzeitig existieren viele Hardwarehersteller, die bereits Erfahrungen mit Android gesammelt haben.

Facebooks Integration, und damit Mehrwert, liegt dann in der Vernetzung die noch oben drauf kommt. Und die ist, wie bereits ausgeführt, dann ein potentiell großer Hebel, um die App-Entwickler für die Plattform zu erwärmen.

Was passiert mit den Facebook-Apps auf iOS, Android und Windows Phone, wenn Facebook auf Plattformebene mit  Apple, Google und Microsoft direkt konkurriert? Nicht viel. Facebook ist zu populär, um dessen Apps zu beschränken oder gar auszusperren ohne der eigenen Plattform massiv zu schaden. Viel interessanter ist, was nicht passieren wird und das kann man bereits bei iOS sehen: Dort ist Twitter in das System integriert, Facebook nicht. Die anderen Plattformprovider könnten also bei ihren sozialen Komponenten auf Systemebene, die ebenfalls zweifellos kommen werden, Facebook eher hinten anstellen. Die Gewinner könnten damit zum Beispiel Twitter, LinkedIn und Tumblr sein.

Und dann wäre da noch das  Gerücht, Facebook wolle Opera, welche auch einen populären mobilen Browser anbieten, übernehmen.

Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. In Sachen Facebookphone lässt sich der Rauch nicht mehr übersehen.

Siehe zum Thema Smartphone von Facebook auch:

Warum Google Mobilfunkbetreiber an den Einnahmen über Android beteiligt

Follow the money: Wenn wir einbeziehen, dass Google Hardwarehersteller und Mobilfunkbetreiber am Umsatz der mobilen Suchen auf Android, also an Googles eigenem Android-Umsatz beteiligt, zeichnet sich ein sehr viel klareres Bild vom mobilen OS-Markt und Android im Speziellen. 

Wie attraktiv Android für Telefonhersteller und Mobilnetzbetreiber noch vor zwei, drei Jahren gewirkt haben muss:

Hier ist die Antwort auf das iPhone. Sie kommt von Google, einem großen Unternehmen, ihr bekommt also Planungssicherheit. Wir machen das OS Open Source. Ihr könnt es also anpassen und müsst keine Lizenzen zahlen. Noch besser! Wenn Ihr die offizielle Google-Version von Android benutzt, müsst Ihr lediglich die Googledienste in Android beibehalten und Ihr erhaltet den Zugang zum Appstore und einen prozentualen Anteil an den Umsätzen, die wir mit der werbefinanzierten Suche über Android machen.

Das erklärt auch, warum es WebOS  unter anderem so schwer hatte: Obwohl es zwischenzeitig das mobile OS mit der besten User Experience war, fehlte dem OS neben den Apps auch der Hebel bei den Netzbetreibern. Die bewerben lieber ein Betriebssystem, bei dem sie noch zusätzlich mitverdienen können und, icing on the cake, das OS mit eigener Bloatware anpassen lassen können.

Apples Vorteil mit dem iPhone liegt im Nachfragesog bei den Endkunden. Der fehlte webOS und der fehlt noch Windows Phone.

Eine der vielen Fragen lautet nun, wie Microsoft auf diese Herausforderung antwortet. 

Google hat hier sehr clever die Geldflüsse auf einem mehrseitigen Markt entsprechend der Preissensitivitäten und der Machtgefälle positioniert. Mit open vs. closed hat das nur sehr am Rande etwas zu tun.

Google hat ein bemerkenswertes, komplexes Geschäftsmodell aufgebaut, das bisher vor allem an meines Erachtens zwei Umständen scheitert:

1. Die Einnahmen über bei mobilen Suchabfragen geschaltete Werbung ist bisher zu gering, um signifkante Werte zu schaffen.

2. Der Wettbewerb auf Hardwarseite ist in der Plattform zu groß, um dort bisher signifikante Profite zu ermöglichen.

Ersteres legt sich vielleicht über einen längeren Zeitraum. Letzteres ist direkt an die Architektur der Plattform gebunden.

Noch einmal: Google hat Motorola Mobility übernommen und könnte nun versuchen über den vertikal integrierten Weg, a la Apple, mehr Wert für sich aus der immensen Verbreitung der Plattform zu schlagen. Das lohnt sich für Google nicht nur aufgrund der höheren Margen, wenn sie eine attraktive Version anbieten, die anderen nicht bereitstünde, sondern auch weil hier die Traffic Acquisition Costs wegfallen. 

Für den Rest der Unternehmen im Ökosystem ist Android auch ohne dieses Szenario bereits nicht so attraktiv, wie es einst erscheinte.

Horace Dediu über die Zahlen:

Comparing revenue “run rates”, on a yearly basis Android is 2.5% of iPhone or 1.6% of iOS.

As various members of the Android ecosystem are rewarded from the 40% revenue share of Android, it would be important to consider the scales involved in these illustrations when considering the influence Google exerts. It could be argued that Google’s spreading of wealth from search creates strong incentives for participation in its ecosystem.

However, there is little wealth created. 40% of a little is a lot less.

Ein Windows Phone mag vielleicht trotz Lizenzzahlungen attraktiver erscheinen, weil die Plattform weniger interne Hardwarekonkurrenz besitzt, muss es aber nicht.

Was wäre aber mit anderen potentiellen Einsteigern in den Markt der Telefonbetriebssysteme wie Facebook oder Amazon?

Sie brauchen Anreize, um selbst den wen auch geringen Ausschüttungen von Google etwas entgegen zu setzen. Ihre Chance könnte gerade darin liegen, dass Googles Geschäftsmodellplay bisher nicht so aufgegangen ist wie geplant. Es ist aber alles andere als sicher.

Sicher ist dagegen, dass bei dem Androidschach die Endnutzer nicht die wichtigste Rolle spielen.

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Zusätzlich zu den Artikeln auf asymco ist zu dem Thema besonders die aktuelle Ausgabe des Podcasts “The Critical Path” mit Horace Dediu sehr empfehlenswert.

Weitere Artikel zum Thema:

 

Androidökonomie 102: Androiderlöse entsprechen 1,6% von iOS

In einem weiteren Artikel (siehe vorher: Einführung in Androidökonomie) geht Horace Dediu auf die Einkommensverteilung bei Android-Geräten für 2011 ein. (Der Gesamtkuchen beträgt 1,5 Milliarden US-Dollar.)

Da Google recht geheimniskrämerisch bei den Geschäftszahlen ist, basiert einiges davon auf Vermutungen.

The Android Income Statement | asymco:

Now we can calculate some of the more interesting figures. For example:

  • Android OEMs receive $0.76 on average per device per year
  • Android Operators receive $1.07 on average per device per year (including Play)
  • Android Developers, as a group, receive $1.94 per device per year (including Play and AdMob)
  • Google receives a contribution of $2.75 per device per year from Android

Again, these figures are very sensitive to the revenue per device (currently assumed to be $6.5).

Insgesamt, schreibt Dediu weiter in einem dritten Artikel, wird sehr wenig Wohlfahrt im Android-Ökosystem erwirtschaftet, besonders im Vergleich zu iPhone und iOS:

Comparing revenue “run rates”, on a yearly basis Android is 2.5% of iPhone or 1.6% of iOS.

As various members of the Android ecosystem are rewarded from the 40% revenue share of Android, it would be important to consider the scales involved in these illustrations when considering the influence Google exerts. It could be argued that Google’s spreading of wealth from search creates strong incentives for participation in its ecosystem.

However, there is little wealth created. 40% of a little is a lot less.

(Hervorhebungen von mir)

Angesichts dieser Zahlen wird auch deutlich, warum Google keine offiziellen Kennzahlen zu Android veröffentlicht. Offizielle Zahlen, die dieses Bild unterstützen, würden zu einer Shareholder-Revolte führen.

Denn strategisch mag Android zumindest kein Misserfolg sein, aber wenn es um konkrete Einnahmen geht, ist Android kein Flop sondern ein Desaster.

Vor diesem Hintergrund erscheint, noch einmal, die Übernahme von Motorola Mobility in einem anderen Licht. Es ging dabei nicht nur um Patente. Die Frage ist natürlich, ob Google erfolgreich mit dem übernommenen Unternehmen in die vertikale Integration einsteigen kann. Und, was weitaus wichtiger ist, welche Auswirkungen das auf die anderen Gerätehersteller im Android-Universum haben wird. Deren Zukunft sieht mit einem offiziellen Androidphone von Google noch schlechter aus.

Als hätten sie angesichts der Zahlen keine anderen Probleme.

Einführung in Androidökonomie

Android ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Ungefähr 370 Millionen Geräte sind bis heute aktiviert wurden. Google, der Plattformprovider, sollte an dieser populären Plattform viel verdienen, oder? Tatsächlich macht sich Androids ERfolg bis dato kaum bei Googles Zahlen bemerkbar. Warum?

Horace Dediu hat sich Android und die Ökonomie hinter der Plattform näher angeschaut.

Android economics: An introduction | asymco:

But it would make sense that having your own platform would be more economical because there would be none of these placement fees. In this sense Android is another “channel” for distribution of Search and AdSense. But one which may be a lot cheaper.

However, it turns out that it does not work that way. Android has other costs.

In fact, Android’s distribution costs might be higher than other channels. What we have to understand is that all of Google’s channel revenues have a “cost”. The revenue from a particular distributor of search results that Google generates is offset by the cost to acquire the terms. You can think of it as Google paying for the queries through a revenue sharing agreement. Google does not get search terms directly and depends on distribution. Overall, it pays about 50% of revenues back to distributors. In the case of its own web sites the rate might be lower, perhaps 40%.

Google even has a term for it: Traffic Acquisition Costs or TAC.

This revenue sharing in exchange for search terms extends to Android. Google pays about 40% TAC to Android distributors of those searches. But since Android is owned by Google, who does Google need to pay for traffic? Who is an Android distributor? Who gets the revenue share?

Google does not make a secret of it: network carriers and device vendors (OEMs) receive revenue share.

Google zahlt also für die Distribution der Suchmaschine, also für Distributionskanäle. Und tatsächlich ist auch Android einer dieser Distributionskanäle mit Kosten. Das überrascht. Warum macht Google das? Um Android, für das auch Lizenzen an Microsoft bei den Hardwareherstellern anfallen, für Gerätehersteller und Mobilfunkanbieter attraktiv zu halten?

Eigentlich wäre eine Zahlung an die Hardwarehersteller nicht nötig. Google bindet die Hardwarehersteller immerhin bereits an Konditionen, wenn sie auf ihren Geräten Zugang zu Google Play, dem offiziellen Appstore von Android, bereitstellen wollen.

Es wirft auch ein neues Licht auf die letztjährige Übernahme von Motorola Mobility und liefert weitere Gründe, warum Google sich in die Richtung eines vertikal integrierten Plattformangebots bewegt. Also genau da hin, wo Apple bereits ist.

webOS: Eine künftige Alternative für Tablet-Hersteller?

Der Open-Source-Ansatz von webOS scheint recht gut aufgesetzt zu sein und ist laut Ars Technica offener* als der von Android:

In terms of code availability and transparent development, the existing components of Open webOS are already more open than the AOSP [Android open source project]. Of course, there is still a lot more code to open. If HP follows through with its plan and brings more community members in on equal footing in both the PMCs and the committer pool, they can also achieve for Open webOS a much more inclusive and participatory development environment than the one that exists around the AOSP.

Another great aspect of the Open webOS development model is that the individual subprojects have been established with a broader mandate than merely perpetuating the webOS platform. Enyo and Isis, two key components of webOS that have already been opened, are being designed with portability in mind so that the projects will have broader applicability and can potentially be used in many other kinds of environments. This will help attract contributors and ensure that the projects stay relevant even if the webOS mobile platform fades away entirely.

Das Spannende an webOS als Open-Source-Betriebsystem liegt in der Tatsache, dass bis dato kein OS im Tabletsektor an Apples iOS herankommt. Android ist erstaunlich schwach, wenn es um Tablets geht. webOS hat bereits auf dem Smartphone einige Features mitgebracht, die auf dem Tablet noch viel besser zur Geltung kamen. Für einige Beispiele empfiehlt sich dieser ausführliche Blogbeitrag über webOS-Features, der aufzeigt, dass einige Konzepte von webOS sogar iOS haushoch überlegen sind.

Wir haben hier also ein Tablet-OS mit vielen guten Features. Wenn Hardwarehersteller mit Apple konkurrieren wollen und gleichzeitig weder Lizenzen an Microsoft für sein künftiges Tablet-OS Windows Metro bezahlen noch sich auf einen Preiskampf mit anderen Android-Herstellern – und vor allem Amazon – einlassen wollen, dann haben sie hiermit eine neue Option.

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*’offen’ und ‘geschlossen’ sind eigentlich irreführende Attribute. Es geht in Wahrheit um modulare und vertikal integrierte Plattformen.

 

Amazon Appstore vs. Android Market

Distimo:

Of all the applications that are available in both stores, 110 applications generated at least $200 each day in one of the stores during the last week of January. 42 of these applications generated more revenue in the Amazon Appstore than in Google Android Market. Of the total income these 110 applications generated in both stores, 28% was generated in the Amazon Appstore.

Scheint so, als tritt Amazons Kindle Fire den (erwartbaren) Marsch durch das Ökosystem von Android an. Wenn dieser Trend anhält, könnte Amazon bereits Ende 2012 der wichtigste Android-Player nach Google sein, der dann bereits anfängt, selbst dem Plattformprovider Google Konkurrenz zu machen.

Ubuntu for Android: Ein Gerät für Android unterwegs und Ubuntu zuhause

Android ubuntu 03

Interessante Richtung, die Canonical mit Ubuntu for Android geht. TechCrunch:

This is not an Ubuntu app running atop Android. Nor is it an all-Ubuntu device running an Android emulator. Rather, Ubuntu for Android it the full Ubuntu desktop running side-by-side with Android on a shared kernel that provides context appropriate access to all your content. When out and about, the phone operates as any other Android-powered phone; but when you slip the device into a dock connected to a monitor, keyboard and mouse you get the familiar Ubuntu desktop experience.

Nicht nur für Mobiltelefone sondern auch für Tablets, die größere Speichermöglichkeiten und längere Laufzeiten mitbringen, könnte das interessant sein. Ein Tablet/Smartphone unterwegs auf sich gestellt mit Android, zuhause der Rechner mit Ubuntu, bei dem das Tablet/Smartphone ‘nur’ die zentrale Recheneinheit ist.

Keine abwegige Idee. Besonders für den Mainstream (auf den die neue Unity-Oberfläche von Ubuntu eh abzielt) könnten damit alle Computerbedürfnisse gestillt werden.

Auch für den Enterprise-Sektor hat die Idee Potential:

The most immediate use case is enterprise users: people who carry a smartphone and a laptop. Ubuntu for Android would allow many mobile professionals to reduce to a single device.

Smartphone + Dock wäre auch eine Basis für eine SmartTV-Lösung. Letzten Endes geht es nur um anschließbare Monitore. Auch hier denkt Canonical mit:

Another neat trick: if you connect your Ubuntu for Android device to a television via HDMI you don’t get the Ubuntu desktop: you get the Ubuntu TV interface. You can browse media on your phone or access online content as you would with any Ubuntu TV appliance.

Nicht unwahrscheinlich, dass Google irgendwann eine ähnliche Strategie mit ChromeOS fahren wird. So oder so: Diese Richtung ist das erste Zeichen, dass Android vielleicht doch noch eine Zukunft als Tablet-OS haben könnte.

Wobei es fast noch interessanter wäre, wenn Canonical das nun offene, sehr viel tabletfreundlichere WebOS nimmt und es im mit Ubuntu im Bundle Tabletherstellern nahelegt.

Mit dem Beginn der Post-PC-Ära scheint Canonical mit seinem in der Linux-Nische erfolgreichen Ubuntu endlich einen Weg gefunden zu haben, erfolgreich in breitere Märkte gehen zu können. Noch gibt es keine offiziellen Hardwarepartner. Das dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.

Meine Prognose: Von Ubuntu werden wir bald öfter hören.

2012: Viren für Android

Im Schreckencrescendo auf dem ZDF-Blog Hyperland schreibt Andreas Winterer unter anderem:

Noch kommen Tablets und Smartphones kaum in den Malware-Schlagzeilen vor. Doch vor allem das boomende Google-Smartphone gilt den Experten als weithin leuchtende Zielscheibe. “2012 werden sich Computerkriminelle darauf konzentrieren, Malware für Android zu entwickeln”, glaubt denn auch der russische Viren-Guru Eugene Kaspersky. “Der Android Market wird mit wachsender Akzeptanz immer interessanter, wir erwarten daher eine wachsende Zahl von Schadprogrammen in App-Shops.”

Der erste Satz im Zitat ist amüsant: Das einzige Tablet mit nennenswerter Verbreitung ist das iPad. iPad und iPhone sind dank Sandbox-Prinzip von iOS und AppStore-Review durch Apple vor Malware so sicher wie es nur geht.

Das gilt für Android nicht. Deswegen ist Android auch angreifbarer und deswegen muss es für Android auch Antivirensoftware geben. Das ist der Preis für Offenheit bzw. Modularität des Systems.

Dass Antivirenhersteller über eine Zunahme von Viren reden, dürfte auf der anderen Seite aus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründen allerdings auch nicht verwundern.

Auch nicht schlecht:

Auch Lookout, Anbieter von Schutz-Tools für Mobilrechner, sieht bösartige Apps als Gefahr. Dort rechnet man vor allem mit fertigen Toolkits, mit denen Angreifer normale, harmlose Apps aus dem Market laden, mit Schadcode anreichern und das Ergebnis als unverdächtige Kopie eines namhaften Spiels einstellen können. Die Devise kann also nur lauten, noch vorsichtiger zu sein als bisher und nur Apps etablierter Anbieter auf sein Gerät zu laden.

Bei solchen Aussichten dürfte sich das Einnahmeverhältnis für Entwickler zwischen Android und iOS nicht so schnell ändern.