Über 100 der besten Antworten auf der Q&A-Plattform Quora als kostenfreies PDF-Buch

Die Q&A-Plattform Quora hat im Oktober letzten Jahres die 500 Top-User ermittelt und mit dem Abzeichen “Top Writer” ‘ausgezeichnet’.  Anschließend haben diese Nutzer als Dankeschön ein Buch mit über 100 der besten auf Quora abgegebenen Antworten erhalten. Nun hat Quora dieses Buch als kostenloses PDF zur Verfügung gestellt. 

The Next Web:

In the wake of this news, Quora subsequently announced that it would be sending its top writers a “Best of Quora 2010-2012 book”, to say thanks.

Now, Quora is making this book available to everyone as a free download.

The book covers more than one hundred of some of the best Quora responses, covering 18 categories, including food, education, international, law, life advice, literature, music and more. It’s 400 pages in total.

Das ist, ganz nebenbei, eine der Richtungen, in die sich die Buchbranche (oder, was zutreffender wäre, der Buchmarkt beziehungsweise das Buchsegment) entwickelt. Und es zeigt mehr als deutlich, wie sehr sich die Strukturen für Bücher und buchähnliche Produkte in Zukunft von den klassischen Buchverlagsstrukturen unterscheiden werden.

Kein Buchverlag der Welt könnte jemals ein solches Buch über seine klassischen Wege profitabel selbst erschaffen, weil die Selektion der Fragen, der Autoren und ihrer Antworten über die Plattform einer eigenen Dynamik folgen, die verlagsintern nicht imitiert werden kann. Und da reden wir noch nicht einmal darüber, dieses Buch als kostenfreies PDF anzubieten.

Dass dieses Buch ein Nebenprodukt ist, ist dabei eher Feature als Bug aufgrund des eben Genannten.

Der Downloadlink für das PDF: Best of Quora – 2010-2012

Intel vs. ARM

Coding Horror: Touch Laptops:

I think we’re beginning to uncover the edges of a world where lack of x86 compatibility is no longer the kiss of death it used to be. It’s unclear to me that Intel can ever reach equivalent performance per watt with ARM; Intel’s ultra-low-end Celeron 847 is twice as fast as the ARM A15, but it’s also 17 watts TDP. In a land of ARM chips that pull an absolute maximum of 4 watts at peak, slapping Intel Inside will instantly double the size and weight of your device – or halve its battery life, your choice. Intel’s been trying to turn the battleship, but with very limited success so far. Haswell, the successor to the Ivy Bridge CPUs in the Surface Pro and Yoga 13, only gets to 10 watts at idle. And Intel’s long neglected Atom line, thanks to years of institutional crippling to avoid cannibalizing Pentium sales, is poorly positioned to compete with ARM today.

Lehrbuchbeispiel für Disruption.

Neckermann-Insolvenz: Grabenkämpfe zwischen On- und Offlinern

Jochen Krisch auf Exciting Commerce über die Insolvenz von Neckermann: Wenn 1.000 Online-Jobs nichts zählen:

Was bei Neckermann passiert ist, ist durchaus symptomatisch für die Grabenkämpfe zwischen On- und Offlinern, die die (Versand-)Handelshäuser nun schon seit Jahren zermürben.

In aller Regel ziehen die Onliner den Kürzeren. Schon weil sie zahlenmäßig unterlegen sind. Aber auch, weil sie in den Traditionshäusern immer noch als Fremdkörper und Störenfriede wahrgenommen werden und es zudem nicht gewohnt sind, für ihre eigenen Belange auf die Barrikaden zu gehen.

Für Neckermann ist die Lage nun brenzlig. Wer will einen heruntergewirtschafteten Versender, dessen Belegschaft sich gerade selber disqualifiziert hat? Man hätte einem tradtionsreichen Versandhaus wie Neckermann einen rühmlicheren Abgang gewünscht. Aber das hätte man auch Quelle schon.

Wer sich ein bisschen mit Organisationskultur und disruptiven Prozessen beschäftigt, ist von diesen Vorgängern nicht sonderlich überrascht. Das macht es aber nicht weniger tragisch.

Applekiller

Michael Lopp über das Ende des iPod Mini, den Apple einstellte, obwohl er eine Cash Cow war:

Why kill a best-selling product? I think the reason, and, more importantly, an emerging Apple strategy, was announced as part of the keynote. [Steve Jobs] spent multiple slides showing off the Mini’s competition, and, not surprisingly, it looked a lot like the Mini. So rather than letting them catch up, he changed the game.

If there was ever a moment where Steve Jobs tipped his hand regarding what drives him, it was this moment.

Disruption der eigenen Produkte, selbst wenn sie extrem erfolgreich sind, ist in einem sich so schnell verändernden Markt wie dem aktuellen High-Tech-Konsumentensektor die einzige Chance, oben zu bleiben.

Apple ist (noch) das einzige Unternehmen, dem das in seiner letzten Konsequenz bewusst zu sein scheint und das entsprechend handelt.

Lopp:

How long can they keep it up? I don’t know, but I do know that Apple believes the future is invented by the people who don’t give a shit about the past.

(via)

Online-Handel wächst um 18% im ersten Quartal 2011

Obwohl Europa allgemein und Deutschland im besonderen auf der Plattformebene ‘schwächeln‘, um es vorsichtig auszudrücken, wächst natürlich die Nutzung des Internets in der Wirtschaft weiter stark an. Besonders anschaulich ist das aktuell im E-Commerce, der im ersten Quartal diesen Jahres um 18 Prozent gewachsen ist. Jochen Krisch auf Exciting Commerce: bvh-Zahlen 2012: Der Online-Handel wächst um 18% in Q1:

An seiner Prognose für 2012 hält der bvh fest und erwartet für das laufende Jahr weiter ein Wachstum von 7,2% von 34 Mrd. auf 36,5 Mrd. Euro. Auch unsere (ohnehin schon sehr vorsichtige) Fortschreibung der bvh-Zahlen (“Hockeystick-Senario 1.1″) bleibt somit zunächst unverändert:

Onlinehandel

Das hat natürlich mittlerweile spürbare Auswirkungen auf diejenigen im Einzelhandel, die im Internet nicht erfolgreich präsent sind. Jochen Krisch noch einmal:

2012 wird das Schicksalsjahr für eine ganze Reihe von Branchen – allen voran für den Versandhandel. Neckermann steht ohnehin weiter auf der Kippe. Aber auch die Otto-Gruppe hat 2011 eine bittere Bilanz gezogen und darf sich nun entscheiden, welche der darbenden Altversender über 2012 hinaus durchgefüttert werden.

Auch die Manager im Buchhandel und im Elektronikhandel geraten nun plötzlich ins Rotieren und tun nach Jahren selbstgefälliger Überheblichkeit gerade so, als ob das Internet erst gestern erfunden worden wäre und Amazon aus dem Nichts aufgetaucht wäre.

Das Faszinierende am Internet ist auch, dass es die Grundlage für die Disruption nicht einzelner Wirtschaftszweige sondern mehr oder weniger der gesamten Wirtschaft darstellt.

Parteistilwechsel

Marcel-André Casasola Merkle über den Unterschied der Piraten zu den anderen Parteien, der sich nicht nur bei den Inhalten sondern auch und gerade in den Prozessen bemerkbar macht:

Der Saarland-Wahlkampf 2012 hat gezeigt, wie sehr die gerade die Volksparteien noch den überkommenen Ritualen verhaftet sind. CDU und SPD haben die Wahl zwischen alternativen politischen Konzepten auf die Frage nach dem „sie“ oder „er“ eingedampft. Das spiegelt ihre innere Verfassung wieder. Politik von oben gibt es ja nicht nur im Verhältnis Politiker zu Bürger, sondern ist in den Parteien selbst fest verankert. Spitzenkandidaten in kleinen Zirkeln zu bestimmen, anstatt die Basis einzubeziehen, befremdet nicht, sondern gilt als besonders schlagkräftig. Wer aber innerparteilich rein strategisch und hierarchisch agiert, kann auch nach außen Beteiligung und Ehrlichkeit nicht glaubhaft kommunizieren.

Die Parteien müssen sich künftig damit auseinandersetzen, dass die Wähler sich in zwei Gruppen spalten. Mit unvereinbaren Erwartungen. Zur Schau getragene Führungsstärke wird noch eine ganze Weile belohnt werden. Aber einen wachsenden Teil der Wähler erreicht man damit in Zukunft nicht mehr.

Die Bekenntnis zur Basisdemokratie ist nicht neu. Die Grünen sind seinerzeit mit dem gleichen Anspruch angetreten. Sascha Lobo auf Spiegel Online:

Ein Grund für den Erfolg der Piraten ist nämlich nicht nur die Netzpolitik – sondern auch die Art, wie Politik stattfindet: prozessual, vernetzt, dauerdemokratisch. Mit allen Tücken, die diese nervenzehrende Diskussion mit sich bringt, und die die Grünen schon vor 30 Jahren durchmessen haben in der Geschmacksrichtung “vordigitale Basisdemokratie”.

Im Gegensatz zu den Inhalten – Umweltpolitik ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen – haben die Grünen auf der prozessualen Ebene allerdings versagt.

Der Unterschied liegt nun nicht darin, dass die Piraten es ernster meinen als die Grünen damals, oder dass die Piratenwähler es ernster meinen als die Grünenwähler seinerzeit. Tun sie nämlich nicht.

Der Unterschied liegt in den Werkzeugen, die den Piraten heute zur Verfügung stehen, um intern dieses Versprechen einzulösen. Diese Werkzeuge ermöglichen ihnen Wege, die den Grünen immer verschlossen geblieben sind. Natürlich sind die ersten Experimente mit diesen Tools chaotisch und oft von Fehlschlägen gekennzeichnet. Aber die Partei als System wird dazulernen und diese Erfahrungswerte werden sich in immer besser funktionierenden Prozessen niederschlagen.

Auf der anderen Seite haben auch die Wähler, Piratenwähler und potentielle Piratenwähler, neue, sehr viel effizientere Kommunikationswerkzeuge an der Hand. Das macht sich unter anderem in den verhältnismäßig schnell eintretenden Wahlerfolgen sichtbar. Es ist mittlerweile nicht mehr unwahrscheinlich, dass die Piraten bei jeder anstehenden Landtagswahl in den jeweiligen Landtag einziehen; und das gleiche gilt für den Bundestag.

Dass diese Erfolge die klassischen Medien von Tageszeitung bis Tagesschau zwingen, den Piraten eine wie auch immer geartete Bühne zu geben, komplimentiert die neuen Werkzeuge und deren Auswirkungen.

Die Piraten vollziehen gerade als Partei weniger in den Inhalten, das ist die Spitze des Eisbergs, und mehr in den Prozessen eine Disruption des Parteiensystems. Denn sie können auf diese Art, zumindest potentiell, ein Versprechen einlösen, das die anderen Parteien nicht einlösen können. Zumindest können diese das nicht, ohne die eigene Organisation in ihren Grundzügen zu verändern. Aus Erfahrung weiß man, dass das jahrzehntealten Organisationen ausgesprochen schwer fällt.

Warum sollten Bestseller-Autoren in Zeiten des Internets andere Autoren querfinanzieren?

Leander Wattig macht eine wichtige Beobachtung zur Buchbranche:

Wenn ich ein Bestseller-Buchautor wäre, würde ich mich fragen, warum ich einen Deal eingehen soll, der in letzter Konsequenz ermöglicht, andere Autoren querzufinanzieren. Wenn ein solcher Deal besteht, heißt das ansich nur, dass für mich als Bestseller-Autor nicht der bestmögliche Deal herausgeholt wurde. Wäre es nicht nur konsequent, wenn Autoren zunehmend Dienstleistungs-Verhältnisse suchen und einfordern, die – wie auf anderen Märkten auch – dem Dienstleister nur das wirklich notwendige Geld zuweisen? Was aber passiert mit den bestseller-abhängigen Publikumsverlagen, wenn gerade die Top-Autoren und somit die Stützen der Häuser mehr und mehr einfordern oder sich gar abwenden? Stichwort Pottermore …

“Das Geschäftsmodell ändert sich.” ist ein leicht dahin gesagter Satz. Dahinter stecken aber auch komplexe Veränderungen wie etwa sich verschiebende Anforderungen von unterschiedlichen Parteien, die eine Veränderung des Angebotsbündels und der eigenen Aufgabe (und ihrer Wahrnehmung) zur Folge haben müssen.

“Das Geschäftsmodell ändert sich.” bedeutet nicht, einfach alles digital so zu machen, wie man es vorher analog gemacht hat.

Sharing verändert die Medienwelt

Felix Salmon über Sharing anhand von Tumblrs Reblogging, Pinterest und co.: How sharing disrupts media:

Facebook and Google have become two of the biggest media companies in the world in extremely short amounts of time, precisely because they don’t have much interest in owning any content. Rupert Murdoch looks at Google and sees a pirate because he does everything: he both creates content (think 20th Century Fox), and also distributes it (think Sky TV). It’s a world of iron-clad contracts and tight control. While the social, digital world is one where the biggest media companies have a much lighter touch, and where the content creators with the broadest reach will be the ones who care the least about protecting their copyrights.

Online kommt der Erfolg der großen Internet-Konzerne in vielen Bereichen nicht von hart erkämpften Verträgen, sondern vom Fehlen dieser Verträge, vom Fehlen von Kontrolle, und dem Finden eines Weges, wie man das Chaos für sich arbeiten lassen kann.

Die Erkenntnis klingt banal, aber das ist der Grund, warum es alteingesessenen Medienkonzernen im Netz so schwer fällt. Das Umfeld im Netz funktioniert einfach grundsätzlich anders.

Und das ist nicht zwingend etwas, das jedes Unternehmen lernen kann. Ganz abgesehen davon, dass Altlastengeschäfte auch zukünftige Fesseln sein können.

siehe auch: