Althergebrachtes Wunschdenken

Marie-Astrid Langer verweist in der NZZ auf Zahlen aus den USA, die auf einen Rückgang des Wachstums von Umsätzen mit E-Books in den USA hinweisen, verschweigt aber die Quelle und kommt zu folgendem Schluss:

Auch im Zeitalter der iPads und Kindles scheint es also noch oft Situationen zu geben, in denen ein gedrucktes Buch seinem elektronischen Pendant den Rang abläuft. Anscheinend muss die Zukunft nicht immer digital sein – Althergebrachtes bewährt sich manchmal eben doch.

Wer heute solche Artikel schreibt, schreibt in zwei Jahren verwunderte Texte darüber, wie Amazon und co. die Buchbranche so ‘überraschen’ konnten. Interessant an diesen Umbrüchen ist auch, wie schlecht die Berichterstattung in den Establishmentmedien ist und wie wenig Selbstreflektion dort stattfindet.

(Das Feuilleton der FAZ etwa hat beispielsweise jahrelang das Internet als Ganzes als nutzloses Spielzeug abgetan und dann in der Narration von heute auf morgen zum Vorläufer von Skynet gemacht. Es gibt praktisch nie eine Aufarbeitung der eigenen vergangenen Berichterstattung, auch nicht in Nebensätzen. Ähnliches lies sich letztens auch an dem großen Amazon-Bashing in der ZEIT beobachten.)

Man beachte auch die Kommentare zu dem verlinkten Artikel.

Warum E-Books auf dem deutschen Buchmarkt noch immer bei nur 1 Prozent liegen

Während in den USA E-Book-Verkäufe mittlerweile über 20 Prozent des Umsatzes der Buchverkäufe einnehmen, liegt Deutschland noch immer bei ungefähr nur einem Prozent. 

Businessweek zählt ein paar Gründe auf. Neben dem höheren Mehrwertsteuersatz für E-Books (19 statt der üblichen sieben Prozent für Bücher auf Papier) und der Buchpreisbindung spielen auch sentimentale Sichtweisen eine Rolle:

Perhaps because of their deep attachment to the printed word, many Germans believe they simply cannot read as well on digital devices, despite proof to the contrary. A 2011 Johannes Gutenberg University Mainz study found virtually no difference in reading speed or retention when test subjects read from paper vs. digital screens. Nevertheless, the German test subjects insisted that they were better at reading from paper.

Ein weiterer Grund liegt auch ganz klar im Vorgehen der deutschen Buchverlage. Ich besitze ein Amazon Kindle und bin froh, dass mein Account mit dem US-amerikanischen Kindlestore verbunden ist. Denn während im deutschen Kindleangebot vergleichbar gähnende Leere herrscht, kann ich im US-Kindleangebot wenigstens E-Books erwerben. Der niedrige Prozentsatz dürfte auch damit zusammenhängen, dass diejenigen wenigen deutschen E-Book-Konsumenten also bewusst gar nicht auf Deutschen E-Book-Marktplätzen einkaufen. Mein E-Book-Etat ist bis dato ausnahmslos in die USA gewandert.

Das alles natürlich auch dank des DRMs, auf das die Verlage mehrheitlich noch bestehen und das die Handlungsspielräume der Kunden stark einschränkt und den Lock-in der Plattformen stärkt.. 

Eine Folge dieses Angebotswirrwarrs: Ich habe Angst, dass mein Kindle-Account zwangsverschoben wird und mache deshalb nicht sonderlich viel damit; abgesehen von vorsorglichen Hamsterkäufen in den USA.

E-Book nicht in iBookstore zugelassen, weil es Links zu Amazon enthält

Dumme Richtung von Apple, weil sie in erster Linie den eigenen Kunden schadet und zusätzlich noch ‘reguliert uns!’ schreit.

Seth Godin:

I just found out that Apple is rejecting my new manifesto Stop Stealing Dreams and won’t carry it in their store because inside the manifesto are links to buy the books I mention in the bibliography.Quoting here from their note to me, rejecting the book: “Multiple links to Amazon store. IE page 35, David Weinberger link.”

(Allerdings: Würden die anderen Plattformprovider in der gleichen Situation anders handeln?)

Readmill will soziale Metaebene für E-Books schaffen

Das Berliner Startup Readmill will die lang erwartete soziale Metaebene für E-Books umsetzen (über die ich zum Beispiel 2008 geschrieben hatte).

Gründerszene über Readmill:

Readmill ist ein intelligentes Lesezeichen für E-Book-Lesegeräte, eine kostenfreie iPad-App ist das Herzstück des Startups. Nach der Registrierung können Mitglieder ihre nicht-kopiergeschützten elektronischen Bücher in die Readmill-App importieren und mit dem Konto verknüpfen. Dann erst startet das “soziale Erlebnis”. Die App zeigt was der Leser gerade liest, notiert was andere Leser zum Textabschnitt anmerken und vermerkt, welche Passagen der Leser selbst bermekenswert findet, wo er seine Bücher liest – alles kann über Readmill und bekannte Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Tumblr geteilt und öffentlich zur Diskussion gestellt werden. Die Konsumdaten der Leser werden öffentlich publiziert. So entsteht ein öffentliches Lesezeichen für E-Books.

Das einzige Problem dabei ist, dass mit Amazons Kindle zum einen die erfolgreichste E-Book-Plattform eine geschlossene Plattform ist und zum anderen Amazon die soziale Metaebene eher selbst machen wird. Amazon hat damit immerhin bereits angefangen. Verständlich: Hier entsteht der Lock-In bei den Endnutzern.

Die Chance für Readmill würde in Buchverlagen liegen, die mit der Zusammenarbeit mit dem Startup sicherstellen würden, dass die Kindle-Plattform nicht zum Monopol auf dem E-Book-Markt wird. Ob sie dazu in der Lage sind, darf bezweifelt werden, weil Strukturen und Dynamiken der Branche gegen dieses Szenario sprechen.

Das Bermudadreieck der Buchbranche

Das sollte Buchverlagen das Fürchten lehren: Amazon nimmt Autoren direkt unter Vertrag und wird somit selbst zum Verlag bzw. übernimmt Verlagsaufgaben:

The company is scheduled to publish 122 books this fall in print and e-book form, according to a report from the New York Times. The move puts Amazon in more direct competition with some of its largest suppliers, like Penguin, Random House and MacMillan.
Amazon’s publishing arm isn’t just a side project either. The company hired publishing veteran Laurence Kirshbaum in May, and it paid actress/director Penny Marshall (of Laverne & Shirley fame) $800,000 for her memoir, according to the NYT report. Last week, the company even signed a book deal with self-help book guru Tim Ferris.

Auch abseits von herkömmlichen E-Books arbeitet Amazon mit exklusiven Deals, um die Kindle-Plattform erfolgreich zu machen. Der neueste Deal betrifft digitale Comics von DC (Superman, Batman, etc.):

The announcement is clearly linked to the Kindle Fire, which is Amazon’s first rich media tablet. Comicbooks are a rich media format and so it makes sense to publish them for the Kindle Fire. But, crucially, DC comics will be available across the Kindle fire, i.e. on non-Kindle devices: computers, smartphones and even iPads through Kindle apps. This makes it a good deal for DC Comics and consumers, and therefore Amazon as well.

Es ist relativ offensichtlich, dass Amazon versucht, mit seiner Kindle-Plattform den Erfolg zu wiederholen, den Apple mit iTunes im Musikbereich hatte. Nur zielt Amazon auf möglichst viele Unterhaltungsformen ab, wozu auch Bücher gehören.

Schauen wir uns hierzu ein Interview mit Helge Malchow vom Verlag Kiepenheuer & Witsch auf Spiegel Online an.

Herr Malchow sagt zu Amazons Plänen:

Der Spruch ist ja nicht ganz neu. Auch in den guten alten analogen Zeiten haben Hunderttausende von Autoren, die für ihr Manuskript keinen Verlag gefunden haben, ihre Bücher im Selbstverlag herausgegeben. Das Problem ist doch: Je komplexer und pluralistischer das Angebot an Manuskripten wird, desto mehr braucht es Instanzen, die erstens professionell auswählen, zweitens professionell veredeln und drittens professionell vertreiben. Das gilt sowohl für die analoge wie für die digitale Welt.

Welche Aufgaben sieht Herr Malchow bei Buchverlagen?

  1. Auswählen
  2. Veredeln
  3. Vertreiben

Fangen wir mit Punkt 3 an: Amazon hat zweifellos die beste Distributionsplattform für Bücher, physisch wie digital, weltweit. Die Kindle-Plattform ist aktuell die attraktivste ihrer Art. Amazon hat außerdem ein sehr gutes Empfehlungssystem auf seiner Plattform implementiert, das mit Algorithmen und Nutzerbewertungen arbeitet. Das deckt zum Teil auch gleich Punkt 1 mit ab (und ist mit dem Filter-statt-Gatekeeper-Grundsatz auch profitabler für Amazon, und für Autoren wie Leser im Schnitt sinnvoller). Bleibt Punkt 2. Die Veredelung. Tatsächlich ist noch offen, wie sich zum Beispiel die Aufgabe des Lektorats künftig verändern wird.

Spielen wir das aber in Gedanken einmal durch. Angenommen, Amazon ist künftig zunehmend erfolgreich als Verlag oder Verlagsersatz. Können Verlage in so einer Welt in ihrer jetzigen Form überleben und erfolgreich mit Amazon konkurrieren, weil sie zum Beispiel besser veredeln? Möglich.

Ist es aber nicht viel wahrscheinlicher, dass sich Spezialisten herausbilden werden, die mit Autoren und Amazon zusammenarbeiten und nur Teilaufgaben anbieten, die früher zum Aufgabenspektrum der Verlage gehört hat? Diese kleineren, wendigeren Spezialisten könnten dann dank spezieller Tools und geringerem Overhead die gleiche Aufgabe nicht nur günstiger sondern vielleicht sogar besser anbieten als die großen Verlage, deren Prozesse auf das Gestern ausgelegt sind.

Der Medienwandel führt zu einer Veränderung der Organisationsstrukturen in den betroffenen Bereichen, weil sich die Aufgabenteilung am Markt verändert. Das geht weder an Musiklabels noch an Buchverlagen vorbei. Das ist ein Fakt, mit dem man sich beschäftigen muss.

Die Buchverlage haben ungefähr drei Problemfelder, die ich noch kurz ansprechen möchte.

1. Buchverlage sind keine Technologieunternehmen. Amazon ist ein Technologieunternehmen. Deshalb kann Amazon ein Tablet und eine zugehörige Plattformstrategie entwickeln.

Den Buchverlagen fehlen die nötigen Kernkompetenzen ebenso wie den Musiklabels seinerzeit (und letztlich immer noch).

Die Buchverlage haben aber einen Vorteil: Sie können auf die letzten 13 Jahre digitaler Musik zurückschauen und daraus lernen. Wenn sie nicht mit einem Distributionsmonopol a la iTunes kämpfen wollen, brauchen sie eine Strategie, wie sie Amazon etwas entgegen setzen können.

Dazu gehört, dass ihnen bewusst werden muss, dass ihre alt eingesessene Wertschöpfungskette verändert werden muss. (Man konkurriert nicht mit Amazon, indem man einfach bessere Bücher herausbringt. Der Konkurrenzkampf findet auf Plattformebene, nicht auf Inhaltsebene statt. Oder auch: Auf der Ebene der Prozessgestaltung.)

Dazu gehört auch, eine digitale Strategie zu entwickeln. Und dazu gehört auch die Technik. Moment, ohne Kernkompetenzen in diesem Bereich? Wie soll das gehen? Sinnvolle Wege könnten möglicherweise Tochterunternehmen oder andere möglichst autarke Ausgliederungen sein. (Ebenfalls bieten sich in geringerem Umfang strategische Beteiligungen und Übernahmen an.)

Wenn Buchverlage morgen ein Mitspracherecht in ihrem Markt haben wollen, müssen sie dringend Kernkompetenzen in den wichtiger werdenden Feldern aufbauen.

Buchverlage könnten zum Beispiel über gemeinsame Joint Ventures gemeinsame Plattformen aufbauen, so wie es in den USA TV-Sender mit Hulu versuchen. Man kann mittlerweile mit Blick auf die Musikbranche auch recht gut nicht nur sehen, was man falsch machen kann, sondern auch erste Lösungen identifizieren und auf die eigene Branche übersetzen. Eigene Plattformen zum Beispiel: Soziale Elemente sollten im Vordergrund stehen, um den Lockin und damit die eigene Position gegenüber Amazon und anderen Marktangreifern zu stärken.

2. Eines der größten Probleme, die die Buchbranche hierzulande hat, ist die Buchpreisbindung.  Ich fürchte, dass ist den meisten in der Branche noch gar nicht klar. Die Buchpreisbindung für E-Books ist zweierlei problematisch:

a.) Die Buchpreisbindung sorgt höchstwahrscheinlich (genau kann man es noch nicht sagen) dafür, dass Geschäftsmodelle, wie z.B. ein Flatrate-Abo für On-Demand wie es im Musikbereich zum Beispiel Spotify und Simfy anbieten, im Buchmarkt zumindest hierzulande nicht möglich sind.

b.) Sie macht die digitalen Bücher viel zu teuer. Ohne eine genaue Analyse gemacht zu haben, kann man wohl trotzdem festhalten, dass der aktuelle Preis für E-Books weit über dem Marktpreis liegt. (Und das selbst ohne das Einbeziehen der Grenzkosten für digitale autonome Güter.)

Sascha Lobo fasst die Preissituation gut in seinem Artikel “Allgemeine Feststellungen zur Buchsituation” zusammen:

5. Was die Verlage insbesondere nicht begriffen haben, ist, dass sie auf digitalen Geräten konkurrieren mit Angry Birds. Und das kostet 1,49 € oder so, ein Ebook kommt leicht mal mit 16,90 € um die Ecke. Das Argument, man habe doch von einem Buch viel länger Freude ist erstens genau berechnet völlig falsch. Und zweitens entspricht es der Vorstellung, Autokäufer würden Autos nach Kosten je Kilometer kaufen und nicht nach dem Preisschild, was dranhängt. Nach der Logik würden alle die S-Klasse kaufen, weil die zwei Millionen Kilometer durchhält und deshalb nur 5 Cent je Kilometer kostet.

Zur E-Book-Preisfindung: Neben der neuen, viel günstigeren Konkurrenz auf dem gleichen Gerät, macht die Buchbranche den gleichen Fehler, den die Musikbranche gemacht hat: Wann immer es ihnen nützt, setzen sie die digitalen Güter mit den physischen Gütern gleich (Preis, Diebstahl-Lüge), wenn es ihnen  nicht nützt, behandeln sie die digitalen Güter anders (kein Wiederverkauf, Lizenz-Argument).

Das führt zu einem extrem schlechten E-Book-Angebot für Käufer: Ich bezahle für das E-Book so viel wie für das Hardcover oder das Taschenbuch, aber sein ökonomischer Wert ist geringer für mich, weil ich es nicht wieder veräußern kann. Das mag im Sinne der Verlage sein, die hoffen, am Printgeschäft festhalten zu können und E-Books möglichst unattraktiv zu halten. Aber das führt natürlich direkt in’s ökonomische Verderben, wie man, noch einmal, bei der Tonträgerindustrie sehen kann.

Die Buchverlage argumentieren aber nun, dass sie gar nicht anders können, als so viel für ihre E-Books zu verlangen. Die Kosten wären so hoch, sagen sie. Das erscheint für Außenstehende schwer nachvollziehbar.

Im August diesen Jahres war ich auf einer Presseveranstaltung von BITKOM und Frankfurter Buchmesse. Auf diesem Event hat Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Licht in dieses Argument zumindest für mich gebracht.

Auf die Frage bezüglich E-Book-Preise angesprochen, führte er aus, dass die Verlage viel Geld in Technik investieren müssten, die auch wieder schnell veralten würde. Das würde die Kosten für E-Books hochtreiben.

Für die Verlage entstehen also immer wieder hohe(?) Fixkosten, die auf die Stückkosten umgeschlagen werden müssen. Aus der Verbindung zwischen hoher Fixkosten, weil sich Standards in den letzten Jahren noch oft geändert haben, und der Tatsache, dass dank fehlender Bausteine (etablierte E-Reader, Distributionsplattformen) die abgesetzten Stückzahlen gering waren, folgten hohe Stückkosten pro E-Book und der Rechtfertigung für hohe Preise, was wiederum zu konstant niedrigen Absatzzahlen führt. Ein Teufelskreis. (Intern dürften allerdings zumindest auch Kannibalisierungsbefürchtungen eine Rolle spielen.)

Das ist also in etwa so, wie wenn die Verlage jedes Jahr eine neue Art Presswerk für Printbücher testen und diese eigentlich einmaligen Kosten immer wieder auf die  Bücherproduktionskosten zusätzlich hinzukommen, was dann zu Preisen von sagen wir 50 Euro pro Buch führt, was dazu führt, dass wenige Menschen sich Bücher leisten, was dazu führt, dass die hohen Kosten auf wenige umgesetzte Exemplare umgeschlagen werden müssen und immer mit diesen niedrigen Umsatzzahlen gerechnet wird. You get the picture.

Die Kostenrechnung der Buchverlage für E-Books und ihre Preisfindung, so sie denn darauf fusst, ist besonders tragisch, weil die Verlage den gleichen Fehler zu wiederholen scheinen, den die Musikbranche begangen hat, und der zu Filesharing und der iTunes-Vorherrschaft geführt hat: Die Preise nicht vom Markt her denken, sondern ausschließlich von den eigenen Kosten und Profitvorstellungen.

Es ist ein bisschen so, als hätte weder in der Tonträgerindustrie noch bei den Buchverlagen jemals jemand im Studium einen Marktpreis bestimmen müssen oder von Preissensitivität gehört. (Aber das ist natürlich nicht der Fall, was das Verhalten noch tragischer macht.)

Dazu kommt natürlich auch noch, dass der Erfolg von Kindle, iOS & co. und die Reife der Märkte und Standards dafür sorgt, dass die Lebensdauer der Standards immer länger wird. Was wiederum die Kosten senken dürfte.

Und die Kannibalisierung? Die findet auch bei hohen E-Book-Preisen statt. Nur eben noch schneller abseits der Verlagsumsätze:

3. Die schnelle technologische Entwicklung: Ich habe es schon mehrfach über die Jahre geschrieben (und zuletzt hier). Ein mainstreamfähiger E-Reader und über die Buchbranche bricht ein perfekter Sturm herein. Der Grund liegt in den extrem niedrigen Dateigrößen von E-Books. Meine aktuelle  Schätzung wäre, dass Amazon (oder ein Mitkonkurrent) noch zwei, maximal drei Jahre/Produktiterationen davon entfernt ist, mit dem E-Reader im Mainstream anzukommen. Dann beginnt der wahre Medienwandel für die Buchbranche und dann wird es sehr schnell gehen. (Vom Erscheinen der ersten mainstreamtauglichen E-Reader-Iteration dürfte es bis zu sehr spürbaren Einschlägen nur Monate bis maximal ein, zwei Jahre dauern)

Zuerst wird es die Sachbuchbranche treffen, ausgehend von Studenten. Und von da wird es auf den Rest der Branche übergehen, mal mehr, mal weniger schnell. Ich habe neulich mal auf den einschlägigen Bittorrent-Trackern geschaut und es ist tatsächlich so, wie ich es vermutet hatte: Es werden nicht einzelne Bücher zum Download angeboten sondern Genre-Zusammenfassungen, ganze Werke von Autoren etc.. Es wird gebündelt, weil das für die filesharenden Nutzer sinnvoll ist. Die werden natürlich nie alles lesen, was sie herunterladen. Müssen sie auch nicht: Es kostet sie schließlich nichts. Je geringer die Dateigröße, desto größer die Verschwendung. (Deswegen lassen sich Downloads nicht zu 100 Prozent in verloren gegangene Verkäufe ummünzen.)

Jedem in der Branche sollte es angesichts dieser bevorstehenden Entwicklung auf der einen Seite und neuen Playern wie Amazon Kindle auf der anderen Angst und Bange werden. Die Herausforderungen für die Branche sind episch.

Anhang

Neben Sascha Lobos Artikel ist auch die von Kathrin Passig angestossene Diskussion zum Thema auf Google+ sehr lesenswert.

Sind E-Book-Flatrate und Buchpreisbindung vereinbar? Justiziar des Börsenvereins: Es ist kompliziert, aber nein.

Vor einer Woche hatte ich hier die Frage aufgeworfen, ob ein E-Book-Verleih/Flatrate, vergleichbar mit den Abomodellen aus Musik (Simfy, Spotify) und Film/TV (Netflix) mit der Buchpreisbindung vereinbar wäre.

Alexander Vieß vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat die Frage an Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins, weitergeleitet und die Antwort in den Kommentaren unter meinem ursprünglichen Artikel gepostet.

Herr Sprang schreibt unter anderem, davon ausgehend, dass die Buchpreisbindung auch bei E-Books gilt (offzielle Linie des Börsenvereins), könne man Flatrate-Modelle auch als Verleih ansehen, was beide Konzepte vereinbar machen würde:

Da das Buchpreisbindungsgesetz nur Verkäufe, nicht aber Vermietungen von Büchern regelt, wäre eine Flatrate als monatlicher, vierteljährlicher oder jährlicher Mietpreis für eine definierte Zahl downgeloadeter E-Books vorstellbar, sofern die Verlage mitspielen und der E-Book-Plattform den Betrieb eines solchen Modells mit ihren Büchern gestatten.

Vorausgesetzt ich habe das richtig verstanden, dann ist das Problem bei dieser Sichtweise die definierte Zahl verliehener E-Books. Spotfy, Simfy und co. zeichnen sich eben gerade dadurch aus, dass man nicht nur maximal z.B. 1000 verschiedene Songs in einem festgelegten Zeitraum anhören kann, sondern auf die kompletten Backkataloge der teilnehmenden Musiklabels zurückgreifen kann.

Der Kern am Flatrate-Modell ist die Unbegrenztheit. Ohne diese wäre es kein richtiges Flatrate-Modell.

Das gleiche Problem sehe ich bei der Herangehensweise, einen ‘Online-Buchclub’ zu betreiben:

Ein „Amazon-Buchclub“ für E-Books könnte E-Books verschiedener Verlage im Bundle zu „Flatrate-Preisen“ anbieten, die unter den gebundenen Einzelpreisen liegen. Er bräuchte dann aber in jedem Einzelfall eine vertragliche Gestattung des Verlags, wäre bei den Preisabständen zu den Originalausgaben beschränkt und müsste presserechtlich die Haftung für die Inhalte seiner Lizenzausgaben übernehmen.

An den Einwänden kann man gut sehen, wie schwierig es in der Buchbranche sein wird, innovative Modelle zu testen. Davon abgesehen hätte der Online-Buchclub auch wieder weniger mit einem Flatrate-Modell zu tun: Wie soll der Preisabstand zu den ‘Originalausgaben’ im Rahmen gehalten werden, wenn wir von kompletten Backkatalogen sprechen?

Bei beiden Vorschlägen, ‘Verleih’ und ‘Buchclub’, kann man deutlich sehen, dass hier die digitalen Kopien wie analoge Einheiten begriffen werden, mit denen man auch nur machen kann, was man mit Papierbüchern machen könnte. Letzlich würde es bei einem Flatrate-Modell weder um Verkäufe noch um (zeitlich und quantitativ beschränkte) Vermietungen handeln, sondern eher um eine für die Buchbranche neue Art von Lizenzen.

Ein weiteres größeres Problem, das ein Flatrate-Modell für die Buchbranche in nächster Zeit unwahrscheinlich macht, scheint mir auch bei den Abrechnungsproblemen zu liegen:

Letztlich kostet jedes Buch bei jedem Verkauf dann ja einen anderen Preis (da dieser davon abhängt, mit welchen anderen Titeln der Kunde das E-Book unter der Flatrate erwirbt). Die Autorenbeteiligung am erzielten Verkaufspreis muss entweder Fall für Fall errechnet (was auch mit modernen Softwaresystemen nicht trivial ist) oder pauschaliert ausgeschüttet werden („rough justice“) – und die gewählte Abrechnungsart muss vom Autor vorab im Verlagsvertrag akzeptiert sein (was bei Backlisttiteln in der Regel nicht gegeben ist).

Das ist ein Problem, das aus der eben erwähnten neuen Art von Lizenzen entsteht. Es ist aber auch ein lösbares Problem. Aber nur, wenn man als Unternehmen an das Flatrate-Modell glaubt und deswegen bereit ist, darauf hinzuarbeiten.

Die Probleme sind also recht vielfältig. Den Buchverlagen wird das ganz recht sein. Wie viele von ihnen haben aktuell ein aktives Interesse daran, an einem Flatratemodell mitzumachen?Sie befinden sich ökonomisch ungefähr da, wo sich die Musiklabels um ca. 2000 befunden haben. Es knirscht bereits, aber es erscheint noch nicht akuter Handlungsbedarf.

Das Problem der Buchverlage ist nur, dass mit den mainstreamgewordenen E-Readern, die mit den neuen Kindle-Versionen und den Readern von Weltbild und Hugendubel extrem günstig geworden sind, ein perfekter Sturm auf sie zukommt.

Ihre Situation wird dank E-Reader, Breitband und Dateigrößen von zwei bis drei MB, wenn wir beim Vergleich mit der Musikindustrie bleiben, von 2001 direkt  auf 2010 springen.

Es wäre also genau jetzt der richtige Zeitpunkt, die Herausforderungen anzugehen, wenn man von den technischen Veränderungen nicht überrollt werden will. Dazu gehört dann wohl auch die Aufgabe der Buchpreisbindung für E-Books, die innovativeren Geschäftsmodellen arg im Weg zu stehen scheint.

Denn eins erscheint mir mittlerweile sicher: Die Flatrate-Angebote gehören zum Einkommensmix(!) von Kreativen und ihren Mittelsmännern in einer Post-Filesharing-Welt dazu. Wer auf diese Säule verzichtet, wird nicht mehr sondern weniger verdienen.

Hier der volle Wortlaut vom Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zur Frage, ob E-Book-Flatrate und Buchpreisbindung vereinbar sind:

Sie wollten wissen, ob Amazon (und anderen Anbietern) das Angebot einer Flatrate auch für deutsche E-Books rechtlich gestattet ist.

Diese Frage lässt sich leider nicht zuverlässig beantworten. Einerseits hängt die Antwort davon ab, um welche Art von Anbieter (E-Book-Plattform) es sich handelt und wie er sein Flatrate-Angebot im Einzelnen ausgestaltet. Andererseits ist die Frage, ob E-Books unter das deutsche Buchpreisbindungsgesetz fallen und ob die Preisbindung auch zur Anwendung kommt, wenn ein Anbieter aus dem EU-Ausland (Amazon hat seinen europäischen Hauptsitz und seine Server z.B. aus steuerlichen Gründen in Luxemburg) grenzüberschreitend an Endabnehmer in Deutschland verkauft, gerichtlich noch nicht entschieden worden. Insgesamt herrscht im E-Book-Markt bei vielen Fragen noch eine sehr große rechtliche Unsicherheit und ein Mangel an bestätigten Handelsusancen vor. Es wird wohl noch eine erhebliche Weile dauern, bis sich das ändert, da die Schaffung rechtlicher Regelungen nie mit der Geschwindigkeit technischer Entwicklungen mithält. (Mephisto, Faust I: „Es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewge Krankheit fort; sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte und rücken sacht von Ort zu Ort. Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage: Weh dir, dass du ein Enkel bist! Vom Rechte, das mit uns geboren ist, von dem ist leider nie die Frage.“)

Der Börsenverein geht bekanntlich mit der herrschenden Lehre davon aus, dass E-Books unter das Buchpreisbindungsgesetz fallen und auch auf grenzüberschreitende Verkäufe anwendbar sind. Sofern die Gerichte diese Ansicht teilen bedeutet das, dass der E-Book-Preis vom Verlag festgesetzt wird und kein Händler die Möglichkeit hat, preisgebundene E-Books verschiedener Verlage im Bundle zu einem Preis zu verkaufen, der unter der Summe der gebundenen Einzelpreise liegt.

Auch auf dem Boden dieser Ansicht gibt es aber für E-Book-Plattformen durchaus Möglichkeiten, zu Abomodellen bzw. Flatrates zu kommen. So können E-Books bspw. mit Zustimmung der Verlage nicht verkauft, sondern von Händlern vermietet werden (was für den Kunden heißt, dass sie ihm nur zeitlich begrenzt per Download überlassen werden, was durch technische Schutzmaßnahmen bewerkstelligt werden kann – ein im Markt vorhandenes, allerdings als unentgeltliche Leihe ausgestaltetes Beispiel hierfür ist die von öffentlichen Bibliotheken angebotene „onleihe“ von E-Books). Da das Buchpreisbindungsgesetz nur Verkäufe, nicht aber Vermietungen von Büchern regelt, wäre eine Flatrate als monatlicher, vierteljährlicher oder jährlicher Mietpreis für eine definierte Zahl downgeloadeter E-Books vorstellbar, sofern die Verlage mitspielen und der E-Book-Plattform den Betrieb eines solchen Modells mit ihren Büchern gestatten.

Im Rahmen von Verkäufen wären Abomodelle für E-Books mit einigen preislichen Limitationen vorstellbar, wenn als Anbieter die Verlage selbst für ihre eigenen Titel agieren – sie legen dann unter dem Buchpreisbindungsgesetz sog. Serienpreise fest, die allerdings vordefiniert sein müssen. Auch denkbar ist die Einräumung von Lizenzen für E-Book-Ausgaben von Handelspartnern, wie wir sie bei gedruckten Büchern insbesondere von den Angeboten von Buchclubs kennen. Ein „Amazon-Buchclub“ für E-Books könnte E-Books verschiedener Verlage im Bundle zu „Flatrate-Preisen“ anbieten, die unter den gebundenen Einzelpreisen liegen. Er bräuchte dann aber in jedem Einzelfall eine vertragliche Gestattung des Verlags, wäre bei den Preisabständen zu den Originalausgaben beschränkt und müsste presserechtlich die Haftung für die Inhalte seiner Lizenzausgaben übernehmen.

Wie gesagt: Das von Amazon angekündigte Geschäftsmodell ist vom Sachverhalt her noch so diffus, dass es rechtlich nicht zuverlässig beurteilt werden kann. Grundsätzlich sagen kann man nur, dass Flatratemodelle, bei denen der Kunde die Auswahl aus einer großen Anzahl von E-Books mit verschiedenen Ladenpreisen treffen kann, hinsichtlich der Tantieme der Autoren eine rechtliche und administrative Herausforderung sind. Letztlich kostet jedes Buch bei jedem Verkauf dann ja einen anderen Preis (da dieser davon abhängt, mit welchen anderen Titeln der Kunde das E-Book unter der Flatrate erwirbt). Die Autorenbeteiligung am erzielten Verkaufspreis muss entweder Fall für Fall errechnet (was auch mit modernen Softwaresystemen nicht trivial ist) oder pauschaliert ausgeschüttet werden („rough justice“) – und die gewählte Abrechnungsart muss vom Autor vorab im Verlagsvertrag akzeptiert sein (was bei Backlisttiteln in der Regel nicht gegeben ist).

Herzliche Grüße Dr. phil. Christian Sprang Rechtsanwalt und Mediator JustiziarBörsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

 

“Prime eBooks”: Wäre ein E-Book-Verleih von Amazon mit der Buchpreisbindung vereinbar?

Das bereits länger kursierende Gerücht, Amazon plane ein Verleih-Modell für E-Books, verhärtet sich:

A crafty code sleuth over at MobileRead uncovered one of Amazon’s secrets while investigating source code trying find a picture of the new Kindle Tablet that everyone is expecting Amazon to announce at a press conference they scheduled on September 28th.

I did some investigating of my own and it does indeed appear as if Amazon is getting set to introduce something called Prime eBooks, assumingly an ebook rental type of service, like NetFlix for ebooks, as part of their Amazon Prime subscription package.

Unabhängig davon, ob Amazon einen ‘Ebook-Verleih’ in Bälde einführt oder nicht: On-Demand-Zugriff auf eine reichhaltige E-Book-Bibliothek, die mit einem festen Monatspreis analog zu Spotify/Simfy für Musik oder Netflix für Filme und Serien arbeitet, erscheint mir unvermeidbar.

Irgendwann wird irgendein Unternehmen so etwas anbieten. Amazon ist dafür mit seinem erfolgreichen Kindle-System natürlich prädestiniert. Einzig die Buchverlage sind wahrscheinlich meist noch nicht so weit.

Da in Deutschland der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Buchpreisbindung auch auf E-Books  anwendet, stelt sich mir dabei allerdings folgende Frage:

Wäre ein On-Demand-’Verleih’-Dienst, eine Art Netflix für E-Books, mit der Buchpreisbindung vereinbar?

 

Niemand wird verschont.

David Bosshart,  CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, ein Think-Tank für Wirtschaft und Gesellschaft, im Interview auf buchreport.de:

Wer wird verschont?
Niemand, egal ob ich Esswaren oder Möbel verkaufe. Aber es bestehen Unterschiede in Bezug auf die Dringlichkeit und das Ausmaß einer Erneuerung: Nicht jeder muss sich gleich schnell anpassen, aber anpassen muss sich jeder. Besonders stark ist der Händler mit seinem Ladenkonzept gefordert, aber auch jeder, der im Hintergrund Infrastrukturleistungen erbringt. In gewissen Kategorien besteht gar mehr als nur ein Regenerierungsbedarf: Wer da nicht rechtzeitig handelt, verschwindet. Die Hauptfrage lautet in jedem Fall: Wie stark muss ich mein Geschäftsmodell ändern?

Die Veränderungen, die die Musikbranche seit 10 Jahren erlebt, werden mal mehr mal weniger stark jede andere Branche treffen.

Besonders stark sind die Analogien beim Buchhandel:

Im Buchhandel zeichnen sich zwei zentrale Entwicklungen ab. Erstens haben sich Online-Händler wie Amazon am Markt etabliert und machen dem herkömmlichen Handel die Umsätze streitig. Zweitens existiert mit dem E-Book eine entmaterialisierte Form des Buches. Für die Leser steht nicht mehr der Besitz des Buches im Zentrum, sondern der Zugang zu dessen Nutzung.

Auf die Buchbranche kommt ein perfekter Sturm zu: Die Größen von E-Books sind so gering (ca. 2MB für Wälzer) und die heutigen Bandbreiten so groß, dass der Wandel sehr viel schneller kommen wird als für die Musikbranche, wenn sich E-Reader wie der Kindle im Massenmarkt festsetzen. Und sie sind bereits auf dem Weg dahin. Amazon verkauft laut Eigenaussage bereits mehr Kindle-Bücher als Print-Bücher. Und die ersten DIY-Erfolge gibt es auch schon.

Tauschbörsen werden aber ein viel größeres Problem für die etablierten Prozesse der Buchbranche werden: Man stelle sich vor, MP3s wären 1999 in perfekter Qualität mit einer Größe von 10KB und weniger herunterladbar gewesen. So in etwa sieht die Zukunft für die Buchbranche aus, wenn sie, wie aktuell zu beobachten ist, tatsächlich die Fehler der Musikbranche wiederholt.

(via @avongunten)

Ab ca. 60 E-Books wird Lesen mit iPad umweltfreundlicher als Konsum gleich vieler Papierbücher

Interessanter aber nicht unerwarteter Twist im aktuellen technologischen Wandel: Ab einer gewissen Anzahl an E-Books wird das iPad umweltfreundlicher als der Kauf von gleich vielen Papierbüchern.

GigaOm über eine Studie zu diesem Thema:

In the end, the report suggests a sliding scale with ranges wherein the iPad and other e-readers might be more green than their paper counterparts. The more printed books you offset with an e-reading device, the better. At around the 30 to 70 book mark, the report estimates, is where the break-even point lies in terms of general environmental impact, and it’s between 60 and 90 titles where it starts to become better to buy e-books than paper ones.

(Hervorhebung von mir)

Natürlich sind das alles nur Schätzungen, weil zu viele Variablen in die Berechnung eingehen, die kaum bekannt sind.

Entscheidend ist aber, dass diese Grenze existiert und dass sie nicht außerhalb der Reichweite liegt. (Und in den nächsten Jahren dürfte sie eher noch sinken, wenn die Hersteller Erfahrungen bei der Herstellung von Tablets und E-Readern sammeln und diese und technologische Entwicklungen zu besseren, sprich auch stromsparenderen, Geräten führt.)

26jährige Autorin reich dank selbstpublizierter E-Books auf Kindle

Soll noch mal jemand sagen, man könne als Kreativer kein Geld im Internet verdienen:

Amanda Hocking is 27 years old. She has 9 self-published books to her name, and sells 100,000+ copies of those ebooks per month. She has never been traditionally published. This is her blog. And it’s no stretch to say – at $3 per book*/70% per sale for the Kindle store – that she makes a lot of money from her monthly book sales.

Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass Amanda Hocking auf diese Art Konditionen erhält, die ihr kein Verlag bieten kann:

a publisher on the private Reading2.0 mailing list has said, to effect: there is no traditional publisher in the world right now that can offer Amanda Hocking terms that are better than what she’s currently getting, right now on the Kindle store, all on her own.

Die 26jährige veröffentlicht in ihrem Blog einige weitere, teilweise korrigierende Angaben (wie zum Beispiel, dass sie 26 und nicht 27 ist):

# All of my published full-length novels are available in both ebook and paperback.
# Three of my full length novels are priced at $.99 in ebook, and my novella is priced at $.99. The other five books are priced at $2.99. All my paperbacks are priced at $8.99 and $9.99.
# I was never traditionally published. I still have not been traditionally published.

[..]

# I first published two books in April 15, 2010. Since then, I’ve sold over 900,000 copies of over nine different books.

(via Mediagazer)

Kindle bekommt soziale Meta-Ebene

Das Spannendste am neuen Kindle-Update sind die sozialen Features für Highlights und Anmerkungen:

Mit der Option “Public Notes” kann man nun Anstreichungen (”Higlighting”) und Anmerkungen (”Annotations”) für andere sichtbar machen. Bisher gab es ja bereits das anonyme “Highlighting”-Feature, mit dem sich auf Knopfdruck die am meisten angestrichenen Passagen anzeigen ließen. Die “öffentlichen Anmerkungen” machen nun die Lektüre noch stärker zum sozialen Prozess. Im Kindle-Blog heißt es dazu: “Alle Kindle-Nutzer – vom Autor über die Fans und Kritiker bis zu Literaturprofs und leidenschaftlichen Lesern – können nun auf Wunsch von überall aus ihre Gedanken über Buchpassagen mit Freunden, Familienmitgliedern, Kollegen oder der großen Kindle-Community austauschen.”

Für eine E-Reading-Plattform wie Amazons Kindle ergeben sich damit unzählige Möglichkeiten, um enormen Mehrwert für die Leser als auch Lock-In zu erzeugen.

Über die Möglichkeiten einer sozial verknüpften Meta-Ebene bei E-Books hatte ich auch 2008 auf netzwertig geschrieben:

Wie wäre es, wenn ich beim Lesen Lesezeichen setzen könnte, die automatisch zu meinem Profil auf einem der auf Bücher fokussierten Social Networks wie LibraryThing oder goodreads hinzugefügt werden?

All die Möglichkeiten, die jetzt auf öffentlich zugängliche Artikel im Web beschränkt sind, auf Bücher – auf Romane und Sachbücher – auszuweiten, wird uns eine völlig neue Welt offenbaren. Auch wenn es widersinnig und überflüssig erscheint, wie einst delicious, als es die Bühne betrat und man sich fragte, warum zum Teufel man seine Lesezeichen online ablegen sollte, so entsteht mit der Möglichkeit der öffentlichen Annotation eine völlig neue Dimension des gemeinsamen Wissens.

Wenn mir ein Freund ein Buch empfiehlt und ich während des Lesens direkt seine Anmerkungen und die von meinen anderen Freunden mit anzeigen lassen kann, dann bekommt das Lesen und der Austausch über das Gelesene einen Mehrwert gegenüber dem Lesen von bedrucktem Papier.

Denken wir diese Richtung noch einen Schritt weiter.

David Weinberger schreibt in seinem Buch “Das Ende der Schublade” über elektronische Bücher (S. 267):

Wir werden unsere Bücher dazu auffordern können, die Passagen zu markieren, die von Dichtern, Einser-Schülern, Literaturprofessoren oder buddhistischen Priestern am häufigsten noch einmal gelesen werden.

Weinberger führt noch weitere Möglichkeiten an: Wenn wir anzeigen und aggregieren können, wo Bücher gelesen werden, können wir automatisch Listen für Bücher für den Strand oder für Reisen zusammenstellen.

Knappes Gut bei E-Books: Sascha Lobos Buchfrage

Sascha Lobos Roman Strohfeuer erscheint auch als iPhone-App. Für diese haben sich Lobo und der Rowohlt-Verlag eine interessante Zusatzfunktion ausgedacht:

In der Strohfeuer-App verbirgt sich die so genannte Buchfrage. Dabei kann man an jeder Stelle des Buchs ein Stück Text markieren, drauftippen und dann dazu direkt eine Frage stellen[..]. In der App, auf der Plattform Lovelybooks.de, aber auch hier auf meinem Blog kann man dann unter saschalobo.com/strohfeuer/buchfrage die Fragen sehen – und meine Antworten dazu, denn ich werde sie sämtlich selbst beantworten.

Mit dieser Feedback-Funktion wird nicht nur (im Idealfall) die Bindung zwischen Leser und Autor erhöht. Auch ist es etwas, das nicht kopiert werden kann. Die Möglichkeit, den Autor zu einer Passage zu befragen, kann man nicht über eine Tauschbörse erhalten. Es ist nicht beliebig kopierbar.

Das ist eine Art von knappen Gütern, von denen ich immer rede: Der Zugang zum Künstler/Urheber (Musiker, Autor, etc.).

Das alles erinnert mich ein bisschen an Gene Simmons von Kiss. Wie Gene Simmons wettert Sascha Lobo gegen Filesharing, hat aber gleichzeitig erfolgreich ein Geschäftsmodell gefunden, mit dem er mit knappen Gütern auch und gerade im Filesharing-Zeitalter etwas mit Mehrwert anbietet und gutes Geld verdient; oder verdienen kann, denn der Erfolg der App ist nicht sicher.

Zumindest der Preispunkt könnte der App zum Verhängnis werden. 18.99€ für die App für einen Roman, weil die App nicht günstiger als die aktuell günstigste Papierausgabe sein darf, sagt viel über die Strategie-Experten bei Rowohlt aus.

Review des Kindle 3

Martin Lindner hat bei den Netzpiloten ausführlich den Kindle 3 vorgestellt.

(Fehlende) Formatunterstützung und DRM bleiben ein Problem:

Viel wichtiger ist aber, dass beim Kindle 3 das Herunterladen und Lesen von Web-Texten im Pdf-Format kein Problem mehr ist. Das Problem ist ePub: Man muss eBooks, die dieses Standardformat haben, erst konvertieren. Das geht leicht mit der wunderbaren freien Software Calibre, aber bei anderswo gekauften deutschen E-Büchern scheitert das am DRM-Schutz.

Davon abgesehen scheint der Kindle 3 der erste wahre mainstreamtaugliche E-Reader zu sein:

Doch genau jetzt, im September 2010, hat sich der doppelte Quantensprung erst ereignet: Erst mit dem Kindle 3 verschwindet wirklich das technische Drumherum beim Lesen im Hintergrund. Erst jetzt bleiben Buchtexte zugleich digital und flüssig. Und umgekehrt: Erst jetzt ist es wirklich möglich, Texte aus dem Web in den neuen Aggregatzustand verwandeln: typographisch perfektes Licht-Schriftbild, Print ohne Druck.

Damit gibt es zum ersten Mal eine elektronische Lese-Erfahrung, die wirklich gleichwertig an die Stelle des Lesens in gedruckten Büchern tritt. Wie sehr mir das gefehlt hat, habe ich erst gemerkt, als ich diesen Kindle zum ersten Mal benutzt habe

Im Text geht Martin Lindner auch noch auf einige Folgen des erfolgreichen E-Readers ein:

(1) Zwischen Print und Bildschirmtext entsteht eine neue schriftkulturelle Form

(2) Die Webplattform des Kindle ermöglicht eine neue Form von sozialem Lesen

(3) Webtexte bekommen eine neue, nachhaltige Form

Lesenswert sind auch die Ausführungen von Marco Arment (Entwickler von Tumblr und Instapaper) zum Kindle 3:

Because if my support emails about Kindle 3 support are any indication, Amazon is selling a lot of these. And at that price, it’s no wonder: $140 is barely more than many iPad cases. Amazon is clearly sending a message to the market: “We’re not competing with the iPad. You can buy both if you want.” The iPad can do a lot more, but people that claim that it’s “killing” the Kindle are clearly not Kindle owners. Buy an iPad if you want to browse the internet, play music or video, check your email, or launch flaming peas at zombies. But when you want to settle down and read a book, the Kindle is a much better choice.

Besonders interessant finde ich die jüngste Strategie von Amazon, die weg von der Hardware und hin zu einer Plattform führt: Neben dem Hardware-Kindle gibt es mittlerweile auch Kindle-Apps für iOS (iPhone, iPad) und Android, die die Lesestellen untereinander synchronisieren. Damit ist Amazon besser als die Konkurrenten aufgestellt und könnte theoretisch die Kindle-Plattform auch an andere Hardware-Hersteller lizenzieren.

Lediglich DRM wird die Plattform zurückhalten, aber das ist kein Wettbewerbsnachteil: Die Buchverlage folgen den Musiklabels in die digitale Sackgasse und verlangen DRM von jedem, der ihre Werke digital vertreiben will.