Marktführer und Innovationstreiber.

Amazon ist wie Apple, Facebook und Google in den jeweiligen Kernmärkten Marktführer und Innovationstreiber.

Ein bisher für Konzerne eher ungewöhnliches Verhalten.

Der nächste große Trend: Privates Filesharing über Facebook

Als ich vor einigen Tagen über den langsamen Aufstieg von Darknets im Filesharing schrieb, erwähnte ich auch das schnell wachsende Retroshare. Retroshare setzt für das private Teilen auf PGP-Schlüssel. Das ist ausgesprochen unhandlich und wenig mainstreamfähig. Bis heute verwenden verhältnismäßig wenige Leute PGP für Email. Werden sie für Filesharing damit auf breiter Basis anfangen? Unwahrscheinlich.

Welches Problem löst Retroshare mit PGP? Es löst das Problem der sicheren Identifizierung von Personen. Auf diese Art wird sichergestellt, dass man sich nur mit den Personen verbindet, mit denen man das auch möchte.

Die größere Hürde zur Verbreitung von Darknets ist die möglichst reibungsfreie Auflösung von Identitäten.

Moment. Identität haben wir im Netz doch schon gelöst. Facebook kann als größtes Social Network der Welt 850 Millionen aktive Nutzer verzeichnen.

Was wäre wenn Facebook und Darknets zusammen finden würden?

Martin Weigert auf netzwertig.com beschreibt mit dem aus Berlin kommenden Dienst Pipe einen ersten Filesharingdienst, der auf Facebook aufsetzt:

Das Trio nutzt für die kostenfreie Facebook-App, die momentan in einem kleinen Büro in Berlin-Mitte den letzten Feinschliff erhält, das so genannten Real Time Media Flow Protocol (RTMFP) von Adobe, welches eine direktere Peer-to-Peer-Verbindung zwischen zwei Adobe-Flash-Anwendungen ermöglicht. Nach der einmaligen Installation von Pipes Facebook-Anwendung können Nutzer jedem ihrer Kontakte bei dem sozialen Netzwerk direkt im Browser Dateien senden, die diese unmittelbar entgegennehmen, ohne dafür Facebook verlassen zu müssen. Die maximale Dateigröße beträgt ein Gbyte, was vorrangig auf übliche Begrenzungen des lokalen Browsers-Caches zurückzuführen ist. Pipes eigene Server übernehmen bei Datentransfers lediglich die Verbindung der zwei User und arbeiten nach den Worten von Mitgründer Eggersglüß “als eine Art Telefonbuch”.

Sean Parker, gebrannt von seinen Erfahrungen bei der Tauschbörse Napster, musste in den Anfangstagen von Facebook Mark Zuckerberg davon abbringen, neben Facebook an einem Filesharingdienst weiterzuarbeiten, den dieser mit Facebook verbinden wollte.

Welche Ironie der Geschichte:  Einige Jahre und beispielloser Erfolg von Facebook später, könnte dessen Plattform doch noch die von Zuckerberg angedachte Hochzeit von Social Network und Filesharing bringen. Aber eben nur, weil Zuckerberg von seinem Vorhaben doch abließ und sich auf Facebook konzentrierte.

Und die Rechteverwerter würden gar nicht zwingend etwas davon mitbekommen: Eben weil Darknets nicht in der Öffentlichkeit stattfinden, sind sie weder messbar noch verfolgbar. Auch Facebook merkt davon nichts, wenn die Architektur  des Darknets denn echtes P2P ist und nur für die initialen Verbindungen zwischen den Usern auf Facebooks Identifizierungssystem setzt.

Deswegen ist der Pipe-Ansatz zwar ein möglicher aber aufgrund der Beschränkungen nicht der interessanteste: Mehr Potential hätten Dienste, die nicht im Rahmen der Website von Facebook laufen, sondern ‘nur’ die Beziehungen zwischen den Facebooknutzern zur Erkennung von Freunden nutzt. Also mehr Facebook Connect als Facebook-App.

Man denke in die Richtung von Dropbox und Box mit Facebook Connect.

Auch andere Informationen wie etwa Streaminglinks oder von der jeweiligen Regierung nicht erwünschte Inhalte (Think Arab Spring) könnten über für die Identitäten an Facebook gekoppelte Darknet-Aggregatoren eine einfache aber sicherere Verbreitung erfahren, die trotzdem massenfähig ist.

Darknets fehlte immer eine einfache und damit massenkompatible Identifizierung von Nutzern. Die ist jetzt in Form von Facebook da.

Wie kann das künftig noch besser skalieren?

Die Antwort ist offensichtlich. Ein erweiterter Sharingbereich: Friend of a Friend.

Twitter wird Facebook nicht mehr einholen

Michael Seemann sieht die Felle für Twitter wegschwimmen:

Gestern hab ich dann so rumgeklickt und geriet auf das Facebook-Profil von Marina Weisband, das ich subscribed habe. Ich erschrak. Neben mir hat sie über 18.000 weitere Subscribers auf Facebook! Nachdem ich meine Eifersucht überwunden hatte, schaute ich auf ihr Twitterprofil @Afelia, wo sie auch nur knapp 22.000 Follower hat. Zumindest für sie ist Facebook also auch als Öffentlichkeitskanal mindestens genauso relevant wie Twitter.

Sicher, sie ist damit eine Ausnahme. Ihre vielen Fernsehauftritte waren mit Sicherheit der Motor dieser Subscriberzahl. Und weil die meisten Menschen, die Fernsehen gucken, eher auf Facebook sind, als auf Twitter, ist das auf Facebook auch ein ganz anderes Publikum. Und das merkt man auch an den Kommentaren, die dort auflaufen.

Dennoch: Marina zeigt, die Chance, über Facebook ein größeres Publikum zu erreichen und Öffentlichkeit zu schaffen, ist eindeutig da. Und diese Öffentlichkeit ist es, die Twitter Facebook immer voraus hatte. Aber dieser Vorteil fällt gerade. Facebookuser sind behäbig in der Adaption neuer Konzepte, aber sie fangen gerade an, mit der neu gewonnenen Filtersouveränität umzugehen. Und da die Grundgesamtheit an erreichbarem Publikum auf Facebook so viel größer ist, als auf Twitter, wird Facebook dieses Rennen machen. Da bin ich mittlerweile sicher.

Diese Entwicklung ist nicht sonderlich überraschend. Die Grundlage von Twitter ist das asymmetrische Followerprinzip (genau so ist es bei Google+).  Die Grundlage von Facebook ist das symmetrische Freunde-Prinzip. Es ist nun für Facebook viel leichter gewesen, in das Gebiet der asymmetrischen Vernetzungen vorzudringen, als es für Twitter möglich gewesen wäre, stärker in Richtung Freunde-Prinzip zu gehen.

Tatsächlich hat Twitter sogar angefangen, die einzige Funktion, die auf symmetrische Verbindungen setzt – die Privatnachrichten -, systematisch zu degradieren. Privatnachrichten sind in der Weboberfläche und den aktualisierten offiziellen Clients zunehmend schlechter erreichbar geworden. Die Message von Twitter ist klar: Benutzt bei uns gefälligst keine Privatnachrichten mehr.

Dass Facebook dagegen zusätzlich zu den Freundschaften das Follower-Prinzip integriert, war nur eine Frage der Zeit, weswegen ich die Einführung ein Jahr vorher vorhersagen konnte. (Ich habe in diesem Zusammenhang auch die Funktion vorhergesagt, dass Freundschaftsanfrager, die noch keine Bestätigung erhalten haben, zunächst automatisch Subscriber auf Facebook werden.)

Die Vernetzung steigt, der Nutzen des Netzwerks wird größer. Ich kann mir gut vorstellen, dass Facebook noch vor der dem Börsengang vorhergehenden Schweigeperiode repräsentative Subscriber-Zahlen veröffentlichen wird. Denn ich kann ebenfalls wie Michael Seemann beobachten, wie stark die Subscriber-Zahlen von populären Personen auf Facebook bereits gewachsen sind.

Facebooks Twitter-Feature, der Subscribe-Button, dürfte für immer mehr Menschen, sowohl Sender als auch Emfpänger, eine ernsthafte Alternative zu Twitter werden, auch und besonders was die Reichweite angeht. Und das bereits jetzt, obwohl die Funktion erst vor einem halben Jahr eingeführt wurde.

Die Twitter-Investoren mögen das nicht gern hören, aber Twitter wird wahrscheinlich nie auch nur annähernd so groß oder so wertvoll werden wie Facebook. Das ist nicht schlimm, abgesehen für die Geldbeutel der Investoren. Denn Twitter ist auch als ein Dienst, der nur den Bruchteil der Größe von Facebook hat, ein sehr erfolgreicher und für die Informationsverbreitung im Web wichtiger Dienst. Nur eben nicht ganz in der gleichen Liga wie Facebook. (Dass Twitter nicht mehr Facebook ernsthafte Konkurrenz machen wird, liegt auch am gewählten Geschäftsmodell. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Facebook, Apple und Google brauchen das Web, und sie wissen das auch

Johnny Haeusler sieht auf Spreeblick zwei parallele Netze entstehen, ein offenes, chaotisches und ein geordnetes, ‘sicheres’, von Konzernen be- und getriebenes Netz:

Bei genauerer Betrachtung gibt es das „geschützte“ Netz schon an mehreren Stellen:

Ließe man auf einem iPhone von Apple auch noch den Browser weg, hätte man dieses Netz schon, denn Apps und deren Funktionen unterliegen den Entscheidungen von Apple, Netzfunktionalitäten sind meistens App-interner, also eingeschränkter Natur und schwer zu umgehen, die Funktionen des Geräts sowie seine Inhalte lassen sich nach Altersstufen einschränken. Der interne Zahlungsverkehr ist bei Apple bereits eingebaut, ebenso wie bei den Mitbewerbern.

Schließlich arbeitet auch Facebook daran, dass der Nutzer Zuckerbergs Kreation nicht mehr verlassen muss, nicht einmal Links „nach draußen“ braucht man noch, wenn die Facebook-interne Reader-App des Guardian dessen Texte innerhalb von Facebook erscheinen lässt. Gespielt, Filme geschaut und Musik gehört wird eh schon direkt bei Facebook, was also hindert Provider daran, auf Wunsch des Kunden nur Facebook frei zu schalten?

Das ist eine oft gemachte Befürchtung, die allerdings unrealistisch ist.

Egal auf welcher Ebene der Wertschöpfung die Plattformen stehen: Sie brauchen immer die Anbindung an den Rest des Webs.

Schauen wir uns iOS an: Was wäre das iPhone oder das iPad ohne einen Browser? iOS ohne Browser wäre ein minderwertiges Betriebssystem, dessen Attraktivität aufgrund der Nichtanbindung an ein unkontrolliertes Web stark sinken würde. Jede konkurrierende Plattform, die neben den nativen Apps auch einen Browser erlaubt, wird immer gegen die browserfreie Variante gewinnen. Wettbewerb auf dem Markt, schöne Sache!

iOS ist eine Plattform, die gerade aufgrund der zwei Schienen – native Apps und Webapps – und des konsequenten Verfolgens dieser zwei Schienen so gut läuft und so gut angenommen wird.

Was ist mit Facebook? Es ist kein Zufall, dass Facebook Connect und die anderen Plattformkomponenten von Facebook, die für eine offsite-Verknüpfung verantwortlich sind (Like-Button, Open Graph) sehr viel erfolgreicher sind als die Apps, die visuell komplett innerhalb von Facebook laufen.

Die zunehmende Außenanbindung von Facebook macht dieses so attraktiv. Facebook braucht diese Außenverbindungen. Facebook braucht Startups und Websites, auf denen die verrücktesten Sachen passieren, und die Facebooks Social Graph und Open-Graph-Daten dafür nutzen.

Johnny Haeusler beschreibt es bereits selbst, wenn auch leider ungenau:

Gespielt, Filme geschaut und Musik gehört wird eh schon direkt bei Facebook

Eben nicht. Musik wird auf Simfy, Spotify, Deezer oder Rdio gehört. Alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie eigenständige Dienste mit eigenständigen komplexen Angeboten sind. Sie nutzen die Daten auf Facebook, um User besser zu vernetzen und das Angebot attraktiver (und viraler) zu machen. Alle gewinnen:  Die Nutzer, die Dienste und Facebook (Das ist die Win-win-win-Situation, die OpenID killt.).

Ich hatte das schon einmal in “Facebook ist nicht AOL 2.0, Facebook ist das Gegenteil” beschrieben:

Facebook ist nicht so erfolgreich, weil es so zentral wie möglich ist, sondern weil es, ausgehend von seiner Angebotskategorie, so dezentral wie möglich ist.

 

 

Die Mutmaßung, die Befürchtung, zwei getrennte Netze würden entstehen, ist also realitätsfern.

Was passiert aber stattdessen?

Statt die Plattformen als sich immer stärker abgrenzende ‘walled gardens’ zu betrachten, bieten sich eher Städte als sprachliches Bild an.

Facebook ist die stark wachsende Metropole. Sie bietet vielen Menschen mehr als die angrenzenden Dörfer, die untereinander über Straßen verbunden sind. Wer viel Zeit und Muße hat, kann auch in den Dörfern fast alles finden, was sein Herz begehrt. Aber eben nur mit viel Zeit und eben nur fast alles.

Die Metropole Facebook bietet, was die Dörfer nicht bieten (Nutzer, angebundene Dienste, Funktionen, die erst mit Masse Sinn ergeben). Aber erst die Möglichkeit für alles, was nicht direkt in der Stadt vorhanden ist, auf das Umland zurückgreifen zu können, macht die Stadt zu dem attraktiven Rundumangebot, das sie ist.

Programmierschnittstellen, sogar einfache Links im Newsfeed nach außen, sind die Straßen, die die Facebook-Stadt erst bewohnenswert machen.

studiVZ, war eine Stadt, die glaubte, ohne Straßen auskommen zu können. Das aktuell zu beobachtende Ergebnis dieser grotesken Annahme war seit Jahren vorhersehbar.

Das gleiche Bild lässt sich auf die Plattformen, die zunehmenden Rundumangebote, von Google und Apple übertragen. Die schönste Stadt kann ohne Verbindung nach außen nicht überleben. Und jeder Stadtdesigner und jeder Stadtliebhaber weiß das.

Mark Zuckerberg, Larry Page und Tim Cook würden sich mit Händen und Füßen gegen die Abtrennung ihrer Plattformen vom Rest des Internets wehren.

Weil die Anbindung an das Internet in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse liegt.

Sollte man als aktiver Facebook-Nutzer zählen, wenn man auf einer Website auf Like klickt?

Zurück zum Facebook-IPO-Report: Andrew Ross Sorkin stellt im Dealbook-Blog der New York Times die Vermutung an, dass Facebooks offizielle aktive Nutzerzahlen zu hoch sind, weil Facebook auch Nutzer mitzählt, die gar nicht Facebook selbst besuchen und vielleicht nur ‘Like’ auf einer Website anklicken. Diese Nutzer sehen dann zum Beispiel keine Werbung auf Facebook. Sorkin:

In other words, every time you press the “Like” button on NFL.com, for example, you’re an “active user” of Facebook. Perhaps you share a Twitter message on your Facebook account? That would make you an active Facebook user, too. Have you ever shared music on Spotify with a friend? You’re an active Facebook user. If you’ve logged into Huffington Post using your Facebook account and left a comment on the site — and your comment was automatically shared on Facebook — you, too, are an “active user” even though you’ve never actually spent any time on facebook.com.

Sorkin hat Recht mit der Aussage, dass hier von Facebook irreführende Zahlen verbreitet werden.

Auf der anderen Seite ist es allerdings so, dass natürlich diese User Facebook nutzen. Die Nutzungsgrade sind nur sehr verschieden. Für Facebook sind aber auch diejenigen nützlich, die nur Like klicken.

Eric Eldon auf TechCrunch:

There’s a bigger point to Sorkin’s article, which he sort of addresses, which second-guesses the premise. Likes are actually quite valuable in and of themselves, because Facebook can use them to target ads, and provide the data to developers so they can build products that use Facebook to customize user experiences. Likes and other actions also generate content in the news feed that in turn makes the site more engaging. It’s hard to know exactly how valuable all that targeting and engagement activity is.

Gerade die Ausbreitung von Facebook im Web und die Nutzung off-site  bieten enorme Potentiale für Facebook in der Zukunft:

But the Like buttons and other web-focused products are only part of what could be going on with Facebook’s web-wide play. It could turn on an ad network or a payments system that is available across the web at some point in the futre.

Facebook ist mit dem Like-Button bereits auf sehr vielen Websites. Davon ist es nur noch ein Schritt zum eigenen AdSense-Konkurrenten; an dem zusätzlich noch ein Payment-System dranhängen kann.

Trotzdem bleibt Sorkins Einwand gerechtfertigt.

Facebook sollte in seinen offiziellen Zahlen eine Unterscheidung zwischen Onsite-Nutzung und Offsite-Nutzung vornehmen. Das würde ein sehr viel genaueres Bild von der tatsächlichen Nutzung von Facebook zeichnen.

Facebook-IPO-Report:

Facebook Credits machen bereits 15 Prozent von Facebooks Umsätzen aus

Zurück zum Facebook-IPO-Report:

Facebooks bevorstehender Börsengang hat auch offenbart, wie sich die Webwährung Facebook Credits entwickelt. Facebook Credits repräsentierte 2011 bereits 15 Prozent von Facebooks Umsätzen. Interessant ist der Vergleich zwischen Facebook und PayPal, den Dan Frommer anstellt:

How does it compare to eBay’s PayPal, the online payments leader? Right now, as measured by net revenue — the money from digital transactions that the companies actually get to keep — Facebook’s payments business is already 15% the size of PayPal, up from 9% of PayPal’s size in the first quarter.

Facebook Credits wird praktisch ausschließlich für den Verkauf von virtuellen Gütern eingesetzt. Solang Facebook an der Gebühr von 30 Prozent bei jeder Transaktion festhält, wird sich daran nicht viel ändern. Die Potentiale des Marktes sind aber zu groß für Facebook, um sie zu ignorieren.

Betrug wäre über Facebook etwa stark minimierbar, wenn Facebook die Social-Graph-Daten zur Reputationsbestimmung mit einbezieht.

Mehr zu Facebook:

Mark Zuckerberg wird die Kontrolle über Facebook auch nach Börsengang behalten

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New York Times über die Verteilung der Anteile von Facebook:

Mr. Zuckerberg, 27, has 533.8 million shares, worth $28.4 billion based on a company valuation of $100 billion, or $53 a share. He also has undisputed control of the company, a remarkable achievement since the company has received financing from some of the world’s top business minds. He owns 28.4 percent of the company outright and he controls 57 percent of the voting rights.

[..]

Bill Gates controlled only 49.2 percent of Microsoft as it went public in 1986. Google’s co-founders, Larry Page and Sergey Brin, each owned about 15 percent of their company when it went public in 2004.

Das ist eine wirklich bemerkenswerte Leistung von Mark Zuckerberg. Wer das Buch “The Facebook Effect” (Affiliate-Link) gelesen hat, weiß  auch, wer daran einen bedeutenden Anteil trägt: Sean Parker. Sean Parker war mit Napster (an der Musikindustrie) gescheitert und hatte anschließend Plaxo gegründet. Dort wurde er über Finanzierungsrunden, in denen er durch schlechte Konditionen immer mehr Kontrolle über sein gegründetes Unternehmen verlor, irgendwann herausgedrängt. Mit dieser Erfahrung kam Parker als Berater und Mentor zu Zuckerberg und dem jungen Facebook.

Er hatte einen großen Einfluss auf Zuckerberg und half diesem, keinen Finanzierungen zuzustimmen, die dazu führen würden, dass Zuckerberg irgendwann die Kontrolle über das Unternehmen verlieren würde. Zuckerberg bestimmt zum Beispiel bis heute über die Mehrheit der Sitze im Board von Facebook.

Das ist ein enorm wichtiges Detail, um Facebook zu verstehen. Facebook war, ist und bleibt Zuckerberg.

Was wäre etwa passiert, wenn Zuckerberg nicht die Kontrolle behalten hätte? Die Investoren hätten vielleicht einen Verkauf von Facebook an Yahoo!, das 2006 an einer Übernahme interessiert war, durchgesetzt. Facebook hätte sich so blendend entwickelt wie Flickr und Delicious.

Stattdessen hat Zuckerberg unverdrossen an seiner Idee von Facebook festgehalten und stetig weiterentwickelt. Er hätte vor langer Zeit sehr reich mit dem Verkauf von Facebook werden können. Daran hatte er anscheinend nie Interesse. (Er kommt auch nicht aus armen Verhältnissen.)

So sehr sich Brin und Page in jüngster Zeit bemühen, aus dem phänomenalen Erfolg von Apple für ihre Google-Produkte zu lernen, so sehr scheitern sie. Steve Jobs’ Bruder im Geiste ist Mark Zuckerberg: Kontrolle, Vision, Produkt(e) mit Impact.

Facebooks Chancen, was Geschäft und Einfluss auf die Gesellschaft angeht, sind weitaus größer als die Chancen von Google zum heutigen Zeitpunkt. Und damit auch Zuckerbergs Chancen, eine Kerbe in’s Universum zu machen.

Die enormen Möglichkeiten Facebooks sind auch eine größere Gefahr für das Unternehmen: Facebook wird höchstwahrscheinlich in den nächsten Jahren nach dem Börsengang so groß und erfolgreich werden, dass starke Regulierungsmassnahmen unausweichlich werden.

Sean Parker arbeitet heute unter anderem mit Spotify zusammen.

(via Daring Fireball)

Siehe zu Facebook auch:

Zynga war 2011 für 12 Prozent der Umsätze von Facebook verantwortlich

Der Social-Games-Anbieter Zynga war 2011 für 12 Prozent der Umsätze von Facebook verantwortlich. AllThingsD:

Facebook said today in its filing with the Securities & Exchange Commission that Zynga accounted for approximately 12 percent of the company’s revenue last year when Facebook’s revenues totaled $3.7 billion. The revenue came from both its 30 percent payments processing fee related to the sale of virtual goods from games, such as FarmVille and Words With Friends, but also from advertising purchased by Zynga. Additionally, Facebook said Zynga’s apps generate a large number of pages on which it displays ads from other advertisers.

Das ist aus mehrerlei Sicht interessant. Oft wird bei (Web-)Plattformen darauf verwiesen, wie abhängig die App-Anbieter von den Plattformen werden. Selten wird darauf eingegangen, dass auch die Plattformen in eine mehr oder weniger große Abhängigkeit zu den ihre Plattform nutzenden Anbietern gelangen.

Zyngas Einnahmen kommen ungefähr zu 93 Prozent von Facebook. Dass aber auf der anderen Seite Facebook auch von Zynga abhängt, was maximal in der Höhe überraschend ist, hat der öffentlichen Wahrnehmung von Zynga gut getan. Der Aktienkurs von Zynga ist gestiegen.

Zynga ist längst ein Anbieter, auf den Facebook nicht mehr verzichten kann. Jetzt gibt es auch die zugehörigen Zahlen. Die Beziehung der zwei Unternehmen bleibt interessant, denn sie bestimmt zu einem gewissen Grad, wie Facebooks Plattform von Entwicklern wahrgenommen wird.

Facebooks Geschäft

Nachdem Facebook sein SEC-Filing für den anstehenden Börsengang eingereicht hat, kann man endlich einsehen, wie sich das Social Network wirtschaftllich entwickelt hat. Eine der bisher besseren Analysen kommt von Henry Blodget:

Specifically, Facebook is nearly a $4 billion company with nearly a 50 percent operating profit margin growing at better than 75 perecent per year. And, 7 years after its founding in a college dorm room, it is used by about 1/7th of the world’s population.

That is an awesome business, no matter how you look at it. And it’s worth a ton of money.

[..]

Based on Facebook’s size, growth rate, and profitability, a 10X-15X revenue multiple is probably fair.  So that would give you a “fair value” range of ~$40 billion to $60 billion based on last year’s revenue. Looking forward, you’d get $55-$80 billion based on a reasonable projection for this year’s revenue ($5-$5.5 billion) and $70-$100 billion based on a 2013 revenue estimate ($7 billion).

[..]

Ultimately, Facebook will trade at a similar earnings multiple to where companies like Apple and Google are trading today (15X-20X). The only question is when. So folks who gleefully pay 50X+ earnings for the company had better be VERY confident that Facebook’s earnings growth won’t slow over the next few years.

Eine Bewertung von 100 Milliarden US-Dollar ist seiner Ansicht nach nur gerechtfertigt, wenn man davon ausgeht, dass Facebook in naher Zukunft ein sehr profitables neues Geschäftsfeld aufmacht, das es jetzt noch nicht betreibt. (Facebook Credits für das gesamte Web?)

Wenn Werbung auf Facebook effektiver ist als auf Google

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Buchautor Jeff Matthews kommt zu dem Schluss, dass Werbung auf Facebook effektiver sein kann als auf Google:

So, while Google is a company I’ve admired from Day One for many of the reasons Wall Street distained it early on (including a management team totally focused on the long run, paying almost no attention to quarterly earnings), Facebook will, absolutely, hurt Google.  
In fact, it already has, if my own experience advertising a similar product using both Google AdWords and Facebook is any indication.
The product advertised is “Secrets in Plain Sight: Business and Investing Secrets of Warren Buffett” (eBooks on Investing, 2011).  My publisher advertised the earlier, print version on Google, and the more recent e-book on Facebook.  
And while both Google’s and Facebook’s platforms are similar in form, ease of use and detailed statistical reports, Facebook created demand I could monitor on Amazon.com in near-real-time, while Google’s impact was hard to see and impossible to value.  In short, Facebook worked far better than Google AdWords.

Facebook ist in Matthews’ Augen effektiver, weil es dem Werbekunden erlaubt, genau die Person herauszusuchen, die man bewerben will:

But the magic of Facebook’s targeting doesn’t stop with countries or education.  If I wanted to, I could advertise to all 10,141,480 Facebook users with birthdays that happen in a week or less.

Think about that.

And if you really want your head to spin, think about this: according to a friend in retailing, the average Facebook woman updates her relationship status to “Engaged” within two hours of the guy actually proposing…so Facebook sells that relationship status information to retailers who have bridal registries.

As my pal told me, “We’ve been looking for this for fifty years.”

Das ist insofern interessant, als dass üblicherweise vermutet wird, dass Facebooks Werbemittel denen von Google unterlegen sind. Das stimmt auch in einigen Bereichen. Wenn ich zum Beispiel einen Kauf plane und Informationen auf Google zu möglichen Produkten suche, dann ist Googles AdWords genau der Weg, um mich zu erreichen. (Google verdient sein Geld nicht mit Suchen nach Nachrichtenartikeln, wie mancher Presseverleger glaubt, sondern mit transaktionalen Suchen.)

Aber in vielen Bereichen ist wiederrum Facebook Google überlegen, weil es auf andere Informationen zurückgreifen kann. Beide dürften sich recht gut ergänzen.

Interessant ist das auch vor dem Hintergrund des anstehenden Börsengangs von Facebook und der bevorstehenden Diskussion, ob wir jetzt nicht doch endlich in einer Blase sind. Der Facebook-IPO wird die üblichen Untergangspropheten noch sehr viel stärker beschäftigen als der Groupon-IPO letztes Jahr.

Der Aufstieg der Internetkonzerne

Bloomberg über die steigende Zahl an Arbeitsplätzen bei Techunternehmen:

Among U.S. technology companies with a market value of more than $100 million, almost 50 increased employment by more than half in the most recently reported two-year period, according to data compiled by Bloomberg. [..]

Apple Inc. (AAPL), Google Inc., Amazon.com Inc. (AMZN) were among the companies that increased their workforce by at least 50 percent in the past two years, Bloomberg’s data showed. [..]

The appetite for employees isn’t showing signs of waning. Amazon and Facebook Inc. each plan to add thousands of jobs in 2012, many in new satellite offices. [..]

In 2011, more than 9 percent of the school’s graduates went to work for technology and media companies, up from 6 percent in 2009, according to university employment reports.

Vor einigen Tagen twitterte ich: “These: Wir befinden uns in der Phase der Bildung der künftigen Internetkonzerne. (die zu präfixlosen Konzernen werden.)”

Das halte ich für sehr viel wahrscheinlicher, als das erneute Vermuten einer “Blase 2.0″, wie es etwa im Bloomberg-Artikel geschieht. (und seit 5 Jahren herbeigeredet wird) Denn die Erfolgsgründe bei Apple, Amazon und Facebook etwa könnten unterschiedlicher nicht sein.

Die einzige Gemeinsamkeit: Sie sind erfolgreich dank des Internets.

Langsam aber sicher werden auch viele dieser entstehenden Riesen in den nächsten Jahren zu gewöhnlichen Bestandteilen unseres Alltags und in den Hintergrund treten, vergleichbar etwa mit den Internetzugangsprovidern. (Nicht haargenau so, weil Software als eine Basis auch agiler bei den Geschäftsmodellen macht, aber tendenziell werden sie sich angleichen.)

Erfolg im Techsektor führt oft zur Verstandardisierung des eigenen Produkts.

Für den Rest der Anbieter lautet das Motto dann: Movin’ up the stack.

Twitters Shit-Sandwich

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Warum war Twitter das erste Unternehmen, das besonders laut aufgeschrieen hat, als Google Google+ in die Suche integriert hat?

Weil man bei Twitter weiß, dass man am meisten zu verlieren hat. Twitter steckt in einer ausgesprochen schlechten Ausgangslage ist:

1. Google stärkt die Integration von Google+ in die eigene Suche. Damit wird Google+, das mit seiner Asymmetrie der Beziehungen von Anfang an direkter Konkurrent zu Twitter war, dem Newsliebling Twitter sehr gefährlich.

2. Das ungefähr achtmal so große Facebook ist mit dem Abonnieren-Button direkt in das Followeprinzipland von Twitter eingedrungen.

Twitters Position zwischen Facebook und Google+ ist denkbar schlecht.

Hier liegt das Dilemma:

Was passiert, wenn Google+ eine Read/Write-API bekommt?

Wird Twitters Poweruser-Client Tweetdeck den direkten Twitter-Konkurrenten Google+ unterstützen?

Nein? Wird Tweetdeck dann der bevorzugte Poweruser-Client bleiben oder entsteht eine Marktlücke?

Was passiert, wenn Facebook seine APIs aufbessert und bessere Unterstützung für Pages, Gruppen und Abonnements anbietet?

Wird Tweetdeck den direkten Twitter-Konkurrenten Facebook besser integrieren?

Wie lang noch, bis Clients von Drittanbietern “promoted Tweets” anzeigen müssen als Gegenleistung für den Zugang zur API?

Diese Problematiken meinte ich, als ich letztes Jahr vermehrt darüber geschrieben, dass der Weg von Twitter Geld allein über Werbung verdienen zu wollen und dafür unter anderem auf die Kontrolle der Clients zu setzen, ein Irrweg ist. Die Ausgangslage von Twitter war dafür nie prädestiniert:

Als Twitter nach Tweetie Tweetdeck übernahm, fragte mich die taz für einen Artikel, was Twitter mit Tweetdeck machen will. In der Tat. Gute Frage.

Um auf diesem Pfad nun zu bleiben, muss Twitter notgedrungen die direkten Konkurrenten in seinem Poweruserclient unterstützen, oder dort die Poweruser verlieren. Gleichzeitig müssen sie einen Deal mit Google machen. Weil spätestens mit der Read/Write-API von Google+ auch Tweets ihren Weg zu Google+ finden. Und dann als Google+-Updates hervorgehoben in der Google-Suche angezeigt werden. Nicht als Tweets, als Google+-Updates.

Wenn das kein Shit-Sandwich ist, dann weiß ich nicht was sich als solches klassifiziert.

Vertikale Integration ist in der vernetzten Welt der Internetwirtschaft  sehr viel schwieriger als in der Softwarewelt der Neunziger, als Microsoft mit Windows und Office das gesamte Universum geknechtet hat.

Britney Spears hat auf Facebook 1.025.322 Abonnenten. Auf Google+ wurde sie von 1,4 Millionen Personen eingekreist. Auf Twitter hat sie 12,5 Millionen Follower.

Noch hat sie mehr Follower auf Twitter als auf Facebook oder Google+. Die Frage ist, wie lange noch? Während Twitter Jahre Zeit hatte für das Aufbauen des Publikums von Prominenten und anderen Nutzern, existiert Google+ erst seit einem Dreiviertel Jahr und Facebooks- Abonnieren-Button gibt es auch erst seit September 2011.

Wie sieht es wohl in zwei oder drei Jahren aus? Vor allem: Wenn ein an Prominenten interessierter diesen auch auf Facebook folgen kann, wo man bereits angemeldet ist, wo liegt der Nutzen für den Mainstream noch bei Twitter? (Ja, den gibt es trotzdem noch. Aber er sinkt, weil sich alles asymmetrische auch auf Facebook, Tumblr und Google+ abbilden lässt, und überall ohne 140-Zeichen-Beschränkung.)

Um die Antwort auf diese Fragen vorweg zu nehmen: Die Facebook-Fanpage von Spears wiederum hat bereits über 16 Millionen Fans.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Facebook auf der nächsten f8-Konferenz verkünden, wie erfolgreich der Abonnieren-Button ist und wie viele Abonnenten die Prominente XY und der bekannte Experte 08/15 mittlerweile über Facebook erreichen können. Und das alles neben dem Erfolg der Fanpages.

Das Wort Twitter wird nicht fallen, aber die Übung wird trotzdem genau das vermitteln: “Schaut her, Ihr könnt über Facebook viel besser machen, was Ihr auf Twitter macht. Und wir haben keine albernen Beschränkungen. Und wir sind viel größer!”

Vor einiger Zeit schrieb John Gruber über das Shit-Sandwich, das Twitter den eigenen App-Entwicklern präsentierte. Jetzt steckt Twitter selbst in einem. Ihr problematisches Verhältnis zu ihrem eigenen Ökosystem wird dabei nicht helfen.

Das heißt alles nicht, dass Twitter dem Untergang geweiht ist. Aber es deutet darauf hin, dass Twitter nicht das große, wichtige Webangebot werden wird, das man sich dort zum eigenen Ziel gesetzt hatte. Unter anderem hält die Finanzierungsform über Werbung Twitter davon ab. Damit lässt sich (zumindest kurz- und mittelfristig) viel Geld verdienen. Aber es bedeutet eben auch, dass Twitter damit die Kontrolle über Bereiche seines Ökosystems nehmen muss, die nicht ohne Kollateralschäden übernehmbar sind.

Jede geöffnete Einkommenstür schliesst andere Türen.

Twitter hätte das große, webumfassende Angebot werden können, das “plumbing for the web”, wie es sich die Gründer vorgestellt hatten und immer noch vorstellen. Mit ihrem Schritt Richtung Werbung und Kontrolle der Oberfläche haben sie eine Richtung eingeschlagen, die sie vor der Erfüllung ihrer Vision bewahren wird, denn mit dieser großen Vision lässt sich nicht so viel Geld verdienen. Ein Twitter nach diesen Vorstellungen? Think Craigslist.

Aber wenn die heutigen Probleme und eingeschlagenen Pfade von Twitter darauf hindeuten, dass die Zukunft nicht die Weltherrschaft bringen wird, was dann?

Das alles deutet darauf hin, dass die hohen Bewertungen von Twitter vielleicht doch nicht gerechtfertigt waren.

Wenn Management und Investoren irgendwann zum gleichen Schluss kommen, könnte Twitter kaufbar und bezahlbar werden. Man benötigt nicht viel Vorstellungskraft um sich vorzustellen, wer auf diesen Moment wartet: Apple.

Verteiltes Social Network: EyeEm-Fotos jetzt auch vollwertige Facebook-Fotos

Das Berliner Fotosharing-Startup EyeEm folgt Instagram und macht seine Fotoimports in Facebook zu vollwertigen Fotos mit eigenem Foto-Album:

From today on, EyeEm offers you to share your photos big time on Facebook. This means that whenever you choose to share an EyeEm image on Facebook, it will now appear full-sized in the news feed and, if you have Timeline, the photos will be displayed beautifully on your profile. All photos will be collected in the photo album “EyeEm Photos” and each photo caption also includes the URL to your image on EyeEm.

Als Instagram den Schritt letzte Woche bekannt gab, schrieb ich:

Statt selbstgehosteter vernetzter Software auf eigenen Servern sind es Webdienste von Unternehmen, die sich via APIs verknüpfen und so den Anfang für ein verteiltes Social Network legen, für ein wahres Social Web.

Je mehr Fotodienste dem Vorbild von Instagram und EyeEm folgen, desto weniger können sich andere Fotodienste den Luxus erlauben, darauf zu verzichten. (klassischer Sog zweiseitiger Märkte)

Damit könnte wir nun endlich, 2012, den Anfang von etwas sehen, über das schon lang diskutiert wird.

Der nächste Schritt wären API-Standards. Anfang 2010 schrieb ich:

Die APIs sind die Links des Social Web.

Man stelle sich eine Welt mit umfangreichen, weit verbreiteten API-Standards vor. Das Web wäre nicht wiederzuerkennen.

Heute sehen wir vor allem noch proprietäre APIs. Bei Twitter zum Beispiel. Dort sieht man auch bereits, wie wenig die Entwicklung zu Standards in den meisten Bereichen aufzuhalten ist: Die Twitter-API wird bereits über Reverse Engineering – siehe WordPress- und Tumblr-Unterstützung der Twitter-API – Schritt für Schritt zum Standard.

Wer über die Implikationen nachdenkt, sieht die Richtung, in die das Web die nächsten 10 Jahre gehen wird.

Wenn Instagram und co. bereits die Facebook-API implementiert haben, wäre es für ein neues Startup, das Funktionen rund um Fotos anbieten will, sinnvoll, die entsprechenden API-Funktionen via reverse engineering zu kopieren, um mögliche Einbindungen für andere so kosteneffizient wie möglich zu gestalten…

EyeEm versucht etwas, an dem so ähnlich das US-Startup Color schnell gescheitert ist: Fotos rund um Plätze, Themen und Events gruppieren als Alleinstellungsmerkmal. Colors ursprüngliches Konzept scheiterte unter anderem an einer dummerweise fehlenden Facebook-Anbindung.

Google+-Integration in Suche ist der Aufbau von Verhandlungsmasse gegenüber Facebook, Twitter

Die gestern bekannt gemachte tiefe Integration von Google+ in die Google-Suche ist die größte Veränderung der Suche von Google seit der Einführung von AdWords.

Es ist nicht verwunderlich, dass MG Siegler angesichts der Integration der beiden Produkte ein Antitrust-Problem sieht. Ich sehe das nicht.

Googles Strategie mit Google+ dürfte mit der Integration klarer denn je geworden sein. Treten wir einen Schritt zurück. Siegler sieht hier die Verbindung zum Antitrust-Verfahren gegen Microsoft, als der Internet Explorer mit Windows ausgeliefert wurde.

Die Situation mit Google+ ist aber anders.

Microsoft wollte mit dem Bündeln von Betriebssystem und Browser verhindern, dass sich ein anderer Browser als der ihre etablieren kann.

Google dagegen ist es ‘relativ’ egal, welches Social Network sich etabliert. Hauptsache, es hat Zugriff auf die Daten und kann diese auswerten und durchsuchbar machen.

Google führt also Google+ nicht in die Suche ein, um die anderen Social Networks aus der Suche herauszuhalten. Es führt vielmehr eine neue Kategorie von Suchergebnissen ein. Und startet die mit Google+.  (Die Aussage an Twitter und co. lautet demnach auch: ‘Wenn Ihr eben kein Interesse daran habt, mit uns zusammenzuarbeiten, dann bauen wir eben einen Konkurrenten auf.’)

Warum? Weil Google unbedingt verhindern muss, dass der blinde Fleck Facebook (neben dem größten Social Network unter anderem auch der weltweit größte Fotosharingdienst) immer größer wird. Denn je größer der blinde Facebook-Fleck wird, desto mehr fällt die Bedeutung des Index von Google.

Google hatte bereits Twitter in die Suche integriert. Der Deal aber endete letztes Jahr. Gut möglich, dass Google festgestellt hat, dass Twitter eine weitaus stärkere Verhandlungsposition hat, als es den Leuten in Mountain View gefällt.

Danny Sullivan hat mit Google-Chairman Eric Schmidt gesprochen:

Schmidt then said:

“I do hope when you speak to Facebook, you ask them analogous questions about opening up their index and all that content that’s behind there,” ending with a smile.

We talked further about what my issues were. I stressed the concern of Google not pointing to anything other than Google+ for these new social suggestions, not what I had expected from the same search engine that points at content even from rivals through things like Google Finance.

“We had permission,” in that case, Schmidt said, suggesting that Google seemed to lack the permission needed to equally display social suggestions from Facebook and Twitter.

Google will Facebook, Twitter und co. in der eigenen Suche. Denn derjenige Konkurrent (Bing?), der ‘Social Search’ hinbekommt, hätte dann einen Vorteil gegenüber Google, der erstmals dem Suchriesen gefährlich werden könnte. Mit jedem Like-Klick steigt die Gefahr für Google.

Je größer Facebooks private Datenschatzkammer wird, je mehr Social-Graph-Daten Twitter und co. anhäufen, desto größer die eben beschriebene Gefahr für Google und desto erpressbarer wird Google.

Jedes Antitrust-Argument kann Google mit den Worten abschmettern, dass sie gern Facebook und Twitter ebenso integrieren wie Google+; wenn diese das denn wollen.

Denn eben genau das will Google. Es will all die privaten Daten, die auswertbaren Vernetzungen. Alles. Twitter zum Beispiel ist zwar indizierbar, weil öffentlich, setzt aber auch seit längerem no-follow-Links verstärkt ein. Google bekommt also nur die Brotkrumen.

Jetzt auf einmal sieht sich Twitter einer anderen Situation gegenüber: Rein in die neue Social-Kategorie von Suchergebnissen, die Google für seine Suche mit Google+ eingeführt hat, oder relativ zu Google+ benachteiligt zu werden.

Google versucht, seine Verhandlungsposition gegenüber Twitter, Facebook und anderen Anbietern, die soziale Daten anhäufen, stark zu verbessern. Nicht mehr, nicht weniger. 2012 wird spannend.

Das Fazit:

Google+ existiert unter anderem, weil Google unbedingt auch die privaten Daten von Facebook und co. indizieren will.

Verteiltes Social Network: Instagram erstellt vollwertige Fotoalben auf Facebook

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Das verteilte Social Network/Social Web existiert bereits in Anfängen und entwickelt sich stetig weiter. Nur sieht es anders aus, als die meisten Netzaktivisten es sich vorstellen.

Ein Beispiel für die Entwicklung liefert der mobile Fotosharingdienst Instagram. Futurebiz:

Instagram hat seine Facebook Verknüpfung optimiert und veröffentlicht nun automatisch alle Instagram Fotos, die auf Facebook geteilt werden, in einem eigenen Album.

Das Album trägt den Namen Instagram und unterscheidet sich sonst nicht von anderen Foto-Alben.

Das Gleiche war vorher bereits mit dem Umweg über den ebenfalls kommerziellen Dienst ifttt möglich, der Dienste miteinander verknüpfbar macht.

Statt selbstgehosteter vernetzter Software auf eigenen Servern sind es Webdienste von Unternehmen, die sich via APIs verknüpfen und so den Anfang für ein verteiltes Social Network legen, für ein wahres Social Web.

Facebook steht mit seiner erfolgreichen Plattform und seiner riesigen Community im Mittelpunkt des entstehenden verteilten Social Webs. Facebook ist der größte Knoten, und wird das auf Jahre bleiben.

Gowalla ist am Ende, Team wird von Facebook übernommen

Gowalla ist von Facebook übernommen worden. Dabei geht es nicht um den Dienst, der bereits Ende Januar 2012 eingestellt wird, sondern um das Team dahinter, das zu Facebook gehen wird.

Es war bereits länger abzusehen, dass Gowalla nirgendwo hingeht. Das Team hinter Gowalla zeigte bereits früh im Gegensatz zu Foursquare keine Vision. Im Juni diesen Jahres hatte ich meine bereits ältere Vermutung, dass Gowalla gegen Foursquare keine Chance haben würde, hier im Blog festgehalten, und es unter folgender Kategorie eingeordnet:

Dienste, die es mittelfristig schwer haben werden zu überleben, weil ihre Differenzierung zum nächsten, um Dimensionen größeren Konkurrenten nicht sehr überzeugend ist

Das Gowalla-Team ist kein Geschäftsteam sondern ein Designteam (hübsche App für einen undifferenzierten Dienst). Und genau so ein Team scheint Facebook zu wollen. Sie haben im Laufe des Jahres viele, teils sehr gute Designer eingekauft.

Bleibt die Frage: Wofür?

Path sollte ein Facebook-Client sein

path

Dan Frommer über Path und Instagram im Vergleich zu Facebooks mobilen Apps:

But boy is Facebook’s mobile presence looking bland these days.

The new Path app, for example, is much more attractive and feels more magical. Instagram, I’ve found, is a much more interesting photo app to spend time with on my phone than Facebook (or Flickr or Tumblr, for that matter). Twitter is still a better service than Facebook for wasting time and reading status updates. To put it nicely, Facebook’s app can be… “quirky” at times.

[..]

when’s the last time Facebook really wowed you with something in mobile?

Tatsächlich sieht besonders das neue Path sehr gut aus. Und tatsächlich bleibt Facebook auf den mobilen Plattformen bisher hinter den Möglichkeiten zurück.

Die Antwort liegt meines Erachtens im Client-Markt, der bei Facebook bis dato noch nicht sehr ausgeprägt ist.

Path selbst versucht sich unter anderem mit einer Beschränkung auf 150 Kontakte von anderen Social Networks abzusetzen. Das halte ich bekanntlich für nerdigen Unsinn, der nur für Leute ansprechend ist, die auf Facebook Tausende Freunde hinzugefügt haben.

Ohne Anbindung an Facebook etc. sehe ich keine Zukunft in Path. Path selbst aber scheint sehr gut in der Entwicklung ansprechender Oberflächen zu sein. Dementsprechend wäre es naheliegend, Path als Facebook-Client zu verstehen und zu entwickeln, wenn man es nicht schafft, ein eigenes Netzwerk hochzuziehen.

Wenn Facebook die Freundeslisten und die Unterscheidungen zwischen engen und nicht so engen Freunden ernster nehmen und besser etwa in den APIs abbilden würde, würden wahrscheinlich auch mehr Clients für spezielle Anwendungsfälle entstehen. (Ich bin nicht  sicher, wie gut Freundeslisten in den APIs unterstützt werden. Meines Wissens nach ist das bis dato keine Priorität bei Facebook.)

Path wäre der perfekte Client für die Facebook-Liste der engsten Freunde. Es würden nur die Updates aus dieser Liste (oder einer anderen im Vorfeld ausgewählten Liste) angezeigt und die mit Path abgegebenen Updates würden auch nur für Freunde aus dieser Liste sichtbar sein.

Aktuell ist Path allerdings lediglich eine hübsche mobile App ohne Zukunft. Und Facebook aktuell ein Social Network mit Zukunft ohne hübsche mobile App.

Facebook erhöht Zeichenlänge für Updates auf über 60.000 Zeichen

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Facebook hat die maximale Zeichenlänge für Updates auf 63.206 Zeichen erhöht. Inside Facebook:

Facebook said today that it has increased the maximum character count in status updates to over 60,000. This is 12 times the original character count of 5,000.

Damit wird Facebook ein weiteres Stück blogähnlicher.

Facedroid: Facebook arbeitet mit HTC an eigenem Mobiltelefon auf Androidbasis

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Facebook wird laut AllThings D, der Techpublikation des Wall Street Journals, innerhalb der nächsten 12 bis möglicherweise 18 Monate ein eigenes Mobiltelefon herausbringen.

Leider heißt das Projekt nicht Facedroid sondern ‘Buffy’.

AllThingsD:

Code-named “Buffy,” after the television vampire slayer, the phone is planned to run on a modified version of Android that Facebook has tweaked heavily to deeply integrate its services, as well as to support HTML5 as a platform for applications, according to sources familiar with the project. Facebook only recently chose HTC, after also considering at least one other potential hardware partner — Korea’s Samsung. That means the products themselves are still a ways from hitting the market, potentially as long as 12 to 18 months.

Interessanterweise geht Facebook, das bereits 350 Millionen aktive mobile Nutzer verzeichnet, den gleichen Weg wie Amazon: Es benutzt ein modifiziertes Android. Das ist so naheliegend, wie es für Android naheliegend war, auf Linux aufzusetzen: Man muss nicht den ganzen Weg, den andere bereits gegangen sind, noch einmal beschreiten. Android ist Open Source und ist ein funktionierendes mobiles Betriebssystem mit Touch-Oberfläche.

Es stellt sich nun auch die Frage, ob die iOS-Integration von Twitter eine direkte Antwort von Apple auf dieses Vorhaben von Facebook war, von dem man bei Apple vielleicht erfahren hat. Auf jeden Fall ist es interessant, dass Apple das kleine, im Vergleich zu Facebook fast bedeutungslose Twitter auf Systemebene in iOS integriert hat. Das ist etwas, das Apple sonst nie macht. Dass Apple für diese außergewöhnlich tiefe Integration auch noch auf den Marktführer verzichtet hat, ist ziemlich kurios.

Das wirft auch eine weitere Frage auf: Wenn Facebook jetzt Mobiltelefonplattform-Anbieter wird, wie attraktiv ist dann für Apple noch die Integration von Facebook in die iOS-Plattform? War das vielleicht komplett vom Tisch, was Facebook erst zu diesem Schritt getrieben hat, bei dem sie weniger zu verlieren haben? Was ist mit Microsoft und Windows Phone?

Zurück zu Android: Was ist mit Google?

Google wird Facebook  nicht mit Fanfaren und Begrüßungsstrauß im Androidlager begrüßen. Genauso wenig wie es Amazon begrüßt hat. Und das obwohl Amazon, das angeblich ebenfalls ein eigenes Telefon zusätzlich zu seinen Tablets plant, und Facebook zu den wichtigsten Android-Playern neben Google werden können.

Ist Facebooks Schritt aber ein Schlag in’s Gesicht von Google?

Nur bedingt, auch wenn die schlechteren Technologiepublikationen das als Aufhänger benutzen werden. Natürlich ist es für Google zumindest eine eigenartige Situation, dass der Konkurrent auf der Social-Ebene der Wertschöpfung ihr Produkt auf der Mobil-OS-Ebene benutzen wird. Aber das ist gar nicht so verkehrt für Google, dessen größter Konkurrent im Mobil-Sektor Apple ist. Dort heißt es: Je mehr Androids umso besser, um es stark vereinfacht auszudrücken.

Interessant ist, dass hier Android auch wie bei Amazons Tablet Kindle Fire im Hintergrund laufen wird. Der Vordergrund aber von Facebook angepasst wird. Weitere Fragmentierung? Ja und nein. Zu Amazon und Androids Rolle im Hintergrund schrieb ich:

Und natürlich ist das genau das, was Amazon will: Eine eigene Plattform. Mit eigenen Netzwerkeffekten, eigenem Sog.
Das zugrunde liegende Android könnte dann eine immer unbedeutendere Rolle spielen. So wie die Tatsache für Enduser kaum eine Rolle spielt, dass Android wiederum selbst auf Linux basiert.
Niemand argumentiert, dass es schlecht für die Linux-Fragmentierung ist, dass Google Android (gekauft und) entwickelt hat. Ebenso findet es auch niemand schlimm, dass Linux auch die Grundlage für WebOS und Chrome OS ist.
Genau das Gleiche könnte Android selbst basieren: Die Basis für Tablets werden. Der kleinste gemeinsame Nenner. Mit immer weniger werdenden Kompatibilitäten unter den Android-Abwandlungen.

Anders ausgedrückt:

Fragmentierung für Android ist ein Problem auf Hardwareseite, wenn die Hersteller anfangen, über leichte Softwareanpassungen oder Hardwareunterschiede Differenzierungspunkte zu suchen, aber trotzdem noch Android sein wollen.

Auf Plattformebene, wie bei Facebook und Amazon, tritt Android in den Hintergrund so wie Linux hinter Android in den Hintergrund tritt. Facebooks und Amazons Android-Versuche sind Erweiterungen des Android-Kosmos, die nicht zwingend unter das Label Fragmentierung fallen.

Es ist ein Trend, der an Bedeutung zunehmen könnte: (Web-)Plattformanbieter bestimmen zunehmend den mobilen Sektor und seine Hardwareprodukte, die Hardwarehersteller werden zu besseren Zulieferern. (Oder es kommt alles wie bei Apple, Blackberry und webOS aus einer Hand.) HTC könnte nur der erste von weiteren Facebookphone-Herstellern sein. Ein weiterer Grund, um auf eine eigene Android-Version zu setzen: HTC, Samsung und co. haben bereits Erfahrungen mit Android auf ihrer Hardware. Android als Meta-Plattform für verschiedene mobile Betriebssysteme, so wie Linux die Basis für verschiedenste Distributionen ist? Möglich.

Die Implikationen können vor allem im Falle Facebooks vielfältig sein. Facebook hat bereits im Mai dieses Jahres unter dem Namen Facebook Zero Abkommen mit einigen Mobilfunkanbietern in verschiedenen Ländern abgeschlossen, um ein abgespecktes Facebook ohne Kosten für den Datenverkehr bereitzustellen und damit eine positive Netzneutralitätsverletzung verursacht, die bis dato erstaunlicherweise von praktisch keinem der Netzaktivisten öffentlich angeprangert wurde.

Als im September 2010 das erste Mal das Gerücht um ein Facebook-Mobiltelefon kursierte, schrieb ich:

Es wäre sehr clever, wenn Facebook einfach eine eigene Version von Android mit eigenem Appstore nutzt: Die unzähligen Android-Entwickler könnten ihre Apps einfach für das Facebook-Android nutzen.
Und wo läge der Vorteil?
Facebook könnte sich tief in das Betriebssystem integrieren und damit eine eigene zusätzliche API anbieten, die mobile Apps mit Facebook-Integration sehr viel einfacher machen. Android deluxe quasi für alle sozialen Belange. Man denke etwa an mobile Facebook-Spiele, denen Facebook ein eigenes Dashboard auf seinem mobilen OS spendieren könnte.

Anscheinend wird Facebook mehr auf HTML5 statt auf native Apps setzen, um so auch die mobilen Nutzer auf anderen Betriebssystemen wie iOS und Windows Phone mitnehmen zu können, ohne dass diese sich wie User zweiter Klasse fühlen. Man bedenke: Facebook kommt von einer anderen Ebene als Apple oder Microsoft und muss dementsprechend auch andere strategische Entscheidungen treffen. (Apple zum Beispiel setzt sehr stark auf native Apps.)

Facebook wird aber wohl trotzdem quasi einen AndroidMarket+ anbieten, der tiefe Facebook-Integration ermöglichen wird. (Da ein Android ohne Google keinen Zugang zum AppMarket erhält, bräuchte Facebook so oder so seinen eigenen Appstore.)

Bezahlungen könnten dort über Facebooks Webwährung Facebook Credits laufen. Facebook nimmt bereits heute von jeder Transaktion mit Facebook Credits 30 Prozent. Der gleiche Betrag, den App-Entwickler auch an Google und Apple abliefern, wenn sie ihre Apps in deren Appstores verkaufen.

Weiter schrieb ich im September letzten Jahres:

Braucht ein Social Network ein eigenes mobiles Betriebssystem? Vielleicht braucht es das so sehr, wie eine Suchmaschine ein mobiles OS benötigt.

Bald werden wir herausfinden, ob das stimmt.

Die Industrien, die Facebook berührt, bekommen stärkere Netzwerkeffekte zu spüren

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Auf neumusik.com verweise ich auf einen Artikel auf TechCrunch, in dem die Entwicklung der Musikdienste nach der jüngsten dem Scrobbling ähnlichen Integration zusammengefasst wird. Spotify scheint sehr viel mehr zu gewinnen als die anderen:

To give you some context, the top 100 Facebook apps and games have over 500,000 DAU and over 3 million MAU. Spotify is the 21st largest app by DAU, while MOG is tied for #1356th. Facebook’s right about one thing. Several music apps that provide services other than personal listening are doing quite well. RootMusic’s BandPage has 1.4 million DAU, ReverbNation’s Band Profile has 690,000 DAU, and Vevo for Artists has 250,000 DAU.

Zu den Gründen zählen wohl auch besonders die mit Facebook eintretenden Netzwerkeffekte:

The massive growth of Spotify and the meager increases of the other apps reflect a peer pressure effect. Before the Facebook integration, users might have explored the different apps and found the one with the content library and features that best suited them. Now it’s hard to rationalize using MOG or Rdio while constantly bombarded with Ticker stories showing that your friends are all on Spotify.

Interessant sind die Implikationen, wie ich auf neumusik.com schrieb:

Diese Richtungsverschiebung ist wenig verwunderlich: Die Möglichkeit der Facebook-Integration bedeutet eine tendenzielle Socialisierung des Marktes, was wiederum dazu führt, dass Netzwerkeffekte eine wichtiger werdende Rolle spielen.

Das kann eine Lektion für andere Branchen sein, die noch vor ähnlich tiefen Integrationen in Facebook oder in das Social Web allgemein stehen.

Je nach Architektur bedeutet das mal mehr, mal weniger:

  • Man sollte ein gutes Produkt haben, dass außerdem leicht an Facebook etc. andockbar ist -> Es sollte ‘sociable’ sein.
  • Man sollte am Anfang dabei sein, solang die Konkurrenz noch nicht so groß ist, und damit solang sie nicht mit hohen Userzahlen Marktanteilsvorteile nutzen können. (Man befrage hierzu jeden Facebook-Games-Entwickler zu Zynga.)
  • Der Erfolg steht und fällt mit der gekonnten Umsetzung der Schnittstelle zwischen Produkt und Facebook/Social Web.

Die Implikationen erscheinen mir enorm und bis dato eher schlecht beleuchtet. Industrien, in denen die etablierten Player darauf nicht vorbereitet sind, werden von Neueinsteigern von hinten aufgerollt.

Eine Industrie kann davon bereits ein Lied singen: Die Gamesbranche, die von Facebook und Zynga überrascht wurde.

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