Amazon: Alles aus einer Hand mit Kindle Fire, X-Ray, IMDB und Instant Video

The Next Web über eine Anekdote in Amazons Weg hin zur allumfassenden Plattform:

Amazon has expanded its X-Ray for movies feature, which enables Kindle users to tap on an actor or actress and discover which films they’ve starred in, by adding support for TV shows today.

The service, which uses the popular IMDB database, now supports some of the most popular shows available on Amazon Instant Video; Justified, Downton Abbey, The West Wing, Sons of Anarchy, Falling Skies, American Horror Story, Grey’s Anatomy, Doctor Who, The Walking Dead, Lost, Glee, Breaking Bad and Game of Thrones.

The feature is exclusive to the Kindle Fire, Kindle Fire HD and Amazon Instant Video app for Wii U. It follows an iOS version of X-Ray for Books, a similar feature focused on novels and textbooks, that was launched in December last year.

Schaut man sich das langsam entstehende Gesamtbild an, erscheint die Frage, die sich mancher beim ersten Kindle Fire noch gestellt hat, ‘Was will ein Online-Händler mit einem eigenen Tablet?’, geradezu naiv.

Amazon Kindle Fire ist aktuell das populärste Android-Tablet

TechCrunch über eine Studie von der Appanalytics-Firma Localytics:

The U.S. is Amazon’s first and main market for the Kindle Fire, with Amazon only starting to roll out the tablets to other markets towards the end of 2012 (first in the UK market), around a year after launching in the U.S.

That means that some 89% of Amazon’s tablets “live in America, with most of the rest in Great Britain,” writes Localytics’ Daniel Ruby. “After those two, no other country has even one percent of worldwide Kindle Fires.”

In the rest of the world, however, the Android tablet game is Samsung’s to lose. Ruby tells me that the Korean device maker’s Galaxy line accounts for 76% of all Android tablet usage across non-U.S. markets. Nexus 7 came in second at 15%, and Kindle Fire’s global share is just 9%.

Localytics notes that if Amazon manages to work out its international distribution, then “their U.S. success suggests they could quickly dominate the Android tablet market worldwide.”

Da das Kindle Fire mit einem geforkten Android läuft, fehlt nicht nur Google Play, Googles Äquivalent zu Apples iTunes, auf den Geräten. Die Amazontablets zählen auch nicht in die offiziellen Zahlen von Google hinein. Das ist insofern wichtig, als dass Amazon nur das erste Unternehmen auf diesem Weg war, dem weitere (Facebook?) folgen werden.

Mit dem (vorhersehbar gewesenen) zumindest anfänglichen Erfolg des Kindle Fire könnte vielen Beobachtern im Laufe des Jahres dämmern, dass Android kein herkömmliches Betriebssystem, sondern eine andere Art Plattform ist.

Etwas, das ich Ende 2011 beschrieben hatte:

Das zugrunde liegende Android könnte dann eine immer unbedeutendere Rolle spielen. So wie die Tatsache für Enduser kaum eine Rolle spielt, dass Android wiederum selbst auf Linux basiert.

Niemand argumentiert, dass es schlecht für die Linux-Fragmentierung ist, dass Google Android (gekauft und) entwickelt hat. Ebenso findet es auch niemand schlimm, dass Linux auch die Grundlage für WebOS und Chrome OS ist.

Genau das Gleiche könnte Android selbst basieren: Die Basis für Tablets werden. Der kleinste gemeinsame Nenner. Mit immer weniger werdenden Kompatibilitäten unter den Android-Abwandlungen.

 

Amazon Appstore vs. Android Market

Distimo:

Of all the applications that are available in both stores, 110 applications generated at least $200 each day in one of the stores during the last week of January. 42 of these applications generated more revenue in the Amazon Appstore than in Google Android Market. Of the total income these 110 applications generated in both stores, 28% was generated in the Amazon Appstore.

Scheint so, als tritt Amazons Kindle Fire den (erwartbaren) Marsch durch das Ökosystem von Android an. Wenn dieser Trend anhält, könnte Amazon bereits Ende 2012 der wichtigste Android-Player nach Google sein, der dann bereits anfängt, selbst dem Plattformprovider Google Konkurrenz zu machen.

Amazon Kindle Fire wird mit 3,9 Mio. Einheiten dieses Quartal Androidtablet-Markt dominieren

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Das Kindle Fire von Amazon springt aus dem Stand auf Platz 1 der Android-Tablets und auf Platz 2 der Tablets hinter dem iPad. TechCrunch:

The Kindle Fire looks like a bona fide hit right out of the gate. New estimates from IHS iSuppli have Amazon shipping 3.9 million Kindle Fires this quarter, which would make it the No. 2 tablet after the iPad 2 (with an estimated 18.6 million shipments). The Kindle Fire will become the No. 1 Android tablet by a wide margin (the Samsung Galaxy Tab is the next biggest, with an estimated 1.4 million shipments).

Und das obwohl die Hardware nicht gut ist.

Neben Conde Nast hat auch das Wall Street Journal eine exklusive App für das Kindle Fire herausgebracht.

Nook, das Tablet/Farb-E-Reader des Bücherhandelriesens Barnes&Noble kam laut Digi Times im März diesen Jahres auf 3 Millionen verkaufte Einheiten.

Wie bereits mehrfach gesagt: Plattform-Unternehmen dominieren den Tablet-Markt.

Siehe auch:

Wenn die Tablet-Produzenten nicht sehen, was Tablets können müssen

Zum Ende von Adobes Flash für den mobilen Sektor schrieb ich:

Flash hat auch gezeigt, dass es innerhalb der High-Tech-Branche arge Missverständnisse darüber gibt, was im mobilen und semimobilen Sektor gefragt ist. Dort geht es weniger um Höher, Schneller, Weiter, sondern um Bedienfreundlichkeit und Powersparsamkeit.

Diese zunehmend sichtbar werdende Unbeholfenheit der Hardware-Hersteller in der neuen Post-PC-Welt könnte dazu führen, dass neue Player sehr viel wichtiger werden als zunächst vermutet.

Think Amazon. Das erste Unternehmen, das eine sinnvolle Tablet-Strategie fährt und nicht Apple heißt, ist ausgerechnet ein Unternehmen, das bis vor ein paar Jahren nichts am Hut hatte mit eigener Hardware.

Kindle Fire und die Zukunft von einem Android im Hintergrund

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Apple-CEO Tim Cook sieht im Kindle Fire eine zunehmende Android-Fragmentierung, was gut für Apple ist:

Barclays analyst Ben Reitzes just met with Apple CEO Tim Cook and CFO Peter Oppenheimer, and here’s what he heard about the Fire:

“While the pricing at $199 looks disruptive for what seems to be the iPad’s most important rising challenge, the Amazon Fire – it is important to note that it could fuel further fragmentation in the tablet market—given it represents yet another platform. While compatible with Android, the Apps work with Amazon products. The more fragmentation, the better, says Apple, since that could drive more consumers to the stable Apple platform. We believe that Apple will get more aggressive on price with the iPad eventually but not compromise the product quality and experience.”

Auf der einen Seite hat Tim Cook recht: Kindle Fire und sein fast schon sicherer Erfolg wird die Android-Plattform weiter fragmentieren. Immerhin sieht das OS des Kindle Fire vollkommen anders aus als die anderen Android-Versionen und die Apps werden über Amazons eigenen Appstore vertrieben.

Auf der anderen Seite übersieht er, glaube ich, etwas wichtiges: Das spielt keine so große Rolle. Der Kindle Fire mag zwar auf Android basieren, aber wenn er groß genug wird, wird er als eigene Plattform wahrgenommen. Android-Fragmentierung hin oder her.

Und natürlich ist das genau das, was Amazon will: Eine eigene Plattform. Mit eigenen Netzwerkeffekten, eigenem Sog.

Das zugrunde liegende Android könnte dann eine immer unbedeutendere Rolle spielen. So wie die Tatsache für Enduser kaum eine Rolle spielt, dass Android wiederum selbst auf Linux basiert.

Niemand argumentiert, dass es schlecht für die Linux-Fragmentierung ist, dass Google Android (gekauft und) entwickelt hat. Ebenso findet es auch niemand schlimm, dass Linux auch die Grundlage für WebOS und Chrome OS ist.

Genau das Gleiche könnte Android selbst basieren: Die Basis für Tablets werden. Der kleinste gemeinsame Nenner. Mit immer weniger werdenden Kompatibilitäten unter den Android-Abwandlungen.

Der Verlierer könnte dann aber je nach dem Google sein. Dass Google von Amazons Android-Vorstoss mit dem Kindle Fire nicht so begeistert ist, kann man daran sehen, dass sie den wichtigsten Android-Tablet-Einsteiger zu keinem Zeitpunkt öffentlich im Android-Lager begrüßt haben..

Amazon Kindle Fire und die Macht der Plattformen

Amazon kindle fire

Auf Exciting Commerce habe ich letzte über das vorgestellte Tablet Amazon Kindle Fire geschrieben und dort Vermutungen zur Preisstrategie von Amazon angestellt:

Der Preis dürfte neben der Verbindung mit Amazon und seinen Diensten dazu führen, dass das Kindle Fire das erste Tablet wird, das neben dem iPad erfolgreich sein wird. Das Kindle Fire ist so günstig, weil Amazon zum Teil den Hardware-Preis über zusätzliche Verkäufe von zum Beispiel Musik, Filmen und Büchern, alles in Form von Downloads, refinanzieren will. Zusätzlich ist es sehr wahrscheinlich, dass Amazon zur Etablierung des Kindle-Systems einen Verlust pro verkauften Geräts in Kauf nimmt. Eine Strategie, die man unter anderem von Spielekonsolenherstellern kennt. (Und die recht üblich für zweiseitige Märkte ist.)

Anscheinend verkaufen sie das Kindle Fire tatsächlich unter Kosten. isuppli:

A preliminary virtual estimate conducted by the IHS iSuppli Teardown Analysis Service places Kindle Fire’s bill of materials (BOM) cost at $191.65. With the addition of manufacturing expenses, the total cost to produce the Kindle Fire rises to $209.63.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass auf Amazon trotzdem die Top10-MP3s oft günstiger sind als in iTunes. Ich  schätze, dass es da zum einen um ausgewählte Inhalte geht und zum anderen Amazon nicht nur auf zusätzliche Einnahmen bei digitalen Gütern sondern auch bei physischen Gütern hofft.

Insgesamt scheint Amazon auf langfristigen Erfolg dank Aufbau von Marktanteilen zu setzen. Hoch sind die Margen auf jeden Fall nicht:

The margins for Kindle content are thin. Very thin. Apple runs its content business at break even though it transacts billions of items per month. The amount of content that needs to pass through the Kindle ecosystem (with lower prices than Apple charges) will need to be astronomical to make it profitable on the shortened cycle time the iPhone enjoys.

Man sollte aber nicht vergessen, dass das wohl der einzige zielführende Weg ist, sich erfolgreich Marktanteile zu sichern und eine Plattform aufzubauen, die in alle Richtungen profitabel sein kann. Amazon hat bereits geschafft, was kein anderer Hersteller von Android-Tablets vorher geschafft hat. Ein Tablet bauen, das die Leute auch wollen:

Das Potenzial dazu bestätigt nun ein Leak aus einer Datenbank von Amazon. Laut dem Leak wurden in den ersten 5 Tagen über 250.000 Exemplare des Kindle Fires verkauft.

Warum das weder Samsung noch Acer hinbekommen haben, ist relativ offensichtlich. Auf Exciting Commerce schrieb ich:

Bei Tablets geht es nicht (nur) um die Hardware, sondern auch um Plattformen. Es geht um das richtige Gesamtangebot aus Hardware und Zugängen zu Inhalten. Amazon ist das erste Unternehmen, das nach Apple hier alle Fäden in der Hand hält und sehr gekonnt nutzt.

Das wirft die Frage auf, was die Hardware-Hersteller dagegen unternehmen wollen. Und ob sie überhaupt etwas tun können. Und falls nicht, ob sie sich damit zufrieden geben werden, Zulieferer für Apple, Amazon und Co. zu sein.