Nuzzel: Der beste persönliche Linkaggregator für Twitter und Facebook

In den letzten Jahren sind einige Werkzeuge gekommen und gegangen, mit denen man bei Twitter und Facebook auf dem Laufenden bleiben kann. Ein Prinzip, das naheliegend und deshalb von vielen Unternehmen getestet wurde, ist die simple Aggregation von Links. Verlinken viele meiner Kontakte die gleiche Adresse, wird sie, weil populär in meinem Bekanntenkreis, als eben solche dargestellt.

Auf diese Weise lassen sich Zusammenfassungen erstellen. Sieben Freunde verlinkten hierhin, drei Freunde verlinkten dorthin.

Twitter selbst bietet zum Beispiel die Möglichkeit an, jeden Tag eine solche Zusammenfassungs-Email zu bekommen, die die Aktivitäten in der eigenen Timeline vom letzten Tag zusammenfasst. Diese Emails sind für jeden, der zwar grundsätzlich an den auf Twitter zirkulierenden Informationen interessiert ist, aber den Twitter-Client nicht den ganzen Tag nebenbei laufen lassen möchte, unersetzlich.

Beispiele für Startups, die diese Emailzusammenfassungen und deren Funktionalität auch per Website bieten, sind etwa Paper.li und The Tweeted Times. Leider gehen sie nicht darüber hinaus und denken das Prinzip nicht weiter.

Seit einem dreiviertel Jahr nutze ich Nuzzel. Nuzzel ist innerhalb kürzester Zeit zu einem unverzichtbaren Werkzeug für meinen täglichen Nachrichtenkonsum geworden. Ich bin damit nicht allein. Nuzzel hat eben die Private Beta verlassen und kann nun von jedem genutzt werden. Die Reviews sind mehrheitlich begeistert. The Verge:

Abrams, who is best known as the creator of the early hit social network Friendster, is the developer behind Nuzzel, a daily recap of your social media feeds that brings an element of the RSS reader to Twitter and Facebook. The service, which comes out of beta today, is an easy way to see what your friends are talking about. I’ve used the service for more than a year, and it’s a surprisingly effective tool for staying on top of the news.

Das Besondere an Nuzzel ist die Funktionsvielfalt. Die einzelnen Stories erhalten etwa mehrere weiterführende Links:

2014 03 19 um 11 03 27

Nuzzel kann ebenfalls eine tägliche Zusammenfassung per Email versenden.

Das Beste aber sind die Einstellungsmöglichkeiten: Statt auf einen täglichen Rhythmus festgesetzt zu sein, kann man auf Nuzzel die populärsten Links der letzten Woche aber auch der letzten 8, 4, 2 Stunden oder der letzten Stunde anzeigen lassen. Ohne ständig von Twitter und Facebook, das ebenfalls integriert werden kann, abgelenkt zu werden, lässt sich hier einstellen wie tief man just in diesem Moment in das Geschehen eintauchen will.

Nuzzel ist ein unverzichtbares Werkzeug in meinem Arbeitsalltag geworden. Jeder Twitter- oder Facebook-Nutzer im Nachrichtengeschäft sollte sich Nuzzel anschauen.

Twitter in Deutschland auf dem absteigenden Ast

Alle Zahlen bei Twitter zeigen nach unten.
Holger Schmidt:

Für den deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) ergibt sich ein ähnliches Bild: Insgesamt haben sich nach der Peerreach-Berechnung 8,9 Millionen Menschen angemeldet, die auch in deutscher Sprache getwittert haben. Von diesen 8,9 Millionen waren im Januar noch 1,4 Millionen als aktive Schreiber auf der Seite aktiv, hat Peerreach für FOCUS ausgerechnet.

Schmidt hat mehr, weitaus düstere Zahlen zu Twitter gesammelt. Ein Beispiel:

Als @SPIEGELONLINE neulich einen Beitrag aus diesem Blog an seine damals 280000 Follower twitterte, kamen trotz einiger Retweets ganze 250 Klicks auf den Text zustande. Eine Nachfrage bei einem Blogger-Kollegen brachte etwa die gleiche magere Resonanz.

Ich kann hier eine ähnliche Tendenz beobachten. Viele Tweets mit Link zu einem Artikel bringen nicht mehr ansatzweise so viele Leser hierher wie noch vor 2, 3 Jahren, als Twitter zu spürbaren Zugriffsspitzen mit mehreren Tausend Lesern führen konnte.

Zumindest für Deutschland scheint bei Twitter aktuell die Luft ein bisschen raus zu sein.

Twitter plant nach Themen sortierten Stream als Alternative zur chronologischen Timeline

Anlässlich der schlechten Nutzerwachstumszahlen im letzten Quartal deutete ich bereits an, was die Konsequenzen des dadurch steigenden Drucks auf das Unternehmen sein könnten: “Twitter wird sehr stark in Verführung gebracht, den Kern des Produkts aufzuweichen.” 

Wenn Twitter-CEO Dick Costolo bereits öffentlich andeutet, was eine Lösung für das Wachstumsproblem sein kann, wird man mit dieser auch in naher Zukunft rechnen können. Twitter dürfte also bereits länger an der von Costolo angedeuteten Organisation von Tweets rund um Themen arbeiten.

Reuters:

Some of the tweaks Costolo spoke of were cosmetic, such as helping new users find their friends more easily so they won’t abandon Twitter within the first hours or days. But the CEO also hinted that Twitter might make more drastic changes, including introducing an alternative to the chronological timeline, which until now has underpinned the user experience.

“We want to do a better job organizing content for our users along topical lines rather than just chronological,” Costolo said on the conference call. “Topic-based discovery on our platform will make Twitter easier to understand and use for everyone.”

Auch wenn langjährige Twitter-Nutzer entsetzt sein dürften ob der Vorstellung, dass Twitter sich von der chronologischen Darstellung der Tweets wegbewegt, halte ich (selbst Twitter-Nutzer seit Anfang 2007) das für sinnvoll.

Die chronologische Darstellung schränkt Twitter im Streamdesign enorm ein. Wenn sie zusätzlich zur chronologischen Ansicht einen weiteren Stream etablieren, der zum Beispiel mehr Facebooks Newsfeed ähnelt, könnte Twitter sehr viel mainstreamkompatibler werden. Sie würden nicht die Größenordnungen von Facebook erreichen, was manche Investoren immer noch zu hoffen scheinen, aber Twitter würde zugänglicher werden als es heute ist.

Als Faustregel kann man festhalten:

  • Chronologische Anordnung ist für Poweruser
  • Gewichtete Anordnung ist für den Rest der Nutzerschaft

Ein Problem kann natürlich entstehen, wenn Twitter, vom Sog des Mainstreams verführt, die chronologische Timeline immer weiter zurückfahren würde. Kein unrealistisches Szenario.

Auch Twitterclients, mit denen Twitter seit einigen Jahren ein schwieriges Verhältnis hat, könnten hier vor der nächsten, von Twitter aufgestellten Wand stehen, in die sie unfreiwillig hineinrennen.

Twitter gewann auch letztes Quartal zu wenige Nutzer

Die Quartalszahlen von Twitter sehen nicht gut aus. Das Nutzerwachstum enttäuscht. Man könnte sogar schon fast eine Sättigung beobachten. Auf keinen Fall ist es der Anfang einer S-Kurve:

Twitterusers

Holger Schmidt:

In den USA stagniert die Entwicklung sogar schon. Noch heftiger ist die Tendenz der Timeline-Views, die Twitter als Maßeinheit für die verfügbare Werbefläche heranzieht. Twitter zählt einen Timeline-View, wenn ein Nutzer die Site auf dem Desktop oder Mobile aktualisiert. Diese Ansichten sind im vierten Quartal erstmals gefallen – und zwar außerhalb der USA, wo das Wachstum eigentlich herkommen soll – deutlich stärker als im Heimatmarkt.

Twitter wurde aus für mich unerfindlichen Gründen von Investoren zum Börsengang als ein Unternehmen mit starkem künftigen Nutzerwachstum bewertet. Diese Bewertung wird dem Aktienkurs, der bereits nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen nachgegeben hat, auch in Zukunft noch zu schaffen machen.

Im Klartext: Twitter ist überbewertet.

Erstaunlich ist das vor allem, weil das sinkende Wachstum bereits im Börsenprospekt ersichtlich war:

In seinem S-1-Filing hat Twitter 231,7 Millionen aktive monatliche Nutzer bekanntgegeben. Das bedeutet, dass das Wachstum von Twitter abnimmt.

Es hat von Anfang wenig Sinn ergeben, Twitter teurer an die Börse zu bringen als Facebook zu dessen Börsengang. Oder anders: Es hat sehr wenig Sinn ergeben, zu dieser Bewertung Twitter-Aktien zu kaufen. Es wird nun immer deutlicher, wie wenig Sinn.

Das geringe Nutzerwachstum, das das Unternehmen unter Druck setzt, wird vor allem zu zwei Dingen führen:

  1. Twitter wird sehr stark in Verführung gebracht, den Kern des Produkts aufzuweichen. (Twitter sollte sich stattdessen von Facebooks Multi-App-Strategie eine Scheibe abschneiden.)
  2. Twitter wird seine Monetarisierungspläne aggressiver vorantreiben. Das heißt auch mehr Werbung, die ein einzelner Nutzer sieht. (Das ist noch nur bedingt problematisch, weil die Werbung auf Twitter, vor allem etwa hier in Deutschland, noch sehr sporadisch auftaucht.)

Warum ich skeptisch bin, was Twitters Zukunft in Verbindung mit dessen astronomisch hoher Bewertung angeht, habe ich ausführlich zum Börsengang dargelegt.

Studie: 30% aller US-Amerikaner bekommen News über Facebook, 10% über YouTube, nur 8% über Twitter

Das Pew Research Center hat unter 5.100 Befragten untersucht ob und wie Nutzer verschiedener Netzwerke diese für den Konsum von News nutzen:

Roughly half of both Facebook and Twitter users get news on those sites, earlier reports have shown. On YouTube, that is true of only one-fifth of its user base, and for LinkedIn, the number is even smaller. And Pinterest, a social pin board for visual content, is hardly used for news at all.

Die absolute Größe der Netzwerke spielt logischerweise eine Rolle, wenn es um die Bedeutung für den gesamten Newsbereich geht:

Facebook is by far the largest social networking site among U.S. adults, and with half of its users getting news there, is also the largest among U.S. adults when it comes to getting news. As discussed in an earlier report, roughly two-thirds (64%) of U.S. adults use the site, and half of those users get news there—amounting to 30% of the general population. YouTube has the next greatest reach in terms of general usage, at 51% of U.S. adults. Thus, even though only a fifth of its users get news there, that amounts to 10% of the adult population, which puts it on par with Twitter. Twitter reaches just 16% of U.S. adults, but half (8% of U.S. adults) use it for news. reddit is a news destination for nearly two-thirds of its users (62%). But since just 3% of the U.S. population uses reddit, that translates to 2% of the population that gets news there.

30 Prozent aller US-Amerikaner bekommen also ihre News zum Teil über Facebook. Bei YouTube liegt die Zahl immerhin bei 10 Prozent der US-Amerikaner. Twitter kommt mit seiner geringen Verbreitung auf nur 8 Prozent.

Das zeigt erneut, wie sehr das oft als wichtigstes Newsnetzwerk angesehene Twitter in Journalistenkreisen überschätzt wird. Journalisten, Analysten und Blogger mögen ihre News über Twitter bekommen, aber je mehr man in andere Kreise der Bevölkerung reingeht, desto schneller verschwindet Twitter von der Bildfläche. In Deutschland dürften die Unterschiede zwischen den Netzwerken (Facebook, YouTube auf der einen Seite, Twitter auf der anderen) sehr viel größer sein.

Ebenso faszinierend wie beunruhigend ist die Erkenntnis, dass recht viele Nutzer nur ein Netzwerk benutzen. Besonders Facebook-Nutzer scheinen ihren Social-One-Stop-Shop gefunden zu haben:

A look at the five social networking sites with the biggest news audiences shows that a majority of news consumers on those sites (65%) get news from just one, and for 85% of those, it is Facebook. About a quarter (26%) gets news on two of those sites. And 9% get news on at least three.

Auf Facebook findet man sie alle:

More than half of adults who get news on Twitter, Google Plus, LinkedIn and YouTube also get news on Facebook. Aside from that, the shared audience between these sites is relatively small.

Börsengang: Twitters ungewisse Zukunft

Twitteripo

Twitter war immer ein besonderer Dienst. Der größte und glücklichste Zufall, Unfall könnte man auch sagen, den das Web bisher gesehen hat. Als Nebenprojekt des Podcasting-Unternehmens Odeo gestartet, war Twitter zunächst ein Experiment. Twitter sollte die Status-Updates, wie sie die Nutzer in Instant-Messaging-Diensten absetzen, besser verbreitbar und lesbar machen. Es war das Ergebnis einer genialen Beobachtung: Eine Randfunktion einer Diensteklasse wurde auf andere Art und Weise genutzt als angedacht. Es gab Potenzial, das gehoben werden wollte.

Ich verfolge Twitter intensiv als Nutzer und als Analyst seit 2007. Anlässlich des heutigen Börsengangs von Twitter werden wir einen Blick auf die Zukunft des Dienstes werfen.

Inhalt:

Drei von Drei

Twitter hat von Anfang drei Dinge richtig gemacht:

1. Sie haben mit dem asymmetrischen Follower-Prinzip die robustere Vernetzungsart gegenüber dem vorher verbreiteten Sich-Gegenseitig-Befreunden eingeführt und populär gemacht.

2. Sie haben mit der Begrenzung auf Text und 140 Zeichen einen starken Fokus auf Einfachheit gelegt und damit sehr viel Kreativität und nicht vorhersehbare Nutzungsarten ermöglicht.

3. Sie haben mit einer sehr offenen Plattform-Politik frühzeitig gezeigt, welche Möglichkeiten in Webplattformen liegen. Ohne die die Clients ermöglichende Plattform würde es Twitter heute so nicht mehr geben. Daran ändert auch der Versuch nichts, die Geschichte umzuschreiben.

Nun ist es leider so, dass sie (3) zugunsten ihres gewählten Geschäftsmodells aufgegeben haben. (2) werden sie ihrer Suche nach Nutzer- und Umsatzwachstum opfern müssen. Zu verlockend ist die Auflockerung der Limitierungen. Die Integration von Bildervorschauen in die Clients und auch der neue Plattformansatz Cards, der Mitte 2012 eingeführt wurde, weichen die 140-Zeichen-Grenze neben den zunehmenden, an Tweets anheftbaren Metadaten bereits immer stärker auf.

Nur (1) haben sie zumindest mittelfristig auf ihrer Seite. Die Frage ist, wie lang noch.

Eine Welt aus Social Graphs

Netzwerkbasierte Dienste, also Social Networks wie Facebook, LinkedIn, Google+ oder eben auch Twitter haben, wie der Name schon andeutet, als Basis, als Fundament sozusagen, die Vernetzung. Nach der Ausgestaltung dieser Vernetzung, also Art (symmetrisch oder asymmetrisch) und Inhalt (Freunde, Fremde, privat, geschäftlich), folgt nicht nur die Art der Nutzung sondern auch wie ‘sicher’ der Dienst vor der Konkurrenz ist.

Vor Facebook und MySpace gab es bereits einmal ein dominierendes Social Network. Nicht in der Größenordnung, in der Facebook heute spielt, aber doch groß genug, um uneinholbar zu erscheinen: Friendster. Friendster wurde vom eigenen Erfolg eingeholt. Der exponentielle Nutzerzuwachs und ungünstig rechenintensive Funktionalitäten führten im Verbund zu regelmäßigen Serverausfällen. Einmal vom Social Networking angefixt gingen die frustrierten Friendster-Nutzer schnell zu den Alternativen: MySpace und Facebook. Friendster ging so schnell unter, wie es aufstieg. Die Vernetzungsbasis von Friendster war also nicht sehr robust.

Twitter führte 2008 mit großem Abstand die Liste der Dienste, mit den meisten Ausfällen, an. Insgesamt kam Twitter 2008 auf sagenhafte 84 Stunden Downtime. Für einen ‚Realtime‘-Dienst ist das sehr viel. Für europäische Nutzer, die bereits 2008 auf Twitter waren, dürfte sich die in manchen Wochen tägliche Downtime der damaligen Zeit im Rückblick nach sehr viel mehr anfühlen.

Das Interessante ist nun, dass diese schlechte Performance keine Auswirkungen auf die Popularität von Twitter hatte. Im Gegensatz zu Friendster haben die Ausfälle Twitter keine Nutzer gekostet. Der Grund liegt in der andersartigen Vernetzung. Das asymmetrische Follower-Prinzip ist sehr viel robuster, weil schwerer zu replizieren. Das führt dazu, dass solche asymmetrischen Netzwerke, erst einmal aufgebaut, weniger schnell in sich zusammenfallen. Warum das so ist, werde ich detaillierter in einem späteren Artikel beleuchten.

Neue Konkurrenten

Wichtig ist jetzt für Twitter vielmehr, dass sich in den letzten fünf Jahren einiges erheblich geändert hat. 2008 war Twitter das einzige, richtig populäre asymmetrische Netzwerk. Heute sieht das anders. Google pusht mit Google+ ein ebenfalls auf das Follower-Prinzip setzendes Netzwerk in alle seine Produkte von Youtube bis Android und erreicht mittlerweile 300 Millionen ‚aktive‘ Nutzer. Das mag für Googleverhältnisse wenig sein, aber es ist bereits in der Größenordnung von Twitter. Das ist nicht gut für Twitter.

Tumblr, das vor einigen Monaten von Yahoo übernommen wurde, ist ebenfalls ein auf das Follower-Prinzip setzendes Netzwerk. Tumblr ist ein zweiseitiges Biest, das neben den auf eigenen Domains liegenden Blogs das extrem populäre Dashboard zu bieten hat, in dem man die Einträge der verfolgten Tumblr-Blogs sehen kann. Das besonders bei Teenagern in den USA sehr populäre Tumblr liegt auf Platz 3 hinter Facebook und Twitter in der absoluten Größe.

Damit nicht genug. Twitter will zwar mehr wie Facebook werden, aber Facebook hat sich ebenfalls längst etwas von Twitter abgeschaut. Mit der von mir lang vor der Einführung vorhergesehenen „Abonnieren“-Funktion hat Facebook bereits 2011 begonnen, diese Vernetzungsart auch bei sich abzubilden. Der Vorteil gegenüber der vorherigen Auftrennung in Page und Profil: Neben professionellen Nutzern wie Prominenten wird so auch der Long Tail (Experten etwa) abonnierbar.

Um ein Gefühl für die Entwicklung bei der jüngeren Generation zu bekommen, können wir einen Blick auf die Followerzahlen von Miley Cyrus werfen.

Facebook-Fanpage: 32,9 Millionen Follower.

Twitter: 15,2 Millionen Follower.

Im Vergleich dazu schauen wir uns einmal in der Hochburg von Twitter um: In der Techindustrie. Hierfür schauen wir uns einmal die Followerzahlen des TechCrunch-Gründers und heutigen Investor Michael Arrington an.

Facebook-Profil: 404.000 Follower.

Twitter: 171.400 Follower.

Selbst bei dem Twitter-Fan MG Siegler (TechCrunch, VC bei Google Ventures) sieht es nicht anders aus. Facebook: 296.000 Follower, Twitter: 131.800 Follower.

Weder bei der Prominenten noch bei den Tech-Stars liegt Twitter noch vorn, was die reinen Followerzahlen angeht.

Diese drei Beispiele sind natürlich keine hinreichende Datenbasis, um die asymmetrische Vernetzung der zwei großen Social Networks ausreichend vergleichen zu können. Auch sind die reinen Followerzahlen nicht allein entscheidend. Sie dienen aber als Veranschaulichung für ein enormes Problem von Twitter. Es hat nicht mehr die Oberhand, was die Vernetzung angeht. (Erschwerend kommt hinzu, dass Spam-Accounts auf Twitter zahlreicher sind als auf Facebook. Followerzahlen auf Twitter also weniger tatsächlichen Personen entsprechen als auf Facebook. Hinzu kommt eine exorbitant hohe Zahl toter Twitter-Accounts, die aus Medienpräsenz und schwerem anfänglichem Zugang entsteht.)

Twitter hat noch die Vorteile, die aus den letzten Jahren erwachsen sind: Mühsam aufgebaute Netzwerke der Nutzer, Clients zur einfachen, konstanten(!) Nutzung, und die aus der Einfachheit der Einträge (140 Zeichen Text) entstehende Nutzung.

Aber: Der erste Vorteil gilt nicht für neue Nutzer, der zweite wird von der neuen Plattformrichtung torpediert, und der dritte Vorteil wird zwangsläufig Stück für Stück dem erhofften Wachstum geopfert werden.

Damit nicht genug: Das sehr erfolgreiche Business-Netzwerk LinkedIn experimentiert seit geraumer Zeit ebenfalls mit einer Subscribe-Funktion und damit mit einer eigenen Implementation des Follower-Prinzips. Warum sollten neue Nutzer angesichts dieser Entwicklung noch Twitter nutzen?

Langsames Nutzerwachstum

Diese Frage bringt uns zu einem der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Börsenprospekt.  Twitters Wachstumproblem. In seinem S-1-Filing hat Twitter 231,7 Millionen aktive monatliche Nutzer bekanntgegeben. Das bedeutet, dass das Wachstum von Twitter abnimmt. TechCrunch:

Twitter’s percent user growth is slowing. In a new S-1 amendment to its IPO filing, Twitter notes it hit 231.7 million monthly users by the end of Q3 2013, up 6.13% from 218.3 million at the end of Q2. If you look back, you’ll see Twitter had 6.86% growth in Q2, 10.27% in Q1, and 10.77% in Q4 2012. The trajectory could indicate trouble signing up new users or retaining older ones.

[..]

Still, its year over year growth is decelerating as well. Monthly active user growth was 38.74% from the end of Q3 2012 to the end of Q3 2013, 44.37% from Q2 to Q2, and 47.82% from Q1 to Q1.

Das ist ausgesprochen problematisch.

Betrachten wir den oben beschriebenen Hintergrund, ist dieses verlangsamte Wachstum nicht sonderlich überraschend. Neue Nutzer von Social Networks haben wenige Gründe, neben Facebook, LinkedIn, Tumblr und Google+ auf Twitter zu setzen. (Die guten Gründe für Twitter existieren noch, aber sie werden mit jedem Tag weniger.)

Vor diesem Hintergrund erscheint der Preis der Aktie zum IPO gewagt. Das Dealbook-Blog der New York Times:

At that valuation, each of Twitter’s 230 million users around the world is worth $78. Going by such numbers, the public offering has been a tremendous success for the company, which raised $1.8 billion from the offering, a hefty war chest.

[..]

“One day Twitter will make money,” said Anup Srivastava, an assistant professor of accounting at Northwestern University’s Kellogg School of Management. “But it’s not clear why anyone should pay this much for it today.”

Der Aktienpreis erscheint besonders hoch, wenn man bedenkt, dass Twitter nun teurer ist als Facebook zu dessen Börsengang. Bloomberg:

Twitter’s $26 a share IPO price values the microblogging service at 12.4 times estimated 2014 sales of $1.14 billion, according to analyst projections compiled by Bloomberg. That’s higher than the 11.6 times that Facebook was trading at yesterday and similar to LinkedIn Corp. (LNKD)’s multiple of 12.2 times sales.

Facebook steht im Vergleich zu Twitter sehr viel besser da, was Wachstum als auch Nutzung, und damit verbunden Werbeeinnahmen, angeht.

Die Hoffnungen der Investoren, die mit diesen Zahlen in Richtung 2015, wenn Twitter erstmals profitabel sein soll, bis 2016 schauen, sind sehr optimistisch bezüglich Twitter.

Wenn der Unfall hängen bleibt

Wie eingangs erwähnt, basiert der Erfolg von Twitter zu einem erheblichen Teil auf den strikten Limitierungen, die einen für Außenstehende schwer nachvollziehbaren Reiz erzeugten. Diese Einfachheit hätte in Verbund mit einer nachhaltigen, robusten API-gesteuerten Plattformstrategie zu einer Art Protokoll führen können. In den ersten Jahren sprachen die Gründer davon, dass Twitter das plumbing, als die Rohre, das Fundament, für einen Teil des Webs sein kann und wird. Das war auch ein paar Jahre nicht abwegig. Wie hier aber bereits mehrfach analysiert, hatte das einen Haken. Twitter musste sich entscheiden zwischen der nachhaltigen und sicheren Position als protokollartige Plattform und dem mittelfristig lukrativeren aber risikobehafteteren Werbemodell. Die nachhaltigere, sicherere Position wäre auch die unlukrativere gewesen. Ich nenne das das Craigslist-Conundrum. Da Twitter allerdings frühzeitig Investitionsrunden mit hohen Bewertungen abschloss, war die Richtung irgendwann zwangsläufig besiegelt.

Diese Richtung lautet: Werbung verkaufen. Dafür ist eine Kontrolle der Plattform notwendig. Client-Entwickler, Mashups und das reiche Ökosystem werden Stück für Stück erdrückt. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie massentauglich Twitter in seiner spröden Einfachheit ist.

Twitter hatte schon immer das Problem, dass es nicht selbsterklärend ist und Neunutzer erst einmal Arbeit investieren müssen. Das ist die zweite Seite der Medaille der strikten Konzeptgrenzen von Twitter. Und auf diese Seite konzentriert sich Twitter seit längerem.

Das Problem, oder vielleicht auch der Vorteil, von Twitter war und ist, dass sowohl die Gründer als auch die ihnen nachfolgenden Manager keine wahre Vorstellung davon haben, was Twitter ist und sein kann und sein wird. Im Gegensatz um gründerkontrollierten Facebook, das klar der Vision seines Gründers folgt, ist Twitter noch heute das Produkt des damaligen glücklichen Zufalls oder Geniestreichs, wie auch immer man es sehen will.

Das bedeutet aber auch, dass zwar offen ist, ob Twitter langfristig erfolgreich sein wird oder nicht. Aber nicht mehr offen ist der Umstand, dass Twitter in zwei Jahren nicht mehr wie das heutige Twitter aussehen und funktionieren wird.

Twitter wird nicht von einer Vision oder einem Ziel getragen. Es wird aktuell vom Exitwillen der Investoren an die Börse und künftig von den hohen Erwartungen der neuen Shareholder getragen.

Daran wird sich die Produktentwicklung der nächsten Jahre ausrichten. Vor dem Hintergrund der wachsenden Konkurrenz und des langsamen Nutzerwachstums wird der Druck auf die Produktentwicklung enorm in eine Richtung gedrückt werden.

Honeymoon is over

Und diese Richtung ist: Gewinn, Umsatz. Der IPO von Twitter kommt für die bestehenden Investoren zum richtigen Zeitpunkt. Noch erscheint Twitter so, als könne es sehr stark wachsen, gleichzeitig können bereits erste Erfolgszahlen bei den Werbeeinnahmen vermeldet werden. Beides kann über die künftige und von mir prognostizierte Entwicklung hinwegtäuschen. (Der Zeitpunkt für den Börsengang war mit Ende 2013/ Anfang 2014 deshalb bereits seit ungefähr einem Jahr vorhersehbar.)

Wenn das Nutzerwachstum so langsam bleibt, wie es aktuell aussieht, werden die bestehenden Nutzer sehr viel mehr Werbung in ihren Twitterstreams sehen müssen. Aber selbst wenn das Wachstum wieder schneller wird, wird sich die Wahrnehmung von Twitter verändern.

Die ersten Jahre von Facebook, Tumblr, Twitter, YouTube und anderen letztlich auf Werbung setzenden Social Networks sind immer mit einer Art Honeymoon-Periode vergleichbar: Die Endnutzer müssen nichts bezahlen und werden gleichzeitig entweder mit keiner oder nur mit wenig Werbung belästigt. Das ist die Zeit, in der sich die Anbieter auf das Wachstum konzentrieren.

Sowohl bei Facebook als auch nun bei Twitter ist diese Zeit vorbei. Der Preis für einen kostenlosen Dienst, den man mit der eigenen Aufmerksamkeit bezahlt, wird nun eingefordert. Das wird die Wahrnehmung von Twitter bei den Nutzern, vor allem bei den Powerusern, sehr stark verändern. Hier entstehen in den nächsten Jahren Chancen für neue Konkurrenten wie App.net, die auf andere Geschäftsmodelle setzen, aber auch werbefinanzierte Konkurrenten, die nicht einem so hohen ROI-Druck wie Twitter ausgesetzt sind.

Fazit

Im Gegensatz zu Facebook, dem ich nach wie vor eine rosige Zukunft vorhersehe, bin ich bei Twitter verhalten pessimistisch. Das Nutzerwachstum von Twitter ist sehr langsam. Gleichzeitig ist Twitter mit 231,7 Millionen aktiven Nutzern nicht groß genug, um ohne Wachstum stabil bleiben zu können.

Twitters Vorteil lag immer in der Einfachheit beziehungsweise Fokussierung des Angebots. Das ist aber gleichzeitig auch der Nachteil von Twitter, weil es das Management strategisch einschränkt. Weil Twitter keinen Gründer mit Vision an der Spitze hat, kann es sich in jede Richtung entwickeln.

Der hohe Einstiegspreis der Aktie zum Börsengang, der auf starkes Wachstum spekuliert, gibt die Richtung, die Twitter als Produkt nehmen wird bereits vor. Gleich also, ob Twitter als an der Börse gehandeltes, selbständiges Unternehmen erfolgreich sein wird oder nicht:

Das Twitter in zwei Jahren wird deswegen kaum noch wiedererkennbar sein.

Für die Nutzer, die seit vielen Jahren auf Twitter aktiv sind, wird es das Ende einer Ära bedeuten. Es bleibt abzuwarten, was es für Twitter bedeuten wird:

Langfristiger Erfolg oder das Abrutschen in die Beliebigkeit und damit Bedeutungslosigkeit.

Meine Analysen der Entwicklung von Twitter in den letzten Jahren werden im Folgenden aufgelistet. In diesen Texten finden sich auch  detaillierte Analysen des Schwenks der Plattformstrategie von Twitter und dessen Auswirkungen, auf die ich in diesem Text nicht noch einmal genauer eingegangen bin:

Foto: Eli Langer

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Es handelt sich bei diesem Text nicht um eine Empfehlung für oder gegen eine Investition. Die hier dargelegten Aussichten auf das Geschäft von Twitter müssen nicht zwingend mit den Vorstellungen der Investoren korrelieren; es gibt also genügend Raum für Spekulationen. Das Ziel dieses Artikels war ein Blick auf die mittel- bis langfristige Zukunft von Twitter.

Offiziell: Twitter reicht Unterlagen für Börsengang ein

Jetzt ist es offiziell. Twitter hat mit diesem Tweet bekanntgegeben, dass sie ein S1-Prospekt bei der SEC für ihren geplanten Börsengang eingereicht haben.

Am interessantesten werden nun die Kennzahlen werden, die Twitter offenlegen muss.

Update: Da das S1-Prospekt nicht öffentlich eingereicht werden musste, liegen die jährlichen Umsätze also unter einer Milliarde US-Dollar wie GigaOm berichtet:

Usually when companies announce plans to go public, they have to file an S-1, the securities filing that companies use to provide details about their planned initial public offerings. Under the JOBS act of 2012, however, companies with less than $1 billion in revenue can file confidentially.

(Via Techmeme)

Lock in, shut out

Google hat den GoogleReader nicht  (nur) geschlossen, weil sie ihn nicht direkt monetarisieren konnten oder weil die Nutzerschaft zu klein war, sondern in erster Linie weil er nicht in das proprietäre Google+-Bild passt. Passend dazu hat Google auch RSS für Google Alerts abgeschaltet, die man nun extrem effizient nur noch per Email erhalten kann.

Google, das haben sie auch bei CalDav und XMPP gezeigt, hat kein Interesse mehr an offenen Webstandards.

Marco Arment legt den Finger in die Wunde:

We don’t need big web players to be completely open.

The bigger problem is that they’ve abandoned interoperability. RSS, semantic markup, microformats, and open APIs all enable interoperability, but the big players don’t want that — they want to lock you in, shut out competitors, and make a service so proprietary that even if you could get your data out, it would be either useless (no alternatives to import into) or cripplingly lonely (empty social networks).

Google resisted this trend admirably for a long time and was very geek- and standards-friendly, but not since Facebook got huge enough to effectively redefine the internet and refocus Google’s plans to be all-Google+, all the time. The escalating three-way war between Google, Facebook, and Twitter — by far the three most important web players today — is accumulating new casualties every day at our expense.

Google Reader is just the latest casualty of the war that Facebook started, seemingly accidentally: the battle to own everything. [..]

RSS represents the antithesis of this new world: it’s completely open, decentralized, and owned by nobody, just like the web itself. It allows anyone, large or small, to build something new and disrupt anyone else they’d like because nobody has to fly six salespeople out first to work out a partnership with anyone else’s salespeople.

That world formed the web’s foundations — without that world to build on, Google, Facebook, and Twitter couldn’t exist. But they’ve now grown so large that everything from that web-native world is now a threat to them, and they want to shut it down. “Sunset” it. “Clean it up.” “Retire” it. Get it out of the way so they can get even bigger and build even bigger proprietary barriers to anyone trying to claim their territory.

Die Ironie dabei ist natürlich, dass die meisten dieser immer größer werdenden Systeme den mittelfristigen Erfolg mit langfristiger Bedeutungslosigkeit bezahlen werden, weil sie wichtige Türen für immer schließen. (Niemand wird jemals etwa wieder ein Business komplett auf der Twitter-Plattform aufsetzen. Diese Kreativität und Tüchtigkeit wird sich anderenorts entladen.) Den Anfang kann man bereits bei Google+ sehen, das trotz Integration in Google, dem Internet-Juggernaut, nicht in die Gänge kommt; aus diversen Gründen von Designproblemen bis zur fehlenden Aufgabenlösung (wer braucht wofür G+?).

Facebook dominiert in Deutschland, Twitter hechelt hinterher

Jens Schröder im Blog von 10.000 Flies:

Schaut man nun auf die drei sozialen Netzwerke, so ergeben sich große Unterschiede: 6,1 der 7,5 Mio. Flies gehen nämlich auf das Konto von Facebook, 1,2 Mio. auf das von Twitter und Google+ erreicht nur 240.000 der 7,5 Mio. Flies. In Prozentanteile umgerechnet, waren also 81,4% der Februar-Flies Likes, Shares und Kommentare bei Facebook, 15,4% waren Links innerhalb von Tweets und 3,2% Klicks auf den +1-Button von Google.

Interessante Zahlen, die untermauern, was die meisten bereits vermuten dürften. Facebook dominiert, Twitter hechelt hinterher, Google+ ist abgeschlagener Dritter.
Bessere Zahlen zur Nutzung von Social Networks wird man in Deutschland nicht bekommen.

Google, Facebook, Twitter und LinkedIn setzen bei Werbegeschäft auf APIs

TechCrunch:

What Google and Facebook found, and Twitter and LinkedIn are now exploring, is that by offering programmatic access to their ads inventory, third parties solve the problems for them.

In exchange, the platforms allow providers of full-service advertising or ad tool licenses to earn a margin. Typically that comes in the form of a 10 percent to 20 percent cut of total spend by clients that typically goes down the more they spend. Otherwise the margin comes by charging a "cost per action" where clients pay a certain amount per click, download, or certain level of downstream engagement, and the provider keeps the difference between what they paid and what they charged. Sometimes there’s a monthly fee, too. Twitter refused to specify whether there were any restrictions for businesses built on its new ads API, saying "We’re not commenting on partnership terms."

Regardless, the idea is for the platforms to share the wealth, and thereby align their goals with the ad tool and service providers. This way they both can make a fortune when the third parties evangelize the channel. And my oh my can ads APIs bring in the dough.

APIs sind eine skalierende, und deswegen im Zweifel vorzuziehende Form der Geschäftsentwicklung.

Mit der damit verbundenen Aufgabe von Kontrolle haben sich deutsche Webdienste traditionell immer schwer getan, was zu weniger APIs und zu weniger damit verbundenen (Plattform-)Erfolgen geführt hat.

Änderung des Passworts loggt Clients und Apps nicht bei Twitter aus

Brent Simmons:

When Twitter was recently hacked, I was among those who got an email saying I was affected. So I changed my password.
But here’s what I’ve noticed: changing my password does not cause any of the Twitter clients on my iPhone to ask me again for authentication. They just keep working normally. […]
I understand that OAuth is a security win in some ways. But implementors should, I think, be mindful of what normal people expect — which is that changing your password locks out every app until you re-authenticate.

Das ist ein schon länger bekanntes Problem, das Twitter lösen sollte. Die Tatsache, dass Twitter das nicht nach dem letzten Hack geändert hat, deutet darauf hin, dass sich daran auf absehbare Zeit nichts ändern wird. (Man könnte fast sagen, das sei wenig überraschend, da Twitter nur noch ein partielles Interesse am eigenen Ökosystem hat und deswegen dortige Sicherheitsprobleme keine hohe Priorität bekommen.)

(via Daring Fireball)

Pulse integriert Facebook, YouTube, Instagram, Flickr, Tumblr aber nicht Twitter

TechCrunch über Neuerungen bei der Newsapp Pulse (Web, iOS, Android):

One social feed that’s obviously missing from Pulse’s list is Twitter. As [Pulse co-founder Akshay Kothari] told me, there are two reasons for this. One is the simple fact that Twitter’s text-heavy feed isn’t ideal for Pulse, though he admitted that Pulse could aggregate links from a user’s feed and display them just like the other stories on the service. Pulse, however, is also worried that Twitter will continue to make changes to its API and that its integration could be short-lived.

In der alten Version der App befindet sich noch eine Twitter-Integration. Entweder wird diese entfernt oder nicht entsprechend weiterentwickelt wie die anderen Streams.

Neben den von Kothari genannten Gründen dürften auch die Display Guidelines von Twitter eine Rolle spielen. Man darf Tweets immerhin nicht mehr so anbieten, wie man das gern möchte sondern muss sich an konkrete Vorgaben halten. Wenn man bei Twitter dann als neuer Client eingeordnet wird, der nur noch maximal 100.000 User bedienen darf, ist der Ofen sowieso schnell aus.

Moral der Geschicht’: Aggregierende Dienste, die alle populären Social Networks integrieren, aber Twitter außen vorlassen (müssen), werden 2013 die Norm und nicht die Ausnahme werden. Twitter beginnt zu ernten, was es gesät hat.

(Die anderen Artikel zur neuen Version von Pulse, die ich gesehen habe, erwähnen Twitter erst gar nicht.)

Twitter jetzt tatsächlich mit Fotofilter

Twitter Blog: Twitter photos: Put a filter on it.

Als die ersten Gerüchte diesbezüglich die Runde machten, wollte ich es zunächst nicht glauben. Aber sie gehen tatsächlich diesen Weg. Mir fällt kein besseres Beispiel ein, das besser zeigt, wie sehr sich Twitter von seiner ursprünglichen Produktidee wegbewegt.

Twitter ist jetzt ein Medienunternehmen, das sich als Portal versteht, das möglichst vieles abdecken will.

Dass sie ausgerechnet mit Filtern auf die Instagram-Herausforderung antworten, zeigt, dass sie auch längst die dumpfe Holzhammer-Herangehensweise eines Medienunternehmens verinnerlicht haben. Jetzt fehlt nur noch, dass sie glauben, mit eigenen check-ins die Antwort auf foursquare gefunden zu haben.

(Man hört und liest mittlerweile von guten Programmierern, die in den letzten Monaten in nicht kleiner Zahl das Unternehmen verlassen haben.)

Instagram-Fotos nicht mehr über Twitter Cards in Twitter integriert

Twitter Loses Ability to Properly Display Instagram Photos – NYTimes.com:

Instagram on Wednesday disabled the ability for Twitter to properly display Instagram photos on its Web site and in its applications. The move escalates tensions between the two companies, which were once friends in the battle against Facebook but have now become direct competitors.

In a status update on Twitter’s Web site, the company said Instagram had disabled its integration with Twitter cards, which are used to display images and content within Twitter messages.

Überhaupt nicht überraschend. Twitter verschließt dem zu Facebook gehörenden Instagram die Möglichkeit, dass Nutzer ihre Twitter-Freunde auf dem Fotodienst finden können. Warum sollte Instagram im Umkehrschluss seinen Dienst tief in Twitter integriert lassen? Besonders, wenn Twitter zusätzlich nun wohl ebenfalls in das Geschäft der mobilen Fotos mit Filtern einsteigen will? (Weil es bei Instagram natürlich um die Filter geht, und auf keinen Fall um die soziale Komponente.)

Warum Twitter diesen Kampf gegen alle verlieren wird: Sie glauben, sie könnten notfalls mit allen konkurrieren, und sie alle, von Instagram bis Tumblr, hätten dank der Größe von Twitter keine andere Wahl, als gute Mine zum bösen Plattformspiel zu machen.

Aber so groß ist der Hebel von Twitter nicht. Je weniger aus Twitter an Wert herauskommen kann, desto unattraktiver wird die Plattform.

Das ist die Gefahr bei einem Schwenk hin zu vertikaler Integration bei Webdiensten, die bei ihrer Plattform auf die Verbindungen nach außen angewiesen sind. Darüber schreibe ich seit der Übernahme des Twitterclients Tweetie durch Twitter im April 2010.

Vertikale Integration ist für Twitter eine weitaus gefährlichere und damit nicht ansatzweise so sichere Strategie als etwa seinerzeit für Microsoft, als man neben dem Betriebsystem auch in den Office-Markt einstieg. Die Plattformdynamiken sind nicht vergleichbar. Unter anderem auch, weil die Markteintrittsbarieren anderer Natur sind.

Bei alldem verlieren kurzfristig natürlich vor allem die Endnutzer.

Twitter unterbindet Senden von Tweets an IFTTT und will sich offensichtlich komplett abkapseln

Ab den 27. September werden IFTTT-Rezepte, die Tweets an Facebook, Evernote und andere Dienste schicken oder etwa auch in Dropbox archivierbar machen, nicht mehr funktionieren.

IFTTT-CEO Linden Tibbets in einer Email an Nutzer des Dienstes:

In recent weeks, Twitter announced policy changes* that will affect how applications and users like yourself can interact with Twitter’s data. As a result of these changes, on September 27th we will be removing all Twitter Triggers, disabling your ability to push tweets to places like email, Evernote and Facebook. All Personal and Shared Recipes using a Twitter Trigger will also be removed. Recipes using Twitter Actions and your ability to post new tweets via IFTTT will continue to work just fine.

Das heißt, alles, was Tweets aus Twitter herauszieht, wird verboten; was Inhalte in Twitter hineinführt, bleibt erlaubt.

IFTTT erlaubt das Verbinden von Diensten mit verschiedenen Triggern und auswählbaren Aktionen. Dadurch lassen sich verschiedenste Dienste intelligent und trotzdem einfach miteinander verbinden. Ich habe IFTTT zum Beispiel dafür genutzt, Tweets an Facebook und App.net weiterzuleiten und habe zum Beispiel auch IFTTT genutzt, um Tweets weiterhin an LinkedIn zu senden, obwohl Twitter die Kooperation mit LinkedIn beendet hatte.

Dank IFTTT blieb Twitter das Zentrum meines Mikroblogging-Workflows. Das ändert sich nun. Wahrscheinlich werde ich dafür auf App.net umsteigen, wo ich bereits einen Account habe und das bereits dank IFTTT-Channel für Endnutzer rudimentär programmierbar ist. Mit dem Ende der IFTTT-Rezepte, die das Extrahieren von Tweets erlauben, stirbt enorm viel von der Attraktivität von Twitter für mich ab. Das dürfte vielen Vielnutzern ähnlich gehen.

Im Verbund mit den Client-Beschränkungen und der Entfernung der  Kontaktabgleichungen auf anderen Diensten ist das Ende dieser IFTTT-Trigger ein weiterer Beweis dafür, dass sich Twitter tatsächlich sehr stark abkapseln will. Das überrascht mich obwohl ich seit Jahren über diese Entwicklung schreibe, denn ich bin immer davon ausgegangen, dass die IFTTT-Nutzung von Twitter-Usern so gering ist, dass sie für Twitter keine Rolle spielt und ihnen das deswegen herzlich egal ist.

Twitter scheint den Strategieschwenk aber kompromissloser durchziehen zu wollen, als viele bisher angenommen hatten. Was meine Theorie unterstützt, dass Twitter großen Wert auf die Multiplikatoren legt, die man unbedingt auf Twitter, und zwar nur auf Twitter, halten will. (Etwas, das meines Erachtens nach hinten losgehen wird.)

Das Endziel von Twitter ist jetzt klar: Tweets dürfen nicht mehr Twitter verlassen.

Der Aufstieg von Twitter dank dessen API ist beispiellos, nun wird uns Twitter ein weiteres Mal eine beispiellose Geschichte liefern, deren Zeuge wir werden können. Dieses Mal lediglich in die andere Richtung.

Siehe zur Entwicklung von Twitter:

Twitter war immer im Krieg mit Eurasien

Biz Stone, einer der Gründer von Twitter, im September 2007:

The API has been arguably the most important, or maybe even inarguably, the most important thing we’ve done with Twitter. It has allowed us, first of all, to keep the service very simple and create a simple API so that developers can build on top of our infrastructure and come up with ideas that are way better than our ideas …

So the API, which has easily 10 times more traffic than the website, has been really very important to us.

 Ev Williams, einer der Gründer von Twitter, im September 2012:

“virtually all of the network’s power and growth has come from outside the company itself”—a common myth but completely overblown

Twitter beginnt mit der Vernichtung der Plattform

Twitter setzt auf Werbung als einzige Einnahmequelle und will dafür (Pageviews! Reichweite!) die eigene Plattform unter Kontrolle bekommen. Nun wurden die ersten konkreten Änderungen bekanntgegeben.

GIGA hat eine gute Zusammenfassung der Veränderungen:

Ein Client darf nun nur noch 60 mal pro Stunde die Twitter-API aufrufen, zuvor waren es noch 350 API-Aufrufe. Davon sind allerdings nicht alle API-Calls betroffen. So fällt etwa das Aufrufen von Profilen und die Suche nach Nutzern unter ein höheres Limit mit 720 Aufrufen pro Stunde.

Durch die heute vorgestellten Änderungen limitiert Twitter effektiv aber auch die maximale Zahl der Nutzer, die ein inoffizieller Client jemals haben kann. Ohne spezielle Erlaubnis dürfen nur 100.000 Nutzer einen Dienst nutzen. Ausnahme sind Apps, die bereits jetzt mehr als 100.000 Anwender haben. Diese dürfen auf bis zu 200 Prozent der heutigen Zahl wachsen.

Diese Begrenzung auf 100.000 User mag groß erscheinen, ist sie aber nicht. Sie trifft sogar kleine Nebenfeatures bei kleinen Diensten wie Instapaper:

Instapaper’s “Liked By Friends” feature reads timelines and will need more than 100,000 tokens. And that’s a relatively minor feature in a small web service run by one guy.

Besonders Regel 5a hat weitreichende Auswirkungen:

[5a] Tweets that are grouped together into a timeline should not be rendered with non-Twitter content. e.g. comments, updates from other networks.

Marco Arment:

In other words, apps cannot interleave chronological groups of Twitter posts with anything else.

This is very broad and will bite more services and apps than you may expect. It’s probably the clause that caused the dispute with LinkedIn, and why Flipboard CEO Mike McCue just left Twitter’s board.

Closer to home for me, it affects Instapaper’s “Liked By Friends” browsing feature, which will need to be significantly rewritten if I want it to comply. (If.)

Naturally, this also prohibits any client from interleaving posts from Twitter and App.net, or any other similar service, into a unified timeline.

 Davon ebenfalls betroffen sind Apps wie die populäre Chrome-/Firefoxerweiterung Yoono.

Die Überlegung von Twitter: Sie sind groß genug, um von Entwicklern und Usern genutzt zu werden, ohne mit anderen Networks zusammengeworfen zu werden. Das Ergebnis kennt man aus dem Instant-Messaging-Markt: Während nahezu jedes IM-Network in einem allgemeinen Client genutzt werden kann, läuft Skype nur über den eigenen Client. Macht das Skype attraktiver? Nein. Aber es erlaubt Skype das Schalten von Werbung.

 Twitter wird künftig nicht mehr in Apps wie Flipboard vertreten sein. 

Wer glaubt, dass das Mainstreamuser nicht treffen wird, unterschätzt die Popularität von Flipboard und ähnlichen Diensten.

Das alles ist gut für das Web, wie ich schon einmal schrieb: Endlich wird die Kreativität der Entwickler wieder frei und beschränkt sich nicht auf Twitter, das bis vor kurzem noch das naheliegendste Ziel war. Auf Twitter entwickeln ist ein gefährliches Geschäft geworden, das sich nicht mehr lohnt. Selbst wenn man heute noch unter die erlaubten Apps fällt: Wer weiß schon, was sich Twitter morgen ausdenken wird?

Denn das hier ist keine leichte Richtungsänderung; das ist ein Strategiewechsel um 180 Grad.

Marco Arments (Instapaper, Ex-Tumblr) Fazit:

But Twitter has proven to be unstable and unpredictable, and any assurances they give about whether something will be permitted in the future have zero credibility.

I sure as hell wouldn’t build a business on Twitter, and I don’t think I’ll even build any nontrivial features on it anymore.

And if I were in the Twitter-client business, I’d start working on another product.

Zu dem gleichen Ergebnis dürften künftig noch mehr Entwickler und Investoren kommen als bereits seit der Übernahme von Tweetie.

Für Twitter, das auf die kurzfristige Profitentwicklung achten muss, dürfte das vorerst egal sein. Vorerst.

Mit der Vernichtung der Plattform beginnt auch die Vernichtung der Bedeutung von Twitter. Was gut für das Web ist, ist schlecht für die mittel- bis langfristige Position von Twitter. Twitter mag glauben, dass sie groß genug sind, um ohne die kleinen und großen Apps auszukommen. Twitter wird aber lernen, dass viele kleine Nadelstiche auch zum Tod führen können.

Twitters Ringen mit der eigenen Plattform begleiten wir hier schon länger:

 

Cards: Der neue Plattform-Plan von Twitter wird konkret

Twitter will mehr wie Facebook werden, zumindest was das Verweilen der Endnutzer auf dem Angebot betrifft. Um das zu erreichen, und damit gleichzeitig ein attraktiveres Werbeumfeld zu schaffen, werden Tweets künftig stärker Multimedia-Funktionalitäten erhalten.

Unter dem Stichwort ‘Cards‘ wird die künftige API mit ersten Partnern getestet, bevor es auf die gesamte Plattform ausgerollt wird. Ein Ergebnis sind dann etwa Zusammenfassungen von verlinkten Artikeln, Foto und die ersten Sätze, unter dem Tweet, wie man sie aus dem Newsfeed von Facebook kennt.

AllThingsD:

The company needs its new, media-rich tweets to appear the same to everyone, not just to those using the official Twitter apps.

This could mean death for those third-party clients. According to multiple sources, when Twitter introduces the new set of API guidelines, the days of these apps are likely numbered.

That also goes for many news aggregation apps as well, according to my sources, with the very popular Flipboard being the most notable among them. The writing has been on the wall for Flipboard for some time — enough that Mike McCue, the Flipboard CEO who also occupied a seat on Twitter’s board, seemed likely to relinquish his board seat, back when Kara Swisher first reported it in May.

Multiple sources confirmed to me recently that McCue is indeed no longer a Twitter board member.

Twitter will weg von den 140-Zeichen-Textfeeds, um vordergründig attraktiver für Endnutzer zu erscheinen und damit (und eigentlich in erster Linie) attraktiver für Werbekunden zu werden.

Neben klassischen Clients könnten damit auch personalisierte Aggregatoren wie Flipboard betroffen sein. Flipboard-CEO Mike McCue ist mittlerweile offiziell vom Twitter-Board zurückgetreten.

Zweifellos ist das die größte Veränderung, der sich Twitter seit seinem Bestehen gegenübersieht. Sollte Twitter die klassischen Clients töten oder sie mit neuen API-Richtlinien zwingen, die Multimedia-Card-Tweets so wie auf der Website und in den offiziellen Clients darzustellen, hätte das massive Auswirkungen auf die Nutzung von Twitter, deren Folgen noch nicht absehbar sind.

Absehbar dagegen wären die Auswirkungen eine Aussschlusses von Flipboard und Co.: Negativ.

Die Stärke und zugleich Schwäche von Twitter war immer die Einfachheit des Social Objects: 140 Zeichen Text. Twitter wird sich dieses Jahr davon verabschieden.

Das Ökosystem wird dabei zum Kollateralschaden.

Und nein, das betrifft nicht nur Geeks und Poweruser:

Of course, while the tech savvy argue and complain about this stuff, the public at large gives zero fucks. But they will care if the product itself becomes something else. And they’ll care if other services they love start to disappear or become less useful due to Twitter’s policy changes. For the first time, it really sounds like this could happen in a major way.

Das Drama um Twitter und seine Plattform wird hier seit längerem begleitet. Die jüngsten Einträge:

Alle Artikel findet man hier.

Twitter-CEO: Wir wollen uns von Unternehmen abwenden, die Twitter bei sich einbinden

Twitter-CEO Dick Costolo benennt die Strategie des Mikrobloggingdienstes im Interview mit dem Wall Street Journal sehr direkt. WSJ.com:

In its events push, Mr. Costolo said Twitter is vying to “more closely tie the shared experience on Twitter to the actual event that is happening.” As Twitter burnishes its platform, Mr. Costolo added that Twitter also wants to move away from companies that “build off of Twitter, to a world where people build into Twitter.”

Die Übersetzung im deutschen Wall Street Journal:

Gleichzeitig wolle das sechs Jahre alte Unternehmen aus San Francisco anderen Firmen stärker erlauben, Funktionen bei Twitter einzubauen, die man selbst nicht anbieten könne oder wolle, sagte Costolo. Twitter wolle sich von Unternehmen abwenden, die Twitter bei sich einbinden, hin zu einer „Welt, in der die Leute ihre Angebote bei Twitter einbringen.” Das würde Twitter stärker zu einer Plattform machen, bei der Softwareentwickler wie bei Facebook oder Apple -Geräten ihre Anwendungen anbieten. 

(Hervorhebung von mir)

Es gibt zwei Formen der Integration von Drittanbietern bei Webplattformen:

  • Außenintegration, für die Twitter bisher das Aushängeschild war. Daten der Plattform werden in Angeboten abseits des Hauptangebots eingebunden. Beispiele: Clients, Like-Buttons, GoogleMaps-Mashups.
  • Binnenintegration, für die Facebook als Webplattform bekannt ist. Im Rahmen des Hauptangebots laufen Beispiele: Facebookgames, Apps im Spotify-Client.

Weil Twitter allein auf Werbung setzt, muss es weg von seiner erfolgreichen Außenintegration und will nun hin zur Binnenintegration. Alles auf der eigenen Site und den offiziellen Clients. Das klingt, wie bereits länger erwartet, nicht gut für Drittanbieter-Clients.

Das ist ein Paradigmenwechsel und, wie ich bereits mehrfach ausgeführt habe, für Twitter mittel- bis langfristig problematisch:

Interessant ist natürlich auch, dass der große Konkurrent Facebook den größten Teil des Umsatzes mit Werbung macht und mit Außenintegrationen von Open Graph bis Clients kein Problem zu haben scheint.

Twitter will mehr wie Facebook werden

The Verge:

Twitter set off alarm bells across the web in recent weeks when it ended its partnership with LinkedIn and reiterated its warning that it would be cracking down on the terms of its API. The company didn’t offer any explanation for why it removed tweets from LinkedIn, but speaking with sources familiar with the company’s plans, The Verge has learned that major changes are coming in the next few months which will move Twitter from an open platform popular among independent developers towards a walled garden more akin to Facebook.

Entgegen der Annahme von The Verge, dass Twitter ‘so geschlossen wie Facebook’ werden soll, vermute ich eher, dass es um ein featurereicheres Grundangebot geht.

Damit einher könnte allerdings tatsächlich ein Ende der Twitter-Clients gehen, wie bereits seit längerem befürchtet wird:

The company doesn’t want to deal with fragmentation across different services, where it would have to work with API partners to ensure advertising and rich media was being properly displayed. This would become increasingly challenging, as sources familiar with Twitter’s plans say that it’s hoping to bring a number of new services into the Twitter stream, everything from booking a restaurant reservation to purchasing an item to playing a game.

[..]“They need full control of how the information is presented, and do not have the bandwidth to micromanage ads with third parties to prevent fraud, poor presentation, etc,” said Ollie Wagner, a designer for Twittelator, a third party client. “Do I think they’ll pull the plug on the API? No, not necessarily. But it may mean they’ll become so restrictive that third parties will want to pull it themselves.”

Amüsanterweise ist Facebook sehr viel stärker auf einem Plattformpfad als Twitter. Während Twitter gegen die eigene Plattform kämpft, ist praktisch jede Neuerung bei Facebook immer auch mit einem Plattformaspekt versehen, sei es eine neue API oder eine Erweiterung einer bestehenden API.

Der Unterschied allerdings: Facebook lädt aufgrund seines von Haus aus vorhandenen Funktionenreichtums stärker zum Verweilen ein. Und das hilft, wenn man mit Werbung Geld verdienen will. Twitter will mit Werbung Geld verdienen, und das offensichtlich fast ausschließlich auf diese Weise, und macht somit das Offensichtliche, egal wie falsch es langfristig sein könnte..

***

Viel wurde in der letzten Woche wieder über Twitter und seinen Strategieschwenk geschrieben. Mittlerweile haben viele die Sichtweise eingenommen, die ich bereits seit weit über einem Jahr vertrete.

Mittelfristig wird der Strategieschwenk zu hohen Einnahmen bei Twitter führen. Meine Vermutung: Das ist Teil der Prä-IPO-Roadmap. Der Börsengang von Twitter könnte bereits nächstes Jahr kommen. Also zu einem Zeitpunkt, zu dem Twitter noch enorme Wachstumsraten bei den Werbeeinnahmen vorweisen kann. Das ist eine sehr investorenfreundliche Entwicklung bei Twitter, die nicht verwunderlich ist: Die Investoren von Twitter waren bis dato sehr geduldig. Diese Geduld dürfte langsam zu Ende gehen.  Der Exit, der Twitter jetzt bleibt, nachdem man die Übernahmeangebote von Facebook bis Google (Gerüchteweise) abgelehnt hat, ist der Börsengang. Für den benötigt man kurzfristig gute Zahlen. Was danach passiert?

Das ist mehr als unklar.

Ein Twitter, das sich an Facebook orientiert? Facebook hat über 900 Millionen aktive Nutzer und längst selbst ein twitterähnliches erfolgreiches Abonnementmodell von Statusupdates. Schauen wir uns noch einmal die Entwicklung an einem Beispiel an:

Britney Spears auf Facebook: Anfang des Jahres: 1 Mio. Abonnenten  / Heute: 2,1 Mio. Abonnenten

Britney Spears auf Twitter  Anfang des Jahres: 12,5 Millionen  / Heute 18,4 Mio. Follower

Spears’ Facebook-Fanpage liegt heute übrigens mittlerweile bei über 20 Millionen Likes also Abonnenten. Das Publikum von Spears ist auf Facebook also größer als auf Twitter.

Extremer sind die Unterschiede bei dem ein jüngeres Publikum ansprechenden Justin Bieber. Twitter: 24,6 Mio. Follower. Facebook: 45,1 Mio. Likes.

Was passiert, wenn Twitter sich an Facebook annähert und dafür die den eigenen Status ausmachende Position verlassen muss? Ist Twitter erfolgreich genug, um als Facebook-Kopie bestehen zu können? Oder werden die Multiplikatoren und ihre Follower dann einfach (noch) stärker das Facebookoriginal nutzen, weil Twitter sein Alleinstellungsmerkmal im Webökosystem aufgegeben hat? Wer glaubt, Twitter kann ohne sein heutiges Ökosystem im Schatten von Facebook bestehen, ist meines Erachtens auf dem Holzweg.

Ich sehe langfristig keine erfolgreiche Zukunft für Twitter, sollte es tatsächlich diesen Weg gehen. Aber die langfristige Sicht ist für die auf den IPO schielenden Investoren auch nicht die relevante.