Marktführer und Innovationstreiber.

Amazon ist wie Apple, Facebook und Google in den jeweiligen Kernmärkten Marktführer und Innovationstreiber.

Ein bisher für Konzerne eher ungewöhnliches Verhalten.

Exchanges #47: Amazon Dash als das erste ernstzunehmende Smart-Shopping-Gerät

Amazon Dash ist das erste Gerät einer möglicherweise für den Onlinehandel extrem wichtig werdenden Gerätekategorie.

In den neuesten Exchanges sprechen Jochen Krisch und ich ausführlich über Amazon Dash und Amazon Fire TV. Beide Geräte zeichnet aus, dass sie sofort sinnvoll am Markt positioniert sind beziehungsweise wenn sie, wie im Falle des Dash, auf den Markt kommen, Erfolg programmiert ist.

Dash und Fire TV sind, um es direkt zu sagen, besser aufgestellt als Amazons Me-Too-Tablet Kindle Fire.

Amazons Hardwarevorstoß macht den Konzern jetzt recht deutlich zu mehr als einem reinen Onlinehändler, was der Seattle-Koloss schließlich schon länger nicht mehr ist.

Exciting Commerce:

Amazon weitet die Palette der eigenen Geräte weiter aus mit Amazon Dash und Fire TV und ist mit Dash der erste Onlinehändler, der ernst zu machen scheint mit dedizierten Shopping-Geräten. Grund genug, sich in den Exchanges einmal ausführlich mit diesem wichtigen Zukunftsfeld zu beschäftigen.

 

Amazon Instant Video ist in den USA sehr erfolgreich

Amazons Videostreamingangebot, das in Amazon Prime integrierte Instant Video, das mittlerweile auch in Deutschland als das umgewandelte Lovefilm verfügbar ist, ist in den USA extrem erfolgreich. (Der Dienst hat nur den Namen und die Integrierung in das Prime-Angebot länderübergreifend gemein.)

Qwilt hat Nutzungszahlen:

We”ve been tracking the growth in online video for some time and have carefully recorded the remarkable trajectory of Amazon Instant Video on our charts. In just the last year, Amazon moved from 5th place to 3rd place, passing both Hulu and Apple in terms of the volume of video streaming traffic consumed from their site to US broadband subscribers. Today, only Netflix and YouTube produce more total online video traffic in the US. Amazon”s traffic volumes, as measured by Qwilt in March of 2014, increased by 94% over the previous 12 months. In some US operator networks, between March 2013 and March 2014, Amazon”s streaming video traffic increase was nearly 300%.

Der Trend ist eindeutig.

Die von Qwilt gesammelten Daten liegen zeitlich komplett vor der Vorstellung von Amazon Fire TV.

Amazon Fire TV will die optimale Spielkonsolen-/TV-Box für Familien sein

Amazons Fire TV ist der dritte Hardwarevorstoß des Handelskonzerns nach dem Kindle und dem Kindle Fire.

Fire TV, aller guten Dinge ist schließlich drei, ist der erste Vorstoß, der auf Anhieb gute Karten hat. Amazon ist bekannt dafür, bei den ersten Manifestierungen seiner Geräte eher peinliche Produkte auf den Markt zu bringen. Der erste Kindle war Jeff Bezos’ Blackberry nachempfunden und brachte tatsächlich eine Tastatur mit. Das erste Kindle Fire war allen Berichten zu folge ein mehr oder weniger unbrauchbares Tablet. Die erste Inkarnation ist deshalb etwas, auf dem man nicht zu viele Analysen basieren sollte. Amazon bringt ein Gerät heraus und verbessert es dann Jahr um Jahr, immer mit dem Blick auf den langfristigen Horizont.

Auch deshalb ist es interessant, dass Fire TV von der kompletten Produktaufstellung bereits vom ersten Tag an strategisch Sinn ergibt. Man muss nicht weiter darüber diskutieren, warum Amazon einen direkten Kanal zum größten Monitor in den Haushalten besitzen sollte. Die Gründe sind offensichtlich.

Aber wie positioniert man sich als Amazon auf dem Markt gegenüber Apple, Roku, Google und, ja, auch Xbox und Playstation?

Die Antwort liegt bereits in der Frage. Amazon hat nicht einfach eine Set-Top-Box für TV herausgebracht. Sondern dem Gerät gleichzeitig Spielkonsolenfunktionen mitgegeben.

Damit wird das Gerät besonders für Familien interessant. Das Fire TV ist eine im Vergleich sehr günstige Spielkonsole. Die Android-basierten Spiele sind günstiger als die Hardcore-Konsolenspiele bei der Konkurrenz.

Als wäre das nicht genug, bringt Amazon mit „Freetime“ ein kindgerechtes Streamingangebot mit, das von den Eltern entsprechend gesteuert, sprich also beschränkt, werden kann.

Attraktiver für Jungfamilien wird es fast nicht.

So oder so ähnlich dürfte die strategische Ausrichtung des Fire TV amazonintern aussehen.

HJanko Roettgers auf GigaOm über die Kinderfreundlichkeit des Fire TV:

Amazon stands alone in this area because it is the only company that owns both a device and a video subscription service. And the company has gone even further and launched its very own subscription tier for kids’ content, dubbed FreeTime Unlimited. On Fire TV, Amazon can integrate FreeTime in a way that wouldn’t be possible for the company on any other platform: Parents can set time limits for kids, and kids can be prevented from switching to any other app, effectively keeping them in an approved environment.

So that’s why parents will like the device, but what about kids? That’s where the gaming component comes in. Amazon has seriously beefed up the Fire TV to make it a fast, responsive device that allows users to play games on the big screen. The company even developed a dedicated game controller that will give it more of a game console-like feel. Sure, even with its quad-core CPU, the Fire TV won’t be a match for an Xbox One or a PS4. But it’s easy to imagine how this could become a better-supported version of what Ouya wanted to do with its Android game console — a device for casual gamers and indie game developers who are looking for ways to bring their wares to the big screen.

Der Spielkonsolenmarkt kollabiert langsam aber sicher. Er wird aufgefressen von den mobilen Spielen, den im eigenen Markt zu hohen Preis- und Kostenstrukturen, und nun erst recht von Angeboten wie Amazons Fire TV, das zuerst macht, was viele von Apple erwartet haben:

Den Boom mobiler Spiele von den Smartphones und Tablets auf den Fernseher holen.

Amazon könnte mit dem Fire TV ein großer Wurf gelungen sein.

Amazon marschiert mit Fire TV in die Wohnzimmer

Mit dem Fire TV hat Amazon die TV-Set-Top-Box auf den Markt gebracht, um die sich in letzter Zeit vermehrt Gerüchte rankten.

Die Pressemitteilung findet man hier. Eine gute Zusammenfassung der Funktionen liefert Janko Röttgers auf GigaOm:

Amazon officially announced a TV streaming box called Amazon Fire TV at its press event in New York Wednesday morning. The device is a set-top box with a dedicated remote control that is powered by a quad-core CPU and a dedicated GPU, which results in it being three times as powerful as competitors like Apple TV and Roku. Fire TV goes on sale immediately for $99.

The device comes with a dedicated remote control that enables voice input through a microphone button. The box itself is connected through 802.11 a/b/g/n dual-band Wi-Fi. There is also an Ethernet port, optical audio out, obviously HDMI and a single USB 2.0 port. Fire TV comes with 8 GB storage for apps as well as 2 GB memory.

Eine Besonderheit gegenüber den anderen Anbietern auf dem Markt (AppleTV, Roku, Chromecast) ist die Möglichkeit der Sprachsteuerung der Suche, die über ein Mikrofon in der Fernbedienung genutzt wird, und natürlich die Integration von Amazon-Diensten wie Cloud Drive und Freetime. Mit einem separaten Controller wird das Fire TV zur Spielekonsole.

Dem ersten Testbericht von The Verge zu folge scheint Amazon hier mit der ersten Hardwareinkarnation bessere Qualität abzuliefern als seinerzeit bei den ersten Generationen von Kindle und Kindle Fire, die jeweils nicht zu empfehlen waren.

Amazon scheint also in der Hardwareentwicklung und -produktion langsam aber sicher besser zu werden.

Da Fire TV ein Hybrid aus klassischer TV-Settop-Box und (Low-Budget-)Spielekonsole ist, ergibt es Sinn, dass Amazon dem Trend der HDMI-Sticks nicht gefolgt ist. Das erlaubt dem Fire TV mehr Rechenpower.

Anfang des Jahres hatte ich mich anhand des Gerüchts einer Spielkonsole von Amazon mit den Wohnzimmerplänen des Handelskonzerns beschäftigt:

Aber warum geht Amazon in den Spielekonsolensektor, der dank iOS und Android implodiert und bereits in der nächsten Gerätegeneration kurz vor dem Ende zu stehen scheint, zumindest aber im Vergleich zu etwa dem Smartphonemarkt ein Nischenmarkt ist?

Die Antwort liegt, wie so oft, in den Plattformdynamiken.

Amazon baut nicht nur eine Spielkonsole sondern auch sein eigenes AppleTV. Amazon will in die Wohnzimmer und baut seine eigene, an den Fernseher angeschlossene Settop-Box.

Nun wird es spannend, wie erfolgreich Amazon Fire TV sein wird.

Amazon Fire TV kann man ab sofort in den USA kaufen. Über einen Deutschlandstart ist noch nichts bekannt.

Roku, Chromecast, Amazon: HDMI-Sticks machen Fernseher ‘intelligent’

Die Umwälzung der TV-Branche wird mit kleinsten Geräten stattfinden. Mit HDMI-Sticks, im Formfaktor USB-Sticks nicht unähnlich, die einfach auf der Hinterseite der größten unserer dummen Monitore in die freiliegenden Slots gesteckt werden.

Nach Roku und Googles Chromecast1 könnte der nächste Stick von Amazon kommen. TechCrunch:

Amazon is readying a game console/set top box of its own, and we’ve learned from multiple sources familiar with the device that the Lab126-produced gadget will have a form factor similar to the Chromecast, or in other words it’ll be a stick or dongle as opposed to something like the Apple TV. In addition, one source claims it should have support for streaming full PC game titles, and as such might be able to compete with consoles including the Xbox and PlayStation, instead of just Android-powered living room game devices.

The stick form factor is not a surprise, given that Roku has just launched its own device using the same design, and the Chromecast has done so well in terms of attracting buyers. But the interesting component could be the way the gadget approaches gaming. Streamed PC titles is in keeping with some of what we’ve heard before in whispers around Amazon’s efforts, and makes sense given that the company sells digital download titles for PC and Mac direct from its ecommerce website.

Googles Chromecast kommt diese Woche für 40€ auf den deutschen Markt.

Die Frage bleibt natürlich, was Apple mit dem Apple TV, dessen nächste Inkarnation praktisch vor der Tür steht, machen wird. Es wäre nicht verwunderlich, wenn auch der Apple TV miniaturisiert als Stick künftig hinter dem Fernseher verschwindet.

Die Implikationen der Stickisierung für den Markt gehen über kosmetische Details hinaus. Wenn die Hardware, günstig wie der Chromecast, hinter dem TV im Wohnzimmer verschwindet, wird Multihoming für die Endnutzer einfacher, bezahlbarer, attraktiver.2 Das wiederum erhöht den Wettbewerb auf Anbieterseite.

Und mit ihm steigt die Geschwindigkeit der Veränderung.


  1. Mit dem Chromecast, dem ersten der HDMI-Streaming-Sticks, ist Google erstmals erfolgreich eine kleinere Hardwareinnovation im Endkundensegment gelungen. 

  2. Die Mehrheit der in den letzten Jahren verkauften TV-Geräte hat mehr als einen HDMI-Eingang. 

Prime Instant Video: Amazons Prime-Bündelung kommt nach Deutschland

Amazons große Prime-Bündelung mit Schnellversand, Leih-Ebooks für den Kindle und On-Demand-Videostreaming in einer Flatrate startet mit den aus den USA bekannten Erweiterungen am 26. Februar in Deutschland:

Ab dem 26. Februar können Sie Prime Instant Video auf Spielekonsolen, Smart TVs, mobilen Endgeräten und dem Kindle Fire HD genießen.

Bis zur Einführung von Prime Instant Video am 26.2. kostet Prime noch 29€ im Jahr, danach 49€. Ein Kampfpreis.

Über Amazon Prime, das als Bündelungsflatrate vieler Amazon-Angebote in den USA bereits ein wichtiger Erfolgsfaktor für Amazon geworden ist, schrieb ich letztes Jahr:

Das ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf, der es konkurrierenden Onlinehändlern zumindest immer schwerer machen wird. Aber das trifft nicht nur auf diese zu: Auch konkurrierende E-Book-Plattformen und Streaminganbieter geraten in einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf mit einem Koloss namens ‘Amazon Prime’.

Nun stellt sich mit dem Start von Prime Instant Video in Deutschland natürlich die Frage, was aus dem von Amazon übernommenen Lovefilm wird.

Zwischen dem kommenden Deutschland-Start von Netflix und Prime Instant Video zu bestehen wird für Videokonkurrenten wie Watchever und Sky Go sehr schwer werden.

Deutschland-Umsätze von Amazon haben sich seit 2010 verdoppelt, liegen jetzt bei $10,5 Mrd.

Jochen Krisch auf Exciting Commerce:

Amazon hat seine Geschäftszahlen für 2013 vorgelegt. Die Deutschland-Umsätze haben sich seit 2010 verdoppelt. Amazon ist hierzulande – wie schon im Vorjahr – um 21% gewachsen auf nunmehr 10,5 Mrd. Dollar (ca. 7,8 Mrd. Euro)

Deutschland macht am gesamten Amazon-Umsatz einen Anteil von 14,1 Prozent aus.

Amazon will mit eigener Spielkonsole in die Wohnzimmer vordringen

Amazon plant, eine Spielkonsole für unter 300 US-Dollar herauszubringen:

Running the Android operating system, the system will compete directly with Sony, Microsoft and Nintendo, offering the streaming and download of games, music, movies and TV content, multiple sources have told VG247.

Senior publishing sources have been meeting with Amazon for a briefing on the hardware – which currently goes by a number of different codenames – and popular Android and iOS games have been used to demo the device.

The unit being shown to publishers at this point is said to be roughly the same size as the PSone redesign, grey in colour, oblong in shape and with sharp edges. However, the pre-production unit is likely to have a full makeover before any official release.

The hardware is being created in conjunction with subsidiary Lab 126, designers of Amazon’s Kindle devices.

Die Konsole wird, als Teil des auf einen Android-Fork aufsetzenden Amazon-Ökosystems bei der Distribution der Spiele auf ein mit Steam vergleichbares Prinzip setzen. Steam ist die Internetdistributionsplattform für Spiele von Valve, quasi eine Art Appstore für Spiele mit angebundenen Communityfunktionen und mehr. Bereits heute kann man auch Steamspiele auf Amazon kaufen. Valve ist mit seiner Steam-Plattform ebenfalls dabei, in den Hardwarekonsolenmarkt einzusteigen.

Aber warum geht Amazon in den Spielekonsolensektor, der dank iOS und Android implodiert und bereits in der nächsten Gerätegeneration kurz vor dem Ende zu stehen scheint, zumindest aber im Vergleich zu etwa dem Smartphonemarkt ein Nischenmarkt ist?

Die Antwort liegt, wie so oft, in den Plattformdynamiken.

Amazon baut nicht nur eine Spielkonsole sondern auch sein eigenes AppleTV. Amazon will in die Wohnzimmer und baut seine eigene, an den Fernseher angeschlossene Settop-Box.

Was ist Amazon strategisch zuzutrauen?

In der Ausgabe 34 der Exchanges haben Jochen Krisch und ich uns ausführlich über Amazon unterhalten. Unter anderem stelle ich in dem Gespräch auch meine These vor, was Amazon marktseitig gefährlich werden kann. 

Exciting Commerce: Exchanges #34: Was ist Amazon strategisch zuzutrauen?:

Von der Buchbranche einmal abgesehen fährt Amazon hierzulande noch mit angezogener Handbremse. Deshalb fragen sich Jochen Krisch und Marcel Weiß in der neuen Ausgabe der Exchanges, was Amazon mittelfristig zuzutrauen ist, wenn die Skaleneffekte erst so richtig einsetzen.

Welche strategischen Optionen bestehen – heute schon und in Zukunft? In welche weiteren Branchen könnte Amazon mit seiner bestehenden Kundenbasis vorstoßen? Und wie lange befindet sich Amazon noch in der beneidenswerten Lage, dass potenzielle Wettbewerber eher vor Amazon kuschen als anzufangen, (Online-)Märkte selber aktiv zu gestalten?

In der Ausgabe davor, versuchen wir uns an einer Prognose für den Onlinehandel für 2014.

Die Exchanges entwickeln sich als Fach-Podcast für den Onlinehandel ausgesprochen gut. Ein guter Einstiegspunkt sind sicher auch die Episoden, die jeweils über 1.000 Hörer erreicht haben.

Besitzer von Kindle Fire geben pro Jahr 443$ mehr auf Amazon aus als reguläre Kunden

Ein kleiner Blick, oder der Versuch eines Blicks zumindest, in das schwarze Loch der Amazon Kindles und Kindle Fire Tablets auf AllThingsD:

First, at a high level, CIRP estimates that 20.5 million Kindles — e-readers and Kindle Fire tablets combined — are currently in use in the U.S., and that 40 percent of Amazon.com’s customers own one of the devices.

Wenig überraschend geben Besitzer von Kindle Fire Tablets sehr viel mehr auf Amazon aus als reguläre Kunden ohne Amazon-Tablets:

CIRP conducted a survey of 300 Amazon.com customers over the three months leading up to Nov. 15 and found, perhaps not all that surprisingly, that people who own Kindles spend more on Amazon than those who don’t. But the size of the disparity is pretty astounding. Based on its research and analysis, CIRP estimates that Kindle owners spend $1,233 per year on Amazon compared to $790 per year for Amazon shoppers who don’t own one of the company’s e-readers or tablets. Kindle owners aren’t necessarily buying more at a shot, but are buying more frequently.

Man kann es nicht oft genug sagen: Für Amazon sind die Tablets die günstigere und auch sonst attraktivere (weil digitale) Alternative zu einem Filialnetz. Kindle Fire statt Ladengeschäft.

Es ist natürlich noch offen, ob schlicht vor allem überdurchschnittlich oft auf Amazon einkaufende Stammkunden zum Kindle Fire greifen oder das Tablet im Hause Menschen zu mehr Einkäufen auf Amazon anregt.

Für eine Unterscheidung ist es hier noch zu früh. Ohne interne Zahlen wird sie vielleicht nie getroffen werden können.

Amazon Studios: Die TV-Abteilung von Amazon Prime

CNET hat ein lesenswertes Porträt über die TV-Ambitionen von Amazon veröffentlicht:

How does Amazon Studios fit into that long-term strategy? It comes down to Prime, which is becoming ever more powerful for the company. Analysts estimate that Prime subscribers spend between two and four times as much on Amazon as nonmembers do. Additional features, like original shows from Amazon Studios, could reel in new types of customers. Amazon’s decision to release most episodes of its original series week to week, in contrast with the Netflix approach of unleashing them all in one bingeable bunch, supports that idea – tease your viewers, keep them coming back to the store.
Amazon is also giving everyone a free taste of its originals, having found that a good proportion of the people who sign up for free trial memberships end up as paying subscribers. The first three episodes of its series will be available for anyone to watch, but the rest are reserved for Prime.

Ich beschäftige mich seit längerem mit Amazon Prime, das zunehmend (nachvollziehbarerweise) das Herzstück von Amazon wird. Zuletzt schrieb ich hier im September über Amazon Prime: "Amazon Prime: Das größte Bündelungsexperiment der Wirtschaftsgeschichte"

Top-Rezensenten auf Amazon erhalten viele Produkte kostenlos

Es ist wenig überraschend, dass Amazon Top-Rezensenten “bezahlt”. Rezensionen sind enorm wichtig für den Kaufprozess auf Amazon. Es wäre nicht sinnvoll, sich zurück zu lehnen und zu hoffen, dass die Kunden schon schreiben. Das Unternehmen hat nun zwei Möglichkeiten. Sie könnten Freelancer anstellen und für Reviews bezahlen. Das wäre der konventionelle, uninspirierte1 Weg, der zu minderwertigen Texten führt. Besser ist es, die sozialen Signale des eigenen Angebots auszuwerten und zu nutzen. Also warum nicht diejenigen, die die populären, hilfreichen Texte verfassen, also bereits gezeigt haben, dass sie gut schreiben können, mit den entsprechenden Anreizen versorgen, noch mehr zu schreiben?

NPR berichtet über das Programm:

Erb is a member of Amazon Vine, an invitation-only program for the site's top reviewers. At least once a month, Amazon sends Erb a list of products. He gets to choose any two items from the list. “My only obligation is that I need to write a review of those two items within 30 days,” Erb told me. “And I get to keep the items after I review them.”

Like other top reviewers, Erb says he reviews so many products because he likes sharing his knowledge and getting feedback from other customers. Amazon also fuels competition among reviewers by making their rankings public. And top reviewers do get a lot of free stuff.

Through Vine, Erb has received everything from cheap earbuds (worth a few bucks) to multifunction laser printers (retail price about $500) to a spin bike (worth almost $1,000). In all, he says, he's received thousands of dollars worth of merchandise through the program.

Amazon does have some rules on the freebies. Erb can't sell the products or give them away. In fact, Amazon can ask for the stuff back any time it wants. But in the five years Erb has been in the program, Amazon has never asked for anything back.

Weil nur die Top-Reviewer in das Vine-Programm kommen und bleiben, stellt Amazon sicher, dass es die nützlichen Rezensionen belohnt und fördert. Direkte Anreize, die extrinsische Motivation erzeugen, in ein bestehendes, von intrinsischer Motivation getriebenes System zu integrieren, birgt enorme Gefahren, weil es zu outcrowding führen kann. Amazon scheint aber zumindest auf den ersten Blick die richtige Implementierung gefunden zu haben.2


  1. deutsche? 

  2. Was im Grunde heißt: Das Vine-Programm von Amazon schreit nach einer wissenschaftlichen Untersuchung, die Amazon aber wohl nicht zulassen würde. 

Analogprotektionismus: Frankreich verbietet Amazon kostenfreies Versenden herabgesetzter Bücher

Apropos blinde Flecken der deutschen Webstartup-Szene. In Frankreich kann man an einem guten Beispiel sehen, woher der regulatorische Wind in Europa weht und die nächsten Jahre wehen wird.

heise online:

Mit seltener Einstimmigkeit hat die französische Nationalversammlung am Donnerstag für ein Gesetz zum Schutz traditioneller Buchläden vor Internet-Händlern gestimmt. Damit soll es Online-Riesen wie Amazon künftig verboten sein, im Preis bereits maximal herabgesetzte Bücher umsonst zu versenden. Im Rahmen der französischen Preisbindung dürfen Bücher um bis zu fünf Prozent billiger verkauft werden. Darin muss künftig ein möglicher Gratisversand bereits enthalten sein.

 Schaut man sich die Kommentare auf deutsche-startups.de zu meinem Artikel “Warum Gründer nicht FDP wählen sollten” kurz vor der letzten Bundestagswahl an, wird deutlich, wie vielen Gründern und Mitarbeitern nicht bewusst ist, in welche Richtung sich die Politik entwickelt. Statt auf Breitbandausbau und internetfreundliche Politik schauen sie auf Steuererleichterungen und Bürokratieabbau.

Das ist ein grobes Missverständnis der aktuellen Dynamiken. Ein aktiv forcierter Breitbandausbau würde dank des dadurch schnelleren Wachstums des gesamten Internetmarktes jede ausfallende Steuersenkung für Webunternehmen abfangen und mehr.

Das Problem ist natürlich, dass wir in Frankreich und Deutschland längst nicht mehr von Zugewinnen auf Seiten der Politik sprechen können sondern nur noch vom Verhindern des Schlimmsten. Aber selbst das Presseleistungsschutzrecht, ein so offensichtlicher Lobbyerfolg einer etablierten Industrie gegen neue Konkurrenz und Marktkonstellation, konnte nicht dabei helfen, den deutschen Gründern die Augen zu öffnen, in welche Richtung Internetpolitik in diesem Land geht. Sie sind -noch- blind für den gesellschaftlichen Kontext, in dem sie sich bewegen.

Sie werden es wohl erst merken, wenn die von den reaktionären Kräften angetriebenen Regulierer und Gesetzgeber in ihrem Marktsegment ankommen. Aber dann ist es zu spät.

Das ist bedauerlich, weil wir alle für den kommenden Analogprotektionismus bezahlen werden. So wie die französischen Buchleser, die zugunsten von Buchhändlern um einen günstigen Versand durch Amazon gebracht werden.

Social-Reading-Plattform Sobooks konkurriert mit Amazon. Ist sie dafür aufgestellt?

2013 10 14 um 17 21 54

Das Gründerteam von Sobooks kann sich sehen lassen: Sascha Lobo (Deutschlands bekanntester Alpha-Kolumnist, mit Frisur), Christoph Kappes (u.a. Pixelpark), Oliver Wagner (u.a. BuzzRank) und Oliver Köster (ebenfalls Buzzrank) starten eine Plattform zum Verkauf von E-Books und dem gemeinsamen Lesen.

Plattform statt Verlag

Sobooks, das am 9. Oktober in die Private Beta ging, wurde in der Berichterstattung, die für eine deutsche Buch-Plattform wohl noch nie so ausgiebig war, oft als neuer Verlag bezeichnet. Zurückzuführen ist das auf die Eigendarstellung des Dienstes. Mitgründer Sascha Lobo bezeichnete sich selbst etwa oft als Verleger in den Interviews, die er zum Launch gab. Sobooks ist zwar zu einem kleinen Teil auch Direktverlag, also Anbieter, der Werke verlegt/verlegen wird, aber im Kern handelt es sich um eine Plattform, auf der Verlage ihre Bücher verkaufen und damit automatisch mit Zusatzfunktionen anreichern können. Zu den Verlagen zum Launch zählen unter anderem Rowohlt und Random House.

Der Buchreport hat die wichtigsten Punkte zu Sobooks zusammengefasst:

Die Bücher, die auf Sobooks (steht für Social Books) zum Verkauf angeboten werden, stehen vollständig im Internet – jede Seite eines Buchs hat eine eigene URL.
Zu den Titeln werden Leseproben (mindestens fünf Seiten) angeboten.
Der Käufer hat die Wahl, ob er das Buch im Browser lesen oder in den Formaten Epub oder PDF herunterladen möchte.
Sobooks verzichtet auf DRM, bietet Verlagen aber eine Personalisierung der Epubs an (Wasserzeichen).
Bezahlt werden kann in der Startphase mit Paypal express, künftig auch mit anderen Zahlungsmethoden.
Sharing: Der Nutzer kann Zitate aus Büchern z.B. auf Facebook teilen, der Link führt direkt in das Buch hinein.
Der Leser kann mit anderen Lesern interagieren und auf einzelnen Seiten des Buchs Kommentare hinterlassen und auf andere Kommentare antworten.
Im Fuß der Seite sieht der Nutzer eine „Heat Map“ (Foto): Linien, die signalisieren, über welche Passagen im Buch aktuell besonders intensiv diskutiert wird.

Es ist vor diesem Hintergrund erstaunlich aber nicht überraschend, dass viele Journalisten die Wortwahl der Gründer angenommen haben. Für die Gründer ist es sinnvolles, cleveres Wording gewesen. Denn Sobooks will in der schwierigen Medienwandelsdebatte, in der praktisch nie vorurteilsfrei über Internetunternehmen in den klassischen Medien berichtet wird, eher mit dem Rowohlt Verlag assoziiert werden als mit  dem allseits außer bei den Kunden gehassten Amazon.

Sobooks ist Amazons Buchrundumangebot aber näher als jedem Buchverlag. Wie Amazon ist Sobooks eine Plattform, auf der E-Books verkauft werden, also ein Mittelsmann zwischen Buchverlagen und Lesern. Wie bei Amazon ist das der Kern des Geschäfts. Wie bei Amazon hat Sobooks auch einen Verlagsbereich, in dem eigene E-Books verlegt werden.

Sobooks konkurriert deshalb auch eher mit Amazon als mit einem Buchverlag.

Hier liegen auch die Probleme, oder Herausforderungen, für Sobooks. Ebenso wie Readmill, die Berliner Social-Reading-Plattform, steht Sobooks vor dem Problem, dass die eigenen Zusatzfunktionen, die soziale Ebene, in der Mehrheit der Fälle nur mit einem Medienbruch genutzt werden können.

Nur im Browser, Apps sollen kommen, keine E-Reader-Integration

Wenn Sascha Lobo Sobooks im ZEIT-Interview als das “Post-Amazon-Konzept” bezeichnet, dann ist das tatsächlich, wie er meint, ‘mittelgrößenwahnsinnig’. Denn das Konzept von Sobooks wird nur erfolgreich sein, wenn es vertikal integriert ist. Man kann zwar Bücher auf Sobooks im Browser lesen, aber die meisten E-Book-Fans lesen auf diese Art selten ihre Bücher. Nicht nur benötigt man ohne native Apps (für Tablet oder Smartphone) eine Internetverbindung um zu lesen, man ist so auch weit weg von E-Readern mit angenehmem E-Ink. Also den Geräten, auf denen akku- und augenschonend ausgiebiges Lesen möglich ist. Immerhin sollen native Apps für Android und iOS mit Offline-Modus noch kommen.

Man kann zwar die E-Books auf Sobooks als EPUB oder PDF erwerben, verliert aber so den sozialen Mehrwert der Plattform beziehungsweise kann ihn nur im Browser und später in den Apps auf den Nicht-E-Readern bekommen.

Hier steht Sobooks vor der gleichen Herausforderung wie Readmill. Amazon ist  auch bei E-Books der Platzhirsch mit seiner Kindle-Plattform. Das Problem für Neueinsteiger sind nicht nur die aufgebauten Marktanteile. Die sind in einem noch jungen Wachstumsmarkt wie diesem nicht alles entscheidend. Es gibt einen Vorteil für Firstmover, aber der ist aufgrund der verschiedenen Richtungen, die das Produkt E-Book gehen kann, nicht so groß wie man vielleicht vermuten könnte. Entscheidender ist, wie gut Amazon technisch und bei den Ressourcen aufgestellt ist.

Der E-Reader von Amazon ist integriert in den Amazon-Shop, rudimentäre Social-Features gibt es auch schon (Man kann sich von vielen Lesern unterstrichene Passagen direkt im E-Book anzeigen lassen), und der Onlinehandelsriese hat dieses Jahr mit Goodreads die größte Community rund um Bücher übernommen. Mittelfristig wird Amazon Goodreads auf die eine oder andere Art in seine Kindle-Plattform integrieren. Es wird nicht so gut sein wie Sobooks oder Readmill, aber dafür wird es _auf dem E-Reader_ sein.

Auf Kindle kann man Bücher nicht nur im E-Reader und synchronisiert im Browser lesen sondern auch synchronisiert auf nativen Apps für iOS und Android. Das ist eine sehr viel bessere Ausgangslage für eine soziale Ebene über der klassischen Buchebene.

Es geht nicht ohne Hardwarestrategie

Um das Problem mit dem Medienbruch zu veranschaulichen, schauen wir uns ein Alltagsbeispiel an:

Eine Sobooks-Leserin besitzt einen E-Reader. Sie kauft auf Sobooks ein Fachbuch als E-Book. Um es auf ihrem Gerät lesen zu können, lädt sie die EPUB-Version herunter. Jetzt beginnt sie zu lesen. Macht sie nun beim Lesen Hervorhebungen und Anmerkungen direkt auf ihrem Gerät im EPUB? Oder sucht sie jedes Mal die entsprechende Seite und Stelle auf Sobooks im Browser auf einem anderen Gerät heraus, um sie dort zu markieren und zu annotieren? Scrollt sie beim Lesen auf dem Zweitgerät mit, um etwaige Kommentare anderer Leser zu sehen? Was macht sie unterwegs in der Bahn? Zwei Hände, zwei Geräte?

Was Sobooks, ebenso wie Readmill und vergleichbare Angebote, benötigt, ist ein E-Reader, in den sich zumindest die Grundfunktionen des Angebots integrieren lassen.

Das heißt, um gegen Amazon eine Chance zu haben, braucht Sobooks eine Hardwarestrategie.

Das muss nicht heißen, dass Sobooks einen eigenen E-Reader entwickelt. Spätestens das txtr-Debakel, Marke Duke Nukem Forever, dürfte jedem gezeigt haben, dass das nicht so einfach zu bewerkstelligen ist.

Denkbar wäre vielmehr ein Joint Venture mit verschiedenen Marktteilnehmern oder eine Beteiligung an einem solchen Projekt.

Konkret heißt das: Was die Buchbranche braucht, ist ein E-Reader mit einer integrierten Plattform für Social-Reading-Dienste. Also zum Beispiel ein E-Reader, der von Haus aus oder über eine Art Appstore die Integration der Kommentare und andere Parallellektürefunktionen von zum Beispiel Sobooks und Readmill integriert.

Aus Sicht des E-Reader-Anbieters liesse sich das technisch mit einer allgemeinen Parallellektürefunktionen-API für alle Social-Reading-Plattformen umsetzen. Noch besser (aber noch schwieriger und deswegen für den aktuellen Marktzustand wohl zu zeitaufwendig) wäre ein API-Standard. Konzeptionelle Herausforderungen bezüglich der Urheberrechte und der Abgleichung der Daten und der etwaig notwendigen Querverknüpfung von Diensten und Shops blenden wir hier einmal aus Platzgründen aus.

Das ist eine der wenigen Möglichkeiten, wie ein Lock-in dank Social-Reading-Integration bei Amazon verhindert oder zumindest gemindert werden kann.

 

Zum Thema Social Reading allgemein

2008 schrieb ich über die mit E-Books möglich werdende Social-Ebene:

All die Möglichkeiten, die jetzt auf öffentlich zugängliche Artikel im Web beschränkt sind, auf Bücher – auf Romane und Sachbücher – auszuweiten, wird uns eine völlig neue Welt offenbaren. Auch wenn es widersinnig und überflüssig erscheint, wie einst delicious, als es die Bühne betrat und man sich fragte, warum zum Teufel man seine Lesezeichen online ablegen sollte, so entsteht mit der Möglichkeit der öffentlichen Annotation eine völlig neue Dimension des gemeinsamen Wissens.
Wenn mir ein Freund ein Buch empfiehlt und ich während des Lesens direkt seine Anmerkungen und die von meinen anderen Freunden mit anzeigen lassen kann, dann bekommt das Lesen und der Austausch über das Gelesene einen Mehrwert gegenüber dem Lesen von bedrucktem Papier.

Denken wir diese Richtung noch einen Schritt weiter.

David Weinberger schreibt in seinem Buch “Das Ende der Schublade” über elektronische Bücher (S. 267):

“Wir werden unsere Bücher dazu auffordern können, die Passagen zu markieren, die von Dichtern, Einser-Schülern, Literaturprofessoren oder buddhistischen Priestern am häufigsten noch einmal gelesen werden.”

Weinberger führt noch weitere Möglichkeiten an: Wenn wir anzeigen und aggregieren können, wo Bücher gelesen werden, können wir automatisch Listen für Bücher für den Strand oder für Reisen zusammenstellen.

Will man das immer? Immer die Metaebene mit dazu sehen und denken? Sicher nicht. Aber die Möglichkeit dazu zu haben, wird irgendwann einfach dazugehören. Ohne die Möglichkeit dazu wird etwas fehlen, sobald es dem Leser in den Sinn kommt, die Freunde auf etwas zu verweisen oder zu schauen, was andere zum letzten Kapitel zu sagen haben.

Sobooks deckt bereits einiges von dem ab, über das wir in diesem Bereich seit Jahren sprechen.

Christoph Kappes im Interview mit irights.info:

Der eigene Direktverlag ist unser Spielbein, mit dem wir Innovationen voranbringen wollen, wie neue Formate und die Autoren-Leser-Kommunikation. Die „Cobooks“ sind ja so entstanden; die haben wir uns selbst ausgedacht und sind sehr gespannt, ob Autoren diese Idee aufgreifen, eine quasi „mitkaufbare“ Rezension zu schreiben.

[..]

Was passiert mit einem Essay, wenn er online steht und unmittelbar kommentiert wird, wie Zeitungsartikel oder Blog-Beiträge? Hierfür haben wir ein „Sobooks-Lab“ für Autoren und Verlage;sie sollen experimentieren und an der Entwicklung teilhaben. Geplant sind auch Autorenabonnements, so dass Autoren über die Community ihrer Abonnenten neue Ideen entwickeln oder gar unterstützen lassen können.

An der ersten(!) Inkarnation der Social-Komponenten von Sobooks gibt es auf den ersten Blick wenig auszusetzen.

Erstaunlicherweise kommen gemeinfreie Bücher auf Sobooks bis jetzt nicht vor. Mitgründer Christoph Kappes bestätigte mir gegenüber, dass man sich durchaus die (dem Sobooks-Prinzip entsprechend selektive) Aufnahme gemeinfreier Bücher in die Sobooks-Plattform vorstellen kann. Mir scheint, dass man darüber aber noch nicht weitergehend nachgedacht hat.

Der Aufwand sollte sich dank der Vorarbeit von Project Gutenberg in Grenzen halten.

Hier liegen auch Chancen für Social-Reading-Plattformen wie Sobooks und Readmill im Bildungssektor. Entsprechende Gruppenfunktionen vorausgesetzt (also nichtöffentlich, auf gruppeninterne Interaktionen beschränkt), könnten Schulklassen etwa online gemeinsam im Unterricht und in kollaborativen Hausaufgaben direkt im Werk von Goethe, Shakespeare oder Schiller arbeiten und diskutieren.

Update: Christoph Kappes hat mich darauf hingewiesen, dass in den Sobooks Labs mit Franz Kafkas “Der Prozess”  ein gemeinfreies Buch zu finden ist. /Ende des Updates

Fazit

Amazon ist ein globaler Konzern, der seit Jahren seine Gewinne in neue Geschäftsfelder reinvestiert. Dem muss man sich bewusst sein, wenn man mit Amazon konkurrieren will. Besonders wenn es um einen Markt geht, der von Amazon verhältnismäßig geringe Investitionen verlangt. Die Übernahme von Goodreads mag die Branche erschüttert haben. Die vermuteten 150 Millionen US-Dollar, die Amazon dafür bezahlt haben soll, sind Peanuts für das Unternehmen, bedenkt man die strategische Bedeutung. Zum Vergleich ein paar Zahlen: Amazon-CEO Jeff Bezos hat persönlich 100 Mio. $ mehr für die Washington Post bezahlt. Amazon hat 2010 etwa für 540 Mio. US-Dollar Diapers.com übernommen. Zappos wurde mit Amazon-Aktien mit einem damaligen Gegenwert von umgerechnet 807 Mio. $ übernommen. Weit über 175 Millionen $ hat Amazon in LivingSocial investiert. Goodreads, die größte Community im Buchbereich: 150 Millionen US-Dollar.

Stellt man dem die Investitionen in Sobooks gegenüber, wird deutlich dass bei dem deutschen Dienst sehr viel kleinere Brötchen gebacken werden und man sich doch nicht richtig auf den direkten Kampf mit Amazon einlassen will. Christoph Kappes laut Buchreport:

Laut Kappes liegt das bisherige Investitionsvolumen im sechsstelligen Bereich, nehme man das Arbeitsvolumen hinzu, sei die Summe siebenstellig.

Es ist natürlich nicht grundsätzlich notwendig, in der gleichen Höhe wie ein etablierteres Unternehmen Investitionen zu tätigen, um mit diesem erfolgreich zu konkurrieren können. In diesem speziellen Fall verlangt der Hardwarehintergrund, siehe die Ausführungen zum Medienbruch, allerdings leider eine investitionsintensivere Herangehensweise als Sobooks (oder etwa auch Readmill) bis jetzt bereit ist zu gehen oder gehen kann. Das lässt sich unter Umständen mit Kooperationen, wie oben beschrieben, abfangen. Aber solang diese nicht kommen, wird der Erfolg beschränkt sein.

Social Reading ist ein spannendes Feld und Sobooks hat interessante Ansätze geplant. Aber Sobooks fehlt aktuell die Ausstatttung und vielleicht auch der Wille, um langfristig gegen Größen wie Amazon erfolgreich sein zu können.

Ein “Post-Amazon-Konzept” kann man erfolgversprechend nur angehen, wenn man bereit ist, auf der gleichen Ebene wie Amazon zu spielen. Den Eindruck macht Sobooks leider noch nicht.

Amazon zwang Diaperscom mit automatisiertem Preisdumping in die Knie

Amazon hat eine Abteilung, die “Competitive Intelligence”, die konkurrierende Unternehmen beobachtet und dafür massenhaft Produkte bei diesen bestellt. Als diese Abteilung auf Diapers.com aufmerksam wurde, begann Amazon seinen M&A-Prozess. Zu diesem gehörte über Algorithmen automatisch an die Preise von Diapers.com angepasste Amazon-Preise, die jene ersteren unterboten.

Das kann nur ein Unternehmen von der Größe Amazons machen, das außerdem Anteilseigner hat, denen kurz- und mittelfristige Gewinne (noch) egal sind.

Bleibt die Frage, wie lang es noch dauern wird, bis bei Amazon die Regulierer anklopfen.

AllThingsD berichtet von diesem Vorgehen in einem Artikel über ein neues Buch über die Geschichte von Amazon:

Stone explains how Amazon has a secretive unit — dubbed Competitive Intelligence — responsible for ordering large quantities of goods from competitors to analyze their businesses. This division eventually became aware of Diapers.com and its parent company Quidsi, and dispatched M&A chief Jeff Blackburn to initiate acquisition discussions.

Quidsi’s founders originally rebuffed acquisition offers from Amazon. So Bezos’s Amazon sent them a message, Stone explains:

“Soon after, Quidsi noticed Amazon dropping prices up to 30 percent on diapers and other baby products,” Stone writes. “As an experiment, Quidsi executives manipulated their prices and then watched as Amazon’s website changed its prices accordingly. Amazon’s pricing bots — software that carefully monitors other companies’ prices and adjusts Amazon’s to matc — were tracking Diapers.com.”

Diapers.com revenue growth eventually slowed under Amazon’s pricing pressure, and the founders engaged in acquisition talks, agreeing to a $540 million buyout.

As Stone tells it, Walmart eventually made Quidsi a better offer of $600 million, but it was too late by then.

“The Quidsi executives stuck with Amazon, largely out of fear,” Stone writes.

(Hervorhebung von mir)

Angst erscheint mir nicht wie eine gute Basis für eine künftige erfolgreiche Zusammenarbeit.

Wir hatten 2010 auf Exciting Commerce auch auf den der Übernahme vorhergehenden Preiskrieg verwiesen:

Beobachter halten die Bewertung für vergleichsweise niedrig und führen dies auf den von Amazon im Vorfeld gestarteten Preiskrieg zurück:

“What is perhaps most surprising about the deal is the seeming low-ball acquisition price of $540M for a rumored $300M revenue rate ( just a 1.8x revenue multiple.)

There are reports that Amazon was cutting out the legs of Diapers.com by selling diapers at a loss.”

US-Buchmarkt: Self-Publisher erzeugen doppelt so viel Umsatz wie klassische Verlage

Update: Die Aussage im ersten Zitat und in der Überschrift scheint so wohl nicht zu stimmen.

Warner hat die unten zitierte Textstelle geändert. Jetzt steht auf e-books-news.de: “Wie es in Zukunft aussehen könnte, verrät der vom Beratungsunternehmen herausgegebene „State of Independence“-Report: das potentielle, bisher unausgeschöpfte Marktvolumen liege bei 52 Milliarden Dollar, und damit etwa doppelt so hoch wie der aktuell von klassischen Verlagen erzeugte Umsatz.”

Er führt die inhaltlich signifikante Änderung seines Textes leider nicht aus. (und macht sie auch nicht kenntlich.) Den Report selbst habe ich nicht gelesen, weil er kostenpflichtig ist. Dank für den Hinweis an Markus Spath.

/Ende des Updates

Ansgar Warner auf e-book-news.de:

Eine schlichte Nachricht, doch sie hat es in sich: „Traditionelle Methoden, mit denen die Größe des Buchmarktes gemessen wird, haben den Einfluss der Self-Publishing-Bewegung bisher verdeckt“, so James O’Toole, Chef von New Publisher House. Wie es wirklich aussieht, verrät der vom Beratungsunternehmen herausgegebene „State of Independence“-Report: mit einem jährlichen Volumen von 52 Milliarden Dollar erzeugen selbstverlegte Titel in den USA doppelt so viel Umsatz wie alle Verlagstitel zusammen. Selbst wenn man Reprint und gemeinfreie Klassiker herausrechnet, werden via Self-Publishing acht mal mehr Titel verlegt als auf klassischem Weg. Die Zahl der Independent-Autoren übersteigt die der Verlagsautoren sogar um das 100-fache.

Ein wesentlicher Grund für die rasante Geschwindigkeit des Wandels ist auch Amazon als Verkaufsplattform.

Auch interessant:

Die Verlagsbranche, so der Report, leidet an diesem Umbruch gleich doppelt, denn im Verlauf des Strukturwandels gefeuerten Mitarbeiter werden als selbständige Verlagsdienstleister und Startup-Gründer „ironischerweise zum Wettbewerber ihrer früheren Arbeitgeber“. Die dankbarste Klientel dabei: Self-Publisher. Denn die Independent-Szene professionalisiert sich, der Bedarf an „professional publishing services“ vom Cover-Layout über das Lektorat bis zum Marketing soll alleine in der ersten Hälfte des Jahres 2013 um mehr als 50 Prozent gewachsen sein.

Diese Entwicklung wird so nicht nur in der Buchbranche stattfinden.

Vertikalisierung nach Amazon-Art: Offlinevideos, Goodreads-Integration & Support auf OS-Ebene

Amazon erlaubt künftig für einige Titel seines Videostreamingangebots “Amazon Instant Video” Offline-Konsum:

Amazon’s new line of Kindle Fire HDX tablets will let Prime Instant Video users* download some movies and TV shows to their devices, for free, for up to 30 days, so they can watch without an Internet connection. Once they start watching a particular title, they’ll have 48 hours to finish.
That’s a feature no other U.S. subscription-streaming service currently offers. And it might prove very handy for travelers, or anyone else who wants to watch something on a laptop or tablet but doesn’t have access to good broadband.

Das ist zunächst nur für einige Titel verfügbar, weil Amazon für das Zusatzfeature entsprechende Lizenzen erwerben muss.

Es ist bemerkenswert, wie Amazon zum einen Stück für Stück seine Services weiter voranbringt und zum anderen alle eigenen Angebote zusammenbringt. In diesem Fall kommen der Streamingdienst, Amazons Hardware und Tablet-OS (mit neuer Version 3.0) zusammen.

Es stellt sich mit diesen Entwicklungen immer mehr die Frage, wie die deutschen TV-Sender ernsthaft auf die Disruption ihres Heimatmarktes reagieren wollen, wenn Amazon Instant Video, Netflix und co. hier verfügbar werden.

Dass Amazon dieses Feature von den Rechteinhabern bekommt1, macht es praktisch unumgänglich, dass ähnliche Funktionen auch zu den Konkurrenten kommen werden.

In Deutschland ist Amazon Instant Video noch nicht verfügbar. Dafür die Amazon-Tochter Lovefilm, und der Konkurrent Watchever von Vivendi.

Als Randnotiz sei noch auf die weitergehende Vertikalisierung bei Amazon hingewiesen, die sich auch bei der neuen OS-Version bemerkbar macht:

As with the Paperwhite, Goodreads is now built in – or at least it will be by the time 3.1 rolls around. Once that 3.1 upgrade starts rolling out over the air (sometime in mid-November), Goodreads will offer the ability to share quotes, review titles and get recommendations as you're reading the book.

Und, noch spannender, die Integration von Support auf OS-Ebene:

The new feature that had Bezos particularly giddy is Mayday. The button's based in the Quick Settings (also accessible with a swipe), alongside options for Auto-Rotate, Brightness, Wireless, Quiet Time (to shut off those nagging notifications, when you're doing things like reading). The feature bakes a live, human help module directly into the OS (on the HDX, at least – the HD doesn't have a mic to support it). A little box will pop up with a real, live person on the other end. You can see them, but they can only see your screen – and, if prompted, they'll pause their end, so they can't see you do things like entering passwords.


  1. Beziehungsweise teuer einkaufen darf.. 

Amazon Prime: Das größte Bündelungsexperiment der Wirtschaftsgeschichte

Amazon Prime entwickelt sich zum größten und noch dazu erfolgreichsten Bündelungsexperiment der Wirtschaftsgeschichte. Für 79$ im Jahr, also weniger als 6,60$ pro Monat, bekommt man in den USA als Prime-Kunde mittlerweile:

  • Two-Day-Shipping ohne zusätzliche Kosten

  • Einen unbegrenzten Zugang zu Amazon Instant Video, Amazons Konkurrent zu Netflix

  • Die Möglichkeit eines von 350.000 E-Books pro Monat auf der Kindle-Plattform auszuleihen

Amazon Prime ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sich die Skaleneffekte für Plattformen immer weiter steigern lassen, wenn man groß genug denkt und in der Umsetzung erfolgreich ist. Amazon kann einfach immer mehr in das Prime-Universum einbauen und es so attraktiver machen.

Das jüngste Beispiel: Amazon hat seine iOS-App für Prime einem wichtigen Update unterzogen:

Amazon has finally updated the app to support Airplay, enabling Apple fans to now push the movies and TV shows downloaded from Amazon’s expansive library to their Apple TV.

Also included in the 2.1 update is a deeper integration with IMDB, enabling anyone to simply navigate cast lists, trivia, and quotes straight from the app, instead of opening a new window to see if you really did just see a young Bruce Willis sitting in the back of the courtroom during one of the final scenes of Paul Newman’s The Verdict (you did).

Amazon kaufte IMDB 1998. Mehr muss man über die langfristige Ausrichtung von Amazon eigentlich nicht wissen.

Ich halte Amazon Prime für die wichtigste Initiative von Amazon. Noch wird es weitestgehend ignoriert.
Das dürfte sich aber bald ändern.
Frédéric Filloux schreibt auf Mondaynote über das Wachstum von Prime:

more than 10m people joined the Prime program (including a couple of friends of mine who quickly dumped their cable subscription — call it collateral damage…) And that’s just the beginning: Amazon expects to reach 25m Prime customers by 2017. Even more interesting: when you cough up eighty bucks a year to use the service, you also tend to buy more, that’s the juiciest psychological facet of the Prime program.

..und Farhad Manjoo über die Auswirkungen auf das Bestellverhalten von Prime-Kunden:

I was recently looking back at my Amazon order history. Before 2006, the year I first signed up for Prime, I placed less than 10 orders per year at the site. Prime completely changed my shopping habits. In my first year with the service, I placed 46 orders. This year my household is on track to quadruple that.

Filloux:

These macro level numbers confirm the success: the Amazon Prime customer spends much more than a regular one: $1224 (€930) vs. $524 (€400) per year. Furthermore, Prime accounts for one third of Amazon’profits[..]

Das ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf, der es konkurrierenden Onlinehändlern zumindest immer schwerer machen wird. Aber das trifft nicht nur auf diese zu: Auch konkurrierende E-Book-Plattformen und Streaminganbieter geraten in einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf mit einem Koloss namens ‘Amazon Prime’.

Amazon-Verlage setzen Buchverlage preislich unter Druck

Amazon setzt mit seinen eigenen Verlagen und damit seinen eigenen Inhalten Buchverlage preislich unter Druck. Eine naheliegende Plattformtaktik.

Buchreport:

Aktuell sind im deutschen Amazon-Shop rund 100 ins Deutsche übersetzte Amazon-Crossing-Titel verfügbar, darunter über 50 E-Books im Single-Format (5000 bis 30.000 Wörter). Unter den Autoren sind bekannte Namen wie Jeff Jarvis, Karin Slaughter und Hugh Howey (dessen „Wool“-Saga über Amazon bekannt wurde).

Während die „Singles“ ohnehin niedrigpreisig (ab 0,99 Euro) sind, bietet Amazon selbst opulentere Crossing-Romane, die seit Sommer 2012 auf Deutsch erscheinen, befristet (bis 29. Juli) extrem günstig an: 20 E-Books für je 2 Euro. In der Kindle-Bestsellerliste hat dies dazu geführt, dass die Crossing-Titel bereits das Ranking dominieren: In der Top-10 sind 6 Crossing-Titel für 2 Euro zu finden. Der einzige Top-10-Titel jenseits von 4 Euro: „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes, bei Rowohlt als E-Book für 12,99 Euro erschienen.

Nicht nur bei den Verlagen, die mit den bisherigen Preispunkten zunehmend Schwierigkeiten bekommen, ihre Titel ins Kindle-Ranking – die wichtigste E-Bestsellerliste Deutschlands – zu bringen, sondern auch bei Selfpublishern sorgt die Amazon-Aktion für Kritik.

Den Buchverlagen bleibt nur die Wahl zwischen dem Verzicht auf größere Umsätze  auf dem wachsenden E-Book-Markt, indem sie an ihren (zu hohen, am Print-Markt orientierten) Preisen festhalten, oder sich auf den Preiskampf mit Amazon einzulassen, und damit den Printmarkt zu untergraben.

Amazon spielt Plattformschach. Und es zeigt, dass den Plattformanbietern oft gar nichts anderes übrig bleibt, als in eigene Strukturen (hier Buchverlag) zu investieren, um das eigene Angebot auch gegen die Widerstände der etablierten Unternehmen (und ihrer Wertschöpfungsnetzwerke) voranbringen zu können.

Siehe zu Amazon und den kürzlich gestarteten Amazon Kindle Worlds auch neunetzcast #26 mit Leander Wattig.